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Keine Düngung auf wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedeckten Böden

Betriebe, die auf Antrag die Sperrfrist verschoben haben sind bereits seit dem 16.Januar berechtigt, auf Grünland organische Dünger aufzubringen. Am 01. Februar endet auch für alle anderen Landwirte die allgemeine Sperrfrist für N-haltige Düngemittel, so dass bei günstigen Bodenverhältnissen ab diesem Datum Grünland, Ackergras, sowie Wintergetreide und Winterraps mit Stickstoff versorgt werden können. Grundsätzlich sollte der Ausbringzeitpunkt für die erste N-Gabe so gewählt werden, dass der Stickstoff zum Vegetationsstart zur Wirkung kommt. Dies gilt sowohl für mineralische als auch für organische Dünger. Daneben sind Aspekte der Befahrbarkeit und Bodenschonung zu berücksichtigen. Neben den fachlichen Gesichtspunkten sind aber auch rechtliche Vorschriften zu beachten, auch wenn auf einigen Höfen die Gülleläger gut gefüllt sind.

Bereits seit vielen Jahren sind in der Düngeverordnung Regeln zur Aufbringung von Düngern auf nicht aufnahmefähigen Böden enthalten. Mit der 2017 in Kraft getretenen Novellierung wurden diese Bedingungen konkretisiert.

Grundsätzlich dürfen gem. § 5 Abs. 1 der Düngeverordnung stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel, worunter neben Mineraldüngern auch Gülle, Jauche, Gärreste, Mist und Kompost fallen, nicht aufgebracht werden, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist. Die Regelung gilt für Grünland und Ackerland gleichermaßen und soll der Abschwemmungsgefahr bei nachfolgenden Niederschlägen oder einsetzendem Tauwetter vorbeugen.

Wassergesättigte Flächen

Überschwemmte oder wassergesättigte Flächen dürfen nicht gedüngt werden. Eine Wassersättigung ist daran erkennbar, dass auf freier, ebener Fläche (nicht Fahrspuren) Wasserlachen sichtbar sind oder beim Formen des Bodens (außer Sand) Wasser austritt bzw. die Befahrbarkeit bei frostfreiem Boden nicht möglich ist. Das Ausbringverbot gilt auch für Flächen, bei denen Schmelzwasser aufgrund des im Untergrund vorhandenen Frostes nicht versickern kann. Dank Reifendruckregelanlagen und Verschlauchungstechnik können mittlerweile auch kaum tragfähige Böden befahren werden. Dennoch kann das technisch Mögliche nicht als Legitimation für verbotene Düngung dienen.

Gefrorener Boden

Die Düngung bei gefrorenem Boden ist bei Landwirten beliebt, da sie aus produktionstechnischer Sicht Vorteile bietet: In der Regel sind die gasförmigen N-Verluste gering, es werden keine Spurschäden verursacht und zudem werden die Strassen nicht oder kaum verschmutzt.

Gemäß der neuen Verordnung ist eine Düngung bei gefrorenem Boden allerdings nur zulässig, wenn folgende fünf Bedingungen gleichzeitig eingehalten werden:

  1. der Boden wird durch Auftauen am Tag des Aufbringens aufnahmefähig.
    Damit ist gemeint, dass die oberste Bodenschicht soweit auftaut, dass ein Einsickern des Düngers in den Boden gewährleistet ist.
  2. ein Abschwemmen in oberirdische Gewässer oder auf benachbarte Flächen ist nicht zu besorgen.
    Damit scheiden hängige Flächen nahezu aus, denn der Landwirt muss dafür Sorge tragen, dass auch bei einsetzendem Tauwetter und Niederschlägen kein oberflächiger Abfluss passieren kann. Insbesondere wenn Gülle oder Gärreste mit geringen Trockensubstanzgehalten aufgebracht werden und der Getreidebestand nur schwach entwickelt ist (Spätsaaten) ist ein Abfließen kaum zu verhindern
  3. der Boden trägt durch Einsaat einer Winterkultur oder einer winterharten Zwischenfrucht eine Pflanzendecke oder es handelt sich um Grünland.
    Durch diese Bedingung soll ebenfalls einer Abschwemmung vorgebeugt werden. Mit Pflanzendecke ist eine wachsende Kulturpflanze gemeint, die einen Düngebedarf hat. Abgefrorene Zwischenfrüchte gelten nicht als Pflanzendecke!
  4. Durch das Befahren bei frostfreiem Boden bestände durch das Befahren die Gefahr einer Bodenverdichtung und von Strukturschäden.
    Damit hat der Gesetzgeber die Argumente der Landwirte bzgl. einer bodenschonenden Aufbringung aufgenommen.
  5. Bei gefrorenem Boden dürfen nicht mehr als max.60 kg Gesamt-N je ha ausgebracht werden.
    Durch die Begrenzung soll verhindert werden, dass bei ggf. ungünstigen Bedingungen nach der Ausbringung die N-Verluste in die Umwelt zu groß sind. Die Beschränkung von 60 kg N/ha gilt für die gesamte Dauer der Frostperiode bis der Boden einmal komplett frostfrei ist. Eine Düngung von jeweils 60 kg N/ha bspw. am Montag und nochmal am Dienstag wäre damit nicht zulässig.

Wenn diese fünf Bedingungen eingehalten werden, sind Düngungen zulässig, die die Tragfähigkeit nachts gefrorener Böden ausnutzen, wenn die Flächen im Tagesverlauf aufgrund positiver Temperaturen in den Nachmittagsstunden oberflächig auftauen und die ausgebrachten Düngemittel vom Boden aufgenommen werden können.

Bei Dauerfrost, d. h. an Tagen, an denen der Boden tagsüber an der Bodenoberfläche nicht auftaut, ist eine Düngung nicht zulässig. Informationen über die zu erwartenden Temperaturen sowie Frost- und Auftautiefen können den Agrarwetter-Internet-Seiten des DWD entnommen werden. Letztlich ist zu beachten, dass ein Boden nicht aufnahmefähig ist, wenn nach dem Auftauen eine Wassersättigung zu verzeichnen ist.

Bei Frost Ausnahmen für Mist von Huf- und Klauentieren

Grundsätzlich darf, wie oben dargestellt, auf gefrorenem Boden nur aufgebracht werden, wenn der Boden in Tagesverlauf oberflächig auftaut. Für Mist von Huf- und Klauentieren (Rinder-, Pferde-, Schweinemist…) sowie Kompost und Pilzsubstrate gelten jedoch Ausnahmen. So kann mit den genannten Düngemitteln mehr als 60 kg Ges.-N je ha ausgebracht werden und die Bedingung eines oberflächigen Auftauens muss ebenfalls nicht erfüllt werden. Das bedeutet, dass auch bei Dauerfrost Mist von Huf- und Klauentieren gestreut werden kann, solange eine wachsende Pflanzendecke (Grünland, Winterung oder winterharte Zwischenfrucht) vorhanden ist und keine Abschwemmungsgefahr herrscht. Für Geflügelmiste und feste Gärreste gelten diese Ausnahmen allerdings nicht!

Schneebedeckte Flächen

Bei Schneeauflage war eine Düngung bisher nur dann verboten, wenn die Schneedecke mehr als 5 cm hoch war. Diese Höhenbeschränkung ist komplett entfallen, so dass nunmehr auch bei geringer Schneeauflage keinerlei Düngung mehr zulässig ist. Als Richtschnur für die Praxis kann gelten, dass eine Düngung verboten ist, sobald die Bodenoberfläche wegen des Schnees nicht mehr zu erkennen ist. Da eine Düngung auf schneebedeckten Flächen zu Unverständnis in der Bevölkerung führt und nicht geeignet ist, das Image der Landwirte zu verbessern, muss auch aus diesen Gründen darauf verzichtet werden. Pflanzenbaulich sinnvoll ist es so gut wie nie. Bei nur teilweiser Schneebedeckung eines Schlages (Nordhang, Waldschatten) sind diese Teilflächen bei der Aufbringung auszunehmen.

Jeder Landwirt hat die die Pflicht vor einer Aufbringung von Gülle und anderen stickstoffhaltigen Düngemitteln die Aufnahmefähigkeit des Bodens zu prüfen. Im Zweifel und bei Grenzsituationen (Tageshöchsttemperaturen um 0° C) muss ggf. auf die Ausbringung verzichtet werden. Ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Gewässern ist in jedem Fall einzuhalten. Bei einer Breitverteilung der Gülle beträgt dieser mindestens 4 Meter bis zur Böschungsoberkante.  Werden bodennahe Ausbringtechniken (Schleppschlauch, Schleppschuh, Schlitztechniken) eingesetzt, muss ein 1 m breiter Streifen an der Böschungsoberkante völlig frei bleiben, denn auf diesem Streifen herrscht ein völliges Ausbringverbot! Zwar sind die in Grünlandregionen verbreiteten Entwässerungsgrüppen keine Gewässer in diesem Sinne, dennoch darf auch in die Grüppen keine Gülle gelangen, denn diese würde mit Niederschlägen in die Vorfluter abgeschwemmt werden.

Verstöße gegen die Regelungen sind bußgeldbewehrt und Cross Compliance relevant. Weitere Informationen geben die Mitarbeiter der örtlichen Dienststellen der Landwirtschaftskammer.


Kontakt:
Jelko Djuren
Kontrolle Düngerecht
Telefon: 0441 801-775
Telefax: 0441 801-778
E-Mail:
Tim Eiler
Leiter Sachgebiet Düngerecht
Telefon: 0441 801-735
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:


Stand: 29.01.2019