Die Getreidepreise entwickelten sich im laufenden Wirtschaftsjahr insgesamt enttäuschend und blieben deutlich hinter den Erwartungen vieler Marktteilnehmer zurück. Eine umfangreiche weltweite Versorgungslage dämpfte die Perspektiven für spürbare Preisanstiege und setzte die Notierungen nachhaltig unter Druck. In der Folge verharrten die Preise nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch auf dem niedersächsischen Getreidemarkt auf einem relativ niedrigen Niveau.
Mit Blick auf die kommende Ernte zeichnet sich jedoch eine vorsichtig optimistischere Stimmung ab. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die globale Versorgungslage weniger komfortabel darstellen könnte als zuletzt. Insbesondere die Aussicht auf rückläufige Erträge in wichtigen Anbauregionen sowie Anpassungen in der Fruchtfolge infolge hoher Düngemittel- und Energiepreise befeuern Spekulationen über ein engeres Angebot. Impulsgeber für diese Einschätzung war zuletzt der Bericht des Internationalen Getreiderates, der die globale Getreideproduktion um rund 60 Mio. t nach unten korrigierte. Diese Anpassung richtete den Blick der Marktteilnehmer verstärkt auf die weitere Entwicklung. Entsprechend gespannt wurde der jüngste Bericht des US-Agrarministeriums erwartet, dessen Einschätzungen traditionell eine hohe Bedeutung für die Richtung der internationalen Börsenkurse haben – und damit auch unmittelbar für die Erzeugerpreise vor Ort.

Weizen: Geringere Produktion drückt auf die Versorgung
Der globale Weizenmarkt steht im Wirtschaftsjahr 2026/27 vor einer spürbaren Angebotsverknappung. Nach Einschätzung des USDA wird die weltweite Produktion auf 819,1 Mio. t zurückgehen – ein Minus von knapp 25 Mio. t gegenüber dem Vorjahr. Besonders ins Gewicht fällt dabei, dass die Rückgänge vor allem in wichtigen Exportländern erfolgen. In den USA, der EU, Argentinien und Australien werden deutlich kleinere Ernten erwartet, was die internationale Verfügbarkeit zusätzlich einschränkt.
Auf der Nachfrageseite zeigt sich hingegen nur wenig Bewegung. Der globale Weizenverbrauch wird mit 823,2 Mio. t nahezu auf Vorjahresniveau geschätzt. Während in der EU und in China ein leicht rückläufiger Bedarf erwartet wird, steigt die Nachfrage in Indien deutlich an – um rund 4 Mio. t.
Der internationale Handel geht infolge geringerer Nachfrage aus Nordafrika und dem Nahen Osten um etwa 11 Mio. t auf knapp 212 Mio. t zurück. Die wichtigsten Exportnationen bleiben Russland, die EU, Kanada, Australien und die USA.
Die globalen Endbestände sinken auf 275 Mio. t. Besonders in den USA, der EU und China werden Bestandsrückgänge verzeichnet, während Indien seine Lagerbestände deutlich um etwa 8 Mio. t auf 30 Mio. t aufstockt.
Börsenreaktion:
Die Verknappung der Versorgung wirkte sich unmittelbar auf die Preise aus. An der Euronext legte der September-Kontrakt um mehr als 8 EUR/t zu und erreichte in der Spitze 217,25 EUR/t. Auch in den USA zog der Weizenpreis deutlich an und kletterte auf 679 ct/bu – ein Niveau, das zuletzt vor zwei Jahren erreicht wurde.
Mais: Weniger Produktion trifft auf Rekordnachfrage
Auch der Maismarkt zeigt im neuen Wirtschaftsjahr eine enger werdende Versorgungssituation. Die globale Produktion wird auf 1,295 Mrd. t geschätzt und liegt damit rund 17,3 Mio. t unter dem Vorjahr – bleibt jedoch die zweithöchste jemals erzielte Erntemenge. Rückgänge sind vor allem in den USA, Argentinien, Südafrika, Mexiko, der Ukraine und der Türkei zu erwarten. Demgegenüber stehen steigende Ernten in China, Brasilien, Russland, Serbien und Kenia. Insbesondere China und Brasilien profitieren von ausgeweiteten Anbauflächen und besseren Ertragserwartungen.
Die Nachfrage entwickelt sich weiter dynamisch: Mit 1,315 Mrd. t wird ein neuer Rekord beim globalen Maisverbrauch erreicht. Damit übersteigt der Verbrauch die Produktion um mehr als 19 Mio. t. Zuwächse werden insbesondere in China, Brasilien, Vietnam, Indien und Mexiko erwartet.
Der internationale Handel nimmt leicht zu – um etwa 1 %. Während Länder wie Vietnam, die EU, Mexiko und Ägypten ihre Importe ausweiten, gehen sie in anderen Regionen wie Kenia, Saudi-Arabien oder Algerien zurück.
Die globalen Endbestände sinken deutlich auf 277,5 Mio. t und erreichen damit den niedrigsten Stand seit dem Wirtschaftsjahr 2013/14. Besonders stark fällt der Rückgang in den USA aus, wo die Lagerbestände von 54,4 Mio. t auf 49,7 Mio. t schrumpfen.
Börsenreaktion:
Die sinkenden Vorräte sorgten für eine festere Marktstimmung. Der Juni-Kontrakt an der Euronext schloss mit einem leichten Plus bei 215,50 EUR/t. In den USA stieg der Maispreis auf 480 ct/bu und damit auf den höchsten Stand seit April 2025.
Ölsaaten: Wachstum bei Soja dominiert den Ölsaatenmarkt
Im Gegensatz zu den Getreidemärkten zeigt sich der Ölsaatenmarkt weiterhin expansiv. Für das Wirtschaftsjahr 2026/27 prognostiziert das USDA einen Anstieg der globalen Produktion um knapp 20 Mio. t auf 718,1 Mio. t.
Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die Sojabohne: Die globale Ernte wird auf 441,5 Mio. t geschätzt, nach 427,6 Mio. t im Vorjahr. Die größten Zuwächse kommen aus Brasilien, den USA und Argentinien. Auch bei Sonnenblumen wird ein deutlicher Produktionsanstieg erwartet – insbesondere in der Ukraine, Russland, der EU und Argentinien. Beim Raps nimmt die Anbaufläche zwar um etwa 4 % zu, doch aufgrund normalisierter Erträge steigt die Produktion lediglich geringfügig auf 96,9 Mio. t.
Die Verarbeitung von Ölsaaten wächst weltweit um rund 4 %, insbesondere aufgrund steigender Nachfrage nach Sojaprodukten in den USA, Brasilien, China und Argentinien. Der Export von Sojaschrot nimmt vor allem aus Brasilien und den USA zu. Die globalen Sojabohnenexporte steigen leicht um 2,7 Mio. t, während die Importe auf 188 Mio. t anwachsen. Haupttreiber bleibt China, das seine Einfuhren auf 114 Mio. t erhöht.
Trotz der insgesamt positiven Marktentwicklung gehen die globalen Sojaendbestände leicht auf 124,8 Mio. t zurück, insbesondere aufgrund geringerer Vorräte in den USA und Brasilien. Argentinien bildet hier eine Ausnahme mit leicht steigenden Beständen.
Im Rapsmarkt ergibt sich ein weitgehend ausgeglichenes Bild: Produktion und Verbrauch liegen nahezu gleichauf, sodass die globalen Vorräte auf 12,3 Mio. t anwachsen. Auch in der EU steigen die Lagerbestände leicht auf 2,3 Mio. t.
Börsenreaktion:
Die freundliche Marktentwicklung spiegelte sich auch in steigenden Kursen wider. An der Euronext erreichte der August-Raps mit 522 EUR/t ein Tageshoch. Sojabohnen zogen auf 1226,75 ct/bu an – ein Preisniveau, das zuletzt im Juni 2024 erreicht wurde.
Fazit
Die aktuellen USDA-Zahlen zeigen eine zunehmend differenzierte Entwicklung an den globalen Agrarmärkten. Während bei Weizen und Mais vor allem rückläufige Bestände und eine enger werdende Versorgung die Preise stützen, bleibt der Ölsaatenmarkt durch steigende Produktion und Verarbeitung dynamisch. Für Erzeuger und Marktteilnehmer dürfte das Wirtschaftsjahr 2026/27 damit von erhöhter Volatilität und neuen Chancen geprägt sein.
| WJ 2026/27 | USDA Mai 2026 | Erwartungen | USDA Mai 2025 |
| Weizen | |||
|
Weltendbestände 26/27 (Mio. t) |
275,04 (-) |
280,55 |
265,7 |
|
US-Endbestände 26/27 (bn bu) |
0,762 (-) |
0,820 |
0,923 |
| Mais | |||
|
Weltendbestände 26/27 (Mio. t) |
277,54 (-) |
288,48 |
277,8 |
|
US-Endbestände 26/27 (bn bu) |
1,957 (+) |
1,922 |
1,8 |
| Soja | |||
|
Weltendbestände 26/27 (Mio. t) |
124,78 (-) |
126,08 |
124,3 |
|
US-Endbestände 26/27 (bn bu) |
0,310 (-) |
0,361 |
0,295 |
(-) unter Erwartungen
(+) über Erwartungen
Quelle: USDA/BQCI



