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Mehr Erfolg durch kluge Fruchtfolgen

Webcode: 01045614
Stand: 14.07.2026

Je herausfordernder die allgemeinen Umstände, umso stärker wird über die verschiedenen pflanzenbaulichen Maßnahmen wie Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz, Düngung und vieles mehr diskutiert. So auch momentan, wo steigende Produktionskosten auf geringe Erzeugerpreise treffen und angesichts drohender Einschränkungen bei Pflanzenschutz und Düngung die Anbaupraktiken vieler Kulturen hinterfragt werden. Statt jede der angesprochenen Maßnahmen einzeln auf den Prüfstand zu stellen, ist es aber empfehlenswert, den Blick auf das gesamte Anbausystem, also die Kombination aller Maßnahmen und Instrumente zu werfen.

Fruchtfolge Demoparzellen
Fruchtfolge DemoparzellenKai-Hendrik Howind

Fuchtfolge gestalten

Zentrales Element jedes Anbausystems und ejder Anbauplanung ist die Gestaltung der Fruchtfolge. Sie bestimmt maßgeblich über Anforderungen und Möglichkeiten bei der Gestaltung aller weiteren Maßnahmen. In vielen Regionen haben sich über die Jahre wiederkehrende Fruchtfolgemuster entwickelt, die stark durch äußere Bedingungen wie Boden- und Klimabedingungen aber auch durch betriebliche Bedürfnisse (Futterbedarf bei Tierhaltung, Substraterzeugung für Biogasanlagen) sowie die ökonomischen Absatzmöglichkeiten beeinflusst wurden. Vielfach ist es dabei im Laufe der Jahre zu betrieblichen und regionalen Spezialisierungen auf ökonomisch besonders vorzügliche Kulturen und Anbaufolgen gekommen, wodurch die Kulturartenwahl oftmals eingeschränkt und Anbauabstände auch bei sensiblen Kulturen verkürzt wurden. Wie stark sich die verschiedenen Kulturen hinsichtlich ihres pflanzenbaulich optimales Anbauabstandes unterschieden, kann Abb. 1 entnommen werden.

Anbaupausen einhalten

Anbauabstände verschiedener Kulturen
Anbauabstände verschiedener KulturenKai-Hendrik Howind
Roggen oder Mais weisen beide eine hohe Selbstverträglichkeit auf und könnten zumindest kurzfristig auch mehrfach hintereinander ohne größere Probleme angebaut werden, jedoch ist dies nach GAP Konditionalitäten Verordnung nur beim Roggen möglich, während beim Mais wie bei allen anderen Kulturen spätestens im dritten Anbaujahr ein Fruchtartenwechsel erfolgen muss. Bei den weiteren Getreidearten sind Anbaupausen von mindestens einem Jahr pflanzenbaulich von Vorteil, während bei Raps und Rübe mindestens zwei, besser drei oder mehr Jahre Anbaupause anzustreben sind. Auch bei Kartoffeln werden aus gesamtbetrieblicher Sicht oftmals Anbaupausen von drei Jahren empfohlen, aus rein pflanzenbaulicher Sicht wären auch noch weitere Abstände mit sechsjährigen Fruchtfolgen denkbar. Bei den allgemein als sehr empfindlich hinsichtlich Anbauabständen geltenden Leguminosen zeigt sich die Sojabohne am robustesten, während die Erbse gerne sieben oder mehr Jahre Pause zwischen dem wiederholten Anbau auf der gleichen Fläche benötigt. Nur durch Einhaltung dieser Anbaupausen kann der Etablierung von Fruchtfolge-Schaderregern wie der Kohlhernie oder Zystennematoden wirkungsvoll begegnet werden, denn direkte Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es in der Regel nicht. Sortenresistenzen sind zwar in begrenztem Maß verfügbar, unterliegen aufgrund der oftmals monogenen Vererbung aber besonders der Gefahr des Resistenzbruch und sollten daher nicht als Universallösung angesehen werden. Daher sollte bei der Fruchtfolgegestaltung auch die Wahl der Zwischenfrucht gut überlegt sein, da Arten aus den gleichen Familien wie die Hauptfrüchte ebenso als Wirt für die genannten Erreger fungieren und somit zur Verbreitung führen. Auch wenn momentan nicht zweifelsfrei geklärt ist, wie sich dies bei Mischungen verschiedener Zwischenfruchtarten aus verschiedenen Familien verhält, sollte hier vorsorglich gehandelt werden und beispielsweise Kreuzblütler in Fruchtfolgen mit Raps oder Leguminosen bei gleichzeitigem Anbau als Hauptfrucht nicht in der Zwischenfrucht enthalten sein.

Sommerung und Winterung im Wechsel

Neben diesen direkten Schadwirkungen enger Anbauabstände, führen unausgewogene Verhältnisse zwischen Sommerungen und Winterungen weiterhin zu erheblichen Problemen im Bereich des Unkrautmanagement. Hohe Anteile Winterungen fördern Herbstkeimer wie Ackerfuchsschwanz oder Windhalm, während Sommerungslastige Fruchtfolgen häufig Probleme mit klassischen Frühjahrskeimer wie Hirsearten aufweisen. Da bei vielen dieser Unkräuter und Ungräser Herbizidresistenzen nachgewiesen sind und sich in der Fläche verbreiten, sollten einseitige Selektionen von Unkrautarten unbedingt verhindert werden. Der alte Leitsatz, dass Fruchtfolgen anzustreben sind, die einen möglichst permanenten Wechsel von Sommerungen und Winterungen sowie Blatt- und Halmfrüchten bieten, hat vor diesem Hintergrund nichts an Aktualität verloren.

Doch auch die direkte Vorfrucht-Nachfrucht Paarung kann entscheidend zum Erfolg von Anbausystemen beitragen. So kann der vielfach zitierte, aber schwer zu definierend hohe Vorfruchtwert einiger Kulturen nur erfolgreich genutzt werden, wenn die Folgefrucht die guten Voraussetzungen, die von der Vorfrucht hinterlassen werden (z. B. Bodengare, unterbrochene Infektionszyklen, Nährstoffnachlieferung) auch entsprechend nutzen kann. Diese Ausnutzung wiederum hängt entscheiden vom Standort sowie den Boden- und Klimaverhältnissen ab. Während hohe Stickstoffgehalte nach der Ernte von beispielsweise Leguminosen oder Raps auf schweren Böden mit geringer Auswaschungsgefahr auch von einem folgenden Wintergetreide oftmals noch genutzt werden können, so sollte auf leichteren Standorten mit höherer Gefahr von Nährstoffverlagerungen lieber der Anbau von Kulturen mit hoher N-Aufnahme im Herbst (Zwischenfrüchte, Raps) folgen, um den Vorfruchtwert effektiv nutzen zu können. Ein Beispiel hierfür ist in Abb. 2 dargestellt.

Versuch zu Anbausystemen in Raps
Versuch zu Anbausystemen in RapsKai-Hendrik Howind

Aus den mehrjährigen Untersuchungen der Universität Kiel am Standort Hohenschulen (mittlere Lehmböden mit 45 bis 60 Bodenpunkten) geht hervor, dass es beim Winterraps weder ertraglich, noch hinsichtlich der notwenigen Stickstoffintensität signifikante Unterschiede zwischen verschiedenen Bodenbearbeitungssystemen oder einer um eine Sommerung erweiterten Fruchtfolge gab. Wurde der Raps hingegen nach einer Leguminose (Ackerbohne) angebaut, so konnten höhere Erträge erzielt werden und das N-Optimum sank in Folge der guten Ausnutzung des Reststickstoffs im Herbst. Zu beachten ist bei solchen Anbaufolgen jedoch einerseits das Risiko von Infektionen mit Sclerotinia sowohl bei Raps als auch bei den Leguminosen und andererseits die schwierige Bekämpfung von Ausfallraps in Leguminosen durch das begrenzte Herbizid Angebot.

Angepasste Anbauplanung
Dass es auch in der Praxis bereits zu Verschiebungen bei den individuellen Kulturenfolgen gekommen ist, zeigt Abb. 3. Auf Basis der Invekosdaten aus den Agraranträgen wurde für die zurückliegenden Jahre auf Schlagebene der Anbau des jeweils aktuellen Jahres mit dem Vorjahr verglichen und somit der Anteil der verschiedenen Vorfrüchte ermittelt.

Vorfrüchte Mais
Vorfrüchte MaisKai-Hendrik Howind
Vorfrüchte Weizen
Vorfrüchte WeizenKai-Hendrik Howind

Beim Winterweizen wird deutlich, dass der in vielen Ackerbauregionen lange Jahre aus überwiegend betriebswirtschaftlichen Gründen standardisierte Anbau von Stoppelweizen, also der Folge von Weizen auf Weizen, deutlich an Bedeutung verloren hat. Stattdessen rücken Vorfrüchte wie Mais und Raps stärker in den Fokus, während der Anbau nach Hackfrüchten (Kartoffel und Zuckerrüben) relativ konstant bleibt. Letzteres ist vor dem Hintergrund der Ausbreitung der Schilflgasflügelzikade besonders zu beachten und wird später noch einmal besonders betrachtet.

Beim Mais hingegen sind die Entwicklungen nicht so eindeutig. Zwar steigt der Anteil, der nach Kartoffeln oder weiteren Blattfrüchten (Zuckerrübe, Leguminosen, Raps) angebaut wird, aber auch der Anteil, des Maises, der in Selbstfolge steht, verbleibt nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau.

Wie eingangs erwähnt, kann die Fruchtfolge dabei nicht isoliert betrachtet werden, sondern steht im Zentrum aller weiteren Aspekte des Anbausystemgestaltung. Entscheidende Wechselwirkungen sind zum Beispiel im Zusammenhang mit der Bodenbearbeitung zu sehen. Die unbestrittenen Vorteile reduzierter oder konservierender Bodenbearbeitungssysteme hinsichtlich Gefügestabilität, Bodenleben und weiteren Faktoren werden oftmals in Literatur und Versuchen beschriebenen höheren Pflanzenschutzaufwendungen gegenübergestellt. Bei angepassten Fruchtfolgen mit entsprechenden Unterbrechungen von Infektionszyklen und keiner einseitigen Selektion von Unkräutern wird dieses Risiko jedoch deutlich minimiert und die Vorteile angepasster Bodenbearbeitungssysteme sowohl hinsichtlich der angesprochenen bodenbiologischen Parameter als auch mit Blick auf die Ökonomie können genutzt werden.

Sonderfälle erfordern Sonderlösungen

Der angesprochene Idealzustand eines permanenten Wechsels von Sommerungen und Winterungen sowie Blatt- und Halmfrüchten ist jedoch nicht in allen Fällen zu erreichen, beispielsweise in Ermangelung anbauwürdiger Sommerungen oder Winterungen. Zudem gibt es Konstellationen, in denen es bereits zum Auftreten Fruchtfolge spezifischer Probleme gekommen ist, wo durch eine gezielte Fruchtfolgesteuerung entgegengewirkt werden muss. Beispiele hierfür:

Starker Ackerfuchsschwanzdruck: mehrmaliger Anbau von Sommerungen hintereinander können den Druck durch verminderten Auflauf und Möglichkeiten zur mechanischen Bekämpfung senken.

Durchwuchskartoffeln: chemisch beste und nachhaltigste Bekämpfungserfolge im Mais. Daher Anbau von Mais nach Kartoffeln sinnvoll.

Erdmandelgras: Durch die rasante Ausbreitung, die hohe Konkurrenzkraft und die begrenzten chemischen Bekämpfungsmöglichkeiten wird dieses Ungras zur immer größeren Bedrohung in vielen Anbauregionen. Daher muss auch hier über Fruchtfolgeanpassungen diskutiert werden. Ein höherer Anteil von Wintergetreide und Reduktion des Hackfruchtanbaus können einer Etablierung durch verringerten Auflauf und bessere Beschattung entgegenwirken, zugleich sind aber die Herbiziden Möglichkeiten im Getreide stark begrenzt. Mehr hierzu auch auf der Homepage der LWK Niedersachsen unter webcode 01044541.

Schilfglasflügelzikade: Ähnlich wie Erdmandelgras stellt die Ausbreitung der sich aus dem Süden und Osten zunehmend verbreitenden Zikadenart durch die Übertragung der bakteriellen Erreger SBR und Stolbur eine enorme Bedrohung für den Anbau von Zuckerrüben und Kartoffeln dar. Alle bisherigen Ergebnisse zeigen, dass in Ermangelung wirksamer chemischer Verfahren nur ein ganzheitlicher integrierter Ansatz über den Verzicht auf den Anbau von Wintergetreide nach Kartoffeln oder Zuckerrüben durch den Entzug von Wurzelmasse als nötiger Nahrungsquelle für die Nymphenentwicklung im Boden am effektivsten die Population der Zikade reduzieren und somit zu geringerem Erregerdruck mit SBR/Stolbur führen kann. Dies betrifft durch die guten Flug- und Entwicklungsmöglichkeiten der Zikaden aber nicht nur den Einzelbetrieb, sondern ganze Anbauregionen und bedeutet in vielen Fällen nicht nur den Wechsel von einem Wintergetreide auf eine späte Sommerung (z. B. Mais oder Sojabohne), sondern bedarf Anpassungen der gesamten Fruchtfolge in den entsprechenden Anbau- und Befallsregionen, was dann wiederum Auswirkungen auch auf die gesamte weitere Wertschöpfungskette hat. So könnte beispielsweise in einer Fruchtfolge aus bisher WW-ZR-WW-Mais zukünftig der Mais nach den Rüben angebaut werden. Dann stellt sich aber die Frage nach den weiteren Fruchtfolgegliedern. Der Weizen in Selbstfolge ist genauso wie die Verengung der Fruchtfolge auf drei Jahre aus pflanzenbaulicher Sicht keine gute Alternative. Hier hängt es dann ganz entscheidend davon ab, welche Kulturen mit welchem Produktionsziel im Betrieb zukünftig oberste Priorität besitzen.

Alternative Kulturen?

Auch die Frage nach neuen Kulturen rückt zunehmend in den Fokus. Aktuell ist hierbei allerdings noch keine Kultur in Sicht, die flächendeckend und ökonomisch wettbewerbsfähig zum Anbau empfohlen wird, da es an entsprechenden Wertschöpfungsketten im vor- und nachgelagerten Bereich fehlt. Abgesehen von kleinflächigen Tastversuchen zum Anbau oder bei guten Erfahrungen mit der Direktvermarktung sollte daher auf die bewährten Kulturen gesetzt werden.

Wie eingangs erwähnt, ist die betriebswirtschaftliche Betrachtung zurecht oftmals ein entscheidender Treiber für die Ausgestaltung von Fruchtfolgen. Dies darf allerdings nicht dazu führen, dass ohne Beachtung pflanzenbaulicher Zusammenhänge und Missachtung von empfohlenen Anbauabstände immer die kurzfristig lukrativsten Kulturen angebaut werden. Sollte es zum Auftreten von Fruchtfolgeschädlingen oder der Selektion schwer bekämpfbarer Unkrautpopulationen kommen, wird dies für die Betriebe meist deutlich teurer als der Verzicht auf maximale Deckungsbeiträge.

Abgesehen von allgemeinen Leitsätzen können konkrete Beratungsempfehlungen nur unter Kenntnis von Betriebstyp und Besonderheiten sowie dem pflanzenbaulichen Status Quo gegeben werden.

Was bleibt dennoch festzuhalten?

  • Wechsel von Halm- und Blattfrüchten sowie Sommerungen und Winterungen nach wie vor anzustreben (z. B. ZR-WW-Mais-WW)
  • Wenn kein permanenter Wechsel erfolgen kann, dann maximal zwei gleiche Folgen

(z. B. WW-Wintergerste-Raps-WW-Mais)

  • In besonderen Situationen gezielt vom Wechsel abweichen, bis wieder stabile Verhältnisse erreicht sind.
  • Kulturartenwahl muss zu Boden- und Klimabedingungen passen
  • Vorhandene Kulturen synergistisch aufeinander abstimmen, statt großflächig auf unbekannte Hoffnungsträger zu setzen