
Dr. Hendrik Führs
Leiter Fachbereich Beratung und Qualitätsmanagement im Gartenbau


Ausgangslage
Der Anbau von Gemüse findet in Niedersachsen überwiegend im Freiland statt. Die Gemüseerzeugung steht mit Blick auf Fragen der Düngung und des Pflanzenschutzes vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig sind substantielle Anpassungen notwendig, um sich auf die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels einzustellen. Zusätzlich fordern die Verbraucher/-innen und der Handel eine Gemüseproduktion, bei der die Aspekte Klimaschutz und Umweltschutz einen hohen Stellenwert haben, bei gleichzeitig hohen Qualitätsstandards und einer kontinuierlichen Lieferfähigkeit. Für die Betriebe sind die Herausforderungen in der Umsetzung neuer, nachhaltiger Maßnahmen und Produktionsverfahren aus personeller Sicht und mit Blick auf die finanziellen Ressourcen häufig größer. Oft ist die Betriebsleitung schon voll ausgelastet, zusätzliche Aufgaben sind zeitlich schwierig zu integrieren.
Ziel des Projektes
Auf Praxisbetrieben werden innovative und noch nicht etablierte Ansätze zur integrierten Produktion von Gemüse demonstriert und Möglichkeiten einer Implementierung über den Einzelbetrieb hinaus erarbeitet. Das Projekt bearbeitet konkret die Bereiche Fruchtfolge, Bewässerung, Pflanzenschutz, Pflanzenernährung und Biodiversität in einer integrierten Art und Weise und unterstützt so einen Transformationsprozess des Freilandgemüsebaus, der die Belange der Umwelt und der Gesellschaft hin zu einer nachhaltigeren Produktionsweise berücksichtigt. Ausgehend von betriebsspezifischen Fruchtfolgen wird der Status quo aller fünf Bereiche erfasst und darauf aufbauend werden geeignete Maßnahmen zur Optimierung der integrierten Produktion abgeleitet. Durch die Auswahl der Betriebe mit unterschiedlichen Anbau- und Vermarktungsstrukturen werden dabei unterschiedliche Boden-Klima-Räume und Kulturen einbezogen sowie die mit den spezifischen Vermarktungswegen verbundenen Anforderungen berücksichtigt.
Projektdurchführung
Das Projekt ist Teil eines Verbundprojektes unter der Gesamtkoordination des Julius Kühn-Institutes. Niedersachsen ist eine Modellregion. Arbeitsschritte und Meilensteine sind:

Leiter Fachbereich Beratung und Qualitätsmanagement im Gartenbau


Beraterin Gemüse/Spargel und Regionalkoordination MuD Integrierter Pflanzenbau Freilandgemüse
MuD „Integrierter Pflanzenbau im Freilandgemüsebau“ präsentiert sich interessierten Besuchern beim 2. Branchentreff und Feldtag Freilandgemüsebau am Gartenbaukompetenzzentrum Gülzow.
Am 08.07.2026 fand der 2. Branchentreff und Feldtag Freilandgemüsebau am Gartenbaukompetenzzentrum der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern statt. Im Rahmen der Norddeutschen Kooperation war auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit dem MuD IBP-FG auf dem Feldtag vertreten.

„Integrierter Anbau in der Praxis – Was wirkt und was ist wirklich praxistauglich?“ Unter diesem Motto waren BesucherInnen des Feldtags dazu aufgerufen, verschiedene Maßnahmen des integrierten Pflanzenbaus in einem Raster anzuordnen. Im Fachgespräch wurden die Hintergründe näher beleuchtet:
„Warum schätzen Sie diese Maßnahme als wenig wirksam ein?“
„Wo sehen Sie Probleme in der praktischen Umsetzung?“
„Welche dieser Maßnahmen setzen Sie bereits in Ihrem Betrieb um und welche würden Sie gerne einmal ausprobieren?“
Spielerisch konnten so im entspannten Gespräch erste Eindrücke und der Blick aus der Praxis zum Thema Integrierter Pflanzenbau im Gemüsebau eingefangen werden – wichtige Impulse für die Startphase des Projekts.
Zitate Teilnehmer:
„Technik wie der Spot-Sprayer und der Laser macht man nicht nebenbei. Da braucht man jemanden der dafür brennt, der Bock darauf hat und sich intensiv damit beschäftigt.“ (Betriebsleiter)
„Jeder Betrieb kann und sollte Zwischenfrüchte anbauen. Auch wenn es für den Gemüsebau nicht die „Top-Mischung“ gibt, es ist eine wichtige Maßnahme und die Durchführung ist nicht komplex.“ (Betriebsleiter)
„Ich bin erstaunt, wie sicher und kompetent die Praktiker die Maßnahmen einordnen können. Da ist ganz viel Wissen und Erfahrung vorhanden.“ (Wissenschaftler)
Der Branchentreff bot zudem eine gute Vernetzungsmöglichkeit mit weiteren Akteuren des Projektkonsortiums aus anderen Bundesländern: Das Julius Kühn-Institut, die Regionalkoordination der Kammer NRW sowie Vertreter des Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften (IGZ) waren ebenfalls vor Ort.

Und natürlich der Feldtag selbst bot jede Menge fachlichen Input für das MuD. Viele Themen und Fragestellungen des integrierten Anbaus wurden und werden bereits am GKZ bearbeitet.
Highlight und Besuchermagnet war die Technikvorstellung. Moderne, teils autonome Techniken zur Unkrautbekämpfung mittels Spot-Sprayer, Laser, Hacke, Striegel oder Strom zeigten den zunehmenden Einzug von Hightech im Gemüsebau, aber auch die Herausforderungen des Einsatzes von Sensorik und KI-Technologien.
Vorgestellt wurden außerdem (Öko-)Sortenversuche bei Zwiebeln, Knollensellerie und Artischocken sowie Untersuchungen zum Einfluss der Anzuchtmethode auf die Wurzelentwicklung bei Eissalat (Projekt ToSuGa). Darüber hinaus konnten sich die Besucherinnen und Besucher über Mulchfolien und Multiklimanetz zur Reduzierung von Verdunstungsverlusten, verschiedene Zwischenfrüchte sowie mechanische Unkrautregulierung informieren. Ein Bodenprofil, vorgestellt von Dr. Christel Baum (Professorin an der Universität Rostock), verdeutlichte zudem den Einfluss der Standortbedingungen auf Anbauplanung und Kulturführung, insbesondere im Hinblick auf das Thema Zwischenfrüchte.
Insgesamt ein spannender Tag mit viel fachlichem Input, modernster Technik und zahlreichen Möglichkeiten des Austauschs mit Praxis, Wissenschaft und Beratung.
Weitere Infos zum Feldtag gibt es unter: 2. Branchentreff und Feldtag Gemüsebau
Das MuD „Integrierter Pflanzenbau im Freilandgemüsebau“ möchte gemeinsam mit Gemüsebaubetrieben innovative Maßnahmen des integrierten Pflanzenbaus in der Praxis testen und etablieren.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) sucht im Zuge des Modell- und Demonstrationsvorhabens „Integrierter Pflanzenbau im Freilandgemüsebau“ (MuD IPB FG) nach motivierten Gemüsebaubetrieben in Niedersachsen, die Interesse haben verschiedene Maßnahmen des integrierten Pflanzenbaus in der Praxis zu erproben, weiterzuentwickeln und für BerufskollegInnen zu demonstrieren.
Rahmenbedingungen:
Bis zum 31.08.2026 muss die formlose Interessensbekundung bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) eingereicht werden.
Das Modell- und Demonstrationsvorhaben wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert und läuft von Mai 2026 bis April 2031. Die LWK betreut im Rahmen des Projektes eine von vier Modellregionen in Deutschland. Die Gesamtprojektkoordination obliegt dem Julius Kühn-Institut, Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und urbanem Grün.