Bezirksstelle Bremervörde

Getreideschädlinge beachten und Nützlinge schonen

Webcode: 01045482
Stand: 28.05.2026

Effektives Schädlingsmanagement im Getreideanbau: Überwachung von Blattläusen und anderen Schädlingen, Förderung von Nützlingen und gezielter Insektizideinsatz zur Ertragsoptimierung.

Aktuelle Situation und Blattlausentwicklung

Im vergangenen Herbst waren in der Regel gute Bestellbedingungen für das Wintergetreide gegeben, lediglich ab Mitte Oktober wurde die Aussaat feuchtebedingt schwieriger. Dennoch konnten sich auch spätere Saaten noch gut etablieren, Auswinterungsschäden sind aufgrund der Schneedecke ausgeblieben. Somit sind in der Regel gut entwickelte Bestände vorzufinden.

Für das Management von durch Vektoren übertragene Getreideviren ist das jährliche Monitoring des Virusbesatzes im Ausfallgetreide eine sehr wichtige Basisinformation zur Einschätzung der Viruslast. Zusammen mit Saugproben aus frühen Saaten (i.d.R. Wintergerstenschläge), die eine Einschätzung der Vektorendichte ermöglichen, kann dann eine gewisse Risikoeinschätzung für den Eintrag von Getreideviren in die Bestände stattfinden. Zusammen mit eigenen Beobachtungen der Blattlausdichte in den Beständen kann dann die Notwendigkeit einer Insektizidmaßnahme im Herbst gut eingeschätzt werden. Im vergangenen Herbst wurden im niedersächsischen Durchschnitt niedrige Werte von 1,34% mit Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV) und 3,55% mit Weizenverzwergungsvirus (WDV) befallener Pflanzen festgestellt. WDV wird allerdings von einer Zikade (Wandersandzirpe – Psammotettix alienus) übertragen, eine Bekämpfung dieses Vektors ist nicht möglich. Neben dem Virusreservoir im Ausfallgetreide ist auch der zunehmende Anbau von Zwischenfruchtmischungen, die Gräser enthalten und somit als sogenannte „Grüne Brücke“ fungieren können, ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Im Herbst fällt regelmäßig rot gefärbter Rauhafer auf, der nach Untersuchung nachweislich Verzwergungsviren in sich trägt. Fliegen dann virusbeladene Blattläuse aus der Zwischenfrucht ins Getreide, können sie das Virus weiterverbreiten.

Bei Bestandeskontrollen im Herbst traten zwar häufig Blattläuse als potenzielle Vektoren in den Beständen auf, der Bekämpfungsrichtwert wurde jedoch nur selten überschritten, so dass vielfach kein Insektizideinsatz notwendig war. Anschließende Bestandesbesaugungen mittels mobiler Insektensauggeräte bestätigten diese Beobachtungen.

Die winterlichen Perioden im Januar und Februar mit Tiefsttemperaturen von bis zu -10 °C und Schneefällen haben nach vielen warmen Wintern erfreulicherweise eine deutliche Vegetationsruhe mit sich gebracht. Diese Witterungsbedingungen haben ein Absterben der Blattläuse in den Beständen bewirkt, bisher wurde noch kein nennenswertes Auftreten von Blattläusen in Winterungen beobachtet. Somit ist von einer holozyklischen Entwicklung der Blattlauspopulation auszugehen, was die Gefahr der Sekundärverbreitung des BYDV deutlich verringert. Die holozyklische Entwicklung der Blattläuse beginnt im Frühjahr ausgehend von ihren speziellen Winterwirten, wie z. B. der Traubenkirsche oder Rosen. Von diesen Winterwirten erfolgt dann der Einflug in die Getreidebestände, wo sich ein erneuter Populationsaufbau vollzieht. Wenn die Läuse den Winter aber direkt überleben können, ist auch von einem höheren Schadpotential auszugehen. Aktuell ist somit durch die verzögerte Entwicklung der Überträger noch eine entspannte Situation gegeben. Zwar waren, insbesondere auf Gerstenflächen, vereinzelt viruserkrankte Pflanzen (Primärinfektionen) in diesem Frühjahr sichtbar, eine größere Gefahr der Ausbreitung bei entsprechender Vektorenentwicklung besteht zum aktuellen Zeitpunkt, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Bestandesentwicklung (sehr frühe Bestände schieben das Fahnenblatt), jedoch nicht mehr.

Blattläuse im Wintergetreide
Blattläuse im Wintergetreide (Foto: Nele Thießen, Bezirksstelle Bremervörde)Lüder Bornemann
Darüber hinaus wurden bereits erste Marienkäfer gesichtet, die bereits als Blattlausgegenspieler in die Populationsentwicklung eingreifen können. Dies könnte vorteilhaft sein, wenn sich bei weiterer Erwärmung die Blattlausentwicklung beschleunigt. In Kürze ist, je nach Witterungsbedingungen und der einhergehenden Entwicklung auf den Winterwirten, mit dem Zuflug geflügelter Läuse von den Winterwirten in die Getreidebestände zu rechnen. Der weitere Populationsaufbau hängt dann neben den Witterungsbedingungen auch vom Nützlingsauftreten ab. Bei warmen Temperaturen sollten die Bestände dann aufmerksam kontrolliert werden. Bis zum Beginn des Ährenschiebens des Getreides gilt die niedrige Vektoren-Bekämpfungsschwelle von 10 % befallener Pflanzen, da die Virusübertragung noch zu Ertragsverlusten führen kann. Auch Sommergetreide ist zu beachten. Bei Überschreiten der Vektoren-Bekämpfungsschwelle sollte eine Insektizidbehandlung mit Pyrethroiden erfolgen. Im weiteren Verlauf des Frühjahrs können Saugschäden an Ähren bzw. Rispen und Blättern des Getreides auftreten, falls die Witterungsbedingungen eine Massenvermehrung begünstigen. Neben den Saugschäden dient auch der ausgeschiedene Honigtau der Blattläuse als Nährboden für pilzliche Erreger. Der Bekämpfungsrichtwert für Blattläuse bei Saugschäden liegt bei 20 % befallene Ähren und / oder Fahnenblätter ab BBCH 51 bis 59 und 50-80 % befallene Ähren und / oder Fahnenblätter ab BBCH 61 bis 75.

 

Weitere wichtige Schädlinge im Getreideanbau

Blattläuse sind aber nicht die einzigen Getreideschädlinge. Im Jahresverlauf treten weiterhin die Sattelmücke und das Getreidehähnchen auf. Weitere wichtige Schädlinge sind die Weizengallmücke und Thripse. Alle vier Schädlinge sind im Mittel der Jahre sicherlich in ihrer Bedeutung geringer einzuschätzen als die verschiedenen Getreideblattlausarten. Sie können aber in Abhängigkeit von Getreideart, Standort, Witterung und Zeitpunkt des Auftretens in einzelnen Jahren auch zu stärkeren Schäden führen. Die regional zunehmende Trockenheit könnte sich allerdings auf die Entwicklung auswirken, insbesondere Sattelmücke und Weizengallmücke sind im weiteren Verlauf auf ausreichende Bodenfeuchte angewiesen.

Intensive Bestandeskontrollen sind also in den kommenden Wochen notwendig, um einen Überblick über das Schädlingsauftreten zu erhalten. In Winterweizen und Sommergetreide ist auf die Sattelmücke zu achten. Sie überwintert als Larve im Boden und verpuppt sich im Frühjahr bei steigenden Bodentemperaturen unter der Bodenoberfläche. Je nach Bodentemperatur schlüpfen die 4 bis 5 mm großen rotgefärbten Mücken ab Mitte Mai oder bei kühleren Temperaturen bzw. trockenen Böden auch erst später und legen pro Weibchen bis zu 200 rostrote Eier in Ketten auf den obersten Getreideblättern ab. Bereits nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven und kriechen in die Blattscheiden. Typisches Schadbild sind die buckelartigen Sättel an den Halmen, hier liegen die Larven. Grundsätzlich hat die Sattelmücke eher eine geringe Bedeutung, kann aber in einzelnen Jahren regional stärker auftreten. Gerade späte Saaten, Stoppelgetreide und geschwächte Bestände sollten ab Mitte Mai auf Eigelege kontrolliert werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 20 % Halme mit Eigelegen. Die Bekämpfung erfolgt mit den zugelassenen Pyrethroiden.

Auch die beiden Getreidehähnchenarten (Rothalsiges und Blaues Getreidehähnchen) treten jedes Jahr wieder im April und Mai in unterschiedlichen Dichten auf, erste adulte Tiere sind bereits in den Beständen zu finden. Die Käfer fliegen aus ihren Winterlagern an Waldrändern und Hecken in die Bestände und legen nach einem Reifungsfraß zwischen 50 und 150 Eier an die Blattoberseiten. Bevorzugte Getreidearten sind Weizen und Hafer. Charakteristisch und leicht zu erkennen ist der Fensterfraß an den Blättern, der oft überbewertet wird. Diesen verursachen die aus den Eiern schlüpfenden Larven, welche in einer Kothülle stecken. Hierbei ist das vierte Larvenstadium für ca. 75% des Schadens verantwortlich. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 1 Larve pro 2 Fahnenblätter. Zur Bekämpfung des Getreidehähnchens stehen einige Pyrethroide zur Verfügung. Regional treten bereits Pyrethroid-resistente Populationen auf, leider sind aktuell keine alternativen Wirkstoffe in dieser Indikation zugelassen.

Eigelege Getreidehähnchen
Eigelege Getreidehähnchen (Foto: Lüder Bornemann, Bezirksstelle Bremervörde)Lüder Bornemann
Rothalsiges Getreidehähnchen
Rothalsiges Getreidehähnchen (Foto: Lüder Bornemann, Bezirksstelle Bremervörde)Lüder Bornemann

Insbesondere im Winterweizen sind mit dem Platzen der Ährenscheide die ca. 2,5 mm großen Gallmücken zu beachten. Beide Arten, die Gelbe und die Orangerote Weizengallmücke, sind schwer zu erfassen. Ihr Auftreten ist regional und in den Jahren unterschiedlich. Die Mücke legt 5 bis 8 Eier an warmen, windstillen Abenden in Weizenblütchen ab. Die aus den Eiern schlüpfenden bis zu 2,5 mm großen gelben oder orangeroten Larven zerstören einzelne Kornanlagen in der Ähre. Für die Bekämpfung der Gallmückenarten sind ebenfalls mehrere Pyrethroide zugelassen. Der effektivste Bekämpfungstermin ist ab Beginn des Ährenschiebens, die Bekämpfungsschwelle liegt bei einer Mücke pro Ähre (gelbe) bzw. 0,5 Mücken pro Ähre (orangerote).

Genannt werden müssen als Getreideschädlinge auch die Thripse, landläufig auch als Gewitterfliegen bezeichnet. Es gibt verschiedene getreideschädigende Arten. Manche siedeln sich in den Blattscheiden an und schädigen dort. Andere Arten verursachen Saugschäden an Blütenspelzen und Fruchtknoten. Das Schadmaß ist in der Regel gering, vereinzelt können aber, insbesondere im Roggen, etwas stärkere Schäden auftreten. Die Bekämpfungsschwelle ist ab dem Ährenschieben mit 5 bis 10 Larven pro Ähre definiert, eine Zulassung zur Bekämpfung hat z.B. Karate Zeon mit der Indikation saugende Schädlinge.

Nützlinge als Gegenspieler der Schadinsekten

Ob Blattläuse im Frühsommer zum Problem werden, hängt maßgeblich vom Zeitpunkt ihres Auftretens und dem Auftreten der Nützlinge ab. Die wichtigsten Nützlinge sind räuberische Insekten. Insbesondere Schwebfliegen, Marienkäfer oder Schlupfwespen können bei einem gleichzeitigen Auftreten ein schnelles Zusammenbrechen der Blattlauspopulationen bewirken. Auch das Getreidehähnchen wird z. B. von Marienkäfern, Florfliegenlarven, Laufkäfern und Raubwanzen vertilgt oder von Schlupfwespen parasitiert. Schlupfwespen parasitieren auch Weizengallmücken und Sattelmücken in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Zur Förderung dieser Nützlinge und auch der Insekten allgemein kann eine Vielzahl von Maßnahmen angeführt werden, die vielfach sogar relativ einfach umzusetzen sind: Der Erhalt und die Pflege von Hecken, Wegrändern, Grabenkanten und Einzelbäumen, die Schaffung von Blühstreifen an ökologisch sinnvollen Orten, die auch als Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität im Ackerbau hilfreich sind.

Marienkäferlarve
Marienkäferlarve (Foto: Nele Thießen, Bezirksstelle Bremervörde)Lüder Bornemann
Diese natürlichen Regelungsmechanismen können durch einen unnötigen bzw. verfrühten Insektizideinsatz gestört werden, da insbesondere die Pyrethroide auch die Nützlingspopulation dezimieren. Unter Umständen kann somit ein verfrühter Insektizideinsatz (Bekämpfungsrichtwert noch nicht überschritten) gegen Blattläuse als Saugschädlinge im Nachhinein sogar eine verstärkte Populationszunahme nach sich ziehen. Daher sind die langjährig bestätigten Bekämpfungsrichtwerte nach Praxis des Integrierten Pflanzenschutzes auf jeden Fall einzuhalten, auch wenn der günstige Preis einiger Insektizide zu „Mitnahmebehandlungen“ verleitet. Sind zum Zeitpunkt des Ährenschiebens Fungizidmaßnahmen notwendig aber nur wenige Blattläuse im Bestand vorhanden, ist auf die Zumischung eines Insektizids unbedingt zu verzichten, da die Wirkungsdauer der Insektizide begrenzt ist und jede unnötige Maßnahme das Risiko einer Resistenzentwicklung erhöht. Vor allem wird dabei die Entwicklung der natürlichen Gegenspieler negativ beeinflusst. In manchen Jahren ist somit eine zeitlich versetzte spätere Bekämpfung notwendig. Ist dann doch eine Maßnahme nach Schwellenüberschreitung angezeigt, sollte möglichst auf selektive Präparate zurückgegriffen werden, um Nützlinge zu schonen. Hierfür ist der selektiv auf Blattläuse und somit vergleichsweise nützlingsschonende Wirkstoff Flonicamid (z.B. Teppeki) als gutes Beispiel zu nennen. Auch Pirimor G und Mavrik Vita / Evure zeichnen sich durch eine gewisse Selektivität bei der Blattlausbekämpfung aus, es werden zumindest einige Nützlingsarten, z. B. Laufkäfer, geschont. Aufgrund der Resistenzentwicklung gegenüber Pyrethroiden sollten diese gegen Blattläuse ab dem Ährenschieben möglichst nicht mehr zum Einsatz kommen.

 

Gestaffelte Bekämpfungsschwellen für Insekten im Getreide

Blattläuse

Saugschäden

ab BBCH 51

bis 59

20 % befallene Ähren

und / oder Fahnenblätter

Blattläuse Saugschäden

ab BBCH 61

bis 75

50-80 % befallene Ähren

und/oder Fahnenblätter

Sattelmücke   BBCH 34 bis 45

20 % Halme mit Eiablage

Weizengallmücke   BBCH 51 bis 61

Gelbe:            1 Mücke / Ähre

Orangerote:    0,5 Mücken / Ähre

Getreidehähnchen   ab BBCH 39 1 Larve auf 2 Fahnenblättern
Thripse   ab BBCH 49 5-10 Larven/Ähre

 

Bekämpfungsmaßnahmen und Resistenzvermeidung

Grundsätzlich gibt es bei der Bekämpfung von Getreideschädlingen noch keine unlösbaren Probleme. Dennoch stehen im schlechtesten Fall durch Witterungsextreme begünstigte Schädlingskalamitäten einer relativ geringen Anzahl an zugelassenen Insektizidwirkstoffen und -präparaten gegenüber. Verschärfend kann sich zukünftig auch die Resistenz von Schädlingen gegenüber bestimmten Wirkstoffen auswirken: So gibt es in Niedersachsen bereits erste bestätigte Fälle von Pyrethroidresistenzen bei der Großen Getreideblattlaus oder dem Rothalsigen Getreidehähnchen.

Verfügbarkeit von Insektiziden

Im Bereich der insektiziden Wirkstoffe sind kurzfristig keine neuen Wirkstoffzulassungen für breite Anwendungen im Ackerbau zu erwarten, dagegen bereiten der Wegfall von Wirkstoffen und die Diskussion um Rückstände in einigen Bereichen Probleme (z.B. Flonicamid, Acetamiprid). Gegebenenfalls könnte mit dem Wirkstoff Flupyradifurone, welcher bereits im Gemüsebau und Zierpflanzen in einigen Indikationen zugelassen ist, wieder eine weitere Wirkstoffgruppe im Ackerbau zugelassen werden. Wirkungsschwerpunkt sind u.a. Blattläuse. Insgesamt sind zugelassene Wirkstoffe sehr begrenzt, gleichzeitig muss das Voranschreiten von Resistenzausbildungen bei Blattläusen oder auch Getreidehähnchen unbedingt minimiert werden. In diesem Zusammenhang ist die Umsetzung des Integrierten Pflanzenschutzes über die Anwendung von Bekämpfungsrichtwerten unumgänglich. Jede auf diesem Wege eingesparte Insektizidmaßnahme ist aktives Resistenzmanagement! Eine Selbstkontrolle über ausreichend große Spritzfenster (z.B. 100 m2) liefert wichtige Informationen zur Wirksamkeit der erfolgten Maßnahmen bzw. zum Populationsaufbau in einer unbehandelten Parzelle.

Empfehlungen zum Insektizideinsatz nach Überschreitung der Bekämpfungsrichtwerte

Um eine Entwicklung resistenter Populationen zu vermeiden, stehen zur Bekämpfung der Blattläuse in allen Getreidearten wirksame Mittel aus drei verschiedenen Wirkstoffklassen, den Pyrethroiden, den Pyridincarboxamiden und den Carbamaten zur Verfügung (siehe Tabelle 2). Bei den Angaben in der Insektizidtabelle ist zu berücksichtigen, dass einzelne Mittel unterschiedliche Zulassungen haben und die Anzahl der maximal zugelassenen Anwendungen des gleichen Mittels in Abhängigkeit des zu bekämpfenden Schaderregers variieren kann.

Mittel aus allen Wirkstoffklassen erfassen unabhängig von ihrer Wirkungsweise frei sitzende Blattläuse (z.B. in der Ähre) gut bis sehr gut. Ein Insektizideinsatz erst nach Erreichen von Bekämpfungsschwellen in Verbindung mit einem konsequenten Wirkstoffwechsel auch in aufeinander folgenden Jahren vermindert das Resistenzrisiko maßgeblich. Verdeckt sitzende Blattläuse sind allerdings deutlich schwieriger zu bekämpfen. Insbesondere die Bleiche Getreideblattlaus siedelt bevorzugt auf den Blattunterseiten. In so einer Situation sind Mittel mit einer reinen Kontaktwirkung, also die Pyrethroide, überfordert. Insbesondere ein Pirimor G mit seiner intensiven Dampfphase kann auch diese tiefsitzenden Blattläuse sehr schnell und sicher erfassen. Alternativ kann auch der Wirkstoff Flonicamid, welcher neben Teppeki mittlerweile über mehrere Präparate verfügbar ist, eingesetzt werden. Während nach Anwendung von Pirimor G in kürzester Zeit fast alle vorhandenen Blattläuse abgetötet werden, setzt die Wirkung bei Teppeki langsamer ein. Die Wirkungsdauer ist aber im Vergleich zu 2-3 Tagen bei Pirimor G mit über 14 Tagen deutlich länger. Durch die systemische Wirkweise werden auch versteckt sitzende Läuse erfasst. In blühenden Beständen ist allerdings die B2-Einstufung zu beachten. Bei gleichzeitigem Auftreten von Blattläusen und Getreidehähnchen zum Zeitpunkt der Getreideblüte bietet sich der Einsatz von z.B. Mavrik Vita 0,2 l/ha an.

Übertragen auf eine mögliche Bekämpfungsstrategie unter Berücksichtigung der Resistenzvermeidung ergeben sich somit folgende Empfehlungen:

Indikation Virusvektoren Herbst und Frühjahr:

        → Pyrethroideinsatz

Indikation Sattel- und Gallmücken, Getreidehähnchen in BBCH 39 bis 55:

        → Pyrethroideinsatz

Indikation Blattläuse als Saugschädlinge in BBCH 55 bis 69:

        → Teppeki 140 g/ha (Wirkung länger anhaltend)

        → Pirimor G 200 g/ha (sehr gute Knock-down Wirkung, keine Dauerwirkung)

 

Natürlich müssen zu jedem Zeitpunkt alle mittelspezifischen Auflagen bzw. Anwendungsbestimmungen sowie der Bienenschutz und die Wartezeit berücksichtigt werden!

Bei Pirimor G sind zusätzlich folgende Anwendungsbestimmungen zu beachten:

  • NG362-1:      Auf derselben Fläche innerhalb eines Kalenderjahres und den 3 darauffolgenden Kalenderjahren keine zusätzliche Anwendung von Mitteln, die den Wirkstoff Pirimicarb enthalten.
  • NG362-2:      Die Gesamtaufwandmengen je Hektar und Jahr sind flächengenau in geeigneter Form zu dokumentieren; die Aufzeichnungen sind mindestens 4 Jahre aufzubewahren.

Bei allen Pyrethroiden ist die Kennzeichnungsauflage NN410 (Das Mittel wird als schädigend für Populationen von Bestäuberinsekten eingestuft. Anwendungen des Mittels in die Blüte sollten vermieden werden oder insbesondere zum Schutz von Wildbienen in den Abendstunden erfolgen) zu beachten! Präparate mit dieser Auflage dürfen zudem nicht auf Ackerflächen in Naturschutzgebieten oder in FFH-Gebieten (nur, wenn das FFH-Gebiet gleichzeitig auch den Naturschutzstatus innehat) appliziert werden. Darüber hinaus sind die Anwendungsbestimmungen der Präparate zum Schutz von Saumbiotopen zu beachten (NT-Anwendungsbestimmungen, Verzeichnis regionalisierter Kleinstrukturanteile)!

Die Getreidebestände sollten bei ansteigenden Temperaturen intensiv auf Getreideschädlinge kontrolliert werden. Unter Berücksichtigung der genannten Bekämpfungsschwellen ist gegebenenfalls ein gezielter Insektizideinsatz durchzuführen. Bei der zur Auswahl stehenden Mittelpalette der Insektizide haben sich in den letzten Jahren kaum Veränderungen ergeben.

Neben den in den Artikeln bzw. Tabellen genannten Präparaten mit einer deutschen Zulassung gibt es so genannte parallel gehandelte Pflanzenschutzmittel. Diese sind in einem Mitgliedstaat der EU oder des EWR zugelassen, stimmen mit einem in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel überein und sind als parallel gehandelte Pflanzenschutzmittel von der Zulassungsbehörde genehmigt. Eine Liste der verkehrsfähigen.

Parallelimporte ist im Internetangebot des BVL verfügbar:
http://www.bvl.bund.de/DE/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/04_Parallelhandel/psm_Parallelimporte_node.html