2026 steht international im Zeichen der Landwirtinnen. Die Vereinten Nationen haben das Jahr zum „International Year of the Woman Farmer“ erklärt – ein guter Anlass, die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft genauer zu betrachten. Wie ist die Qualifikation von Frauen und in welchen Bereichen arbeiten sie? Und wie sind Frauen in den Führungsrollen als Betriebsleiterin vertreten?
Frauen übernehmen sehr unterschiedliche Rollen und teilweise sogar mehrere Rollen zeitgleich: Sie sind mithelfende Familien-Arbeitskräfte, kümmern sich um das Agrarbüro, helfen im Stall und auf dem Feld, schmeißen den Haushalt, sind Mütter oder Pflegeassistenten und übernehmen zudem oft soziale Aufgaben- häufig mehrere Tätigkeiten gleichzeitig. Trotz dieser zentralen Bedeutung werden Höfe relativ selten von Frauen geleitet. Obwohl Frauen maßgeblich zum Erfolg landwirtschaftlicher Betriebe beitragen, bleiben sie in zentralen Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert.
Beschäftigung in der Landwirtschaft

Dabei spielt die betriebswirtschaftliche Ausrichtung der Betriebe eine große Rolle. Der Frauenanteil bezogen auf die Arbeitskraft-Einheit ist besonders niedrig in Ackerbaubetrieben (22 %) und der Veredelung (23 %). In Betrieben mit Dauerkulturen (32 %) und im Gartenbau (47 %) ist der Frauenanteil deutlich höher.
Frauen in Führungspositionen
Das Ungleichgewicht wird verdeutlicht durch die Betrachtung der Betriebsführung: Niedersachsenweit werden lediglich 10 % der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geleitet. Mit einer deutlichen Tendenz: je größer die Betriebe, desto geringer ist der Anteil der Betriebsleiterinnen. Der Anteil der Betriebsleiterinnen bei Betrieben über 50 ha liegt bei 5 %. Die Haupterwerbsbetriebe werden in Niedersachsen über alle Betriebsformen und -größen nur zu 7 % von Frauen geleitet (im Nebenerwerb 14 %). Im Vergleich dazu sind bundesweit 29 % der Führungskräfte im Jahr 2023 weiblich.
Mit diesen Zahlen gehören wir im EU‑Vergleich zu den Schlusslichtern – im europäischen Durchschnitt liegt der Anteil weiblicher landwirtschaftlicher Betriebsleitungen bei 32 %. Er ist innerhalb von 15 Jahren sogar um rund 5 Prozentpunkte gestiegen. Länder wie Litauen oder Lettland kommen auf 45 %, die Niederlande nur auf 6 %.
Die Aussagen zu Betriebsleitungen sind nicht gleichzusetzen mit der Eigentumsfrage. Eine amtliche Statistik, die Eigentum an landwirtschaftlichen Flächen nach Geschlecht systematisch erfasst, gibt es in Deutschland nicht.
Ausbildung und Studium: Frauen auf dem Vormarsch
Mit der Berufswahl wird ein Grundstein gelegt. In Ausbildung und Studium sind Frauen auf dem Vormarsch. Bundesweit gibt es 31.644 Auszubildende in den 14 „Grünen Berufen“ (2024). Der Frauenanteil liegt über alle Berufe bei 26 % - mit Unterschieden je Fachrichtung. So waren 88 % der Auszubildenen im Beruf Pferdewirt/in weiblich, während der Frauenanteil unter den angehenden Fachkräften für Agrarservice bei 4 % lag. Diese beiden Berufe bilden jedoch die Minderheit. Erheblich mehr jungen Menschen entscheiden sich für den Beruf Landwirt/in, die Frauenquote beträgt hier sogar 23 % - ein Anstieg mit erkennbarem Trend.
Im Studium ist der Frauenanteil noch höher: Im Wintersemester 2024/25 sind bundesweit 13.700 Studierende im Studienfach Agrarwissenschaft/ Landwirtschaft eingeschrieben sind. 48 % der Studierenden sind weiblich.
Traditionelle Vererbungsmuster: Hof wird an den Sohn übergeben

Der Frauenanteil bei den Betriebsleitungen ist oft in familiären Entscheidungen begründet. In Niedersachsen regelt die Höfeordnung (HöfeO) die Hofnachfolge, um landwirtschaftliche Betriebe ungeteilt an einen Erben zu übergeben. Frauen sind mittlerweile erbrechtlich den Männern gleichgestellt, was die Position als Hoferbin oder weichende Erbin betrifft. Doch die Realität sieht anders aus: der Frauenanteil bei der geregelten Hofnachfolge (nur Einzelunternehmen) lag im Jahr 2020 in Niedersachsen bei 17 %, bezogen auf die Haupterwerbsbetriebe nur noch bei 15 %. Trotz positiver Entwicklung in den vergangenen Jahren wirken sich traditionelle Geschlechterbilder und Vererbungsmuster immer noch stark aus. Als stärkster Einfluss kann die Geschwisterkonstellation ausgemacht werden. Bei mindestens einem Bruder sinkt die Wahrscheinlichkeit einer weiblichen Hofnachfolgerin.
Frauen in der Betriebsleitung diversifizieren
Frauen übernehmen strukturell andere Betriebe als Männer: kleinere Betriebe, Betriebe in Stadtnähe oder Betriebe als Personengesellschaften haben tendenziell mehr weibliche Hofnachfolgerinnen. Die Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 belegen, dass von Frauen geleitete Betriebe häufiger Einkommenskombinationen betreiben. Den höchsten Frauenanteil in der Betriebsleitung haben Betriebe mit Pensions- und Reitpferdehaltung als Einkommenskombination, gefolgt von Fremdenverkehr, Beherbergung und Freizeitaktivitäten.
Fazit
In Deutschland steigt der Frauenanteil an der landwirtschaftlichen Betriebsleitung nur langsam. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern liegt Deutschland bei der Frauenquote im unteren Drittel. Es gilt, strukturelle Hindernisse abzubauen, traditionelle Rollenbilder aufzubrechen und Frauen gezielt in der Hofnachfolge zu unterstützen. Eine hohe fachliche Qualifikation von Frauen – sichtbar in Ausbildung und Studium – muss künftig stärker mit Führungsverantwortung und dem Aufbrechen traditioneller Rollenbilder verknüpft werden.












