Die Landkreise Osnabrück und Vechta haben gemeinsam einen Förderantrag für das Projekt „VECHTOS“ eingereicht. Der Antrag erfolgt im Rahmen der PALU-Richtlinie des Bundes, die Teil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) ist.
Mit dem Projekt wird die Transformation der Moorregion Großes Moor / Campemor vorangetrieben. Ziel ist es, langfristig bedeutende Flächen wiederzuvernässen, Torfzehrung zu verringern und Treibhausgasemissionen aus entwässerten Moorböden zu reduzieren. Zugleich wird die landwirtschaftliche Nutzung aktiv mitgedacht: Flächen sollen auch unter veränderten Wasserständen weiter bewirtschaftet werden können - etwa als Nasswiese, durch angepasste Grünlandnutzung, extensive Beweidung oder alternative Anbaupflanzen.
Moorkataster, Dialog und Freiwilligkeit
Das Projektgebiet umfasst rund 5.100 Hektar. Eine wichtige fachliche Grundlage bildet das Moorkataster, das derzeit im Landkreis Osnabrück erarbeitet wird. Die Ergebnisse fließen in „VECHTOS“ ein und helfen, geeignete Bereiche für Wasserstandsanhebungen und Wiedervernässungsmaßnahmen zu bestimmen. Dabei geht es um fachlich sinnvolle, klimawirksame und technisch umsetzbare Maßnahmen, die mit bestehenden Nutzungen und den Menschen vor Ort abgestimmt werden. Das Moorkataster bildet die Grundlage für eine anschließende Betroffenheitsanalyse durch die Landwirtschaftskammer (LWK) und die weitere Maßnahmenplanung.
Viele Moorflächen in der Region werden seit Generationen landwirtschaftlich genutzt. Deshalb setzt das Projekt auf Freiwilligkeit, Beratung und verbindlichen Dialog. Maßnahmen werden gemeinsam mit den betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern entwickelt.
LWK als Fachpartnerin im Moorentwicklungsprozess
Die LWK begleitet diesen regionalen Prozess von Beginn an: 2023 wurde das Thema Moor mit einer Bürgerveranstaltung beim Gasthaus Beinker öffentlich aufgegriffen. Neben vielen weiteren Akteuren sind in dem gebildeten Arbeitskreis die Landkreise Osnabrück und Vechta sowie die Bezirksstellen Osnabrück und Oldenburg-Süd, das Landvolk, das Umweltforum Osnabrücker Land e.V., das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL), die betroffenen Unterhaltungsverbände sowie torfabbauende Unternehmen vertreten. Das Thema wurde seither gemeinsam mit den regionalen Akteuren weiterbearbeitet. Der Arbeitskreis Moor bündelt fachliche Einschätzungen, regionale Erfahrungen und die Perspektiven vor Ort. Auch das Land Niedersachsen begleitet den Prozess konstruktiv und unterstützt das Projekt im Falle einer Bewilligung.
Beitrag zum Klimaschutz und Perspektiven für regionale Wertschöpfung
Das Vorhaben ist auf eine Laufzeit von 13 Jahren angelegt und hat ein Projektvolumen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Vorgesehen sind fachliche Untersuchungen, Maßnahmen zur Wasserstandsanhebung und Wiedervernässung, Beratungs- und Beteiligungsangebote, Ausgleichsregelungen sowie Demonstrations- und Wissenstransferformate für nasse und angepasste Nutzung.
Neben dem Beitrag zum Klimaschutz eröffnet das Projekt Perspektiven für regionale Wertschöpfung. Unter höheren Wasserständen werden alternative Bewirtschaftungsmöglichkeiten praktisch erprobt. Darüber hinaus werden mit alternativen Materialien neue Wertschöpfungsketten in der Region aufgebaut, etwa durch Verarbeitung, Verwertung, Kooperationen und neue Produktketten.
Mit dem Förderantrag wird der begonnene regionale Prozess in eine langfristige Projektstruktur überführt. Nach einer Bewilligung starten die nächsten Schritte mit der Einbindung der Ergebnisse aus dem Moorkataster: Eine Betroffenheitsanalyse und Gesprächen mit Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern werden geeignete Maßnahmen konkretisiert.
Hintergrund: Moorschutz ist natürlicher Klimaschutz
Moorschutz ist ein zentraler Baustein des natürlichen Klimaschutzes. Intakte Moore speichern große Mengen Kohlenstoff dauerhaft im Torfkörper. Werden Moorböden entwässert, gelangt Sauerstoff in den Boden. Dadurch beginnt sich der Torf zu zersetzen; der gespeicherte Kohlenstoff wird als Treibhausgas freigesetzt. Entwässerte Moorböden tragen so trotz vergleichsweise kleiner Flächenanteile erheblich zum Ausstoß klimaschädlicher Gase bei. Die Anhebung und Stabilisierung von Wasserständen ist der entscheidende Ansatz, um Torfzehrung zu verringern und Emissionen zu reduzieren. Wiedervernässte Moore leisten so zugleich einen Beitrag zum Wasserhaushalt, zur Artenvielfalt und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
Grundlage dieses Textes ist eine Pressemitteilung des Landkreises Osnabrück. Der Inhalt wurde überarbeitet, ergänzt und mit freundlicher Genehmigung des Landkreises veröffentlicht.












