Die Winterweizenbestände in der Marsch haben sich je nach Aussaattermin unterschiedlich entwickelt. Jetzt kommt es auf die richtige Fungizidstrategie an.
Ausgangslage 2026
Bis zum 04. Oktober letzten Herbst herrschten für die Aussaat 2025 gute Bedingungen. Anschließende Niederschläge führten dazu, dass auf vielen Flächen in der Marsch keine Bestellung mit Winterweizen mehr erfolgen konnte oder diese unter der Nässe mehr oder weniger stark litten. So präsentieren sich nunmehr im Frühjahr die bis zum 04. Oktober bestellten Flächen im Allgemeinen recht ordentlich, während viele spätere Saaten eine geringere Bestandesdichte und verzögerte Entwicklung vorzeigen.
Entgegen dem Trend der letzten Jahre kam es im Winter 2024/25 als auch im aktuelle zurückliegendem Winter 2025/26 bei niedrigeren Temperaturen und zahlreichen Nachtfrösten zu einer gewissen Vegetationsruhe, womit die Entwicklung der Pflanzen unterbrochen wurde. Erst mit den wärmeren Tagen ab Mitte / Ende Februar endete diese Vegetationsruhe. Infolge der anschließenden kühleren Tage ist die Entwicklung aber noch sehr verzögert.
Die Septembersaaten befinden sich vor allem in der nordwestlichen Küstenregion von Niedersachsen jetzt Anfang April in den meisten Fällen noch im Bestockungsstadium, bzw. kurz vor dem Schossen. Die Halme sind meistens noch nicht aufgerichtet. Nur auf wenigen Fläche ist der 1. Knoten teilweise fühlbar (EC 31). Die Oktobersaaten liegen hier, wie auch die Bestände allgemein in der östlichen Küstenregion, in der Entwicklung mehr oder weniger zurück.
In den Winterweizenbeständen auf der Marsch sind auf den älteren Blättern je nach Sorte und Saattermin ältere Symptome von Septoria Blattdürre (Septoria tritici) und Braunrost (Puccinia triticina) zu finden. 
Nur mit gesunden Blättern kann die Getreidepflanze ausreichend große Ähren mit vielen großen Körnern bilden, wobei hauptsächlich die obersten drei Blätter hierzu beitragen. Die Ergebnisse unserer zahlreichen Versuche zeigen, dass eine sehr frühe Behandlung vor dem Stadium BBCH 31 gegen Blattkrankheiten wie z.B. Septoria oder Roste nicht notwendig ist. Von daher beginnen viele Fungizidstrategien mit dem Erscheinen des dritten Blattes von oben (F -2), was in dem Übergang von Ein-Knoten zum Zwei-Knoten-Stadium geschoben wird, bzw. vorhanden ist.
Gerade die Feststellung dieser Entwicklungsstadien ist für eine Fungizidstrategie von entscheidender Bedeutung, da alle eingesetzten Mittel nur eine begrenzte Wirkungsdauer aufweisen. Bei ungünstiger Terminierung können schon zwei bis drei Behandlungen erforderlich werden, um die ertragsrelevanten Blätter jeweils lückenlos zu schützen. Treten dann in der Blüte noch nennenswerte Niederschläge auf, die eine Bekämpfung von Ährenfusarien erforderlich werden lassen, wären dann je nach Sorteneigenschaft im ungünstigsten Fall mindestens drei Maßnahmen gegen die pilzlichen Erreger notwendig. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unterstreichen dadurch die gesünderen Sorten im Weizenanbau deutlich ihre Bedeutung.
In den zurückliegenden zwei Jahren spielte auf der Marsch die klassische Blattkrankheit Septoria tritici kaum eine Rolle und auch Gelbrost trat selten auf. Damit war der frühe Befallsdruck mit Blattkrankheiten eher gering. Erst später im Frühjahr kam es vor allem in anfälligen Sorten zu Braunrostinfektionen, die je nach Sorteneigenschaft auch ertragsrelevant waren.
Bei entsprechender Witterung muss aber nach wie vor in der Küstenmarsch Septoria tritici die Hauptaufmerksamkeit geschenkt werden. Unter Berücksichtigung der Sorte und beginnend mit dem Witterungsgeschehen ab BBCH 31/32 (Zwei-Knoten-Stadium) gibt diese Blattkrankheit vorrangig die Entscheidungskriterien für eine angepasste Fungizidstrategie vor.
Seit dem Einsatz von Azolen in der ersten Fungizidbehandlung (BBCH 31/32) hat die typische Halmbruchkrankheit in der Marsch an Bedeutung verloren. Sind aufgrund des geringen Erregeraufkommens oder der Witterung keine Maßnahmen gegen Gelbrost oder Septoria notwendig, sind die Bestände gesondert auf Halmbruch (Verbräunung der Halmbasis) zu kontrollieren. Gerade nach einem nassen Winter ist ein erhöhter Befall mit Halmbruch nicht auszuschließen.
Hilfreich für Entscheidungen ist auch die Nutzung von Prognosemodellen, wie z.B. ISIP (www.isip.de), das Infektionswahrscheinlichkeiten regional darstellt und für einzelne Krankheiten auch komplette Prognosen erstellt.
Fungizid - Strategie 2026
Aktuelles zu Produkten: Auch in diesem Jahr sind neue Fungizid-Produkte auf dem Markt, allerdings mit schon bekannten Wirkstoffen. Mit Ablauf des Patentschutzes z.B. des Prothioconazols (z.B. im Proline enthalten) und Tebuconazols (z.B. Folicur) sind weiterhin viele (neue) Produkte mit diesen Wirkstoffen beim Handel verfügbar, oft mit unterschiedlichen Wirkstoffmengen pro Liter. Es sind aber nicht alle Nachbauten in allen Kulturen einsetzbar. Hier gilt es darauf zu achten, das entsprechende Produkt mit der entsprechenden Zulassung auszuwählen. Einen neuen fungiziden Wirkstoff wird es 2026 nicht geben.
Neben den vielen Nachbauten kommt mit Cayunis ein azolfreies Produkt auf den Markt, mit den Wirkstoffen Bixafen, Spiroxamine und Trifloxystrobin. Es soll zusammen mit Siltra Xpro vermarktet werden, was wiederum neben Bixafen auch ein Prothioconazol enthält. Somit hat dieses Pack eine hohe Wirkstoffaufladung und ist eine Alternative beim Einsatz im Fahnenblatt. Der Wirkstoff Fenpicoxamid (im Univoq) ist 2026 auch in dem Produkt Jessico One verfügbar. Je nachdem, mit welchem Partner es angeboten wird, ist hier ein azolfreie Kombination möglich. Forapro enthält neben dem Prothioconazol auch den mehltauwirksamen Wirkstoff Fenpropidin, was in der Marsch nicht gefordert ist. Cherokee Neo und Padelli sind Produkte, die in ihrer Wirkstoffzusammensetzung dem Input Classic entsprechen, aber zusätzlich im Hafer zugelassen sind. Beide aber leider wie Input Classic im günstigsten Fall mit 15 m Gewässerabstand. Avastel ist eine Fertigformulierung der bisher im Avastel- Pack vermarkteten Mittel Pioli und Soratel, wird 2026 am Markt aber nur begrenzt zur Verfügung stehen. Maganic besteht aus den Wirkstoffen Difenoconazol und Prothioconazol und hat eine breite Zulassung.
Septoria - gering anfällige Sorten:
Bei den gering anfälligeren Sorten (z.B. Informer, KWS Keitum, Kamerad, SU Jonte, RGT Kreuzer, Spectral, WPB Newton, LG Kermit) und bisher keinen sichtbaren Symptomen von Septoria auf den jüngeren Blättern halten wir frühe Bekämpfungsmaßnahmen gegen diese Krankheit auch nach Regenereignissen nicht für zwingend nötig. Hier reicht dann eine Blattabschlußbehandlung ab BBCH 39 mit den Carboxamid / Picolinamid - haltigen Präparaten (Grafik 1). Dabei schätzen wir die kurative, d.h. heilende Wirkung der von uns empfohlenen Fungizide je nach Sorte auf ca. 4 - 7 Tage ein. Somit ist dann spätestens innerhalb einer Woche nach erfolgter Infektion eine Behandlung durchzuführen.
Frühe Rost- oder bei Halmbruchinfektionen sind dabei gesondert zu beachten. Treten Roste früh auf, reicht der Einsatz eines tebuconazolhaltigen Produktes aus (z.B. Orius oder Folicur). Eine Kombination mit Amistar verlängert den Schutz gegen Roste. Gegen Halmbruch empfehlen wir bei Befall ein prothioconazol - haltiges Produkt (z.B. Proline).
Septoria - mittel - bis stark anfällige Sorten: In mittelanfälligeren Sorten (z. B. Winner, Champion, Chevignon, Bergamo, Benchmark, Elixer, Talent) gehen wir nach einer 24 bis 36 stündigen Blattnässedauer von einer Infektion mit Septoria tritici aus. Die anschließende Behandlung mit Revystar (1,0 l/ha) oder Balaya (1,0 l/ha) hat spätestens 4 bis 7 Tage nach einer Infektion zu erfolgen, da nach den Erfahrungen der letzten Jahre in den anfälligeren Sorten der Zeitraum der kurativen (heilenden) Leistung der Fungizide sehr kurz ist (siehe Grafik 2). Bei den stark Septoria anfälligeren Sorten (z.B. Complice, Campesino, Donovan, Reform, Charakter) ist eine Behandlung zwingend direkt nach dem Witterungsereignis umzusetzen (siehe Grafik 3). Mit Balaya erwarten wir neben der Wirkung gegen Septoria auch in diesen Sorten eine vorbeugende Wirkung gegen Roste. Bei akuten Gelbrostinfektionen empfehlen wir zum Behandlungstermin in den hochanfälligen Sorten sowohl dem Revystar als auch dem Balaya ein tebuconazolhaltiges Mittel (z.B. Orius oder Folicur) zuzumischen. Gegen Halmbruchbefall empfehlen wir auch hier ein prothioconazoles Produkt (z. B. Proline).
Ein Folpan - Zusatz (1,5 l/ha) in der Mischung nach einem entsprechenden Regenereignis ist eine zusätzliche Absicherung gegen Septoria, wenn weiterhin Niederschlagswetter gemeldet wird und sich somit ein hohes Infektionsrisiko entwickelt. In Bezug auf die protektive (vorbeugende) Leistung der Fungizide in hochanfälligen Sorten gehen wir in dieser Zeit nach wie vor von einer ca. 7 - 10 Tage anhaltenden Dauerwirkung aus.
Aus Resistenzgründen sollte in der Vegetation nur einmal ein Produkt aus der Wirkstoffgruppe der Carboxamide / Picolinamide eingesetzt werden. Unsere Versuchsergebnisse zeigten den größten Nutzen dieser Wirkstoffgruppe bei einem Einsatz kurz vor dem Ährenschieben auf den vollentwickelten Blattapparat. Daher empfehlen wir, Carboxamid / Picolinamid - haltige Produkte entsprechend den Sorteneigenschaften und Situation nur zur Blattabschlußbehandlung (siehe Grafiken 1 - 3). Ist diese Pflanzenschutzmaßnahme aufgrund des Witterungsverlaufes erst nach dem vollständigen Erscheinen des Fahnenblattes notwendig (BBCH 39 - 51) und es folgt kein Niederschlag während der Blüte des Weizens, ist diese Behandlung schon als Abschlussmaßnahme zu sehen. Nur bei Bedarf kann eine spezielle Fusariumbehandlung in der Blüte des Weizens erforderlich werden.
Der Einsatzzeitraum gegen Ährenfusarium beschränkt sich nach unserer Erfahrung dabei auf maximal 2 Tage vor bis 3 Tage nach der Infektion. Der optimale Zeitpunkt wäre direkt danach, je näher am Infektionstermin desto besser. Von daher gestaltet sich eine chemische Bekämpfung schwierig, zumal sich in der Marsch der potenzielle Infektionszeitraum über 14 Tage erstrecken kann. Die sicherste Möglichkeit eine Fusariuminfektionsgefahr zu minimieren, liegt daher weiterhin in der Art der Bodenbearbeitung (Pflug), der Vorfrucht (kein Mais, kein Weizen) und der Sortenwahl (gering anfällige Sorten).
Die in der Grafik 1, 2 und 3 (s. Dateianhang) aufgeführten Mittel haben bis auf Univoq (5 m) alle bei Einsatz einer Düse mit 90% Abdriftminderung nach Produktzulassung nur den länderspezifischen Gewässermindestabstand einzuhalten. Weitere länderspezifische Regelungen zu Gewässern sind zu beachten (z.B. nach dem Niedersächsischem Wassergesetz (NWG)
3 m bei Gewässern 3. Ordnung, 5 m bei Gewässern 2. Ordnung und 10 m zu Gewässern 1. Ordnung).
Fazit: Der Befall mit Krankheitserregern kann dieses Frühjahr schon früh erfolgen, vor allem in den Septembersaaten. Das Witterungsgeschehen wird dann über den weiteren Krankheitsverlauf entscheiden. Prognosemodelle geben dabei Hinweise zu Infektionszeiträumen und Infektionsverläufen, ersetzen aber nicht die eigenen Beobachtungen im Feld. Vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen ist bei den einzelnen Maßnahmen zwischen den Wirkstoffgruppen und innerhalb einer Gruppe zu variieren. Eine Auswahl von gesünderen Sorten ist der größte Baustein zum Schutz der Pflanzen vor der Auswirkung von Krankheiten und zur Reduzierung von Pflanzenschutzmaßnahmen.












