Nachdem im ersten Teil die wesentlichen Grundlagen zum Sojabohnenanbau erläutert wurden, geht es in diesem zweiten Teil um die Beikrautregulierung mit Hilfe mechanischer Verfahren. Die Soja-Pflanze ist während ihrer Jugendentwicklung gegenüber Beikräutern konkurrenzschwach. Deshalb hat die erfolgreiche Beikrautregulierung eine zentrale Bedeutung für den Anbauerfolg. Direkte Maßnahmen sollten daher konsequent vom Blindstriegeln der Pflanzen bis zum letzten Hack- oder Striegeldurchgang im fortgeschrittenen Jugendstadium durchgeführt werden.

Vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen im Sojaanbau
Fruchtfolgeplanung, Standort- und Sortenwahl leisten einen wirkungsvollen Beitrag zur Beikrautregulierung im Sojaanbau:
- Anbau nach Vorfrüchten die niedrige Rest-Stickstoffgehalte im Boden und darüber einen geringeren Beikrautdruck erwarten lassen (z.B. Wintergetreide)
- Standorte mit hohen Beikrautdruck möglichst meiden
- Standorte mit guter Bodenerwärmung bevorzugen, die einen schnellen Aufgang und eine zügige Jugendentwicklung begünstigen, um einen Wachstumsvorsprung der Soja abzusichern.
- Erst ab einer Bodentemperatur von 10 bis 12°C und in eine möglichst anhaltende warme Witterungsphase aussäen.
- Frohwüchsige Sorten bevorzugen, da sie ein ausgeprägteres Unterdrücken von Beikräutern bewirken.
Verschiedene Faktoren sind entscheidend für den Regulierungserfolg
Die Witterung, die Bodenart, der Bodenzustand sowie die Beikrautarten und deren Entwicklungszustand beeinflussen den Regulierungserfolg. Einen nicht unerheblichen Einfluss hat auch die verwendete Hack- und Striegeltechnik. Ebenso entscheidend ist die Maschineneinstellung, die Arbeitsgeschwindigkeit und die Terminierung der Maßnahmen. Unbeständige Witterungsphasen können die Zeiträume für die mechanische Regulierung erheblich einengen. Günstige Zeitfenster sind deshalb konsequent zu nutzen. Ein zu langes Abwarten ist häufig die falsche Entscheidung, da mit zunehmender Entwicklung der Beikräuter die Regulierungswirkung nachlässt.
Sojaanbau ist Hackfruchtanbau
Abgeleitet aus Versuchsergebnissen der LWK Niedersachsen (ggf. Grafik) gelingt der Sojaanbau als Drillsaat mit üblichen Getreidereihenabstand von rund 12,5 cm und ausschließlichem Striegeleinsatz in der Regel nicht zufriedenstellend. Das Risiko einer zu starken Verkrautung und die damit verbundenen Ertrags- und Qualitätsverluste können sehr hoch ausfallen. Grundsätzlich wird sowohl im ökologischen als auch konventionellen Anbau empfohlen die Sojabohne mit weiteren Reihenabständen anzubauen, um den Einsatz der Scharhacke zu ermöglichen. Die eingeschränkten Möglichkeiten der chemischen Beikrautregulierung sprechen im konventionellen Anbau ebenso für den weiten Reihenabstand. So ist bei Bedarf der Einsatz der Scharhacke möglich. Außerdem kann eine Bodenlockerung für das Wachstum der Sojabohne und für die Aktivitäten der Knöllchenbakterien ausgesprochen förderlich sein. Zur Scharhacke muss flankierend der Striegel integriert werden. Erst der abgestimmte Einsatz von Striegel und Scharhacke sichert den Regulierungserfolg ab.
Welcher Reihenabstand?
Je nach verfügbarer Hacktechnik und Spurweiten im Betrieb kann der Reihenabstand zwischen 25 und 50 cm variieren. Je enger der Reihenabstand, umso früher erfolgt der Reihenschluss, welches wiederum eine bessere Unterdrückung von spät auflaufenden Beikräutern bewirkt. Von weiteren Reihenabstände über 50 cm wird abgeraten, da sie keinen sicheren Reihenschluss mehr gewährleisten. Die beikrautunterdrückende Wirkung durch Lichtentzug nach Reihenschluss ist bei der Sojabohne sehr ausgeprägt. Allerdings verliert sie diesen Vorzug wieder mit Beginn des Laubabwurfs zur Abreife ab September.
Gründliche Saatbettbereitung und exakte Aussaat
Damit Striegel- und Scharhacke erfolgreich und kulturschonend wirken, sind bereits vor der Saat wesentliche Punkte zu beachten:
- Es ist auf eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung, Saatbettbereitung und Aussaat zu achten. Elementar ist ein ebenes, gut rückverfestigtes Saatbett ohne tiefe Schlepperspuren, sowie eine gleichmäßige Tiefenablage des Saatgutes!
- Ist das Saatbett zu grob, sollte nach der Saat die Ackerwalze zum Einsatz kommen. Sie verbessert die Arbeitsweise und Kulturschonung von Hacke und Striegel.
- Die Anzahl der Sä- und Hackaggregate muss aufeinander abgestimmt sein und die Säaggregate sind auf den exakten Reihenabstand einzustellen.
Scheinsaatbett vor der Saat anlegen
Vor der Saat ist die Anlage eines Scheinsaatbetts möglich. Dazu wird etwa 2 bis 3 Wochen vor der eigentlich geplanten Aussaat die Grundbodenbearbeitung mit vollständiger Saatbettbereitung durchgeführt. Dadurch werden Beikrautsamen zügig zum Keimen angeregt. Mit einer nachfolgenden flachen Bodenbearbeitung, beispielsweise mit einem Striegel, Saatbettkombination oder Ultraflachgrubber werden vor der eigentlichen Soja-Aussaat die Beikräuter in ihrem frühen empfindlichen Entwicklungsstadium mechanisch reguliert. Die Anwendung eines Scheinsaatbetts ist abzuwägen, da das Risiko von Wind- und Wassererosion, sowie die Austrocknung des Saathorizontes begünstigt werden können.
Striegeln im Vorauflauf der Sojapflanzen
Die wesentliche Wirkung des Striegels ist das Entwurzeln, Verschütten und Freilegen der noch kleinen Beikräuter vom frühen Fädchen-, Keimblattstadium bis etwa zum ersten Laubblattpaar. Unter diesen Bedingungen sind Wirkungsgrade von über 80 Prozent je Striegeldurchgang möglich. Es darf also nicht zu lange gewartet werden. Konkurrenzstarke Pflanzen wie Weißer Gänsefuß oder Knötericharten lassen sich in späteren Stadien kaum noch sicher regulieren. Nach der Sojaaussaat ist ein Blindstriegeln im Vorauflauf einzuplanen. Bereits wenige Tage nach der Saat kann so die erste Beikrautwelle wirkungsvoll reguliert werden. Durch die Ablagetiefe des Saatguts auf etwa vier cm ist ein Blindstriegeln auch gut möglich. Trockenes, sonniges und windiges Wetter fördern die regulierende Wirkung. Sofern möglich, ist ein zweites Blindstriegeln vor dem Aufgang der Sojabohnen durchzuführen.
Empfindliche Phase im Aufgang beachten
Während der Aufgangsphase ist die Soja striegelempfindlich. Kurz bevor, oder während, die Sojakeimlinge die Bodenoberfläche durchstoßen, sind sie aufgrund der epigäischen Keimung noch nicht vollständig aufgerichtet und entfaltet. Bei unsachgemäßer Striegeleinstellung und zu hoher Arbeitsgeschwindigkeit, können sie schnell abbrechen. Im Zweifel sollte das Striegeln in dieser frühen Phase unterbleiben. Erst wenn die Soja aufgelaufen ist und die beiden Keimblätter voll entwickelt sind, kann vorsichtig mit dem Striegeln begonnen werden. Bevorzugt sollte kulturschonende Striegeltechnik mit indirekt gefederten Zinken eingesetzt und die Arbeitsgeschwindigkeit ist auf ca. 2 – 4 km/h anzupassen. Das Striegeln sollte grundsätzlich erst ab dem Spätvormittag mit ansteigenden Temperaturen erfolgen. Der Zelldruck in den Sojapflanzen nimmt im Tagesverlauf ab und sie sind dann elastischer und brechen nicht so schnell ab.
Früh Hacken und Häufeln
In der frühen Auflaufphase ist es kulturschonender statt des Striegels bereits die Scharhacke einzusetzen. Dazu sollten die kleinen Sojapflanzen zusätzlich mit Flachhäuflern oder Häufelscheiben leicht angehäufelt werden (siehe Bild). Der Verschüttungseffekt auf die noch kleinen Beikräuter innerhalb der Kulturreihen ist ausgesprochen wirksam. Die Sojabohnen vertragen das leichte Anhäufeln und Verschütten sehr gut und wachsen schnell wieder aus dem Damm heraus.
Gute Striegelverträglichkeit im Nachauflauf
Haben die Sojapflanzen das erste Laubblattpaar voll entfaltet, verbessert sich die Striegelverträglichkeit deutlich. Das Striegeln ist ab diesem Stadium sehr gut möglich und in der Regel auch sinnvoll. Der Striegeleinsatz ist stets an neu keimenden und auflaufenden Beikräuter auszurichten, sowie mit der Scharhacke im Wechsel einzusetzen.
Einsatz der Scharhacke
Mit der Scharhacke sollte so flach wie möglich gearbeitet werden. Die Beikräuter ganzflächig abzuschneiden, muss jedoch stets gewährleistet sein. Eine zu tiefe Bearbeitung bringt verstärkt Beikrautsamen in Keimstimmung und kann zur Beschädigung der Sojawurzeln und zu Trockenstress führen. Zudem kann die Erosionsgefahr zunehmen. Auch in den folgenden Wachstumsstadien ist ein Häufeln möglich. Bei Bedarf können die flachen Dämme durch den Striegel in einem späteren Arbeitsgang wieder eingeebnet werden.
Diagonal oder quer zur Särichtung striegeln
Beim Einsatz der Hacke werden die Beikräuter zwischen den Sojareihen vergleichsweise sicher reguliert. Dagegen kann sich in den unbearbeiteten Bereichen innerhalb der Sojareihen schnell ein hoher Beikrautbesatz aufbauen. Der Striegel ist dann eine ideale Ergänzung zur Scharhacke. Besonders durch Striegeln diagonal oder quer zur Särichtung lässt sich diese Verkrautung wesentlich besser regulieren, als in Särichtung zu fahren. Versuche der LWK Niedersachsen zeigten einen bis zu 50 Prozent höheren Regulierungserfolg je Überfahrt, gegenüber dem Striegeln in Särichtung. Pflanzenschäden durch die Schlepperräder sind nicht auszuschließen, daher sollte mit geringem Reifeinnendruck oder Pflegebereifung gefahren werden. Der hohe Regulierungserfolg gleicht diesen Nachteil aber wieder aus.
Striegelintensität beachten
Zu vermeiden ist ein zu häufiges und intensives Striegeln der Sojabohnen. Ab etwa mit Erscheinen des vierten Laubblattpaares, bei einer Wuchshöhe von ca. 15 bis 20 cm, sollte das Striegeln reduziert, oder besser zum Abschluss gebracht werden. Neben Wachstums- und sogar Abreifeverzögerungen führten in Versuchen der LWK Niedersachsen zu intensive Striegeleinsätze dazu, dass die Sojabohnen sich nach dem Striegeln nicht mehr gerade aufrichteten, sondern „S-förmig“ weiterwuchsen. Dadurch sind negative Auswirkungen auf die Standfestigkeit und die Beerntbarkeit nicht auszuschließen.
Regulierung innerhalb der Kulturreihen
Das Hauptaugenmerk muss auf die Regulierung innerhalb der Sojareihen gelegt werden. Der Einsatz des Zinkenstriegels quer oder diagonal zur Särichtung, oder das sehr frühe Häufeln, ist als eine wirksame Möglichkeit bereits erläutert worden. Zur Beikrautregulierung innerhalb der Sojareihen können auch Zusatzwerkzeuge an der Scharhacke wie Torsionszinken, Rollstriegel, oder Fingerhacke die Regulierungswirkung wesentlich unterstützen.
Die rotierende Fingerhacke wird über den Boden angetrieben und arbeitet jeweils von beiden Seiten in die Pflanzenreihe hinein. Sie ist auf nahezu allen Böden einsetzbar. Die Einstellung muss sehr genau erfolgen, um Kulturschäden zu vermeiden, die auch ertragswirksam sein können. Ein Einsatz ist ab dem ersten, voll entwickelten Laubblattpaar möglich. Die Torsionszinken arbeiten von beiden Seiten vibrierend mit einem flachen Anstellwinkel nahe an der Kulturreihe. Die Neigung und der Abstand zur Kulturpflanze sind verstellbar. Beikräuter werden entwurzelt, verschüttet, oder freigelegt. Einsatzbeginn ist etwa das erste Laubblattpaar. Der Regulierungserfolg sowie die Kulturverträglichkeit sind besonders auf lockeren, sandigeren Böden gut.
Grenzen des Häufelns beachten
In der frühen Entwicklungsphase bis etwa 25 cm Wuchshöhe verträgt die Soja das Anhäufeln ausgesprochen gut. Bei Bedarf können die flachen Dämme auch wieder abgestriegelt werden. Das Häufeln als spätere Abschlussmaßnahme vor dem Reihenschluss wird dagegen kritisch gesehen, da Erntebehinderungen durch den angehäufelten Boden und eventuell auch Steine wegen der erforderlichen tiefen Führung des Scheidtisches des Mähdreschers zu befürchten sind. Zudem besteht die Gefahr, dass mit der Erde auch Beikrautsamen stärker aus dem Zwischenraum an die Sojareihen gehäufelt werden, die dann eine Spätverkrautung begünstigen können. Es ist zu beachten, dass die Beikräuter innerhalb der Sojareihen nicht zu weit entwickelt sein dürfen, damit sie durch das Häufeln noch vollständig verschüttet werden. Das betrifft besonders den Weißen Gänsefuß und Knötericharten. Sind sie bereits so weit entwickelt, dass sie durch die Häufelwerkzeuge nicht mehr vollständig mit Erde bedeckt werden, besteht das Risiko, dass sie im Wachstum sogar begünstigt werden und die Sojapflanzen überwachsen können.
Fazit
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