Beim Öko-Sommerhafer sind in diesem Jahr die Erträge und Qualitäten in den Öko-Landessortenversuchen überwiegend durchwachsen ausgefallen. Trockenheit und Hitzeperioden haben sich beim Sommerhafer in einigen Anbauregionen negativ auf Qualitäten und Ertrag ausgewirkt. Neben niedrigeren Hektolitergewichten weisen die Analysen kleinere Körner und höhere Spelzenanteile auf. Die extreme Hitze im Juni stoppte die Kornfüllung und es kam zu einer verfrühten Abreife. Die Öko-Versuchsstandorte in Schleswig-Holstein waren davon weniger betroffen als die Versuche in Niedersachsen und Hessen.
Den Hafermarkt im Blick behalten
Im vergangenen Jahr wurde eine überdurchschnittliche Haferernte eingefahren, die zu gut gefüllten Lagerstätten führte. Diese Hafermengen konnten bis zur Ernte 2026 allerdings nicht gänzlich verarbeitet werden. Entsprechend fallen die gegenwärtigen Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr niedriger aus. Die Schälqualitäten vieler Haferpartien sind in diesem Jahr unterdurchschnittlich und müssen auf großkörnige Partien aufgereinigt werden. Das setzt flankierend die Erlöse unter Druck. Die Übermengen der alterntigen Ware sind, oder werden stetig abgebaut und der Haferanbau dürfte auch für 2027 interessant bleiben. Um die Anbaufläche nicht zu überziehen, ist die Marktentwicklung weiterhin im Blick zu behalten und dabei die Vermarktungsmöglichkeiten mit der aufnehmenden Hand abzustimmen. Eine Absicherung der Vermarktung über Kontrakte ist überlegenswert, da freie Mengen oftmals schwieriger vermarktbar sind.
Gute Qualitäten sind gefragt
Neben der Verarbeitung zu Flocken und Gebäck, wird Hafer auch als Rohstoff für Haferdrinks, sowie weitere Verarbeitungsprodukte verwendet. Gefordert werden Haferpartien mit einem hohen Hektolitergewicht von mindestens 54 kg/hl. Daran orientiert sich in der Regel auch die Bildung des Erzeugerpreises. Flankierend legen die Schälmühlen einen großen Wert auf leicht zu entspelzende Körner, mit geringen Spelzanteilen und einer hohen Kernausbeute. Die Spelzanteile sollten nicht über 26 Prozent liegen. Gewöhnlich korrelieren die Kernausbeuten in den Sortenversuchen sehr gut mit den Spelzanteilen, d. h. Sorten mit geringen Spelzanteilen erreichen in der Regel sehr gute Kernausbeuten. Zudem sind bei der Sortierung großkörnige Partien gefragt, da kleine Haferkerne schwieriger schälbar sind.
Sommerhafer braucht Wasser
Beim Sommerhaferanbau besteht oftmals die Ungewissheit, ob die geforderten Qualitätsansprüche sicher erfüllt werden können. Partien mit schwächeren Hektolitergewichten lassen sich nach der Ernte durch Reinigung und großkörnige Siebsortierung noch zu gut vermarktbaren Chargen zusammenstellen. Schon bei der Anbauplanung ist der Einfluss der Standort- und Umweltbedingungen zu berücksichtigen. Um gute Qualitäten zu erzielen, sind Standorte mit gesicherter Wasserverfügbarkeit zu bevorzugen. Die Aussaat sollte nach Möglichkeit zeitig im März erfolgen und bis Mitte April abgeschlossen sein, um eine frühe und kräftige Wurzelausbildung zu erreichen. Spätere Saaten erhöhen das Risiko unzureichender Kornqualitäten deutlich. Eine überlegenswerte Anbaualternative oder Ergänzung zum Sommerhafer ist der Anbau von Winterhafer. Mehrjährige Versuche der LWK Niedersachsen belegen seine Anbauwürdigkeit. Zudem lassen sich höhere Qualitäten erzielen. Weitere Informationen zum Öko-Winterhaferanbau
Sortenwahl
Ein wesentlicher Parameter zur Absicherung der Qualitäten beim Sommerhafer ist die Sortenwahl. Dazu ist in erster Linie auf die zuvor genannten Qualitätseigenschaften der Sorten zu achten. Daneben sollte auch die Ertragsstabilität nicht aus Acht gelassen werden. Zudem ist eine solide Standfestigkeit und eine geringe Neigung zum Halmknicken zu berücksichtigen. Da der Hafer aufgrund seines Pflanzenhabitus dichte Bestände bilden kann, ist eine geringe Mehltauanfälligkeit ein weiterer Auswahlparameter.
Gute Aussaatbedingungen
Die Aussaatbedingungen waren für den Haferanbau im Frühjahr 2026 optimal. Die Böden trockneten zügig ab und es konnten so vielfach frühe Saaten im März realisiert werden. Das anhaltend trockene und kühle Frühjahr bremste anfänglich die Mineralisierung von Nährstoffen, insbesondere von Stickstoff und auch das Wachstum der Bestände. Erst ab etwa Mitte Mai führten Niederschläge zu einer Entspannung bei der Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit. Das verbesserte die Pflanzenentwicklung deutlich. Die Hitzephasen im Juni setzten dem Hafer offenbar zu und wirkten sich nachteilig auf Ertrags- und Qualitätsbildung aus. Durch beständige Witterungsphasen gab es zur Abreife und Ernte keine Qualitätseinbußen. Vereinzelt wurde aus der Praxis von Mutterkornbefall beim Hafer berichtet, was äußerst selten vorkommt. Vorrangig werden Fremdbefruchter wie Roggen und Triticale durch den Pilz befallen. Unter sehr feucht-kühlen Witterungsbedingungen während der Blüte, können auch Selbstbefruchter wie Hafer, Weizen oder Gerste betroffen sein. Ein Phänomen was in diesem Jahr tatsächlich häufiger bei diesen Arten vorkam.
Sortenempfehlung zusammengefasst
- Qualitätshafer ist weiterhin gefragt. Die Vermarktungsmöglichkeiten sind mit der aufnehmenden Hand abzustimmen
- Benötigt werden Speisehafersorten mit einem hohen Hektolitergewicht und geringen Spelzanteil.
- Die Sortenwahl hat einen wesentlichen Einfluss auf die Qualitäten. Standorte mit guter Wasserverfügbarkeit und eine frühzeitige Saat sichern flankierend die Qualitäten ab.
- Von den mehrjährig geprüften Sorten mit soliden Qualitätseigenschaften gehören die Sorten Lion, Karl, Asterion, Max und Platin für den Konsumhaferanbau in die engere Wahl.
Die Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Sommerhafer 2026 können am Ende dieses Beitrages heruntergeladen werden.
Ergebnisse zu weiteren Öko-Versuchen und Landessortenversuchen aus den zurückliegenden Jahren finden Sie unter: ISIP
Öko-Saatgut ist vorgeschrieben
Beim Saatgutbezug ist der Sommerhafer in der Datenbank www.organicxseeds.de der Kategorie I zugeordnet. Die Eingruppierung in Kategorie I bedeutet, dass ausreichend Öko-Saatgut dieser Kultur zur Verfügung steht und deshalb keine Einzelgenehmigung zur Verwendung von konventionell erzeugtem Saatgut erteilt wird. Dies bezieht sich auf Anhang II Teil I Nr. 1.8.5.1 der VO (EU) 2018/848 und die allgemeine Genehmigung gem. Anhang II Teil I Nr. 1.8.5.7 der VO (EU) 2018/848. Eine aktuelle Übersicht der verfügbaren ökologisch vermehrten Sorten finden Sie unter www.organicxseeds.de.










