Die Zuckerrübenernten 2024 und 2025 haben eindrucksvoll bewiesen, dass Zuckerrüben besonders in der Lage sind, ihr Ertragspotential auszuschöpfen, wenn die Wasserversorgung ausreichend ist. Große Erntemengen benötigen aber auch hohe Nährstoffmengen. Ihren somit erhöhten Nährstoffbedarf konnten die Zuckerrüben in beiden Ernten aus dem Bodenvorrat decken.

Die Düngebedarfsermittlung für Stickstoff kann unter Verwendung der aktualisierten fünfjährigen Nmin-Werte bereits in den Wintermonaten durchgeführt werden. Eine Anpassung an die aktuellen Nmin-Werte ist nicht mehr erforderlich (webcode 01043781)
Als Basis für die Düngebedarfsermittlung (DBE) kann auch eine eigene Nmin-Probe herangezogen werden. Diese bildet die tatsächlichen Verhältnisse für den Standort und den Witterungsverlauf am genauesten ab und trägt dazu bei, den Stickstoffdünger gezielt im richtigen Maß einzusetzen. Das schützt nicht nur potenziell das Grundwasser, sondern auch das Konto, denn sowohl Ertrags- oder Qualitätsverluste durch eine zu geringe als auch zu hohe Kosten durch eine zu hohe Düngung können bei der Verwendung eigener Ergebnisse vermieden werden. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist es empfehlenswert, auf ein eigenes Ergebnis zurückzugreifen. Werden Zwischenfrüchte angebaut, so ist für den notwendigen Abzug in der Düngebedarfsermittlung die Zwischenfruchtart oder bei Mischungen die Zusammensetzung entscheidend. Legumnisosenhaltige Mischungen führen häufig zu höheren Nmin-Werten als leguminosenfreie Gemenge. Eine entscheidende Rolle spielt zudem, ob die Zwischenfrucht abgefroren ist bzw. ob, wann und wie ihr Wachstum durch Mulchen und /oder Umbruch beendet worden ist. Was auf schweren Standorten Vorteile bringt, kann auf leichten Standorten problematisch sein: hier unterliegt freigesetzter Stickstoff nach einem frühzeitigen Umbruch einer größeren Verlagerungsgefahr bei hohen Winterniederschlägen als der bis zum Frühjahr in der Pflanze gebundene Stickstoff. Aber nicht immer frieren Zwischenfruchtbestände sicher ab. Das trifft manchmal auf Senf und senfhaltige Mischungen zu, und auch Ölrettich zeigt sich häufig nach dem Winter überraschend vital. Spät gesäter Senf stirbt ebenfalls häufig nicht komplett ab. Wurden keine Zwischenfrüchte angebaut, so ist auf leichten Standorten aufgrund der Stickstoffverlagerung eher mit niedrigeren, auf schweren aufgrund der N-Nachlieferung meist mit höheren Nmin-Werten als nach Zwischenfruchtanbau zu rechnen.
Die Tabellenwerte zum Abzug der Stickstoffnachlieferung aus Zwischenfrüchten berücksichtigen, dass ein Umbruch im Herbst bzw. durch das Abfrieren mineralisierter Stickstoff bereits über den Nmin-Wert abgebildet wird (eher höhere Nmin-Werte in dieser Situation, daher kein Abzug). Für nicht abgefrorene und nicht vor Frühjahr eingearbeitete Zwischenfrüchte ist jedoch ein Abzug in Höhe von 20 kg N/ha vorzunehmen. Hierdurch findet die mindestens zu erwartende Nachlieferung Berücksichtigung. Für einen gut entwickelten Zwischenfruchtbestand, der evtl. auch Leguminosen enthält, steht es jedem Landwirt frei, auch einen höheren Abzug vorzunehmen. Besonders leguminosenhaltige Mischungen lassen eine um 10 bis 30 kg N/ha höhere Nachlieferung erwarten als Zwischenfruchtbestände ohne Leguminosen. Bei reinen Leguminosen, seien sie abgefroren oder im Herbst eingearbeitet worden, sind mindestens 10 kg N/ha in Abzug zu bringen. Wurden sie nicht eingearbeitet, kalkuliert die DüV 40 kg N/ha für die Nachlieferung. Als Leguminose zählt eine Zwischenfruchtmischung immer dann, wenn sie mehr als 75 % vom Samenanteil Leguminosen enthält.
Auch eine organische Düngung zur Vorkultur oder zur Zwischenfrucht muss bei der DBE berücksichtigt werden.
Oft kann bereits eine N-Düngung unterhalb des errechneten Düngebedarfes zum Erreichen des Zuckerertragsoptimums führen - wenn die Nachlieferung aus dem Boden entsprechend hoch ist und diese den restlichen Bedarf sicher decken kann. Eine überzogene mineralische N-Gabe erhöht nur die Stickstoffdüngerkosten, nicht aber den Zuckerertrag.
Um die für das jeweilige Anbaujahr optimale N-Düngung möglichst genau zu treffen, wird in Versuchen seit einigen Jahres das Verfahren der Spät-Frühjahrs-Nmin-Beprobung überprüft. Hierbei werden die Zuckerrüben zur Aussaat niedrig angedüngt (120 kg N/ha – Nmin). Im Mai zum 6-Blatt-Stadium, spätestens aber um den 25.05. wird eine weitere Nmin-Probe (0-90 cm) gezogen, deren Ergebnis über eine eventuelle Nachdüngung entscheidet:
- Andüngung der Zuckerrüben auf 120 kg N/ha – Nmin
- Durch eine späte Nmin-Analyse im Mai (4-6-Blattstadium, spätestens 25.05., 0-90 cm) kann überprüft werden, ob das N-Angebot noch ausreichend ist:

Liegt auf leichten Standorten der Nmin-Wert im März bei 20 kg N/ha, so werden immerhin 100 kg N/ha angedüngt. In den Versuchen in 2025 wurde diese Variante aufgrund von Mai-Nmin-Werten in Höhe von 333 kg N/ha in Barum, 302 kg N/ha in Höckelheim und 278 kg N/ha in Koldingen nicht weiter aufgedüngt. Das Zuckerertragsergebnis unterschiet sich in Barum und Höckelheim nicht signifikant von dem der nach Bedarfswert (190 kg N/ha) gedüngten Variante. Lediglich am Standort Koldingen war der Zuckerertrag der Spät-Nmin-Variante signifikant niedriger als der auf Bedarfswert aufgedüngten Variante. In 2024 gab es keinerlei Unterschiede in den Ertragsergebnissen. Weitere Ergebnisse aus den Vorjahren bestätigen die gute Anwendbarkeit dieser Methode.
Organische Düngung zu Zuckerrüben
Die Stickstoffversorgung der Zuckerrüben kann aufgrund ihrer langen Vegetationszeit gut über organische Dünger gewährleistet werden. Die Auswahl ist groß: neben flüssigem Gärrest und Güllen stehen auch aufbereitete Nährstoffträger wie separierte Schweinegülle, separierter Gärrest, HTK sowie Kompost zur Verfügung. In Versuchen konnten sie sich im Vergleich zu mineralischer Stickstoffversorgung gut behaupten; Im Fall von flüssigen Produkten insbesondere bei Unterfußausbringung. Eine mineralische Startgabe in Höhe von 30-60 kg N/ha (je nach Nmin und Standort) unterstützt die direkte Pflanzenversorgung. Bei langjährig organisch gedüngten Böden ist diese häufig nicht erforderlich. Die Mindestwirksamkeiten nach DüV können in Zuckerrüben wenigstens angesetzt werden. Die Dünger-Wirkung nimmt ab, je höher das Mineralisationspotential des Bodens ist, sowohl bei mineralischer als auch bei organischer Düngung. Insbesondere auf Böden mit höheren Tongehalten besteht bei Nässe die Gefahr von Strukturschäden bei der Frühjahrsausbringung. Unter nassen Bedingungen scheidet eine organische Düngung daher aus. Die auszubringende Düngermenge muss anhand der spezifischen Wirtschaftsdüngeranalyse kalkuliert werden. Ein wichtiger Vorteil ist, dass P und K zu 100 % in der Düngeplanung angerechnet werden können. In beigefügtem Artikel finden Sie die Ergebnisse aus zwei Versuchsserien zu organischer Düngung, die in Kooperation mit der ARGE NORD, dem Versuchsansteller für Zuckerrübenversuche der Nordzucker AG und der norddeutschen Zuckerrübenanbauerverbände durchgeführt wurden. Der Artikel ist erstmals in der Zeitschrift Zuckerrübe 2/2025, S. 29 - 34, erschienen.
Phosphor und Kalium zur Zuckerrübe düngen
Die Zuckerrübe dankt eine gute Grundnährstoffversorgung. Es ist daher sinnvoll, die Grunddüngung im Rahmen einer Fruchtfolgedüngung vor dem Rübenanbau durchzuführen.
Phosphor: Die Aufnahme von Phosphat (P2O5) liegt bei insgesamt 18 kg/100 dt Rübenertrag (davon ca. 8 kg/100 dt im Blatt und 10 kg/100 dt im Rübenkörper). Phosphor fördert die Wurzelausbildung und sorgt für eine zügige Jugendentwicklung.
Bei der Bemessung der Düngungshöhe hat es sich bewährt, die Abfuhr der nachfolgenden Frucht, z. B. Weizen, mit einzubeziehen. Weizen entzieht ca. 70 - 80 kg P2O5/ha. Damit beträgt die zusammengefasste Düngung zur Zuckerrübe ca. 140 - 150 kg P2O5/ha und der nachfolgende Weizen benötigt in diesem Fall keine zusätzliche P-Düngung mehr, allerdings ist dann eine P-Bedarfsermittlung für die Fruchtfolge zu erstellen. Bewährte Phosphatdünger sind Triplesuperphosphat (46 % P2O5) und Diammonphosphat (46 % P2O5, 18 % N). Durch die Auswahl N-haltiger P-Dünger kann P oft günstiger eingekauft werden und die Ausbringung erfolgt im Frühjahr direkt zur Rübe. Oftmals konnten auf schlechter mit P-versorgten Standorten positive Effekte einer frischen P-Frühjahrsdüngung beobachtet werden. Phosphat ist im Boden kaum beweglich. Auf Standorten mit nur geringen P – Gehalten ist daher eine Einarbeitung phosphorhaltiger Düngemittel vor der Saat anzustreben.
Kalium: Eine ausreichende Kaliumversorgung dient der Absicherung von Ertrag sowie dem Zuckergehalt und dient der Verbesserung der Trockenheitstoleranz. Kalium stellt mengenmäßig den wichtigsten Nährstoff im Zuckerrübenanbau dar. Der Entzug (= Abfuhr) beträgt bei einem Ertrag von 500 - 600 dt/ha ca. 125 - 170 kg K2O/ha. Der Düngebedarf der Zuckerrübe liegt jedoch bei etwa 290 - 380 kg/ha Kalium, da im Rübenblatt erhebliche Mengen gebunden werden. Phosohor und Kalium aus organischen Düngern können zu 100 % angerechnet werden.
Die Kalidüngung kann auf schweren Böden als Vorratsdüngung auf die Stoppeln im Herbst erfolgen. Auf leichten Böden ist aufgrund der Gefahr der Verlagerung nur die Frühjahrsdüngung empfehlenswert. In trockenen Gebieten hat sich die Frühjahrsdüngung in vielen Versuchen auch auf Lehmböden als positiv erwiesen. Der Kaliumdünger sollte dann vor der Saat eingearbeitet werden. Hierbei darf die Düngermenge jedoch nicht zu hoch gewählt werden, damit es nicht zu Schäden aufgrund hoher Salzkonzentrationen an den jungen Rüben kommt. Größere Mengen Kalium können dann ab dem 4- bis 6-Blatt-Stadium der Rübe ausgebracht werden. Als Kalidünger dominiert Kornkali, der neben 40 % K2O auch 6 % MgO, 5 % Schwefel und 4 % Natrium enthält. Die Kalidüngung sichert somit gleichzeitig den Düngebedarf für Schwefel und Natrium ab. Der Düngebedarf von etwa 30 kg Na/ha kann über die Kalidüngung im Frühjahr abgedeckt werden.
Der Magnesiumbedarf der Zuckerrüben (ca. 80 kg MgO/ha, ertragsabhängig) wird vielfach über die Grunddüngung mit Kornkali und mit Kalkdüngern gedeckt. Sollten die Mengen aus diesen Düngern nicht ausreichend sein, kann zusätzlich Kieserit (25 % MgO, 20 % S) sowie Bittersalz als Blattdüngung eingesetzt werden.
Schwefel: Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Schwefelgabe kann u. a. durch Smin- und Pflanzenanalysen überprüft werden. In der Regel fällt die Schwefelmineralisierung im Boden in denselben Zeitraum wie die Haupt-Nährstoffaufnahme der Zuckerrübe, weshalb in Versuchen keine signifikanten Effekte einer zusätzlichen Schwefeldüngung herausgearbeitet werden konnten.
Spurennährstoffe
Auch die Versorgung mit Spurennährstoffen wie Bor und Mangan ist zur Absicherung von Ertrag und Qualität der Zuckerrüben unerlässlich. Beide Nährstoffe werden über eine Blattdüngung bis zum Reihenschluss verabreicht. Zur Mangelvermeidung sind ca. 300 - 400 g/ha Bor und 250 - 300 g/ha Mangan als Blattapplikation empfehlenswert.
Mit Sorgfalt gesäte und ausgewogen mit Nährstoffen versorgte Zuckerrüben bilden die Grundlage für einen erfolgreichen Zuckerrübenanbau. Trockene Bedingungen können solche Bestände besser überstehen, Wasserüberschüsse wiederum gut in Erträge umsetzen.
Schnell gelesen:
- Optimalen Saatzeitpunkt hinsichtlich Bodenfeuchte und -temperatur abwarten
- Zuckerrüben mäßig mit Stickstoff andüngen
- Durch eigenen Nmin-Untersuchung Mineralisationsgeschehen auf der eigenen Fläche abbilden
- Weiteren Stickstoffdüngebedarf mittels einer Spät-Nmin-Probe ermitteln
- Organische Dünger einsetzen, Stickstoff mindestens zu 50 % bei aufbereiteten Güllen und Gärresten und mindestens zu 70 % bei flüssigen Güllen und Gärresten anrechnen
- Phosphor und Kalium im Rahmen der Fruchtfolge zur Zuckerrübe düngen, hohe Kaliumgaben teilen, P- und K-Gehalte aus Organik zu 100 % anrechnen
- Magnesium und Schwefel werden i. d. R. im Rahmen der Kalidüngung abgedeckt
- Bor- und Mangan- Düngebedarf über Pflanzenanalyse abklären










