Der Umgang mit Pflanzenschutzmitteln gehört zum Arbeitsalltag vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Hier gilt es Risiken für Gesundheit und Sicherheit so gering wie möglich zu halten.
Um Anwender/-innen vor Arbeitsunfällen beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) und der Berufskrankheit „Parkinson durch chemische Pflanzenschutzmittel“ zu schützen, ist die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen unerlässlich. Ebenso betroffen sind Arbeitnehmer/-innen, die nachfolgend Arbeiten in behandelten Kulturen durchführen oder sich im Umfeld von Pflanzenschutzmittelanwendungen aufhalten.

S.T.O.P.! – Sind Sie geschützt?
Das S.T.O.P.-Prinzip: Hierarchische Ordnung der Maßnahmen nach Wirksamkeit
Substitution T.O.P.
- Ersatz gefährlicher durch weniger gefährliche Stoffe
- alternative Verfahren
- integrierter Pflanzenschutz (IPS): Kombination verschiedener Pflanzenschutzmaßnahmen zur Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen und Beschränkung des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel auf ein notwendiges Maß
S.Technische Maßnahmen O.P.
- geschlossene Systeme
- Absaugungen oder Raum-Be- und Entlüftungen
- Schutzkabinen der Kategorie 2 für den Ackerbau
- Kategorie 4 für große Betriebe oder Raumkulturen
- geschlossene Befüllsysteme (CTS)
- Einspülschleusen
- nach Stand der Technik
S.T.Organisatorische Maßnahmen P.
- Einsatz geschulter Sachkundige, sowie deren Fortbildung
- Betriebsanweisungen
- Begehungen
- Wartungspläne für eingesetzte Maschinen und Geräte
- Ablauforganisation: Arbeitszeitregelungen zur Reduzierung der Exposition oder Minimierung wechselseitiger Belastungen
- Planung nachfolgender Kulturarbeiten
S.T.O.Persönliche Maßnahmen
- geeigneter Atemschutz
- Chemikalienschutzhandschuhe
- Schutzanzug
- chemikalienbeständige Schutzstiefel
- richtige PSA nach Einstufung des Gefahrstoffes, der Tätigkeit und Exposition auswählen
- Ausführung der PSA:
(Kleidung: C1/C2 für Standardarbeiten, C3 für Arbeiten mit konzentrierten Mitteln oder Reparaturen; Handschuhe: G2 (Konzentrat), G1 (verdünnt), GR (Nachfolgearbeiten))
Alle Maßnahmen sind entsprechend der jeweiligen betrieblichen Situation im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen und stoff-, arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogen anzupassen.
Über Planung und Vorbereitung zu Pflanzenschutzanwendungen
Im Arbeitsalltag entstehen viele Unfälle durch eine Kombination aus Zeitdruck und Routine – nicht nur beim Pflanzenschutz. Entscheidend für sicheres und kontaminationsfreies Arbeiten sind eine sorgfältige zeitliche Planung, das Lesen der Gebrauchsanweisung und die Vorbereitung aller Schutzmaßnahmen. Dazu gehört auch, mögliche Störungen wie eine verstopfte Düse zu betrachten und festzulegen, wie in solchen Fällen sicher gehandelt wird. Eine verstopfte Düse ist kein ungewöhnlicher Defekt – dennoch führt gerade diese Situation häufig zu ungeschützten Eingriffen. Mit klaren Abläufen lassen sich unerwartete Situationen ruhig, zügig und vor allem sicher bewältigen.
Gemeinsam sicher: Wie aktive Mitarbeiterbeteiligung Prävention stärkt
Das Einbeziehen der Arbeitnehmer/-innen durch den/die Arbeitgeber/-in in Entwicklung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen zeigt Wertschätzung und schafft Vertrauen. Als Anwender/-in ist es bedeutsam, sich die Verantwortung für sich selbst und das Arbeitsumfeld bewusst zu machen, sowie Präventionsmaßnahmen in die Routine des Arbeitsalltags einzubauen. Durch Umsetzung und Rückmeldung zu erarbeiteten Schutzmaßnahmen aktiv an diesem Prozess und dessen Weiterentwicklung teilzuhaben, erweist sich als Mehrwert für alle Beteiligten.
Unterstützung durch die SVLFG
Hilfestellung erhalten Unternehmen u.a. vom Präventionsbereich der SVLFG, z.B. durch individuelle Beratung vor Ort. Weiterführende Informationen sind über die Internetseite SVLFG| Pflanzenschutzarbeiten abrufbar oder den animierten Filmen Sicherer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln - YouTube zu entnehmen.
Das Interview in voller Länge ist unter folgendem Link zu finden: "Jeder Tropfen ist zu viel".
TRGS 500: Schutzmaßnahmen, 5 Rangfolge der Schutzmaßnahmen – "STOP-Prinzip"













