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Welche Siliermittel für Grassilagen?

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Mit Siliermitteln wird die Gärung bewusst beeinflusst. Für ihre Wirkung ist die homogene Verteilung im Gutstrom genauso wichtig wie die passende Mittelwahl, je nach Zielsetzung (Wirkungsrichtung) sowie die Güte der Silierarbeit. Die Investition in bessere Silagequalität, geringere Verluste und guter Futterakzeptanz lohnt sich nachweislich.  

Es ist kein Zufall, dass die Preisträger des Silagewettbewerbes in aller Regel Siliermittel nutzen. Wer hohe Grundfutterleistungen erreichen will, muss gezielt auf die Gärqualität Einfluss zu nehmen. Werden Fehlgärungen und Nacherwärmungen vermieden, bleiben mehr Nährstoffe erhalten und die Trockenmasseverluste gering. Vieles spricht also für eine prophylaktische Anwendung von Siliermitteln bei der Grassilagebereitung.

Basis muss stimmen
Natürlich kann ein Siliermittelzusatz nur dann effizient wirken, wenn Grundregeln beachtet werden und der Grasbestand in einem guten Zustand ist. Lesen Sie dazu mehr in der Ausgabe 18-26.
Nachfolgende Ausführungen konzentrieren sich auf die Produktwahl, die Wirksamkeit im Silo sowie den wirtschaftlichen Vorteil.

Siliermittel Gras
Siliermittel GrasDr. Christine Kalzendorf
Produkt wählen
Vor dem Kauf von Siliermitteln muss klar sein, welches Ziel man mit der Anwendung verfolgt. Besteht das Ziel darin, Fehlgärungen zu vermeiden oder soll in erster Linie die Nacherwärmung verhindert werden. Für die eine oder andere primäre Wirkungsrichtung können sowohl biologische als auch chemische Siliermittel in Betracht kommen, je nach Zusammensetzung. 
Milchsäurebakterienpräparate: Innerhalb der biologischen Präparate ist vor dem Hintergrund zwischen homofermentativen und heterofermentativen Milchsäurebakterien zu unterscheiden. 
Homofermentativen Milchsäurebakterien vergären den Pflanzenzucker vorrangig zu Milchsäure. Diese hat den stärksten Einfluss auf den pH-Wert des Gärfutters. Je schneller der pH-Wert deutlich unterhalb von 4,5 sinkt, desto besser werden Fehlgärungen durch Buttersäurebildner unterbunden.  
Heterofermentative Milchsäurebakterien bilden bevorzugt Essigsäure, indem sie entweder Pflanzenzucker vergären oder auch Anteile der Milch- zu Essigsäure umbauen.  Durch die Essigsäure werden vor allem die Hefen als verantwortliche Startkeime für die Nacherwärmung gehemmt. Für dieses Wirkprinzip ist gleichfalls der TM-Gehalt bedeutsam, denn die Effekte schwächen sich bei zu hohen Welkgraden weit oberhalb von 40 % ab.
Die beiden Beispiele der biologischen Impfkulturen machen die unterschiedliche Wirkungsweise deutlich: Homofermentative Kulturen nehmen Einfluss auf die Gärqualität und sollen damit Fehlgärungen verhindern (hier spricht man auch von Wirkungsrichtung 1), während heterofermentative Milchsäurebakterien die Haltbarkeit der Silage während des Verfütterungszeitraumes verbessern. Dieses wird als Wirkungsrichtung 2 bzw. Verbesserung der aeroben Stabilität bezeichnet. 

Chemische Siliermittel: Mit chemischen Siliermitteln kann ebenfalls entweder direkt auf die Gärqualität oder direkt auf die Haltbarkeit unter Lufteinfluss Einfluss genommen werden. Achten Sie stets auf die stoffliche Zusammensetzung des Produktes, denn diese sind maßgebend für die Wirkungsrichtung. 
Tabelle 1 (siehe angefügte Datei) gibt einen Überblick über die Wirkungsweise der Produktgruppen unter Berücksichtigung der zwei primären Wirkungsrichtungen.

An DLG-Gütezeichen orientieren  
Noch einfacher ist es, die Wirkungsrichtung anhand des DLG-Gütezeichens zu erkennen. Silierzusätze mit DLG-Gütezeichen werden unabhängig geprüft. Bei erfolgreicher Prüfung erhalten die Produkte ein DLG-Prüfsiegel mit der Angabe zur Wirkungsrichtung. 
Auf die Wirksamkeit der Silierzusätze haben darüber hinaus aber auch andere Faktoren Einfluss, wie zum Beispiel der Zustand des Grünlandes inklusive der Grasartenzusammensetzung sowie die Welk-, Silier- und Entnahmebedingungen. All diese Punkte wirken sich auf die Siliereignung des Futters aus (siehe Kasten). 
Noch einfacher kann das richtige Produkt im Voraus auf Grundlage der online-Entscheidungshilfe ausgewählt werden. Das kompakte Wissen zu bestimmten Silierbedingungen wurde von Experten des Bundesarbeitskreis Futterkonservierung in einer online-Anwendungshilfe gebündelt und diesen die jeweils geeigneten Silierzusätze mit DLG-Gütezeichen zugeordnet. Nutzen Sie daher gern den nachfolgend aufgeführten Link auf der DLG-Homepage (DLG Siliermittel) als konkrete Entscheidungshilfe zur Siliermittelanwendung. Alle Abfragen in dem Programm dienen dazu, Ihnen entweder ein Produkt zu empfehlen, welches bevorzugt Fehlgärungen verhindert (Wirkungsrichtung 1) oder Produkte zur Verbesserung der aeroben Stabilität zu benennen (Wirkungsrichtung 2).

Gleichmäßig dosieren
Neben der richtigen Mittelwahl sind für den optimalen Wirkungseffekt von Siliermitteln eine gleichmäßige Verteilung des Produktes im Futterstapel und die Beachtung der vom Hersteller empfohlenen Anwendungsmenge wesentlich. Geeignete Dosiergeräte für die Applikation von flüssigen oder granulierte Silierzusätzen stehen prinzipiell zur Verfügung. 
Am Feldhäcksler kann das Siliermittel über Düsen direkt vor dem Einzug in die Häckseltrommel oder am Auswurfkrümmer appliziert werden. Da biologische Siliermittel keine hohen Temperaturen vertragen, ist darauf zu achten, dass sich die gebrauchsfertigen Siliermittelsuspensionen nicht durch maschinelle Abwärme erhitzen.
Am Ladewagen oder bei Rundballenpressen erfolgt die Beimengung des Siliermittels zumeist oberhalb der Pick- up, im Einzugskanal.
Je nachdem, ob vorzugsweise flüssige oder streufähige Siliermittel zur Anwendung kommen, bedarf dies einer unterschiedlichen Dosierungstechnik. 
Zum Beimpfen des Futters mit Milchsäurebakterien sind nur geringe Aufwandmengen zwischen 1 bis 2 Liter je Tonne erforderlich. Hingegen werden für den richtigen Einsatz von chemischen Siliermitteln deutlich höhere Dosierungen von bis zu 6 Liter je Tonne (bzw. kg / Tonne FM) benötigt. Demzufolge muss die Pumpleistung des Dosiergerätes entsprechend variabel sein, vor allem, wenn beide Produktgruppen zum Einsatz kommen sollen. 
Einige Hersteller von Dosiergeräten bieten auch technische Applikationsformen für Milchsäurebakterien an, die mit geringen Aufwandmengen von weniger als 300 ml eines Bakterienkonzentrates je Tonne arbeiten. Um bei diesen Minimalmengen noch eine akzeptable Dosierung zu ermöglichen, bedarf es nicht nur geeigneter technischer Komponenten wie Spezialzerstäuber und Präzisions-Dosierpumpen, sondern auch einer Kontrolle der erzielten Aufwandmenge. In der Praxis hat sich zur Ermittlung der exakten Aufwandmenge des Siliermittels die Wägung von mindestens drei Silierwagen und die Bemessung des Siliermittelverbrauches bewährt. 

Ist die Anwendung wirtschaftlich?
Dass der Siliermitteleinsatz lohnenswert ist, belegen die Berechnungen in Tabelle 2 (siehe angefügte Datei). Dargestellt werden drei Szenarien der Silierqualität. Mit 8 % Gärverlusten ist im Rahmen der Silierung unter guten Silierbedingungen im Allgemeinen zu rechnen. Diese Verlustgröße kann als verfahrenstypisch angesehen werden. Kommt es aber zu Fehlgärungen, so treten im unterschiedlichen Ausmaß und deutlich höhere Energie- und Trockenmasseverluste auf. Daraus lässt sich kalkulieren, welche Milchmengen aus dem Gärfutter durch unerwünschte Gärprozesse nicht erzeugt werden können. Bei mittlerer Gärqualität liegt der Wert der nicht erzeugten Milch nach dem Rechenbeispiel bei 6250 € und bei schlechter Gärqualität sogar über 12.300 €. Im Vergleich dazu fällt der Kostenaufwand für Siliermittel, unabhängig davon ob biologischer oder chemischer Art, eher gering aus.  Es errechnet sich sogar ein Vorteil, wenn man den Einsatz eines sehr teuren chemischen Produktes unterstellt. Hinzu kommt, dass die fehlende Energie in der Futterration durch Zukauf von Kraftfutter zu ergänzen ist. Es wird deutlich, dass der strategische Siliermitteleinsatz wirtschaftlich sinnvoll und empfehlenswert ist. 

Fazit

  • Der Zweck der Siliermittelanwendung ist entscheidend für die Produktwahl.
  •  Je ungünstiger die Rahmenbedingungen der Silierung aber auch der Entnahme sind, desto mehr kommen biologische Siliermittel an ihre Wirkungsgrenzen. Für derartige Fälle sind bevorzugt chemische Siliermittel einzusetzen. 
  • Siliermittel können nur bei homogener Verteilung im Futterstock ihre Wirksamkeit erbringen. Daher unbedingt die Dosiertechnik im Vorfeld mit planen.
  • Bei richtiger Handhabung reduzieren Siliermittel Trockenmasse- und Energieverlust.  Ein strategischer Siliermitteleinsatz ist auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine lohnenswerte Maßnahme.

Zur Siliereignung des Grasbestandes
Die Silierfähigkeit von Grünfutterpflanzen wird durch den Z/PK-Quotienten (Verhältnis von Zucker zu puffernd wirksamen Substanzen) sowie dem Trockenmassehalt beeinflusst. Je mehr Weidelgras im Grünland vorhanden ist, desto mehr Zucker steht für die gewünschte, milchsäurebetonte Gärung zur Verfügung. Ob es zu Fehlgärungen kommen kann, hängt darüber hinaus von den Welk-, Silier- und Entnahmebedingungen zum Erntezeitpunkt ab. Offene Grasnarben, unebene Flächen, viele Maulwurfshaufen etc. tragen zur Verschmutzung des Futters bei. Das fördert Fehlgärungsprozesse. Zu guter Letzt sind auch die Silier- und Entnahmebedingungen zu berücksichtigen, denn es gilt, eine hohe Verdichtung, eine sorgsame Abdeckung, eine entsprechende Verschlusszeit des Silos aber auch einen angemessenen Futtervorschub bei der Entnahme zu gewährleisten.