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Grünlandreifeprüfung - 3. Mitteilung - Ackergras fertig, Grünland beobachten

Webcode: 01045420

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet im ersten Aufwuchs wöchentlich den aktuellen Entwicklungsstand von ausgewählten Ackergras- und Grünlandstandorten, bekannt als `Grünland-Reifeprüfung´.

Zwischenfruchtbestände `Welsches Weidelgras´ wurden bereits geerntet, um noch Silomais auf derselben Fläche zu bestellen. Die Ernte der Dauergrünlandbestände wird sich von Anfang bis Mitte Mai erstrecken.

       

Abbildung 1: Bodenfeuchte
Abbildung 1: BodenfeuchteGerd Lange

Allgemeine Bedingungen
Berichtigung: die in der letzten Woche berichtete um bis zu -5% `abweichende´ Bodenfeuchte wurde fälschlicherweise als aktuelle Bodenfeuchte kommentiert. Die Darstellung bezog sich jedoch auf die `Abweichung´ vom langjährigen Mittelwert. Richtig ist nun, dass die aktuelle Bodenfeuchte unter Gras, herausgegeben vom DWD am 23. April 2026, je nach Standort 50 – 80 % der nutzbaren Feldkapazität beträgt (Abbildung 1). Es wird daher von ausreichender Wasserverfügbarkeit für den ersten Aufwuchs des Jahres ausgegangen. 

Abbildung 2: Bodentemperaturmittel
Abbildung 2: BodentemperaturmittelGerd Lange
Abbildung 2 (DWD, 2026) zeigt für Niedersachsen einen Gradienten zunehmender Erwärmung der oberen Bodenschicht bis 5 cm von den nördlichen und nordöstlichen Regionen (< 10 - 12 °C) über die südlich und westlich von Bremen gelegenen Gebiete (12 – 14 °C) bis in das Gebiet Bad Bentheim (14-16°C). „Entscheidenden Einfluss auf die Bodentemperatur haben, neben der Bodenart, der Bewuchs des Bodens, die Strahlungsenergie, Niederschläge, und Verdunstungsprozesse. So lassen sich an den Bodentemperaturen die Wechselwirkungen mit den Wetterelementen ablesen“ (DWD, 2026). 
Im Vergleich zu den Bodentemperaturen, die sich vergleichsweise träge verhalten, ist der Tagesgang in der Luft (°C in 2 Meter Höhe) wesentlich stärker. Aktuell sind auch die Nächte noch sehr kühl und die am Tage mit zunehmender Sonnenscheindauer ansteigenden Lufttemperaturen erreichen insgesamt nur mittlere Werte (Tabelle 1 - siehe Dateianhang) von 8,0 bis max. 10 °C. 
Dadurch bedingt werden auch die Zunahme der Bodentemperaturen sowie das allgemeine Wachstum der Gräser noch stark verzögert.

Stand der Entwicklung
Ackergrasbestände

Vom Ackergras wurden am 21. April von insgesamt sieben Standorten (GRP Standorte 2026 im Dateianhang) Proben geerntet und im Institut für Futtermittel der LUFA Nordwest mit der NIRS-Methode hinsichtlich Trockenmasse und Inhaltsstoffe (Tabelle 2 - siehe Dateianhang) untersucht. Welsches Weidelgras wurde von je zwei Standorten im westlichen Niedersachsen (Wehnen und Bawinkel), im Weser-Leine Bergland (Bad Laer, Glandorf) sowie in der Region Hannover Braunschweig (Stuhr, Uetze) sowie von dem Einzelstandort Otterham in der Klimaregion Küste beprobt. Die Ergebnisse der sind in der Tabelle 2 (siehe Dateianhang) dargestellt.

Zwischenfruchtbestände `Welsches Weidelgras´ wurden bereits geerntet, um noch Silomais auf derselben Fläche zu bestellen. Die berichteten Startwerte vom 21. April zeigen, dass für diese sehr gute Bedingungen mit günstigen Eiweißgehalten >14 % XP i.TM und bei hoher Energiedichte >6,4 MJ NEL/kg TM gegeben waren. In der Tabelle wird auch eine neue Energiebewertung (GfE 2023) genannt, welche für Milchkühe neu eingeführt wird. Diese Angabe wurde zum Vergleich für diejenigen aufgeführt, die ihre Milchviehfütterung bereits mit dieser Energiebewertung planen.
Entwicklung in den Regionen
Die Entwicklung in den Regionen wird ausgehend vom 21. April bis 30. April mit dem Prognosemodell fortgeschrieben, welches den Ertragszuwachs und die Veränderung der Inhaltsstoffe in Abhängigkeit vom Witterungsverlauf einschätzt. Energiegehalte der Prognose werden in MJ NEL angegeben und auf Grundlage der prognostizierten Rohfaser- und Rohproteingehalte (DLG-Schätzformel) ermittelt. 
Die Prognose in den Klimaregionen wird bis zum 30. April (Tabelle 3 - siehe Dateianhang) erstellt und lässt noch eine qualitätsorientierte Ernte der noch stehenden Bestände im April zu! 
Der einzelne Standort kann davon deutlich abweichen, da es sich um Mittelwerte handelt. Die Prognose kann bei Kenntnis des eigenen Standortes nur Anhaltspunkte für die tatsächliche Reifeentwicklung liefern und sollte im eigenen Ackergrasbestand im Vergleich zu den Testflächen, z.B. nach Aufwuchshöhe, berücksichtigt werden.

In der Region Westliches Niedersachsen (Standorte 18,19) waren zwei Bestände Welsches Weidelgras zu Beginn der 17. Kalenderwoche bei 50 bis > 60 cm Höhe mit rund 53 dt TM/ha sehr gut entwickelt. Diese Bestände erreichten mit 21,4 bis 22,5 % XF i.TM bereits die frühe Siloreife und wiesen dabei sehr günstige Rohproteingehalte in Höhe 15,4 bzw. 17,0 % XP i.TM auf. Die Prognose für den 30. April weist für das Welsche Weidelgras in der Region VI bereits einen mittleren Rohfasergehalt von 23,3 % XF i.TM und einen hohen Ertrag von 62,9 dt TM aus. Rohprotein-(13,3 % XP i.TM) und Energiegehalt (6,3 MJ NEL) nehmen dabei deutlich ab. In der Region wird die Ackergrasernte an vielen Standorten im April abgeschlossen, wenn die Witterung dies erlaubt. 
In der Region Küste erreichte das Ackergras am Versuchsstandort Otterham (Nr. 20) mit 44 cm Aufwuchshöhe und 38,6 dt TM/ha noch nicht die angestrebte Erntereife. Die frühe Siloreife ab 21 % Rohfaser in der Trockenmasse (XF i. TM) wird voraussichtlich in der 18. Kalenderwocje erreicht. Die Prognose des Deutschen Wetterdienstes berichtet für den 30. April einen Rohfaseranteil von 21,7 % XF i. TM an diesem Standort und in der Region. Der Rohproteingehalt im Aufwuchs dieser Region reduziert sich dabei von 14,9 % XP  i.TM (21.04.2026) auf 12,0 % XP i.TM. Wenn die Erntebedingungen günstig sind, kann auch in der Region Küste die frühe Siloreife bei einem Ertragsniveau von knapp 5 t. Trockenmasse (47,6 dt TM/ha) für eine qualitätsorientierte Ernte zur Verfütterung an das Milchvieh genutzt werden.
Auch die Ackergrasbestände in den Regionen Hannover-Braunschweig (Region IV; Standorte 23-24) und Weser-Leine Bergland (Region V; Nr. 21-22) werden mit 20,4 bis 21,0 % XF i.TM in die frühe Siloreife kommen und sollten Ende April (Region V) bzw. Anfang Mai (Region IV) mit nur mäßigen Rohproteinwerten von >10 bis 12 % XP i.TM einsiliert werden. 

Entwicklung im Dauergrünland
Die in der Reifeprüfung Grünland beprobten Flächen sind intensiv genutzte und gedüngte, von Deutsches Weidelgras und anderen Dauergrünlandarten bewachsene Standorte auf Praxisflächen. Es werden 17 Standorte in den Regionen untersucht und berichtet. Grünland für die Milchviehfütterung ist in den nördlichen und nordwestlichen Regionen besonders stark vertreten und daher werden hier auch einige Standorte untersucht. Tabelle 4 a + b siehe Dateianhang.

Die Ergebnisse vom 21. April zeigen eine große Streuung der Bestandshöhen von 13 cm bis 28 cm sowie sehr unterschiedliche Trockenmasseerträge (4,2 bis 25,3 dt TM/ha) innerhalb der Regionen. Die Rohfasergehalte sind ebenfalls sehr unterschiedlich und nicht nur von den allgemeinen klimatischen sowie den aktuellen Witterungsbedingungen vor Ort abhängig, wie Standort Nr. 10 in der Region Küste eindrücklich aufzeigt: der noch sehr gering entwickelte Standort Nr. 10 wurde bei der Mittelwertbildung nicht berücksichtigt, da es sich um ein sehr spätes Deutsches Weidelgras handelt, welches hier etabliert wurde. Der Bestand zeigt gut die Unterschiede in der Reifeentwicklung gegenüber etabliertem Dauergrünland mit typischer Bestandszusammensetzung. Mit 14,6 % XF i.TM ist der Grünlandbestand Nr. 10 um 4,6% niedriger (Mittelwert: 19,2 % XF i.TM) und mit 4,2 dt TM/ha um 14,1 dt TM/ha geringer (Mittelwert: 18,3 dt TM/ha) als der Mittelwert dieser Region.
Eine ähnlich geringe Ertragslage wird für den Standort Echem festgestellt, allerdings mit einem Rohfasergehalt von 18,3% XF i.TM und damit in der Entwicklung zur Siloreife schon ähnlich wie andere Standorte und Regionen. Die Rohproteingehalte sind im Allgemeinen deutlich über 20% (20,1 bis 26,6% XP i.TM) und die Energiegehalte bei 7,0 MJ NEL (6,7 bis 7,2 MJ NEL/kg TM). 
Tabelle 5 - siehe Dateianhang.

Die Ernte der Dauergrünlandbestände wird sich voraussichtlich über einen Zeitraum von zwei Wochen bis etwa Mitte Mai erstrecken. Die früh entwickelten Bestände der Standorte an der Küste werden möglicherweise schon in der ersten Maiwoche erntereif sein, andere können erst ab der zweiten Maiwoche und darüber hinaus mit den anzustrebenden Rohfasergehalten zwischen 21 bis 23% XF i.TM einsiliert werden. Die Erträge nehmen derzeit stetig zu, so dass bei verzögerter Reifeentwicklung eine hohe Ertragserwartung besteht.
In der kommenden Woche (19. KW) werden wir die noch nicht abgeräumten Ackergrasbestände sowie möglichst alle 20 Probeflächen vom Dauergrünland in sechs Klimaregionen incl. der Prognose für die 20. KW berichten.