In wenigen Tagen werden die ersten Gerstenschläge gedroschen sein. Aktuell fragen sich die Marktbeteiligten, wie sich die derzeit hochsommerlichen Temperaturen auf die Getreidebestände auswirken werden. Die Bestände reifen schnell ab und gleichzeitig fehlt es insbesondere an sandigen Standorten an Bodenfeuchtigkeit. Diese Umstände können insbesondere zur Kornfüllungsphase zu Ertrags- und Qualitätseinschränkungen führen. Mit Spannung werden die ersten Druschergebnisse erwartet. Die preisliche Entwicklung für die neue Ernte blieb zuletzt weitgehend stabil. Für die Futtergerste pendeln die Preise um 150 – 170 EUR/t, für den B-Weizen wurden Gebote um 177 – 185 EUR/t genannt.

Globale Weizenernte erneut über 800 Mio. t
Es fällt auf, dass trotz der Hitzewelle in Westeuropa und in Teilen der USA das Preisniveau bisher nicht höher ausfällt. Hierfür dient der Blick auf den globalen Markt als Erklärung. Die globale Weizenernte wurde vom US-Agrarministerium zuletzt auf 820 Mio. t geschätzt. Auch wenn das Minus von 24 Mio. t zum Vorjahr relativ hoch ausfällt, wird dabei das zweite Mal in Folge die 800 Mio. t überschritten. Und auch der Mais erreicht mit 1,3 Mrd. t sein zweithöchstes Ergebnis. Aus aktueller Sicht ist also eine ausreichende Versorgungslage wahrscheinlich. Dennoch ergeben sich nun die Unsicherheiten aufgrund der Witterungssituation. Gewissheit über Mengen und Qualitäten hat man erst nach dem Dreschen. Ebenso lassen sich Auswirkungen aufgrund von überraschenden geopolitischen Ereignissen nie vorhersagen. An den Warenterminbörsen haben sich die Weizenkurse zuletzt etwas uneinheitlich gezeigt. Während der schwächere US-Dollar und die vorhergesagte Hitzewelle im Mittelwesten der USA für Unterstützung sorgten, verbuchte der EU-Weizen leichte Verluste. Der stärkere Euro sowie die hohen globalen Vorräte wurden als Gründe genannt. Der September-Kontrakt schloss an der Pariser Börse zuletzt bei 206 EUR/t. Immerhin ein Plus von 11,50 EUR/t zum Jahresstart, aber knapp 18 EUR/t unter dem Vorjahreskurs. Das zeigt erneut die Volatilität der Preise am Getreidemarkt. Eine gute Vermarktungsstrategie bestehend aus Marktbeobachtung, dem Verkauf von Teilmengen, Vorkontrakten und einer Preisabsicherung über Prämienkontrakte oder den Börsenhandel ist hier von Vorteil.
Anbauflächen in Niedersachsen
Vor einigen Tagen wurden die Zahlen des Invekos (Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem) ausgewertet. Damit ist nun ein Überblick über die Anbauflächen der verschiedenen Kulturen möglich. Betrachtet wurden dabei nur die Flächen mit Lage in Niedersachsen/Bremen/Hamburg. Beim Getreide führt weiterhin der Winterweizen das Feld an, gefolgt von der Wintergerste und vom Winterroggen. Positiv hat sich auch die Rapsanbaufläche entwickelt. Den größten Flächenanteil nimmt jedoch der Mais mit den verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten für sich in Anspruch.


Bei der Betrachtung der prozentualen Veränderung zum Vorjahr fällt eine deutliche Ausweitung der Anbauflächen für Winter-Dinkel auf. Hier hat die Nachfrage wieder zugelegt. Zum Teil wurde in der vergangenen Saison bereits Bio-Dinkel von den konventionellen Verarbeitern nachgefragt. Entsprechend wird nun das Angebot erhöht. Aber auch die Rapsanbaufläche wurde aufgrund der recht stabilen Preisentwicklung ausgeweitet. Einschränkungen gab es dagegen bei den Erbsen und Speisekartoffeln. Die unsichere Vermarktungssituation im Laufe des vergangenen Wirtschaftsjahres hat vermutlich zu dieser Entscheidung beigetragen.
Datenquellen: LWK Niedersachsen, Invekos 2026




