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Grundfutter sichern durch Sommerzwischenfrüchte

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Sommerzwischenfrüchte lockern nicht nur die Fruchtfolge auf. Sie können zudem gutes Futter für die Wiederkäuer bringen. Spezielle Kleegrasmischungen aber auch das Einjährige Weidelgras sind dafür sehr gut geeignete Kulturen. Nachfolgend die Details zu Sortenfragen und zum Anbau.  

Sommerzwischenfrüchte
SommerzwischenfrüchteDr. Christine Kalzendorf
Die Einbindung von Zwischenfrüchten in die Ackerfruchtfolge gehört für Futterbaubetriebe zu einem wichtigen Baustein einer resilienten Landbewirtschaftung. Mit Zwischenfrüchten wird die Bodenfruchtbarkeit verbessert und zugleich ein Beitrag sowohl zum Grundwasser- und Erosionsschutz als auch zum Natur- und Artenschutz geleistet. 
Für Betriebe mit Milchviehhaltung und Ackerbau stellt der Zwischenfruchtanbau eine weitere Möglichkeit dar, zusätzliches Grundfutter bei trockenheitsbedingten Ausfällen im Dauergrünland zu gewinnen. Es kommt für diese Zwecke darauf an, die zur Futternutzung geeigneten Pflanzenarten auszuwählen. 

Sommerzwischenfrüchte zum Zwecke der Futternutzung sollten schnellwüchsig sein und im September noch einen Schnitt ermöglichen. Aus diesem Blickwinkel werden nachfolgend vor allem die Zwischenfrüchte vorgestellt, mit denen vorrangig in kurzem Wachstumszeitraum eine gute Massebildung und möglichst auch ein erfolgreiches Silieren gesichert sind. Dazu ist prinzipiell eine frühe Saat ab Mitte Juli bis Anfang August unmittelbar nach der Wintergerstenernte in ein gut hergerichtetes Saatbett anzustreben.
Das Einjährige und das Welsche Weidelgras haben aus dieser Sicht eine Vorrangstellung.

Einjähriges Weidelgras
Als Sommerzwischenfrucht gilt vor allem das Einjährige Weidelgras als die Futterpflanze mit schnellem Wachstumsvermögen. In der Regel zeichnen sich früh reifende Sorten durch hohe Erträge und dem Erreichen einer frühen Schnittreife in Verbindung mit einem strukturreichen Aufwuchs aus. Eine Ernte kann bei wüchsigem Wetter bereits 60 Tage nach der Saat möglich sein. Spätere Sorten punkten durch ein besseres Nachwuchsvermögen. Unter guten Wachstumsbedingungen, d.h. bei regelmäßigen Niederschlägen ist durchaus eine Nachweide und im günstigen Fall auch eine zweite Ernte möglich. Neben den Sorteneigenschaften „Reifegruppe“ und „Ertrag“ kommt der Rostresistenz als drittes Qualitätskriterium Bedeutung zu. Die Gefahr des Rostbefalls besteht insbesondere im Herbst, wenn sich das Wachstum verzögert.
Einen Überblick über die Bewertung aktueller Sorten hinsichtlich ihres Ertragsvermögens unter Berücksichtigung der Reifegruppe gibt die Tabelle 1 (siehe Dateianhang). 

Welsches Weidelgras
Das Welsche Weidelgras verharrt im Sommerzwischenfruchtanbau in der Blattmasseentwicklung, da ihm der Kältereiz des Winters für die Ausbildung der Ähren fehlt. Folglich nehmen die Energiegehalte mit ca. 6,5 MJ NEL/ kg TM ein deutlich höheres Niveau im Vergleich zum Einjährigen Weidelgras ein.  
Die in Tabelle 2 (siehe Dateianhang) aufgeführten Sorten haben sich in unseren Landessortenprüfungen besonders bewährt und gute Leistungen unter unseren Klima- und Standortverhältnissen erbracht. Dieser Sortenempfehlung für den nordwestdeutschen Raum sollte vor dem Saatgutkauf besondere Beachtung geschenkt werden.
Bei der Fütterung ist zu berücksichtigen, dass das Welsche Weidelgras im Sommerzwischenfruchtbau wenig Struktur, dafür aber viel Rohprotein und Zucker enthält. Die geringe Struktur muss in der Futterration durch Zulage von Häckselstroh ausgeglichen werden.  
Eine andere Möglichkeit des Strukturausgleiches besteht im Mischanbau von Welschen und Einjährigem Weidelgras. In der Qualitätsstandardmischung A2 sind beide Grasarten enthalten. Das Einjährige Weidelgras liefert hierbei die notwendige Struktur und das blattreiche Welsche Weidelgras entsprechend hohe Nährstoffkonzentrationen.
Das Welsche Weidelgras steht zugleich für eine gleichzeitige Verwendung als Sommer- und als Winterzwischenfrucht. Mit nur einer Saat bis Mitte August wird einmal Futter im Herbst des Saatjahres produziert und zusätzlich im Frühjahr des Folgejahres. Die Ertragsleistung kann zwar im Frühjahr im Vergleich zum Anbau als ausschließliche Winterzwischenfrucht etwas geringer ausfallen, doch ist dieser Nachteil eher als gering zu werten. Für diese Nutzungsweise sind Sorten mit guter Nachwuchsleistung sowie mit einer entsprechenden Winterhärte zu bevorzugen. Die A1-Mischung erfüllt im Allgemeinen diese Anforderungen und enthält mindestens drei Sorten. Gegenüber Reinsaaten haben Sortenmischungen den Vorteil, bei möglichen Anbau- und Witterungsunsicherheiten robuster zu sein. 
Wer hochwertige Ware mit einer guten Sortenzusammensetzung erwerben möchte, sollte zudem auf das Siegel der Freiwilligen Mischungskontrolle achten.

Die Silierung dieser beiden Gräser gelingt im Allgemeinen auch unter frühherbstlichen Bedingungen gut, wenn ein Anwelken oberhalb von 28 % TM erzielt wird. Für den Fall, dass die Witterungsbedingungen ein hinreichendes Anwelken nicht ermöglichen, kann die Silagequalität durch Zusatz geeigneter Siliermittel in der Wirkungsrichtung 1B abgesichert werden.  

Mit Leguminosen mehr Rohprotein
Gräser im Sommerzwischenfruchtbau sind in ihren Gehalten an Rohprotein und Zucker im Allgemeinen recht ausgewogen. Ein Plus an Rohprotein und zudem weitere Nutzungselastizität bieten die Weidelgräser im Gemengeanbau mit Leguminosen. Zu speziellen Kleegrasmischungen für die Futternutzung im Sommerzwischenfruchtbau gehören die A10 und A10-spät. In der A10 sind frühe und in der A10-spät mittlere und späte Sorten des Einjährigen Weidelgrases mit Perser- oder Alexandrinerklee kombiniert (Tabelle 3 - siehe Dateianhang). Beide Kleearten sind nicht winterhart. Perserklee zeichnet sich durch Schnellwüchsigkeit, ein gutes Nachwuchsvermögen und vor allem durch eine hohe Nutzungselastizität aus. Auch dem Alexandrinerklee ist eine schnelle Anfangsentwicklung eigen. Lediglich im Nachwuchsverhalten kann er im Vergleich zum Perserklee nicht mit Schritt halten. Entscheidender ist jedoch, dass Alexandrinerklee nach der Knospenbildung schnell verholzt und daher rasch an Futterwert verliert. Deshalb sollten in den Mischungen möglichst die besonders spätblühenden und zugleich ertragsstarken Sorten (z.B. Winner oder Otto) zum Einsatz kommen.
Auch dieses Futter lässt sich gut ab einem Anwelkgrad oberhalb von 30 % TM silieren. 


Wir fassen zusammen
Für den Sommerzwischenfrucht-Futterbau haben das Einjährige oder auch Welsche Weidelgras und spezielle Leguminosengrasmischungen für den Sommerzwischenfruchtbau die höchste Anbaubedeutung. 
Sie vereinen eine rasche Wuchsleistung sowie eine gute Silierfähigkeit.
Perser- oder Alexandrinerklee sind für die Ackergräser geeignete Gemengepartner mit vielfältigem Nutzen: zur Verbesserung des Futterwertes, der Humusversorgung und zur Förderung der Artenvielfalt. 
Eine gute Saatbettbereitung und Augenmerk bei der Mischungs- bzw. Sortenwahl sind grundlegend für hohe Nettoenergieleistungen.