Der mehrjährige Anbau von Leguminosengras oder Leguminosen hat viele Vorteile. Zudem punkten die Mischungen durch gute Erträge und ansprechende Futterqualitäten. Viel Protein kann hier vom Hektar bei Beachtung des richtigen Schnittzeitpunktes geerntet werden.
Welche Mischungen für die Sommersaaten in Betracht kommen, orientiert sich an einzelbetrieblichen Produktionszielen.
Möglichst viel Milch aus dem Grundfutter bei einem knapp bemessenem Kraftfuttereinsatz bis 200 g/kg ECM zu produzieren, stellt eine immer häufiger genannte Anforderung an eine umweltbewusste und zukunftsorientierte Milchproduktion dar. Eine hohe Verwertung des Grundfutters ist grundsätzlich aus Pansen physiologischer Sicht für den Wiederkäuer anzustreben. Nicht nur die Tiergesundheit ist als Vorteil zu benennen, sondern auch die Wirtschaftlichkeit. Zudem begegnet man mit einer effizienten Grundfutterverwertung der Teller-Trog-Diskussion.
Der Zukauf von Eiweißfuttermitteln lässt sich nur dann reduzieren, wenn mit dem Grundfutter gesichert viel Protein erzeugt werden kann. Ausdrücklich sei betont, dass die N-Düngung oder auch ein früher Schnittzeitpunkt des Ackergrases nur von untergeordneter Relevanz in puncto Rohproteingehalt des Futters sind. Die wesentliche Stellschraube hierfür ist die Einbindung von Leguminosen, welche nachfolgend näher beleuchtet werden.
Im Bereich des mehrjährigen Ackerfutterbaus haben die Leguminosen Rotklee und Luzerne die höchste Anbaubedeutung.

Rotklee gedeiht auf allen Standorten außer auf Moor- und leichten Sandstandorten. Eine gute Entwicklung wird durch eine gewisse Kalkversorgung unterstützt. Der Mindestanspruch an den Boden-pH-Wert liegt bei 5,5. Hinsichtlich der Klima- und Standortbedingungen ist Rotklee für den norddeutschen Raum prädestiniert.
Prinzipiell könnte in diesen Gunstgebieten der Anbau auch in Reinsaat erfolgen. Damit lassen sich alle Vorzüge hoher Proteingehalte im Futter uneingeschränkt nutzen. Jedoch sind gewisse Erfahrungswerte für den Umgang mit Leguminosen bis hin zur Silierung von Vorteil, bevor gegebenenfalls der Fokus auf Reinsaaten gelegt wird.
Mögliche Anbaurisiken werden durch Mischungen mit einem Graspartner gemindert. Der Graspartner kann Lücken besetzen, den allmählichen Rückgang der Pflanzenanzahl der Leguminose ertraglich kompensieren und die Siliereignung verbessern. Für den nordwestdeutschen Bereich stehen fünf Rotkleegrasmischungen als empfohlene Qualitätsstandardmischungen zur Auswahl (Tabelle 1 siehe Dateianhang). Rotklee ist konkurrenzstark. Er kann in Einbindung mit typischen Ackergräsern im Wachstum Schritt halten und damit angemessene Ertragsanteile (≥ 40 %) erreichen. Hierfür stehen die Qualitätsstandardmischungen A3 plus S oder A3 plus W zur Verfügung. Ist das Deutsche Weidelgras alleiniger Graspartner für den Rotklee, handelt es sich um die gleichfalls zu empfehlenden Mischungen A5 spät plus S oder A5 spät plus W.
Die höchsten Erträge sind beim Anbau von Rotklee gemeinsam mit Ackergräsern (Welsches und Bastardweidelgras) zu erwarten. Im Allgemeinen sinkt die Ertragsleistung der Ackergräser nach zwei Hauptnutzungsjahren aufgrund einer nachlassenden Triebkraftleistung.
Stabilere Erträge über einen Anbauzeitraum von mindestens 3 bis 5 Hauptnutzungsjahren erbringen die Mischungen mit Deutschem Weidelgras.
Die Buchstaben „S“ und „W“ in den Namensbezeichnungen der Mischungen stehen entweder für eine schnittbetonte Nutzung („S“) oder für eine Mähweidenutzung („W“). Bei einer schnittbetonten Nutzung ist Weißklee im Bestand nicht zwingend erforderlich. In aller Regel bleiben die Ertragsanteile des Weißklees bei üppiger Masseentwicklung des Rotklees und der Gräser gering. Lediglich die Giganteum-Sorten, also die großblättrigen Genotypen des Weißklees, haben das Vermögen, sich im wachsenden Bestand mit gewissen Anteilen zu etablieren.
Rotklee-/Weißkleegrasmischungen sind insbesondere für die Mähweidenutzung zu empfehlen. Mit seinen Kriechausläufern vermag der Weißklee entstehende Lücken zu schließen. Er trägt zur dichten Grasnarbe und Trittfestigkeit des Bestandes bei.
Luzerne und Luzernegras
Die Luzerne stellt aus agronomischer Sicht die höchsten Ansprüche an den Standort und die Nutzung. Sie bevorzugt kalkhaltige Böden. Die Mindest-pH-Werte liegen auf schwach lehmigen Sand bei 6,0, auf stark lehmigen Sand bei 6, 2 und auf sandigen Lehm bei 6,5. Luzerne reagiert im Gegensatz zum Rotklee rasch empfindlich auf hohe Grundwasserstände und gelegentliche Staunässe. Prinzipiell werden leicht durchlässige Böden von ihr bevorzugt.
Im nordwestlichen Niedersachsen gelingt der Anbau nur bedingt. Trotz einer Aufkalkung auf die Versorgungsstufe C, dem Einsatz beimpften Saatgutes und guten Managements der Feldarbeiten bleiben die Luzerneanteile in aller Regel gering. Hier ist interessierten Landwirten anzuraten, Ansaaten zunächst nur mit geringem Anbauumfang auszuprobieren und hierbei ausschließlich Luzernegrasmischungen zu verwenden.
Das östliche und südöstliche Niedersachsen kommt den Standortansprüchen der Luzerne besser entgegen.
Für den Einstieg des Luzerneanbaus in Reinsaat empfiehlt es sich auch hier, zunächst mit einer Sortenmischungen zu beginnen. Für diesen Zweck wurde die A8- Mischung konzipiert (Tabelle 1 siehe Dateianhang). Sie setzt sich aus mindestens zwei Sorten zusammen, um Anbaurisiken zu minimieren und eine hohe Ertragsstabilität zu gewährleisten. Je mehr eigene Erfahrungen im Luzerneanbau vorliegen und auf der Fläche zudem hohe Pflanzenzahlen pro m² sicher zu gewährleisten sind, kann auch über den Anbau von nur einer Sorte nachgedacht werden.
Mit der A9-Luzernegrasmischung lassen sich Unsicherheiten bei der Etablierung der Luzerne kompensieren. Neben 66 % Gewichtsanteilen der Luzerne enthält die Mischung Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras. Sowohl die beiden Graspartner als auch die Luzerne haben ein gemäßigtes Entwicklungstempo. Es werden damit die Voraussetzungen geschaffen, dass die konkurrenzschwache Luzerne nicht vom Gras verdrängt wird und eine gute Etablierung erfolgen kann.
Prinzipielles zum Luzerneanbau
Um die Etablierung dieser empfindlich reagierenden Leguminose zu unterstützen, sollte die Saat bis Anfang August erfolgt sein. So kann auch eine entsprechende Vorwinterentwicklung erreicht werden. Wird Luzerne erstmalig angebaut, empfiehlt es sich zudem, mit Knöllchenbakterien (Rhizobien) beimpftes Saatgut von den beim Bundessortenamt zugelassenen Sorten zu verwenden.
Es gilt, von Anfang an hohe Pflanzenzahlen im Bestand zu etablieren und den Verlust an Pflanzen durch eine angepasste und möglichst schonende Nutzung gering zu halten (Tabelle 3 siehe Dateianhang). Was bei der Nutzung zu beachtet werden sollte, ist der Übersicht „Luzerne richtig nutzen“ zu entnehmen.
Wichtiges für die Futterqualität
Die Futterqualität und hierbei insbesondere der Eiweiß- und Energiegehalt werden vom Anteil der Leguminosen sowie dem Schnittzeitpunkt beeinflusst.
Hohe Rohproteingehalte oberhalb von 17 % lassen sich nur realisieren, wenn die Leguminosen im Bestand Ertragsanteile über 50 % erreichen. Prinzipiell steigen die Proteingehalte im Verlaufe der Vegetation, d.h. mit den jeweiligen Schnitten. Besonders viel Protein liefern die Sommer- und Herbstaufwüchse.
Befinden sich die Leguminosen im Knospenstadium ist der Rohproteingehalt am höchsten. Die Gräseranteile im Mischbestand sichern die Struktur des Futters, aber auch einen gewissen Zuckergehalt. Letzterer begünstigt die Silierfähigkeit.
Besteht das Anbauziel darin, hohe Rohproteingehalte im Futter zu erzielen, sind hohe Leguminosenanteile und ein früher Schnittzeitpunkt (in der Knospe / spätestens Anfang Blüte) anzustreben.
Für die N-Düngung des Leguminosengrases sind diese Zusammenhänge zu berücksichtigen.
Leguminosengras und N-Düngung
Die N-Düngung ist für Leguminosengras als Steuerungsinstrument der beiden Hauptbestandesbilder Gras und Leguminose zu betrachten. Die N-Düngung fördert vorrangig die Gräser zu Lasten der Leguminosen. Der Verzicht auf N-Düngung bzw. geringe N-Gaben sind dann angebracht, wenn es gilt, die Leguminosen zunächst gut im Bestand anzusiedeln. Im umgekehrten Sinn kann die N-Düngung die Gräser wieder stärken, wenn ein zu hoher Anteil an Leguminosen vorhanden ist oder wenn die Leguminosenanteile im mehrjährigen Nutzungszeitraum sinken.
Prinzipiell ist der N-Düngebedarf in der Düngerverordnung (DÜV) geregelt. Für das Beispiel zur N-Düngebedarfskalkulation in Tabelle 2 (siehe Dateianhang) liegt der N-Bedarfswert bei einer 4-Schnittnutzung bei 350 kg N/ha. Hiervon sind Abzüge vorzunehmen, die zum einen die N-Nachlieferung aus dem Bodenvorrat sowie aus der organischen Düngung des Vorjahres betreffen. Der dritte Abzug betrifft den Leguminosenanteil im Bestand. Je höher dieser ist, desto größer ist auch der N-Abzug, denn die N-Versorgung erfolgt indirekt durch die symbiontische N-Fixierung der Knöllchenbakterien. Im Rechenbeispiel liegt der Leguminosenanteil bei 50 %. Von den Knöllchenbakterien werden circa 3 kg N je Prozentanteil der Leguminosen fixiert. Somit stehen 150 kg N/ha im Rahmen der Luftstickstoffbindung zur Verfügung. Es errechnet sich damit noch ein angemessener N-Düngebedarf, der durchaus organischer Art sein kann. Gülle in separierter oder in gut dünnflüssiger Form mit bodennaher Ausbringung wird sogar besser von den Knöllchenbakterien vertragen als N-Mineraldünger.
Es sei an der Stelle betont, dass Leguminosen in Reinsaat keine N-Düngung bedürfen.
Wir fassen zusammen
Mischungen aus Gras und Leguminosen liefern proteinreiches Futter und sie punkten durch umweltfreundliche Aspekte.
Kleegras passt besser in die nordwestdeutsche Region als Luzerne.
Der Anbau von Leguminosengras bietet eine größere Anbausicherheit als Leguminosenanbau in Reinsaat.
Luzerne richtig nutzen
Jede Nutzung trägt zu einem allmählichen Verlust an Luzernepflanzen im Feld bei. Wie hoch der Verlust ist, lässt sich aber bei den Feldarbeiten beeinflussen.
Nutzen Sie die angelegten Fahrspursysteme, denn jede zusätzliche Überfahrt ist mit Pflanzenverlusten verbunden.
Mit Schnitthöhen von mindestens 8 cm wird das Risiko der Verletzung des Wurzelkopfes reduziert.
Luzerne benötigt zwischen dem vorletzten und letzten Schnitt eine Ruhepause von mindestens 50 Tagen zur Einlagerung von Reservestoffen als Voraussetzung für eine bessere Überwinterung.














