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Ackergras – Züchtungsfortschritt nutzen, Ertrag sichern

Webcode: 01045607

Die neuen Ansaaten für das Ackergras sind zu planen. Um Ertrag und Nutzungsdauer gut zu vereinen, achten Sie beim Mischungskauf sowohl auf die Arten- als auch auf die Sorten im Saatgutsack. Sie legen damit den Grundstein für leistungsfähige Grasbeständen Mehr Informationen dazu nachfolgend

Im Spätsommer steht die Saat für das Ackergras an, welches zur Futterproduktion im ein- oder mehrjährigen Anbau beiträgt. Vergleichbar wie im Ackerbau ist es auch hier ratsam, sich um gute Mischungen mit leistungsfähigen Sorten zu kümmern. Was sich in Landessortenprüfungen bewährt hat, wird hier vorgestellt. 

Der ein- und mehrjährige Ackergrasanbau liefert auf den besseren Böden viel Ertrag bei gleichzeitig guten Qualitäten und Siliereigenschaften. Darüber hinaus punkten Ackerfuttergräser durch eine Auflockerung der Fruchtfolge sowie durch eine effiziente Nährstoff- und Gülleverwertung über die gesamte Vegetationsperiode. Eine verlängerte Bodenruhe und Humusmehrung sind als zusätzliche Aspekte für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit zu benennen. 
Die Mehrschnittnutzung ist zwar einerseits mit Aufwand und Kosten verbunden. Andererseits lassen sich dadurch ungünstige Witterungs- und Ertragssituationen kompensieren. Zudem verteilen sich die Anbaukosten bei mehrjährigen Kulturen über den Nutzungszeitraum. 

Prinzipielles zu Mischungen und Anbau 
Für die Herbstsaat stehen verschiedene Grasmischungen zur Auswahl. Tabelle 1 (siehe Dateianhang) gibt hierzu einen Überblick. Welche der Mischungen zu Ihrem Betrieb passt, hängt von der Zielsetzung ab, die mit dem mehr- oder überjährigen Ackerfutterbau angestrebt wird. 

Als ein Grundprinzip des mehrjährigen Ackerfutterbaus gilt, dass mit längerer Nutzungsdauer stets der Anbau von Mischungen zu bevorzugen ist. Die Mischungen setzen sich in aller Regel aus mehreren Grasarten und/ oder aus mehreren Sorten zusammen. Mit jeder Grasart wird in der Zusammenstellung eine gewisse Zielsetzung verfolgt. Insbesondere bei mehrjähriger Nutzung ergänzen sich die Partner, sichern den Ertrag und damit auch die Qualität. Die in den Mischungen enthaltenen Grasarten sind maßgebend für die Nutzungsdauer.
Bei der Auswahl sind aber nicht nur die jeweiligen Grasarten und deren Anteile von Interesse. Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt den Sorten, die je Grasart in den Mischungen enthalten sind. Die in den Mischungen verwendeten Sorten sollten möglichst ertragsstark, aber auch robust sein, d.h. ausdauernd, winterhart und wenig krankheitsanfällig. Eine Bewertung und Einschätzung der Sorten für das Ackerfutter geben die norddeutschen Landwirtschaftskammern jährlich mit dem Faltblatt „Qualitätsstandardmischungen für den Ackerfutterbau“ bekannt (siehe dazu Webcode 01044843). Achten Sie vor dem Kauf der Mischungen auf Grundlage dieses Tabellenwerkes darauf, dass die für den norddeutschen Raum empfohlenen Sorten enthalten sind. Noch einfacher ist der Kauf von qualitativ gutem Saatgut, wenn die Sackware mit dem Siegel der Freiwilligen Mischungskontrolle gekennzeichnet ist. Dieses Siegel darf nur dann auf der Verpackung aufgeführt sein, wenn die Saatgutware den Sortenempfehlungen der norddeutschen Landwirtschaftskammern entspricht. So ist mit einem Blick erkennbar, dass die Mischung inklusive der Sorten für unsere Anbauregion gut geeignet sind. 

Nur einige Vorteile von mehrjährigem Ackergras: viel Ertrag, guter Futterwert, hohe Nährstoffverwertung und Verzicht auf die jährliche Saat
Nur einige Vorteile von mehrjährigem Ackergras: viel Ertrag, guter Futterwert, hohe Nährstoffverwertung und Verzicht auf die jährliche SaatDr. Christine Kalzendorf
Ackergrasmischungen
Für die Spätsommer- bzw. Herbstaussaat stehen drei Ackergrasmischungen zur Verfügung. Hierzu gehören die A1-, A3- und A5-Mischung.

Die A1 ist eine Mischung aus Sorten des Welschen Weidelgrases und für die überjährige Nutzung gedacht. Die Mischung wird Mitte September ausgesät und in aller Regel nur im folgenden Jahr genutzt. Von dieser Grasmischung sind unter wüchsigen Bedingungen die höchsten Erträge zu erwarten. Je nach Standort, Wasserverfügbarkeit und Düngungsintensität erbringt das Gras im Jahr mindestens vier bis sechs schnittreife Aufwüchse. Die Triebkraft des Ackergrases lässt bei einem weiteren Nutzungsjahr stark nach, was Ertragsrückgänge von 25% und mehr bedingt. Die A1 muss aus mindestens drei Sorten bestehen, um eine optimale Ertragsstabilität zu gewährleisten. 

Neben dem Hauptfruchtanbau kann das Welsche Weidelgras auch als Winterzwischenfrucht etabliert werden. Hierfür steht die A1 WZ Grasmischung für die Aussaat ab den Spätsommer bis Mitte September zur Verfügung. In dieser Mischung sollten vorrangig die Sorten des Welschen Weidelgrases verwendet werden, die zum ersten Schnitt besonders viel Ertrag bringen. Als geeignete Sorten für den Winterzwischenfruchtbau sind nur diese ausgewiesen, bei denen der Ertrag des ersten Schnitts überdurchschnittlich ist (über dem Niveau der Verrechnungssorten). 

Zu Ackergrasmischungen mit mehrjähriger Nutzung gehören die A3- und die A5-Mischung.
Ackergrasmischungen mit der Bezeichnung A3 setzen sich aus drei Grasarten dem Bastard-, Welschem - und Deutschem Weidelgras zusammen. Die Mischung ist eine klassische mehrjährige Kultur mit mindestens zwei, eher vier bis fünf Nutzungsjahren. In aller Regel erbringt diese Mischung 4 bis 5 Schnitte im Jahr. Durch den Anteil des Deutschen Weidelgrases in der A3 ist die Narbe dichter und trittfester. Auch für die Beweidung ist die A3-Mischung geeignet. Die Verwendung von ertragsstarken Sorten des Deutschen Weidelgrases verbessert die Massenwüchsigkeit. Außerdem trägt das Deutsche Weidelgras zur Nutzungselastizität und zur Narbendichte bei. 

In den Grasmischungen A5 und A5 spät ist mit dem Deutschen Weidelgras nur eine Grasart enthalten. Für beide Mischungen werden nur die ertragsstärksten Sorten des Deutschen Weidelgrases verwendet. Die Ausdauerleistung der Sorten findet hierbei im Gegensatz zu den Grünlandmischungen keine so große Beachtung, da die Nutzungsdauer der Ackergrasmischungen begrenzt ist. Das unterscheidet die A5- bzw. A5- spät Mischungen auch von den Grünlandmischungen GV und GV-spät.
Die beiden Mischungen „A5“ und „A5 spät“ unterscheiden sich lediglich in Bezug auf die Reifegruppen (Tabelle 1). Sind alle drei Reifegruppen in der Mischung enthalten (A5), so liefern die frühen Sorten die erforderliche Struktur sowie die mittleren und späten Sorten die Energie. Die Futterqualität wird hierbei von den Anteilen der Sorten im Bestand beeinflusst. Eine höhere Nutzungselastizität sichern die A5 spät Mischungen, bei der auf die frühen Sorten verzichtet wird.   
Beide Deutsch Weidelgras Mischungen sind sowohl für den zwei- bis mehrjährigen Ackerfutterbau als auch für das Wechselgrünland konzipiert. Im Vergleich zu der A1 und A3 Mischung erbringen die beiden Deutsch Weidelgras-Mischungen nicht gar so hohe Erträge. Dafür ist aber in aller Regel die Futterqualität etwas besser. Somit kann die A5 und A5 spät besonders für Betriebe mit hohen Anforderungen an die Energiekonzentration des Grundfutters empfohlen werden.

Standorte und Saatvorbereitung 
Der mehrjährige Ackerfutterbau gelingt am besten auf tiefgründigen Böden mit guter Wasserversorgung. Sehr leichte, zur Austrocknung neigende oder unter Vernässung leidende Flächen sind hingegen nicht geeignet. In Anbetracht der hohen Nährstoffentzüge ist gleichfalls eine gute Nährstoffversorgung der Pflanzen wesentlich für das Ausschöpfen des Ertragspotentials. So liegt der N-Bedarfswert gemäß DÜV im Falle einer 5-Schnittnutzung bei 400 kg N/ha und bei 3- bis 4- Schnittnutzung bei 310 kg N/ha.
Für das gleichmäßige Auflaufen der Saat ist nicht nur eine gewisse Bodenfeuchte wichtig, sondern insbesondere ein gut vorbereitetes und feinkrümeliges Saatbett sowie eine flache Ablage der Feinsämereien. Die Keimungsphase wird darüber hinaus durch ein Walzen nach der Saat unterstützt.  


Fazit
Ackergras im ein- oder mehrjährigen Anbau belebt die Fruchtfolge.
Bei guter Niederschlagsverteilung in der Vegetation lassen sich mindestens fünf ertragreiche Aufwüchse erzielen.
Wählen Sie gezielt die passende Mischung und geben Sie acht, auf hochwertige Ware (empfohlene Sorten).