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Kräuterstreifen im Intensivgrünland

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Das intensiv genutzte Grünland ist für Kräuter und Insekten ein eher ungünstiger Lebensraum und steht einer Verbesserung der Biodiversität eigentlich entgegen. Um dies zu ändern, sollten Spielräume für Milchviehbetriebe genutzt und gefördert werden, denn bisher werden für diese keine passenden Programme zur Förderung der Biodiversität angeboten. Ökoregelungen im Dauergrünland (Kennarten, Altgrasstreifen) richten sich nur an extensiv bewirtschaftete Flächen, die nicht für die Milchviehhaltung geeignet sind. 
 

Mischungskonzepte für das Grünland mit schmackhaften und diätetisch wirksamen Kräutern und Leguminosen werden bei vielen Anbietern von Saatgut beworben. Zur Erhöhung der Artenvielfalt können der Grasmischung Kräuterzusätze beigemengt oder fertige Ansaatmischungen mit mehr oder weniger artenreicher Zusammensetzung erworben werden. Im intensiv genutzten Grünland bestehen jedoch kaum Möglichkeiten der dauerhaften Etablierung artenreicher Bestände. 


Niedersächsischer Weg bietet Möglichkeiten
Das Verbot der Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln an Gewässerrändern kann im Dauergrünland für die gezielte Etablierung blütenreicher Bestände genutzt werden. Nährstoffverzicht ist für die meisten Kräuter eine Voraussetzung dafür, sich im grasdominierten Bestand durchzusetzen. Daher sind nicht gedüngte Gewässerränder prädestiniert. Aber lassen sich Kräuter einfach so ansäen und mit dem gedüngten Teil der Fläche nutzen? Welche Kräuter eignen sich überhaupt für eine Nutzung im Milchviehbetrieb und welche Bedingungen müssen beachtet werden? 
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen geht diesen Fragen in mehreren Projekten unter Beteiligung landwirtschaftlicher Praxisbetriebe nach. 
In dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten, wissenschaftlich motivierten Projekt `ADAM´ - Artenvielfalt im intensiv genutzten Dauergrünland: Aufwertungsmaßnahmen im Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz (2018 – 2023) der Universität Göttingen war der Fachbereich Grünland und Futterbau bei der Auswahl der Flächen und Etablierung vielfältiger Mischungen auf Milchviehbetrieben beteiligt. 


In einem aktuell vom Land Niedersachsen (ML) geförderten Projekt werden an den Bezirksstellen Bremervörde sowie an der Bezirksstelle Oldenburg-Nord der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ähnliche Fragestellungen auf intensiv genutztem Grünland untersucht. 

Erkenntnisse aus dem ADAM-Projekt
Im DBU-Projekt „ADAM: Artenvielfalt im intensiv genutzten Dauergrünland“ wurde durch die gezielte Einbringung von besonders artenreichen Fertigmischungen eine größere Anzahl regional vorkommender Kräuter und Leguminosen etabliert. Als Saatgut diente dabei eine Regio-Saatmischung mit 32 Pflanzenarten vielfältiger Kräuter und Gräser aus dem Anbaugebiet Nordwest. Diese Saatgutvariante ist immer eine der teuersten und wird in der Regel nur für Zwecke des Naturschutzes (Flächen der öffentlichen Hand) verwendet. 
Im ADAM-Projekt wurde zusätzlich ein verarmter (ausgehagerter) Standort simuliert, indem der nährstoffreiche Oberboden in einer Mächtigkeit bis 10 cm auf Teilflächen (1 m2) abgetragen wurde. 
Die etablierten Kräuterstreifen wurden dann innerhalb der intensiv genutzten Flächen extensiviert, indem nur die zweiten und vierten Aufwüchse genutzt wurden, um die Kräuter und Obergräser zu fördern.
Im Ergebnis konnte die Anzahl an Pflanzenarten auf den Einzelflächen vervielfacht werden, so dass der Ertragsanteil der eingebrachten Arten z.T. über 50% erreichte. Es konnte mit der Verwendung von Regio-Saatgut außerdem eine größere Anzahl an HNV (high nature value) Arten etabliert werden, welche besonders im Biotopverbund eine wichtige Rolle einnehmen. Bei den faunistischen Gruppen wurden ebenfalls mehr Arten und Abundanzen (Einzelvorkommen) festgestellt, insbesondere in Kombination mit einer extensiveren Bewirtschaftung, allerdings weniger stark belastbar als die floristischen Ergebnisse. 
Zum Erfolg der ADAM-Ansaaten hat wesentlich die Verringerung von Düngung (Aushagerung) und die geringe Nutzungsfrequenz später Aufwüchse beigetragen.
Wenn die für Kräuter und Leguminosen vorgesehene Grünlandfläche bereits seit mehreren Jahren nicht gedüngt wurde, ist davon auszugehen, dass die Konkurrenz von Gräsern, gleich welcher Art, eingeschränkt ist und eine Etablierung von Kräutern grundsätzlich eher möglich wird. Wenn diese Bedingung (keine Düngung) erfüllt wird, sollte der Boden weiter in den Blick genommen werden. 
ADAM hat gezeigt, dass mäßig frische bis feuchte Mineralstandorte grundsätzlich besser geeignet sind als die rein organischen Nieder- und Hochmoore, deren pH-Werte meist zu gering und weniger gut geeignet sind für eine gezielte Ansaat von Kräutern. 
Die Ertragsleistungen der im ADAM – Projekt etablierten Grasnarben sowie die Futterqualität der Aufwüchse waren im Gegensatz zu den naturschutzfachlichen Erfolgen deutlich reduziert gegenüber den praxisüblich bewirtschafteten Zentralflächen. 


Anlagekosten
Das wissenschaftlich intendierte Projekt ADAM der Georg-August Universität Göttingen (Isselstein et al; Förderkennzeichen: DBU AZ 33875) untersuchte verschiedene Methoden zur Ausbringung der Samen (Ansaaten von Fertigmischungen, Mähgutauftrag von Naturschutzfläche, Übersaat von Kräutersamen, Saattechnik) und zur Etablierung mit Bodenbearbeitung (Umbruch Fräse, Bodenabtrag zur Aushagerung) in einer Breite von sechs Metern entlang von Grabenrändern. 
Für die Ermittlung der Anlagekosten wurden im ADAM-Projekt die Beschaffung des Saatgutes bzw. des Mähgutes für die Samenübertragung, die Bodenbearbeitung und die Ausbringung des Saatgutes bzw. des Mähgutes, wie in Tabelle 1 (siehe Dateianhang) dargestellt, angenommen. 
Es wurde davon ausgegangen, dass bei einem Flächenanteil von 6% an einer Seite des Grünlandschlages ein Rand von 6m x 100m aufgewertet wird. Auf demselben Schlag könnten bei einem Flächenanteil von 12% zwei Seiten des Schlages aufgewertet werden. 
Durch den Anstieg der Energiekosten sind die aktuellen Kosten für die Anlage der Kräuterstreifen deutlich höher einzuschätzen, als die in Tabelle 1 (siehe Dateianhang) dargestellten. Bei dem im ADAM-Projekt verwendeten Regiosaatgut ist jedoch ein hoher Anteil von 35 bis 50 % durch die Saatgutkosten bedingt. Diese Kosten lassen sich durch Verwendung von Kräuter- und Kleezusätzen in Verbindung mit geeigneten Standard- oder Firmenmischungen deutlich reduzieren. Die tatsächlich auf landwirtschaftlichen Betrieben entstehenden Kosten können außerdem je nach Bewirtschaftung der Flächen bzw. Verwertung der Aufwüchse stark schwanken. Kostengünstig ist die Integration der Ränder in den üblichen Bewirtschaftungsablauf, wenn die Lage und Form der Ränder eine einfache maschinelle Flächenbewirtschaftung zulässt und die Bewirtschaftung der angrenzenden Hauptfläche nicht beeinträchtigt ist. Günstig ist es auch, wenn etwa in einer abgestuften Nutzungsfolge der erste Aufwuchs auf dem Feldrand zusammen mit der Gesamtfläche gemäht und gemeinsam mit dieser einsiliert werden kann. Bei geringer Aufwuchsmasse zum frühen Schnitttermin der Fläche könnten die Kräuterstreifen erst mit dem zweiten Schnitt gemeinsam geerntet werden. In beiden Fällen lassen sich die Bewirtschaftungskosten der Kräuterstreifen gering gestalten. 

Mischungen für die Landwirtschaft
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen betreut seit 2024 ein vom Ministerium für Landwirtschaft gefördertes Projekt zur Etablierung und Nutzung von Kräuterstreifen im intensiv genutzten Grünland. 
Bei den ausgewählten Projektbetrieben in den Landkreisen Friesland und Cuxhaven handelt es sich größenteils um intensive Milchviehbetriebe mit viel Intensivgrünland. Die eingesetzte Gräser-Mischung entspricht dem Qualitätsstandard G I und enthält verschiedene futterbaulich gut verwertbare Arten wie das Deutsche Weidelgras und das Wiesen-Lieschgras in unterschiedlichen Anteilen. 
Beim Kräuterzusatz handelt es sich bewusst nicht um Regio-Saatgut; aus Kostengründen wurde darauf verzichtet. Es sollte dennoch eine vielfältige Mischung mit typischen Grünlandarten für ungedüngte Standorte verwendet werden. Der bei Aussaat verwendete Kräuteranteil entspricht dem Kräuterzusatz einer Regelsaatgut-Mischung RSM 7.1.2 für `Landschaftsrasen´, enthält also eher niedrig wüchsige Sorten. Ähnliche Kräuterzusätze werden von verschiedenen Anbietern auch für die Landwirtschaft angeboten, allerdings werden dabei in der Regel mehr für den Futterbau vorgesehene Sorten verwendet.
Die einzelnen Kräuter, die in unterschiedlichen Anteilen in der Zusatzmischung für Landschaftsrasen enthalten waren, machten insgesamt nur einen Anteil von 9 % an der Gesamtmischung aus. Zusammen mit dem Weißklee aus der Standardmischung (6 %) enthielt die Saatmischung einen Kräuteranteil von 14 % (Tabelle 2 - siehe Dateianhang). 
Die Gräser-Mischung Standar G I dient mit einem Anteil von 91% an der Gesamtmischung der Etablierung von Futtergräsern zur extensiven Nutzung und zusätzlich als Ammensaat: das heißt, die in der  Anfangsphase konkurrenzstarken Gräser schützen die langsamer keimenden und wachsenden Kräuter in den ersten Wochen und Monaten vor dem Konkurrenzdruck anderer im Boden `schlummernder´ Unkräuter. 
Die Aussaatflächen sind landwirtschaftlich genutztes Intensiv-Grünland in privater Hand und keine öffentliche Fläche, sodass ein Einsatz von Regio-Saatgut nicht vorgeschrieben war.  Damit die Etablierung Erfolg hatte, wurden diese Streifen nur extensiv genutzt. 
Das Saatgut wurde vom Fachbereich Grünland und Futterbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ausgewählt und den Projekt-Landwirten zur Verfügung gestellt. Aus Gründen des Gewässerschutzes sowie unter fachrechtlichen und förderrechtlichen Gesichtspunkten sollte eine intensive Bodenbearbeitung mit vollständigem Umbruch vermieden werden. Die Ansaaten erfolgten an allen Standorten im Herbst 2024 (September bzw. Oktober). Die Bewirtschafter haben entlang von Gräben auf einer Länge von 30 Meter in einem 6 Meter breiten Streifen das Saatbett mit flach lockernder Bodenbearbeitung vorbereitet, eingesät und rückverfestigt. Zum Einsatz kamen u.a. Kreiselegge, scharf eingestellte Striegel und Glattwalze.  Im ersten Jahr nach der Aussaat gab es, je nach Aufwuchsmasse, zwei verschiedene Schnittreihenfolgen (1-3-5 sowie 2-4), wobei im zweiten Standjahr die Schnittfolge (1-3-5) favorisiert wurde.


Etablierungsphase
Der Etablierungserfolg der Kräuter war an den sechs Standorten sehr unterschiedlich. Erste Erfolge konnten bereits wenige Wochen nach der Aussaat am 8. September beobachtet werden (vgl. Abbildungen 1 – 3 - siehe Dateianhang). Allerdings wurden zunächst nur wenige der angesäten Arten in diesem frühen Stadium nachgewiesen. 
Aussagekräftige Bonituren zur Bestandsentwicklung wurden in der darauffolgenden Vegetationsperiode ab Anfang Juni 2025 an allen sechs Gewässerrändern (Orte) durchgeführt. Es zeigt sich nun, mit der aktuellen Bonitur vom Juni 2026, dass die Ansaaten nach anfänglicher Verzögerung der Keimung und Entwicklung mancher Kräuter insgesamt sehr erfolgreich waren. Die farblich gestapelten Balken in der Grafik zu Abbildung 4 (siehe Dateianhang) entsprechen jeweils einem etablierten Standort der genannten Arten. Die Höhe der einzelnen Balkenabschnitte entspricht der Individuenzahl bzw. der Größenordnung im Deckungsgrad nach einer modifizierten Skala (Braun-Blanquet, 1964).


Ergebnis der Kräuterbonitur
Die Gewöhnliche Schafgarbe (Achillea millefolium) hat sich an allen Gewässerrändern  etabliert, gefolgt von Wilder Möhre (Daucus Carota), Spitzwegerich (Plantago lanceolata) weiß blühendem Labkraut (Galium album) an fünf Orten, Wiesenflockenblume (Centaurea jacea) an4 Orten und Margerite (Leucanthemum vulgare), Hornklee (Lotus corniculatus) an 3 sowie Hopfenklee (Medicago lupulina) und Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hirsuta) an zwei Orten. Insgesamt wurden also 10 von 13 angesäten Kräutern erfolgreich etabliert, jedoch differenziert nach Standorten. Der auf Seemarsch (tiefer Kleyboden) am Jadebusen gelegene Standort Varel zeigt alle zehn der genannten Arten in den wiederholten Bonituren an zwei gegenüberliegenden Gewässerrändern (Varel1 & Varel2). 
Die erfolgreiche Etablierung hebt sich auch optisch deutlich vom intensiv genutzten Rest der Fläche ab, wie die Fotos zu Abb. 3 (siehe Dateianhang) vom 29. Juni 2026, nach einer frühen Nutzung im Mai zeigen. Die Schnittfolge 1 + 3 + 5 hat sich an diesem Standort bisher bewährt und wird vom Betriebsleiter als unproblematisch bewertet. 
Eine Schnittfolge 2 – 4 im ersten Jahr nach der Ansaat (Varel 2) war demgegenüber durch massenwüchsige Erträge mit überständigem Bestand und geringem Futterwert im ersten Schnitt geprägt. Daher ist diese Variante ungünstiger für die Futternutzung und nur im stark ausgehagerten Grünland empfehlenswert, wenn der erste Schnitt am Gewässerrand sehr geringen Aufwuchs zeigt.


Futternutzung
Für die Grünlandbewirtschafter sind die Kräuterstreifen bei einem Anteil um 6 bis 12% an der Gesamtfläche nur dann gut nutzbar, wenn der Aufwuchs in der Masse weniger stark ins Gewicht fällt. Bei einer Nutzungsfolge, die sich an den betrieblichen Schnitten 1- 3 - 5 orientiert, sind die Bedingungen für eine unbeschwerte Mitnahme des Kräuterstreifens in der Regel gut und kaum nachteilig zu bewerten. Abbildung 5 (siehe Dateianhang) vergleicht die Erträge und damit einhergehende Rohfasergehalte und Futterwerte von drei Aufwüchsen der Kräuterstreifen mit fünf Aufwüchsen intensiv genutzter Flächenanteile (Varel 1, 2025). Erst im letzten Aufwuchs (Oktober) nehmen die Energiegehalte drastisch ab, daher sollte in den ersten Jahren ggf. ein Pflegeschnitt anstelle einer ertraglichen Nutzung für die Kräuterstreifen eingeplant werden.
Im Gegensatz zu Ergebnissen aus dem ADAM-Projekt sind die agronomischen Ergebnisse aufgrund abgestufter Nutzung mit einem frühen ersten Schnitt insgesamt positiv zu werten. Kräuterstreifen erzielten mit 99,7 dt Trockenmasse in drei Schnitten deutliche Mehrerträge gegenüber der betriebsüblichen 5-schnittigen Nutzung mit nur 65,3 dt TM/ha auf dem nicht gedüngten Gewässerrand. Die mittleren Rohfasergehalte im Erntegut der Kräuterstreifen waren mit 25,2 % XF i.TM ebenfalls sehr akzeptabel und insbesondere im ersten Aufwuchs wurde bei früher Nutzung ein günstigeres Ergebnis erzielt als in der betrieblichen, vom Gras dominierten Variante. 


Die Ergebnisse zeigen, dass die Etablierung von Kräutern mit der richtigen Vorbereitung, dem richtigen Nutzungsregime und etwas Zeit sehr erfolgreich sein kann. Davon profitieren auch zahlreiche andere Arten wie Insekten, Vögel und kleine Säugetiere. Insgesamt leistet dies einen wertvollen Beitrag zur Förderung der lokalen Biodiversität. Durch den gezielten Aufbau solcher Strukturen können diese Instrumente einen wichtigen Beitrag zur Biotopvernetzung leisten. Auch im intensiv genutzten Grünland lassen sich die so aufgewerteten Gewässerränder noch gut verwerten, wenn das Nutzungsregime entsprechend angepasst wird. Nun fehlt nur noch ein geeignetes Förderprogramm für die Etablierung und Nutzung von Kräutermischungen in intensiv von Milchviehbetrieben genutzten Grünlandflächen. Im Rahmen einer öffentlichen Feldbegehung der Kräuterstreifen im Landkreis Friesland (Varel1. Varel2) können Sie sich ausführlich über das Thema informieren und austauschen. Anmeldungen sind über den Webcode33012648 willkommen.