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Mehr Milch aus Gras

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Unter dem Motto „Mehr Milch aus Gras“ fand am 27. August auf dem Betrieb Deichmann GbR im Wangerland ein Feldabend statt. Die Veranstaltung wurde vom Fachbereich Grünland und Futterbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit Unterstützung der Firma Lely organisiert. 

Großer Zuspruch beim Feldabend im Wangerland
Großer Zuspruch beim Feldabend im WangerlandFelicitas Kaemena
Rund 80 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen im Grünlandmanagement und innovative Technik für die Milchviehhaltung zu informieren.


Im Mittelpunkt des Abends standen zwei Schwerpunktthemen. Nach der Begrüßung durch Dr. Ralf Kosch, Leiter des Fachbereiches Grünland und Futterbau, erfolgte eine umfassende Grünlandansprache, bei der die Fachberater der Landwirtschaftskammer auf wichtige Aspekte einer erfolgreichen Grünlandbewirtschaftung eingingen. 

Dr. Christine Kalzendorf stellte die für Neuansaaten geeigneten Grasmischungen untersetzt nach der künftigen Nutzungsintensität vor. „In welcher Liga wollen Sie künftig mit dem Grasbestand dabei sein?“, war die Frage, die für die Teilnehmer vor Ort diskutiert wurde. Wichtig ist es, neben den Pflanzenarten in der Mischung auch die Sortenleistung im Fokus zu haben. 


Welchen Wert der Weißklee aus Sicht der Fütterung hat und was er für Einsparpotential in Bezug auf Dünger und Kraftfutter bringt, machte Frerich Wilken deutlich. Unter der Annahme, dass 20 % Ertragsanteil im Grünlandbestand als Durchschnittswert des Vegetationsjahres vorhanden sind, lassen sich über die Stickstofffixierungsleistung des Klees 200 kg Kalkammonsalpeter je Hektar anrechnen, was aktuell einem Gegenwert von etwa 90 Euro netto entspricht. Hinzu kommen weitere Vorteile in Bezug auf den Mineralstoffgehalt, der Schmackhaftigkeit, der Futterakzeptanz und den insgesamt positiven Einfluss des Kleeanteils auf den Rohproteingehalt des Aufwuchses. 

Geert-Udo Stroman von der LWK Niedersachsen erklärt, dass es in Zeiten des Klimawandels eine Herausforderung ist, den Ertrag und Qualität abzusichern.
Geert-Udo Stroman von der LWK Niedersachsen erklärt, dass es in Zeiten des Klimawandels eine Herausforderung ist, den Ertrag und Qualität abzusichern.Felicitas Kaemena

Wie man nun den guten Narbenzustand einer Neuansaat erhalten kann, fängt bereits bei der Auswahl der passenden Mischung zum Standort an. „Weidelgras ist eine wasserbedürftige Kultur und benötigt daher entsprechende Standorte mit einer gesicherten Wasserversorgung. Denn der Wasserbedarf für 1 kg TM liegt bei etwa 800 Liter“, erklärte Geert-Udo Stroman. In Zeiten des Klimawandels ist es eine Herausforderung, den Ertrag und Qualität abzusichern. Viel Fingerspitzengefühl ist bei den Pflegemaßnahmen notwendig. Als zentrale Voraussetzung für leistungsfähige Gras- und Kleebestände wurde zudem die Bedeutung eines angepassten pH-Wertes hervorgehoben. Nur bei einer ausreichenden Kalkversorgung könnten wertvolle Gräser dauerhaft erhalten und Leguminosen erfolgreich etabliert werden. Besonders auf den für die Region typischen Marschböden mit hohen Tonanteilen, wie sie auch auf dem Betrieb Deichmann vorkommen, komme dem Kalken zusätzlich eine wichtige Funktion für die Bodenstruktur zu.  „Wenn der Bestand in einem Top-Zustand bleiben soll, muss es auch im Boden stimmen“, so die Aussage von Dr. Christine Kalzendorf. Eine Spatenprobe machte oft deutlich, ob die Struktur für die jeweilige Bodenart passend, eine umfangreiche Durchwurzelung gewährt und das Bodenleben intakt ist. 


Der zweite Schwerpunkt des Feldabends war die Vorstellung des autonom fahrenden Exos-Systems der Firma Lely. Die Teilnehmenden konnten die Technik im praktischen Einsatz auf den Flächen der Deichmann GbR erleben. Das System ermöglicht die Ernte, den Transport und die direkte Vorlage von Frischgras automatisiert und eröffnet damit neue Wege für die Frischgrasfütterung in der Milchviehhaltung. Christian Plietz, von der Firma Lely, stellte die Technik ausführlich vor und diskutierte, gemeinsam mit Dr. Ralf Kosch, die Möglichkeiten, mit hochwertigem Grünfutter die Effizienz in der Milchproduktion zu steigern. 
Ergänzend dazu berichtete Betriebsleiter Ihno Deichmann aus der Praxis über die Erfahrungen auf seinem Betrieb und erläuterte die Vorteile, die der Einsatz des Exos mit sich bringt. Die Deichmann GbR bewirtschaftet derzeit rund 100 Hektar Grünland und hält 110 Milchkühe. Durch den Einsatz des Exos erhalten die Tiere 100 Prozent Frischgras als Grundfutter. Die tägliche Futtermenge liegt bei etwa 100 bis 120 Kilogramm Frischgras je Kuh.


Besonders hervor hob Deichmann die günstigen betrieblichen Voraussetzungen für den Einsatz des Systems. Von den insgesamt 100 Hektar Grünland liegen rund 94 Hektar direkt arrondiert am Betrieb. Etwa 80 Hektar dieser Flächen können potenziell durch den Exos bewirtschaftet werden. Die vorhandene Flächenstruktur mit kurzen Fahrwegen und großen zusammenhängenden Schlägen bietet damit ideale Bedingungen für die autonome Frischgrasfütterung. Besonders die regelmäßige Vorlage von frischem Gras, die hohe Futterqualität sowie die Arbeitserleichterung durch die autonome Technik wurden dabei betont. Zudem ermögliche das System eine effiziente Nutzung des vorhandenen Grünlandes und leiste damit einen Beitrag zur Steigerung der Grundfutterleistung. 


Der Feldabend machte deutlich, welches Potenzial in der Kombination aus professionellem Grünlandmanagement und moderner Erntetechnik steckt und wie groß das Interesse an innovativen Lösungen für eine zukunftsorientierte Grünlandnutzung mit neuen Fütterungskonzepten ist. Hochwertiges Gras bleibt die Grundlage einer wirtschaftlichen Milchproduktion, und neue technische Lösungen wie der Lely Exos können dazu beitragen, das Ziel „Mehr Milch aus Gras“ in der Praxis erfolgreich umzusetzen.