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Das Büro war lange der blinde Fleck im Betrieb.

Webcode: 01045825
Stand: 05.10.2026

Ein Gespräch mit Anne Dirking (Bezirksstelle Uelzen) über Entwicklung moderner Büroorganisation, die häufigsten Stolperfallen im Büroalltag und dem Bildungsangebot Im Fokus: Das Agrarbüro.

Anne Dirking und Katrin Busch
Anne Dirking und Katrin Busch im Gespräch.Christine Gehle

 

Wie hat sich das Büro in landwirtschaftlichen Betrieben in den vergangenen Jahren verändert?
Das Büro war lange der blinde Fleck im Betrieb. Jahrzehntelang galt: Wer einen Betrieb führt, muss Tiere kennen, Maschinen beherrschen und das Wetter im Blick haben. Das Büro lief nebenher: irgendwann, irgendwie, von irgendjemandem.

Heute merken viele, dass das so nicht mehr funktioniert. Förderanträge, Dokumentationen, Buchführung, digitale Meldungen und Kommunikation mit Behörden gehören längst zum Betriebsalltag. Wenn Strukturen fehlen, kostet das Zeit und Nerven: Unterlagen werden gesucht, Fristen geraten unter Druck und wichtige Informationen sind nicht dort, wo sie gebraucht werden.

Sie arbeiten seit vielen Jahren in Kursen zur Büroorganisation. Was überrascht Sie dabei immer noch?
Wie viel Energie das Büro kostet, ohne dass die Menschen es selbst so benennen. Viele sagen: „Ich bin einfach immer vom Büro gestresst.“ Wenn wir genauer hinschauen, steckt dahinter oft dasselbe: Sie suchen Unterlagen, Informationen oder Termine, und im Kern fehlt eine passende Struktur. Sie springen zwischen Aufgaben hin und her. Das kostet Zeit und Nerven und fällt im Alltag oft gar nicht auf.

Was ist der häufigste Fehler, den sie beobachten?
Auf vielen Betrieben fehlt es oft an einer praktikablen Ablagestruktur, egal ob es Ordner mit Papieren im Regal sind oder die digitalen Ordner im PC. Das klingt einfach, ist aber die Grundlage für alles andere. Wer nicht weiß, wo etwas hingehört, legt es irgendwo ab und sucht es später überall. Das gilt für Papier genauso wie für digitale Dokumente. Ein Ordner namens „Sonstiges“ auf dem Desktop ist kein System, sondern nur ein verschobenes Problem.

Haben Sie einen Tipp, wie man relativ einfach die Büroarbeit besser macht?
Ja: Bauen Sie Routinen auf, z.B. die ersten 10 Minuten im Büro die Aufgaben des Tages planen. Das Büro wird erledigt, „wenn Zeit ist“. Aber auf einem landwirtschaftlichen Betrieb ist selten wirklich Zeit. Wer keinen festen Rhythmus hat, verschiebt Aufgaben, bis Fristen drängen oder der Steuerberater nachfragt. Dabei reicht oft schon ein halber Tag pro Woche, wenn dieser konsequent eingeplant und auch umgesetzt wird.

Sie begleiten die Online-Reihe „Im Fokus: Das Agrarbüro“ von Anfang an. Was ist das Erfolgsrezept?
Das Thema ist auf fast jedem Betrieb ein wunder Punkt oder sogar eine Baustelle. Als im Herbst vergangenen Jahres unser fünfter Durchgang startete, war die Resonanz extrem groß. Am Ende hatten wir durchschnittlich 66 Teilnehmende pro Termin. Für ein Weiterbildungsangebot, das ausschließlich online stattfindet, ist das ein bemerkenswertes Ergebnis.

Aber es ist kein Zufall. Viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter wissen, dass das Büro ein entscheidender Teil ihres Arbeitsalltags ist. Sie brauchen dafür Bildungsangebote, die in den Alltag passen: online, ohne Anfahrt, kurz auf den Punkt gebracht und mit praxisrelevanten Themen: Ablage, Zeitmanagement, Fristenplanung und Digitalisierung. Das ist kein Luxus, das ist schlichtweg ein Bestandteil guter Betriebsführung.

Auf der Website der Landwirtschaftskammer gibt es viele Artikel zum Thema Digitalisierung. Wie geht es da auf den Betrieben voran?
Da sehe ich zwei Extreme: Die einen arbeiten fast ausschließlich mit Papier und verzichten auf digitale Möglichkeiten. Die anderen haben viele verschiedene Programme und Anwendungen, nutzen sie aber nicht konsequent und fühlen sich dadurch eher überfordert. Der wirksamste Ansatz liegt oft dazwischen: Wenige Werkzeuge auswählen, die zum Betrieb passen, und diese richtig nutzen.

Was würden Sie jemandem sagen, der sagt: „Büroorganisation ist nichts für mich, ich bin Landwirt und kein Büromensch.“
Meine etwas böse formulierte Gegenfrage wäre dann: „Geht denn das: Landwirt sein ohne Büro?“ Bürotätigkeiten sind aus meiner Sicht für jeden Landwirt Pflicht. Wie in jedem Beruf gibt es Aufgaben, die dazu gehören und gemacht werden müssen, auch wenn man sich nicht übermäßig dafür begeistern kann. Förderanträge, Dokumentationspflichten, Buchführung und digitale Meldungen laufen über jeden Schreibtisch. Die Frage ist nicht, ob man ein Bürotyp ist. Die Frage ist, ob man diese Aufgaben mit oder ohne System erledigt. Mit System geht es schneller, sicherer und mit deutlich weniger Stress.

Die Online-Reihe „Im Fokus: Das Agrarbüro“ startet am 20. November in die nächste Runde. Was dürfen die TN erwarten?
In zehn kompakten Online-Seminaren erhalten sie vielfältige Impulse für ein modernes, gut organisiertes und zukunftsfähiges Agrarbüro. Die Themen reichen von bewährten Klassikern wie Ablagestruktur und Zeitmanagement bis hin zu aktuellen Herausforderungen wie Datensicherheit und künstliche Intelligenz. Unser Ziel ist es zu zeigen, wie Büroorganisation im landwirtschaftlichen Alltag einfacher, zukunftsfähig und effizienter gestaltet werden kann.

Und dabei ist ganz egal, wie der eigene Wissensstand gerade eingeschätzt wird: Vom Büro-Laien bis zum Profi ist für jeden etwas dabei. Alle sind willkommen, die das Büro nicht länger als notwendiges Übel betrachten wollen, sondern als das, was es ist: Ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Betriebsführung.

 

Das Interview führte Katrin Busch am 23.9.2026

 

Die Reihe „Im Fokus: Das Agrarbüro“ startet am 20. November.
Wir haben alle Themen und Termine für Sie zusammengestellt.
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