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Das Grünland winterfit machen

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Herbstarbeiten im Grünland: Jetzt an das nächste Frühjahr denken

Die diesjährige Grünlandsaison neigt sich dem Ende zu. Gleichzeitig werden bereits jetzt die Grundlagen für einen erfolgreichen Vegetationsstart und hohe Erträge im ersten Aufwuchs des kommenden Jahres geschaffen. Die Witterungsbedingungen stellen die Grünlandbewirtschaftung dabei zunehmend vor Herausforderungen. Regionale Unterschiede bei Niederschlagsverteilung und Temperaturverlauf nehmen zu. So führten die ausgeprägten Trockenphasen im Sommer in vielen Regionen zu fehlender Bodenfeuchte und beeinträchtigten, insbesondere den dritten und vierten Schnitt, hinsichtlich Ertrag und Qualität.

Pflegemaßnahmen müssen daher immer häufiger flexibel und kurzfristig an die aktuellen Standortbedingungen angepasst werden. Mit den richtigen Maßnahmen im Herbst lassen sich die Bestandsqualität sichern und die Winterfestigkeit des Grünlands gezielt fördern.

Neu- und Nachsaat
Neu- und Nachsaaten sollten bis Mitte Oktober abgeschlossen seinFelicitas Kaemena
Nachsaaten jetzt durchführen

Der Spätsommer und frühe Herbst bieten in der Regel günstige Bedingungen für die Durchführung von Nachsaaten. Nachlassende Konkurrenz durch die Altnarbe sowie häufig steigende Bodenfeuchten begünstigen die Etablierung junger Gräser. Entscheidend für einen erfolgreichen Feldaufgang sind ausreichende Niederschläge nach der Aussaat, um eine gleichmäßige Keimung und Jugendentwicklung sicherzustellen.

Bereits ab einem Lückenanteil von etwa 10 bis 15 % sollte eine gezielte Nachsaat erfolgen. Insbesondere das Deutsche Weidelgras eignet sich aufgrund seines hohen Futterwertes, seiner schnellen Jugendentwicklung, der ausgeprägten Narbendichte sowie seiner hohen Ertragsleistung hervorragend zur Schließung von Narbenlücken. Im intensiv genutzten Dauergrünland des nordwestdeutschen Tieflandes stellt es nach wie vor die wichtigste bestandsbildende Grasart dar.

Die Auswahl der Nachsaatmischung beeinflusst nicht nur den Futterwert, sondern auch die Nutzungselastizität und die Anpassungsfähigkeit des Bestandes an unterschiedliche Bewirtschaftungssysteme. Um eine ausreichende Vorwinterentwicklung der jungen Pflanzen sicherzustellen, sollten Nachsaaten spätestens bis Mitte Oktober abgeschlossen sein.

Umgang mit Mäusebefall in Grünlandbeständen

In vielen Grünlandregionen Niedersachsens rückt in diesem Jahr neben Trockenstress auch der Mäusebefall als Problem in den Fokus. Insbesondere auf den schwereren Böden und Moorflächen wurden erhöhte Aktivitäten registriert. Vorrangig Feldmäuse und Schermäuse vermehren sich unter günstigen Bedingungen innerhalb kurzer Zeit stark und verursachen erhebliche Schäden an der Grasnarbe. Trockene Sommer, milde Winter sowie lückige Bestände fördern die Entwicklung hoher Populationsdichten. Typische Schadbilder zeigen sich in Form zahlreicher Mäuselöcher, Erdhaufen, Fraßgängen und abgestorbenen Narbenbereichen.

Besonders auf intensiv genutzten Milchviehbetrieben können die Schäden zu erheblichen Ertragsverlusten und einer verminderten Futterqualität führen, indem  die entstandenen Narbenlücken die Ausbreitung unerwünschter Arten wie Gemeiner Rispe, Ampfer oder sonstiger Unkräuter begünstigen.

Vor dem Winter ist eine intensive Kontrolle auf Mäuseaktivitäten anzuraten, um noch rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. Eine regelmäßige Bonitur ermöglicht es, lokale Befallsherde frühzeitig zu erkennen. Besonders gefährdet sind trockenheitsgeschädigte, lückige oder extensiv genutzte Bestände, da diese den Nagern optimale Lebensbedingungen bieten.

Insbesondere Neuansaaten sollten im Hinblick auf eine Zuwanderung der Mäuse von den Rändern regelmäßig kontrolliert werden und schon bei Anfangsbefall konsequent mit Zinkphosphid-haltigen Präparaten behandelt werden. Gleiches gilt für intakte Altnarben.

Als chemische Bekämpfung sind derzeit nur Mäuseköder auf Basis des Wirkstoffs Zinkphosphid zugelassen und im Handel erhältlich, das als ein schnell wirkendes Akutgift gilt und aktiv von den Zielorganismen gefressen werden muss.  Die genannten Mäuseköder müssen mit einer Legeflinte verdeckt (in die Mauselöcher hinein – für andere Arten nicht erkenn- oder erreichbar) abgelegt werden, um Vergiftungen bei Haus- und Wildtieren (Vögel u.a. Nagetierarten) zu vermeiden.

Im Rahmen der Mäusevorbeugung kommt einer dichten und leistungsfähigen Grasnarbe eine zentrale Bedeutung zu. Regelmäßige Nachsaaten, eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung sowie die Vermeidung von Narbenlücken erschweren die Etablierung größerer Mäusepopulationen. Gleichzeitig können Kurzrasenphasen durch Schnitt oder Beweidung die Attraktivität der Bestände für Mäuse reduzieren, da Deckungsmöglichkeiten fehlen und natürliche Fraßfeinde wie Greifvögel die Tiere leichter erbeuten können.

Die weitere Entwicklung der Mäusepopulationen hängt stark von den Witterungsbedingungen des Winters 2026/27 ab. Milde Winter und trockene Frühjahre können eine erneute Bestandszunahme begünstigen, weshalb eine kontinuierliche Beobachtung der Flächen unerlässlich bleibt.

Herbstbeweidung gezielt nutzen

Die Herbstnutzung sollte flexibel an die Witterungs- und Bodenverhältnisse angepasst werden. Insbesondere bei ausreichender Tragfähigkeit der Flächen kann eine Nachweide nach mehrmaliger Schnittnutzung einen wichtigen Beitrag zur Grünlandpflege leisten. Der Verbiss und die Trittwirkung der Tiere fördern die Narbenverdichtung und tragen zu einer besseren Winterhärte des Bestandes bei. Gleichzeitig wird ein zu hoher Aufwuchs vor Wintereinbruch vermieden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Beweidung rechtzeitig vor anhaltend nassen Bodenbedingungen beendet wird. Nur so können Trittschäden vermieden und eine ausreichende Regenerationsphase der Pflanzen vor dem Winter gewährleistet werden.

Letzte Nutzung nicht zu spät durchführen

Die in den vergangenen Jahren häufig milden Herbsttemperaturen führen, insbesondere in weidelgrasreichen Beständen, oftmals zu einem anhaltenden Wachstum bis in den Spätherbst hinein. Gleichzeitig können ausgebrachte organische Dünger aufgrund ausreichender Niederschläge nochmals nachwirken und zusätzliche Aufwüchse fördern.

Überständige Bestände mit Wuchshöhen von mehr als 10 cm weisen ein erhöhtes Risiko für Auswinterungsschäden auf. Daher sollte ein letzter Reinigungsschnitt oder Mulchgang eingeplant werden, um die Grasnarbe vor Wintereinbruch kurz und gesund zu halten. Als Orientierung bietet sich die letzte Oktoberdekade an, wobei der tatsächliche Termin an die aktuelle Witterung anzupassen ist.

Wurde der letzte Schnitt früh durchgeführt und setzt das Wachstum insbesondere beim Deutschen Weidelgras aufgrund milder Temperaturen fort, kann ein zusätzlicher Mulchgang sinnvoll sein.

Auch auf Weideflächen sollten nicht abgefressene Futterreste rechtzeitig ausgemäht oder gemulcht werden. Größere Mulchauflagen sind nach Möglichkeit von der Fläche zu entfernen. Hohe Restaufwüchse beeinträchtigen nicht nur die Futterqualität und Narbenstruktur, sondern erhöhen ebenfalls das Risiko von Frost- und Auswinterungsschäden.

Kalkung als Grundlage für stabile und leistungsfähige Grünlandstandorte

Eine bedarfsgerechte Kalkversorgung bildet die Grundlage für die nachhaltige Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit im Grünland. Die Kalkung sollte langfristig geplant und auf Grundlage aktueller Bodenuntersuchungen flächenspezifisch durchgeführt werden, um einer schleichenden Absenkung des pH-Wertes entgegenzuwirken. Die Wirkung des Kalkes beruht auf chemischen, physikalischen und biologischen Prozessen. Über die Regulierung des pH-Wertes wird die Verfügbarkeit verschiedener Nährstoffe beeinflusst. Darüber hinaus fördert Kalk die Bildung stabiler Bodenaggregate. Dadurch verbessern sich Tragfähigkeit, Wasserinfiltration und Durchlüftung des Bodens. Insbesondere auf mineralischen Grünlandstandorten erhöht sich die Widerstandsfähigkeit gegenüber Verdichtungen, während gleichzeitig das Wurzelwachstum sowie der Wasser- und Lufthaushalt positiv beeinflusst werden. Diese Eigenschaften gewinnen vor dem Hintergrund zunehmender Wetterextreme zunehmend an Bedeutung. Zusätzlich profitieren zahlreiche Bodenorganismen von einem optimalen pH-Wert. Dies fördert wichtige Umsetzungs- und Mineralisierungsprozesse im Boden und trägt zu einer nachhaltigen Nährstoffversorgung der Grünlandbestände bei.

Neben dieser indirekten Wirkung durch die Bodengare werden Bodenlebewesen auch direkt durch einen optimalen pH-Wert begünstigt. Damit hat der pH-Wert einen Einfluss auf wichtige Abbau- und Umbauprozesse im Boden. Je nach Bodenart und Humusgehalt sollte der pH-Wert unter Dauergrünland mineralischer Böden zwischen 5,5 bis 6,5 liegen. In Tabelle 1 finden Sie den Ziel-pH-Wert und die Erhaltungskalkung in Abhängigkeit vom Humusgehalt für das Grünland. Die pH-Klasse C – Erhaltungskalkung ist immer anzustreben und muss flächenscharf auf Basis von aktuellen Bodenproben geplant werden.

Auf Moorstandorten ist aufgrund ihrer nicht mineralischen Bodenstruktur ein sehr niedriger pH-Wertebereich ab > 4,0 tolerierbar, ohne Nachteile für die Nährstoffverfügbarkeit oder Bodenstruktur befürchten zu müssen. Mit zunehmendem pH-Wert wird auf diesen organischen Böden der Abbau der organischen Masse gefördert, wodurch mittelfristig Strukturschäden und Höhenverluste (Substanzabbau) dieser Standorte beschleunigt werden. Eine Erhaltungskalkung dieser Standorte wird daher nicht empfohlen.

Tabelle 1: Ziel-pH-Wert und die Erhaltungskalkung in Abhängigkeit vom Humusgehalt für das Grünland
Bodenart (Tongehalt in %) Humusgehalt des Bodens %
< 15 15,1 - 30 > 30
pH-Werte der Klasse C
Sand (bis 5) 4,7 - 5,2 4,3 - 4,7  
Schwach lehmiger Sand (5-12) 5,2 - 5,7 4,6 - 5,1  
Stark lehmiger Sand (12-17) 5,4 - 6,0 4,8 - 5,4  
Sandiger/schluffiger Lehm (17-25) 5,6 - 6,3 5,0 - 5,7  
Toniger lehm bis Ton (> 25) 5,7 - 6,5 5,1 - 5,9  
Moorböden 1)     4,32)
       
1) bei vielen Niedermooren liegen die pH-Werte entstehungsbedingt > 6,5  
2) keine Erhaltungskalkung       

 

Fazit: Wichtige Herbstmaßnahmen im Grünland

  • Bestände rechtzeitig kontrollieren und Narbenlücken erfassen
  • Nachsaaten bei mehr als 10 bis 15 % Lückenanteil möglichst bis Mitte Oktober durchführen
  • Ausreichende Bodenfeuchte für eine sichere Etablierung der Nachsaat nutzen
  • Mäusebefall frühzeitig erkennen und lokale Befallsherde konsequent bekämpfen
  • Herbstbeweidung zur Narbenpflege und Bestandsverdichtung gezielt einsetzen
  • Beweidung rechtzeitig beenden, um Trittschäden auf feuchten Böden zu vermeiden
  • Überständige Aufwüchse durch Reinigungsschnitt oder Mulchen reduzieren
  • Grasnarbe mit angepasster Aufwuchshöhe in den Winter führen
  • Futterreste auf Weideflächen beseitigen und Mulchauflagen möglichst entfernen
  • Kalkungsbedarf anhand aktueller Bodenuntersuchungen überprüfen
  • Erhaltungskalkung auf mineralischen Standorten bedarfsgerecht durchführen
  • Durch rechtzeitige Herbstmaßnahmen Winterfestigkeit, Bestandsqualität und Ertragspotenzial des ersten Aufwuchses 2027 sichern.