Bezirksstelle Nienburg

Getreidebestände regelmäßig kontrollieren und Fungizide gezielt einsetzen

Webcode: 01045226

Nachdem in 2024 früher und hoher Befallsdruck bereits im Schossen Fungizidmaßnahmen notwendig machten, war 2025 durch überwiegend geringen Krankheitsdruck geprägt. Eine gezielte Behandlung ab Ährenschieben war häufig ausreichend. Mit welcher Fungizidstrategie auf mögliche Infektionsbedingungen 2026 reagiert werden kann, wird hier beschrieben.

Neue Präparate für 2026:

Neue Fungizidwirkstoffe sind für 2026 nicht zugelassen, allerdings läuft für keinen Getreidefungizidwirkstoff in diesem Jahr die Zulassung aus. Aufgrund einer Neubewertung des Wirkstoffes Cyprodinil durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird u. U. für die Produkte mit diesem Wirkstoff, wie Kayak und Unix die Zulassung 2027 enden. Hierdurch würde ein wichtiges Werkzeug für die Bekämpfung von Halmbruch in Getreide fehlen.

Als neue Packlösungen für 2026 stehen z.B. an:

Das Cayunis Xpro Set (Fa. Bayer) bestehend aus Cayunis (Bixafen 75 g/l + Spiroxamine 150 g/l + Trifloxystrobin 100 g/l) + Siltra Xpro (Prothioconazol 200 g/l + Bixafen 60 g/l). Die maximale Aufwandmenge beträgt 1,0 + 1,0 l/ha in Weizen, Gerste, Roggen und Triticale mit einem breiten Einsatzfenster ab Schossbeginn bis zur Blüte.

Die Fa. FMC hat mit Jordi Power ebenso eine Packlösung präsentiert. Jordi Power besteht aus Jordi (Bixafen 50 g/l + Prothioconazol 100 g/l + Spiroxamine 250 g/l) und NAFABO (Folpet 500 g/l). Die Indikation des Packs umfasst Septoria tritici in Weizen und Rhynchosporium, Netzflecken sowie Ramularia in Gerste. Die Aufwandmenge beträgt 1,5 + 1,5 l/ha. Pflanzenschutzrechtlich gilt für Jordi Power ein Gewässerabstand von mind. 10 m bei Einsatz 90% abdriftreduzierender Technik.

Elatus Era Max: Dieses Pack der Fa. Syngenta enthält Elatus Era (Benzovindiflupyr 75 g/l + Prothioconazol 150 g/l) und Amistar Max (Azoxystrobin 93,5 g/l + Folpet 500 g/l). Neben Ramularia und Zwergrost in Gerste, umfasst die Indikation Septoria tritici, Gelb- und Braunrost in Weizen sowie Braunrost in Roggen und Triticale. Die Aufwandmenge beträgt 1,0 + 1,5 l/ha bei einem pflanzenschutzrechtlichen Gewässerabstand von 5 m bei Einsatz von 90% abdriftreduzierender Technik.

Eine Mittelübersicht derzeit zugelassener Getreidefungizide ist auf der Homepage der LWK unter dem Webcode 01045226 einzusehen.

Resistenzentwicklung:

Seit längerem ist ein Wirkungsverlust bei den Carboxamiden und auch Strobilurinen gegenüber Netzfleckenisolaten zu beobachten. Von den Strobilurin-Wirkstoffen hat das Pyraclostrobin im Mittel Comet kombiniert mit Mefentrifluconazol im Produkt Balaya derzeit noch die sicherste Wirkung gegen Netzflecken. Die Bekämpfung der Ramularia-Sprenkelkrankheit ist aufgrund der verbreiteten Resistenzen dieses Krankheitserregers gegen Carboxamide, Strobilurine und zunehmend auch Prothioconazol erschwert. Mit dem Wirkstoff Mefentrifluconazol (Revysol), der z. B. in den Produkten Revytrex und Balaya enthalten ist, steht neben dem Kontaktwirkstoff Folpet ein weiterer Wirkstoff zur Verfügung, der eine unterstützende Wirkung auf diesen Erreger erzielt. Da sich der Erreger sehr schnell anpassen kann, sollten bei Bedarf möglichst Mischungen oder Spritzfolgen aus Fungiziden, die Prothioconazol und Mefentrifluconazol enthalten, eingesetzt werden. Feldversuche in Niedersachsen zeigen, dass die Zugabe von Folpet, enthalten in z.B. Folpan 500 SC, zu einer Azol-Carboxamid Kombination die Wirksamkeit gegen Ramularia deutlich erhöht. Darüber hinaus kann durch die Zugabe des Multi-Site Wirkstoffs Folpet eine Anpassung des Erregers durch Selektion verlangsamt werden. Späte Behandlungstermine um BBCH 55 zeigen in Versuchen höhere Wirkungsgrade gegen Ramularia im Vergleich zum früheren Einsatztermin in BBCH 39. Beim Einsatz von Folpan 500 SC in Gerste ist ein Gewässerabstand von 5 m bei 90 % Abdriftminderung einzuhalten.

 

Empfehlungen:

  • Wintergerste

Einfachfungizidmaßnahmen: (Abb. 1)

Die einmalige Anwendung von Fungiziden in der Vegetationsperiode ist in Wintergerste für die Bestände geeignet, auf denen sowohl ein verzögertes Auftreten an Blattkrankheiten als auch der Anbau blattgesünderer Sorten wie z.B. KWS Exquis, Julia, Fascination oder SY Loona grundsätzlich die Schadenswahrscheinlichkeit senkt. Bei der Strategie Einfachmaßnahme muss die Spritzung in der Regel ca. 1 Woche früher als die Abschlußmaßnahme in einer Spritzfolge erfolgen. Dadurch besteht grundsätzlich die Gefahr, später auftretende Infektionen insbesondere mit Ramularia nicht mehr sicher zu erfassen. Aus diesem Grund sollte die Aufwandmenge der eingesetzten Präparate, die zwischen BBCH 39 (Fahnenblattstadium) und BBCH 49 (Grannenspitzen) eingesetzt werden, höher sein als in der Spritzfolge. Geeignete Präparatkombinationen sind z.B. Revytrex + Bolt, Ascra Xpro, Elatus Era Max und das Avastel Pack, die unter Ramularia-Befallsbedingungen mit Folpan 500 SC kombiniert werden. Die Tankmischung aus Revytrex plus z.B. Joust ist ebenso gegen Ramularia sehr wirkungsvoll. Da hierbei kein Folpan 500 SC zur Anwendung kommt, ist pflanzenschutzrechtlich der Gewässerabstand bei 1m ab Böschungsoberkante relevant.

Zweifachfungizidmaßnahme: (Abb. 2)

Tritt wie 2024 bereits Befall an Blattkrankheiten wie Zwergrost, Rhynchosporium und Mehltau im Schossen auf, ist eine Zweifachspritzfolge sicherer. Beim ersten Termin bieten sich Präparate wie z.B. Orius oder Folicur oder auch Forapro an, wenn neben Rost und Netzflecken starker Mehltau auftritt. Bei vorrangigem und stärkerem Netzfleckenbefall kann auch das Cyprodinil-haltige Kayak zum Einsatz kommen. Häufig tritt gleichzeitig Zwergrost auf, so dass einem Kayak (0,75 l/ha) ein Azol wie z.B. Orius (0,6 l/ha) hinzugefügt werden kann. Ist stärkerer Rhynchosporium-Befall zu kontrollieren, kann einem Prothioconazol-haltigem Bolt der Vorzug gegeben werden.

Eine zweite Fungizidmaßnahme ab dem Grannenspitzen (BBCH 49) muss gegen späte Infektionen insbesondere gegenüber Ramularia Sicherheit bringen. Hier bieten sich Ramularia-wirksame Kombinationsprodukte wie Revytrex 1,0 l/ha oder Ascra Xpro 0,8 l/ha oder Elatus Era Max mit 0,7 + 1,1 l/ha an. Die Wirksamkeit gegen Ramularia wird durch die Zugabe von Folpet um ca. 15 – 20% deutlich erhöht. Zeichnet sich zur Abschlußmaßnahme ein sehr starker Befallsdruck mit Ramularia ab, kann z.B. Revytrex 1,0 l/ha mit Proline oder Joust 0,4 l/ha sowie mit Folpan 500 SC 1,25 l/ha kombiniert werden. Im Elatus Era Max Pack ist der Wirkstoff Folpet bereits enthalten. In Spritzfolgen sollte ein Azolwechsel vorgenommen werden. Die Fungizidspritzfolge ermöglicht es, die Abschlußbehandlung bis ins Ährenschieben hinauszuzögern. Zu diesem Einsatztermin werden neben den oberen Blättern auch die wesentlich an der Ertragsbildung beteiligten Grannen und Spelzen der Ähren direkt benetzt.

  • Winterroggen (Abb. 3)

Eine gezielte und wirkungsvolle Kontrolle von Braunrost stellt einen wesentlichen Beitrag für die Ertragsabsicherung dar. Das aktuelle Sortenspektrum in Winterroggen besitzt zudem eine Reihe von Sorten mit verbesserter Festigkeit gegenüber Braunrost. Hierzu gehören z.B. die Sorten KWS Baridor, SU Karlsson oder SU Erling.

Bei geringem und spätem Befallsdruck mit Braunrost kann zum Ährenschieben mit lang wirkenden Kombinationsprodukten wie z.B. Elatus Era (0,8 – 1,0 l/ha), Balaya (1,2 l/ha) oder auch Zeus (Azoxystrobin) (0,7 l/ha) + Folicur (0,7 l/ha) mit etwas geringerer Dauerwirkung behandelt werden.

Zeigen Feldkontrollen bereits zu Beginn des Schossens zunehmenden Braunrostbefall an, sollte ein Fungizideinsatz mit rostwirksamen Mitteln wie z.B. Orius (0,7 – 0,8 l/ha) oder Panorama (0,3 l/ha) durchgeführt werden. Tritt Mehltau gleichzeitig auf, kann z.B. ein Forapro (0,8 l/ha) gewählt werden. Dort, wo aufgrund sehr früher Aussaattermine zusätzlich Infektionen mit Halmbruch zu berücksichtigen sind, besitzt z.B. Unix + Pecari 300 EC (0,5 + 0,5 l/ha) oder Input Triple mit 0,8 - 1,2 l/ha Wirkung gegen diese Krankheiten. Mit diesen Mitteln wird gleichzeitig Rhynchosporium kontrolliert. Entscheidend für die Vermeidung eines hohen Halmbruchrisikos sind angepasste spätere Aussaattermine.

Im Roggen stellt die Abschlußmaßnahme ab BBCH 49/51 über Jahre hinweg die wichtigste und in vielen Fällen einzig notwendige Fungizidmaßnahme dar. Bei der Präparateauswahl ist zu beachten, dass eine langanhaltende Wirkung auf Braunrost gefordert ist. Dies kann über Fungizide sichergestellt werden, die Wirkstoffe aus der Gruppe der Carboxamide und Strobilurine enthalten. Hierzu gehören Mittelkombinationen wie z.B. Elatus Era + ZEUS (0,5 + 0,7 l/ha), Avastel Pack (1,0 + 0,5 l/ha), Balaya (1,2 l(ha) oder auch die Carboxamid-freie Tankmischung aus z.B. ZEUS (Azoxystrobin) + Orius (0,7 + 0,7 l/ha). Nur bei sehr spät auftretendem Braunrostbefall ab der Roggenblüte können reine Azol-Präparate wie Folicur (1,0 l/ha) oder Panorama (0,4 l/ha) eingesetzt werden. Diese Präparate dürfen bis zum Ende der Roggenblüte (BBCH 69) zur Anwendung kommen.

 

Versuch in Winterroggen in 2025 (Abb. 4):

In einem Gemeinschaftsprogramm der LWK Niedersachsen zur Kontrolle von Braunrost in Winterroggen der Sorten Tayo und Eterno wurden in BBCH 39 bis 51 verschiedene Azol-Carboxamide / Picolinamide bzw. Strobilurin-Kombinationen in ihrem Wirkungsgrad auf den Befall und Roggenertrag geprüft. Braunrost trat in 2025 erst zu den späteren Wachstumsstadien auf und erreichte in diesen Versuchen eine durchschnittliche Befallsstärke von 42 % in der Kontrolle. Für das Produkt Elatus Era konnte eine deutliche Dosis-/Wirkbeziehung mit 77 % Wirkungsgrad bei 50% der zugelassenen bzw. 91 % bei voller Aufwandmenge festgestellt werden. Einen Wirkungsgrad von 90 % konnte auch durch die Kombination Elatus Era 0,5 + Amistar 0,75 l/ha erzielt werden. Deutlich abfallend war die Wirkung von Revytrex (52%) und Avastel mit 75 %. Entsprechend dem Wirkungsgrad fiel die ertragssichernde Leistung der Elatus Era Varianten positiv aus, so dass der Ertragsvorteil von Variante 8 auch statisch zur Variante 5 (Revytrex) abzusichern war. Mit Ausnahme der Variante 5 waren die gemessenen Erträge der behandelten Varianten auch zur Kontrolle signifikant höher. Dieses Gemeinschaftsprogramm zeigt die nach wir vor sichere Wirkleistung des Elatus Era in Kurativsituationen gegen Braunrost in Roggen. Auf der anderen Seite wird aus diesen Ergebnissen auch die Notwendigkeit einer Strobilurin-Zugabe zu den Carboxamid-Kombinationen wie z.B. das Comet (Pyraclostrobin) zum Revytrex bzw. von Azoxystrobin zum Univoq bei der Bekämpfung von Braunrost in Roggen deutlich.

  • Wintertriticale (Abb. 5)

Mehltau, Gelbrost und Braunrost sind die wichtigsten Blattkrankheiten, die in Triticale zur Ertragsabsicherung zu kontrollieren sind. Bei geringem Ausgangsbefall im Frühjahr in spät gesäter Triticale nach Mais und/oder in blattgesünderen Sorten wie z.B. Belcanto, Bicross, Fantastico oder Lumaco reduzieren sich die Fungizidmaßnahmen häufig auf eine Einfachmaßnahme auf den vollständig geschobenen Blattapparat (BBCH 39 – 51). Hier bieten sich roststarke Kombinationen mit Dauerwirkung wie z.B. Ascra Xpro (1,0 l/ha), Revytrex + Comet (1,0 + 0,33 l/ha), Elatus Era (0,8 l/ha) oder Pioli + Soratel (1,0 + 0,5 l/ha) im Avastel Pack an. Diese Mittel können auch in Spritzfolgen als zweite Maßnahme zum Ährenschieben zum Einsatz kommen. Ein frühzeitiger Befall durch Roste im Schossen lässt sich mit Azolen wie z.B. Orius (0,8 - 1,0 l/ha) oder z.B. dem Prothioconazol Bolt (0,5 - 0,6 l/ha) kontrollieren. Kommt zum Gelbrost noch Mehltau hinzu, ist Forapro (0,8 l/ha) oder auch Verben (0,8 l/ha) wirksam. Bei höherem Befall an Halmbrucherregern und auch Rostarten steht Unix + Pecari 300 (0,5 + 0,5 l/ha) im Unix Pro Pack zur Verfügung.

Beim Anbau von Triticale nach Mais in Mulchsaatbestellung kann die Situation auftreten, den Bestand gegen Ährenfusariosen absichern zu müssen. Eine entsprechende Zulassung gegen diesen Schaderreger besitzen in Triticale die Fungizide Input Classic mit 1,25 l/ha als auch Tebucur 250 EW / Helocur mit 1,25 l/h. Aktuell besteht nun auch für das Präparat Navura eine Zulassung gegen Ährenfusarium in Triticale mit 1,5 l/ha. Bedenken Sie, dass Fungizideinsätze gegen Ährenfusariosen begrenzte Wirkungsgrade erzielen. Sinnvoller sind vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes wie das Zerkleinern von Maisstoppeln mit anschließender Pflugfurche oder auch der Anbau toleranter Sorten. Durch die Auswahl gesünderer Sorten kann die Reduktion des DON-Gehaltes im Erntegut deutlich beeinflusst werden. Triticalesorten mit guter Festigkeit gegen Ährenfusariosen sind z.B. Bicross, Belcanto, Fantastico oder Lumaco.

 

Zusammenfassung:

  • Gesunde Getreidesorten und angepasste Aussaattermine senken die Befallswahrscheinlichkeit für Krankheiten.
  • Bei frühem Befall mit Blattkrankheiten (wie in 2024) waren die T1-Fungizidmaßnahmen in anfälligen Sorten häufig wirtschaftlich.
  • Die wesentlichen Schaderreger in Gerste, Roggen und Triticale sind durch die vorhandenen Wirkstoffe noch sicher zu kontrollieren.