Die lange Auflaufphase der Kartoffeln sowie der anschließende Zeitraum bis zum Bestandesschluss bieten Unkräutern in der Reihenkultur offene Flanken für günstige Entwicklungsbedingungen.
Besonders konkurrenzstarke Arten wie Gänsefuß‑ und Knötericharten oder der Schwarze Nachtschatten können die Kultur auch trotz späterer Beschattung durch den Bestand überwachsen und führen damit zu deutlichen Konkurrenzsituationen um Licht, Wasser und Nährstoffe. Mit dem Wegfall sämtlicher Metribuzin-haltigen Produkte ab November 2025 steht dieser Wirkstoff nach mehr als 50 Einsatzjahren in der kommenden Saison nicht mehr zur Verfügung. Betroffene Produkte sind unter anderem Sencor Liquid, Mistral, Metric, Arcade und Artist. Vor allem die Möglichkeiten zur Unkrautbekämpfung im Nachauflauf werden hiermit stark eingeschränkt, so dass sich die Schwerpunktsetzung in der Kartoffelunkrautkontrolle weiter in den frühen Anwendungsbereich verlagert. Vor diesem Hintergrund bleibt es entscheidend, die Unkrautkontrolle frühzeitig abzusichern und bereits im Vorauflauf eine nachhaltige und breit wirksame Herbizidstrategie zu fahren. Eine gute Kenntnis über Artenspektrum und Unkrautdichte betroffener Standorte ist dabei Voraussetzung für den Bekämpfungserfolg.
Vorauflauf als Basis der Unkrautkontrolle
Als zentrale Basisbausteine kommen bodenwirksame Herbizide mit verlässlicher Dauerwirkung zum Zuge. Dem Wirkungsprofil von Metribizin am nächsten, stellt hier der Wirkstoff Metobromuron, enthalten in z.B. Proman eine Alternative dar. Metobromuron-haltige Produkte können allerdings nur im Vorauflauf bis kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffeln eingesetzt werden. Das Wirkungsspektrum umfasst einjährige zweikeimblättrige Unkräuter sowie Hühnerhirse und Einjähriges Rispengras. Besonders auf Flächen mit regelmäßigem Kamille‑ oder Gänsefußauftreten ist Proman ein zuverlässiger Baustein mit nachhaltiger Bodenwirkung. Zu beachten ist, dass sich die Leistung unter feuchteren Bedingungen verstärkt. Der Einsatz von Proman bietet sich daher vor allem in Jahren mit ausreichenden Niederschlägen oder auf beregneten Standorten an. Der pflanzenschutzrechtlich geringste Gewässerabstand beträgt 1 m bei Einsatz 50 % abdriftmindernder Technik. Zusätzlich besteht die Auflage WP720: Kein Nachbau von zweikeimblättrigen Zwischenfrüchten sowie Winterraps.
Neben Metobromuron haben sich Wirkstoffe wie Aclonifen und Prosulfocarb zur Unkrautregulierung in Kartoffeln langjährig bewährt. Aclonifen (enthalten in z.B. Bandur, Chanon und ECLAIRE) bieten eine sehr gute Breitenwirkung, besonders gegen Weißen Gänsefuß, Melde-Arten, Klettenlabkraut und Vogelmiere unter trockenen Einsatzbedingungen. Bandur und Eclaire besitzen eine Zulassung im Vorauflauf mit 4,0 l/ha; Chanon ist mit max. 2,0 l/ha im Vorauflauf zugelassen. Wird mit Einsatz 90 % abdriftmindernder Technik appliziert, beträgt der pflanzenschutzrechtliche Gewässerabstand bei diesen Präparaten 5 m.
Der Wirkstoff Prosulfocarb, enthalten in z.B. Boxer, nimmt weiterhin die wichtigste Rolle bei der Unkrautbekämpfung in Kartoffeln ein. Bei einem flexiblem Einsatzfenster bis kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffeln (bei der alten Zulassung von Boxer oder Alternativprodukten) sowie bis in den frühen Nachauflauf (mit der neuen Zulassung von Boxer) verfügt dieser Wirkstoff über eine gute Gräserwirkung und solide Unkrautwirkung. Neben einer breiten Wirkung auf z.B. Klettenlabkraut, Vogelmiere, Ackerhohlzahn, wird auch Einjährige Rispe und Ackerfuchsschwanz erfasst. Aufgrund des Abdrift‑ und Verflüchtigungsverhaltens bestehen allerdings strenge technische Anwendungsbestimmungen für die Ausbringung von Prosulfocarb-haltigen Herbiziden. Um Einträge in benachbarte Flächen, vor allem mit Anbau von empfindlichen Kulturen wie z.B. Gemüse‑ oder Kräuter sicher zu vermeiden, ist ausschließlich mit 90 % abdriftmindernder Technik, bei maximal 7,5 km/h Fahrgeschwindigkeit, mindestens 300 l/ha Wasser und nur bei Windgeschwindigkeiten bis maximal 3 m/s zu applizieren (s. Abbildung 2). Einige Prosulfocarb-haltige Präparate verfügen nicht über die einschränkenden NT-Auflagen, zum Schutz des Wirkstoffes sollte allerdings auch beim Einsatz dieser Mittel eine besonders abdriftarme Ausbringung sichergestellt werden. Ein sorgfältig geplantes Zeitfenster mit vorheriger Kontrolle der Randlagen und der Witterungsbedingungen hat sich für diese Einsätze bewährt. Die Neuzulassung von Boxer und dessen Unterzulassungen wie z.B. Filon, Milot, und Auros 80 EC wird in der Abbildung 1 beschrieben. Für die Boxer-Präparate mit der alten Zulassungsnummer: 033838-00 ist die Zulassung am 31.10.2025 abgelaufen. Es gilt jedoch noch eine Abverkaufsfrist bis zum 30.04.2026 und ein Aufbrauchen dieser Mittel ist bis zum 30.04.2027 möglich. Achtung! Bis dahin können sich beide Boxer-Generationen legal im Umlauf befinden. Hier ist besondere Achtsamkeit bei der Dokumentation sowie den Unterschieden in der Zulassung (Höchstaufwandmengen und Anwendungszeitraum) angeraten. Weitere Prosulfocarb-Herbizide sind in der Herbizidübersicht aufgeführt. Hier sind die unterschiedlichen Auflagen zu beachten.
(siehe Abbildung 1)
Ergänzende Bausteine im frühen Vorauflauf
Clomazone-haltige Produkte wie z.B. Centium 36 CS ergänzen Strategien im frühen Vorauflauf und tragen zur Absicherung der Wirkung gegen Klettenlabkraut, Windenknöterich und Vogelmiere bei. Der Einsatz muss im frühen Vorauflauf erfolgen, da Clomazone bei späterer Anwendung zu Aufhellungen an den Kulturpflanzen führen kann. Die Anwendung Clomazone-haltiger Herbizide ist mit Ausnahme von Novitron Dam Tec, PRIZE und CZAR in Vermehrungsbeständen nicht zugelassen, wobei vom Einsatz Clomazone-haltiger Herbizide in Vermehrungskartoffeln grundsätzlich abgeraten wird. Wirkungsbedingte Blattaufhellungen an den Kartoffeln nach starken Niederschlägen können hier zu Unstimmigkeiten bei der Pflanzgutanerkennung führen. Umfangreiche Anwendungsbestimmungen und Abstände zu Saumstrukturen (siehe Abbildung 4) schränken den Einsatz dieser Mittel zusätzlich ein.
(siehe Abbildung 4)
In Wirkstoffkombinationen stehen mit Novitron Dam Tec (Aclonifen + Clomazone), Sinopia (Metobromuron + Clomazone), Bokator (Aclonifen + Diflufenican) und Jura Max (Prosulfocarb + Diflufenican) weitere Herbizide zur Unkrautbekämpfung in Kartoffeln zur Verfügung. Die Clomazone-haltigen Kombinationen können Wirkungsvorteile insbesondere in Beständen mit hohem Anteil schwer bekämpfbarer Arten wie Knöteriche und Gänsefuß aufweisen. Diflufenican-haltige Zumischpartner bringen Zusatznutzen in der Wirkung auf Schwarzen Nachtschatten sowie auf Windenknöterich, sind in der Kulturverträglichkeit, vor allem die Sortenanfälligkeit, allerdings noch nicht abschließend getestet. Alle hier aufgeführten Mischprodukte neigen aufgrund ihrer Wirkungsweise häufig zur Ausbildung von Blattaufhellungen an der Kultur und sollten somit ausschließlich im frühen Vorauflauf und zudem nicht in Vermehrungsbeständen eingesetzt werden.
Unter trockenen Bodenbedingungen und bei der Vorauflaufbehandlung bereits aufgelaufenen Unkräutern empfiehlt sich den Bodenherbiziden ein Kontaktherbizid zuzusetzen. Quickdown mit dem Wirkstoff Pyraflufen‑ethyl wirkt ausschließlich blattaktiv und eignet sich zur Bekämpfung bereits aufgelaufener Unkräuter. In der Praxis bewährt hat sich die Zumischung von 0,3-0,4 l/ha Quickdown + 0,75-1,0 l/ha Toil. Sonneneinstrahlung nach der Behandlung sichert die Wirkung ab.
Nachauflauf: schmales Fenster gezielt nutzen
Mit dem Wegfall von Metribuzin sind die Möglichkeiten für sichere Nachauflaufbehandlungen deutlich eingeschränkt. Eine nennenswerte chemische Option stellt der Wirkstoff Rimsulfuron dar, beispielsweise enthalten in Cato oder Rimuron 25 WG. Diese Präparate dürfen im frühen Nachauflauf bis max. 20 cm Wuchshöhe der Kartoffeln eingesetzt werden. Aus Verträglichkeitsgründen sollten Rimsulfuron-Produkte einmalig mit max. 30 g/ha oder im Splitting mit 30 g/ha gefolgt von 20 g/ha jeweils in Kombination mit einem geeigneten Netzmittel, z. B. Vivolt oder Surfer Plus angewendet werden. Da die Wirksamkeit von Sulfonylharnstoffen stark von Witterung, Unkrautstadium und Kulturverträglichkeit abhängt, ist der Einsatz auf sehr junge Unkräuter und stabile Bestände zu begrenzen. Zudem besteht bei späteren Behandlungen ein erhöhtes Risiko der Abschirmung durch einen stärkeren Blattapparat, sodass ein Teil der Unkräuter nicht mehr ausreichend getroffen wird.
Mit der neuen Zulassung von Boxer (043838-00) und weiteren unter der Zulassungsnummer (043838-) gelisteten Präparaten steht eine weitere Möglichkeit für Herbizidanwendungen im frühen Nachauflauf in Kartoffeln zur Verfügung. Das Anwendungsfenster der NA-Indikation umfasst das BBCH-Stadium 11-15 (1. Blatt bis 5. Blatt am Hauptspross entfaltet). Die max. zugelassene Aufwandmenge von 3,0 l/ha im NA sollte allerdings auf Grund der eingeschränkten Kulturverträglichkeit nicht ausgeschöpft werden (siehe Empfehlung).
Schwarzer Nachtschatten bleibt unabhängig von der Herbizidwahl schwer vollständig zu erfassen. Über Teilwirkungen verfügen Prosulfocarb‑ und Metobromuron-haltige Präparate. Der Einsatz Diflufenican-haltiger Herbizidkombinationen sichert die Wirkung auf Nachtschatten deutlich ab. Vor allem auf leichten Standorten mit geringem Humusanteil sollten diese Einsätze auf Grund des nicht abschließend geklärten Phytotoxrisikos gründlich abgewogen, bzw. die Diflufenikanmenge auf max. 45 g/ha begrenzt werden. Ist bereits erster Nachtschatten aufgelaufen, lässt sich der Vorauflauf durch den Zusatz von Quickdown 0,3–0,4 l/ha + Toil 0,75–1,0 l/ha im frühen Vorauflauf‑Zeitfenster deutlich anschärfen. Diese Maßnahme ist insbesondere nach frühem Anhäufeln mit nachfolgend längerer Trockenphase sowie auf humusreichen Böden zu empfehlen. Leichte Blattschäden an vereinzelten, bereits aufgelaufenen Kartoffelpflanzen wachsen sich im Allgemeinen wieder heraus; im Vermehrungssegment sollten blattaktive Mischungen dennoch unterbleiben.
Vereinzelt Schäden durch DFF-Einsatz im Frühjahr 2025
- Diflufenikan nur bis max. 8-10 Tage vorm Auflaufen einsetzen
- In Versuchen sind niedersachsenweit keine Schäden, auch nicht bei max. DFF-Menge aufgetreten, hier sind weitere Versuche im Frühjahr zur Bewertung des Schadensrisikos sowie zur Sortenverträglichkeit notwendig!
Einsatzempfehlungen:
Für leichte Sandböden mit geringem Unkrautbesatz aus noch gut bekämpfbaren Gänsefußarten, Kamille und Vogelmiere sowie ohne nennenswertes Auftreten von Klette hat sich nun metribuzinfrei eine zweistufige Strategie bewährt: Bodenaktiver Vorauflauf bis kurz vor Durchstoßen mit Prosulfocarb‑ und Metobromuron‑Bausteinen (z. B. Boxer 2,0 l/ha + Proman 2,0–2,0 l/ha). Alternativ haben sich im Vorauflauf bei breiter Mischverunkrautung auf leichten Humusarmen Standorten Mischungen aus Boxer, Bandur und Proman jeweils mit 1,5 l/ha bewährt. Liegt eine Bekämpfungssituation vor, in der Unkräuter bereits stärker aufgelaufen sind bzw. sich im Laubblattstadium befinden, kann die Blattaktivität der genannten Vorauflaufkombinationen durch Quickdown 0,3–0,4 l/ha + Toil 0,75–1,0 l/ha deutlich verbessert werden. In Vermehrungsbeständen sollten blattaktive Mischungen nicht zum Einsatz kommen.
Zeigen sich nach den Vorauflaufbehandlungen später Lücken – etwa Hirsen oder Klettenlabkraut – kann im Nachauflauf mit z.B. Cato 20–25 g/ha + FHS 0,12–0,15 l/ha ergänzt werden. Ist in Nachbehandlungen im Nachauflauf stärkere Wirkung wie z.B. gegen Windenknöterich erforderlich, kann eine Herbizidkombination aus Cato 30 g/ha + FHS 0,18 l/ha und Boxer 1,0 – 1,5 l/ha erwogen werden. Zur Vermeidung von Phytotox ist auf eine ausreichende Wachsschicht zu achten.
Präparate in blauer Schrift ermöglichen geringe Gewässerabstände
Steigt mit der Bodengüte typischerweise auch der Gänsefuß- und Klettenbesatz, haben sich breite Vorauflaufkombinationen bewährt, etwa Boxer 2,5–3,0 l/ha + Bandur 2,5 l/ha. Die Kombination aus z.B. Roxy EC 3,0 – 4,0 l/ha + Proman 2,0 erzielt neben sicherer Kontrolle von Gänsefußarten, Vogelmiere, Klette und Kamille auch ansprechende Wirkung gegen Schwarzen Nachtschatten. Die 3-fach Mischung aus Boxer, Bandur und Proman jeweils mit 1,5-1,75 l/ha kann Wirkungsvorteile unter trockenen Bodenbedingungen aufweisen. Aclonifen (in z.B. Bandur) ist bei trockenen Böden Wirkungsstabiler, bei Wiederbefeuchtung kann dieser Wirkstoff selbst nach längeren Trockenphasen erneut Aktivität zeigen.
Bei sehr breiter Mischverunkrautung inklusive Windenknöterich und stärkerem Nachtschattendruck können diese Tankmischung mit Diflufenikan-haltigen Komponenten wie z.B. Jura Max 3,0 l/ha oder Bokator 1,5 l/ha ausgestattet werden. Um Kulturschäden zu vermeiden, sollten diese Varianten mindestens 10 Tage vor dem Durchstoßen appliziert werden.
Für Standorte mit starkem Kletten- und Windenknöterichbesatz haben sich Tankmischungen mit Clomazone-haltigen Präparaten im Vorauflauf (mindestens 5–7 Tage vor dem Durchstoßen) bewährt. (Clomazone nicht in Vermehrungsbeständen einsetzen).
Gräserbekämpfung
Besonders auf schwereren Böden kann Ackerfuchsschwanz punktuell zum Problem werden. Da der Ackerfuchsschwanz überwiegend im Herbst keimt, ist der Besatz in Kartoffeln häufig eher gering. Ist dennoch eine Bekämpfung erforderlich, kann im Vorauflauf über Prosulfocarb (z. B. Boxer) unterstützende Wirkung generiert werden. In Situationen, wo gegen Restverunkrautung Cato im Nachauflauf eingesetzt wird, besteht auch eine breite Wirkung gegen bereits aufgelaufene Gräser. Auf Flächen mit schwer bekämpfbaren Gräservorkommen und bereits vorliegenden Resistenzen gegen ALS Hemmer, kann alternativ im Nachauflauf mit z.B. 0,75 l/ha Select 240 EC + 1,0 l/ha Radiamix häufig noch sichere Wirkung erzielt werden. Müssen Gräser‑Spezialisten eingesetzt werden, sollte möglichst auf Mischungen mit anderen Herbiziden verzichtet werden. Aufgrund der oft „griffigen“ Formulierungen kann es sonst zu Verätzungen kommen oder die Wirkung gegenseitig beeinträchtigt werden. Auch Mischungen mit Fungiziden oder Mikronährstoffen sollten hier unterbleiben.
Für den Behandlungserfolg insgesamt sind ein frühzeitig aufgebauter, gut abgesetzter Damm und eine ausreichende Bodenfeuchte entscheidend. Wenn in der Phase kurz vor dem Durchstoßen keine wesentlichen Niederschläge zu erwarten sind, sollte die Behandlung frühzeitig erfolgen, um die volle Bodenwirkung der eingesetzten Mittel zu generieren.
Zusammenfassung: Das Anbaujahr 2026 erfordert eine Verschiebung der Herbizidstrategie in den frühen Anwendungsbereich. Mit den verfügbaren Wirkstoffen bestehen weiterhin Möglichkeiten die Unkrautkontrolle im Kartoffelbau sicher und standortangepasst durchzuführen. Eine gute Kenntnis über die Unkrautzusammensetzung des Standortes, frühe Terminierung, sorgfältige Technikführung und optimale Einsatzbedingungen entscheiden über den Erfolg. Die konsequente Einhaltung der Zulassungen und aller Auflagen ist dabei unerlässlich.












