Bezirksstelle Uelzen

Mehr Erfolg im Öko-Kartoffelanbau: Warum ein Arbeitskreis Produktionstechnik und Betriebswirtschaft zusammenbringen muss

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Die Anforderungen an ökologisch wirtschaftende Kartoffelbetriebe steigen kontinuierlich. Schwankende Erträge, steigende Kosten, zunehmende Marktanforderungen und ein hoher Arbeitsaufwand stellen Unternehmerinnen und Unternehmer vor große Herausforderungen. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass erfolgreiche Betriebe nicht nur technisch gute Kartoffeln produzieren, sondern vor allem die wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Entscheidungen kennen und gezielt steuern.

Das Arbeitsprojekt wird besichtigt.
Austausch im ArbeitskreisRolf Fricke
Genau hier setzt der geplante Arbeitskreis Betriebswirtschaft und Kartoffelanbau für ökologisch wirtschaftende Betriebe an. Sein besonderer Mehrwert liegt in der Verbindung von produktionstechnischem Fachwissen und betriebswirtschaftlicher Analyse. Diese Kombination ist bislang eher selten, bietet aber gerade für ökologisch wirtschaftende Kartoffelbetriebe erhebliche Potenziale.

Produktionstechnik als Grundlage des Erfolgs

Ost-Niedersachsen gehört zu den Schwerpunktregionen des ökologischen Kartoffelanbaus. Die Betriebe verfügen über viel Erfahrung, stehen aber auch vor ähnlichen Fragestellungen: Welche Sorten passen am besten zum Standort? Wie lassen sich Erträge stabilisieren? Welche Maßnahmen im Pflanzenschutz oder in der Bestandesführung sind wirklich wirksam?

Der Arbeitskreis bietet hierfür einen praxisnahen Rahmen. Während der Vegetationsperiode sind Feldbegehungen vorgesehen, auf denen aktuelle Bestände gemeinsam bewertet und diskutiert werden. Ergänzt wird dies durch produktionstechnische Fachvorträge, Versuchsergebnisse und Erkenntnisse aus dem ökologischen Kartoffelanbau.

Besonders wertvoll ist dabei der direkte Erfahrungsaustausch unter Berufskollegen. Oft entstehen die besten Lösungsansätze nicht am Schreibtisch, sondern im Gespräch am Feldrand. Wie wurde ein Problem gelöst? Welche Technik hat sich bewährt? Wo liegen Risiken? Die Erfahrungen mehrerer Betriebe ermöglichen eine deutlich breitere Sicht auf betriebliche Entscheidungen als die Betrachtung des eigenen Betriebes allein.

Doch Produktionstechnik ist kein Selbstzweck. Eine Maßnahme ist erst dann erfolgreich, wenn sie neben dem pflanzenbaulichen Nutzen auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Genau deshalb endet die Diskussion im Arbeitskreis nicht bei Ertrag oder Qualitätsparametern.

Betriebswirtschaft schafft Transparenz

Viele Unternehmer wissen sehr genau, welche Erträge sie erzielt haben. Wesentlich schwieriger ist oft die Frage, warum ein Betriebszweig wirtschaftlich erfolgreich oder weniger erfolgreich war.

Der Arbeitskreis nutzt hierfür die Betriebszweigauswertung (BZA) sowie die Jahresabschlussanalyse als zentrale Werkzeuge. Damit können Kostenstrukturen, Leistungskennzahlen und Erfolgsfaktoren detailliert analysiert werden. Betriebszweigauswertungen ermöglichen Aussagen über Ertragsniveau, Vermarktungserfolg und Kostenstruktur, ohne sensible Informationen wie Vermögens- oder Liquiditätsverhältnisse offenzulegen.

Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie:

  • Wo liegen die größten Kostenblöcke?
  • Wie hoch sind die Arbeitserledigungskosten?
  • Welche Auswirkungen haben Maschineninvestitionen?
  • Welche Pacht kann ein Betrieb langfristig tragen?
  • Welche Produktionsverfahren erzielen die besten Deckungsbeiträge?

Die Auswertungen erfolgen sowohl im horizontalen Betriebsvergleich mit anderen Teilnehmern als auch im vertikalen Vergleich über mehrere Wirtschaftsjahre. Dadurch werden betriebliche Stärken und Schwächen sichtbar und Entwicklungen können nachvollzogen werden.

Gerade für Unternehmer ist dieser Blick von außen oft besonders wertvoll. Wer nur seine eigenen Zahlen kennt, weiß häufig nicht, ob eine Kennzahl gut oder verbesserungswürdig ist. Erst durch den Vergleich mit anderen Betrieben entstehen belastbare Maßstäbe.

Vertrauen braucht Zeit: Sensible Daten bleiben geschützt

Viele Unternehmer interessieren sich für Betriebsvergleiche und betriebswirtschaftliche Auswertungen, stellen aber zu Recht die Frage, wie mit ihren Unternehmensdaten umgegangen wird. Der Arbeitskreis verfolgt hier einen klaren Grundsatz: Der Nutzen des Austauschs darf niemals zulasten der Vertraulichkeit gehen.

Die Grundlage der Zusammenarbeit bildet die Betriebszweigauswertung (BZA). Sie ermöglicht einen Vergleich von Erträgen, Leistungen und Kostenstrukturen einzelner Betriebszweige. Gleichzeitig lassen sich daraus keine Rückschlüsse auf die Vermögens-, Finanzierungs- oder Liquiditätssituation eines Betriebes ziehen. Damit bietet die BZA eine hervorragende Grundlage für fachliche Diskussionen und Betriebsvergleiche, ohne besonders sensible Unternehmensdaten offenzulegen.

Anders verhält es sich bei der Jahresabschlussanalyse. Hier werden auch Informationen zur Vermögens- und Kapitalstruktur sichtbar. Deshalb soll in den ersten Jahren des Arbeitskreises mit besonderer Zurückhaltung vorgegangen werden. Im Plenum werden ausschließlich anonymisierte Gruppenauswertungen und Durchschnittswerte vorgestellt. Die detaillierten Auswertungen erhält jeder Betrieb ausschließlich für die eigene betriebliche Nutzung.

Diese Vorgehensweise hat einen einfachen Hintergrund: Ein leistungsfähiger Arbeitskreis lebt von Offenheit, Offenheit wiederum entsteht durch Vertrauen. Vertrauen lässt sich jedoch nicht verordnen, sondern entwickelt sich durch die gemeinsame Arbeit über mehrere Jahre. Mit jedem Treffen wächst die Sicherheit, dass alle Teilnehmer das gleiche Ziel verfolgen: voneinander zu lernen und die eigenen Betriebe weiterzuentwickeln. Wie weit der Austausch über betriebliche Kennzahlen gehen soll, entscheidet daher jederzeit die Gruppe selbst.

Der entscheidende Vorteil: Die Zusammenhänge erkennen

Die eigentliche Stärke des Arbeitskreises liegt jedoch darin, Produktionstechnik und Betriebswirtschaft nicht getrennt zu betrachten.

Ein Beispiel: Höhere Aufwendungen für bestimmte Maßnahmen können zunächst als Nachteil erscheinen. Wenn dadurch aber Ertrag, Qualität oder Vermarktungserlöse steigen, verbessert sich möglicherweise das Betriebsergebnis erheblich. Umgekehrt können eingesparte Kosten zu deutlichen Ertragsverlusten führen und damit die Wirtschaftlichkeit verschlechtern.

Betriebszweigauswertungen zeigen genau diese Zusammenhänge auf. Sie beantworten nicht nur die Frage, wie hoch die Kosten sind, sondern auch, welche Kosten zu welchem Ergebnis geführt haben. Dadurch werden die tatsächlichen Stellschrauben im Öko-Kartoffelanbau sichtbar.

Für den Unternehmer bedeutet dies eine wesentlich fundiertere Entscheidungsgrundlage. Investitionen, Anbauverfahren und Arbeitsorganisation können nicht nur nach Bauchgefühl, sondern auf Basis belastbarer Zahlen bewertet werden.

Vom Erfahrungsaustausch zur strategischen Unternehmensführung

Viele landwirtschaftliche Entscheidungen werden im hektischen Betriebsalltag getroffen. Der Arbeitskreis schafft bewusst Raum, um die eigene Unternehmensentwicklung strategisch zu betrachten.

Zu den Zielen gehören unter anderem:

  • die intensive Beschäftigung mit den eigenen Unternehmenszahlen,
  • die Analyse von Stärken und Schwächen,
  • die Entwicklung konkreter Handlungsoptionen,
  • die Optimierung von Ein- und Verkaufsstrategien,
  • die Verbesserung der Arbeitsorganisation,
  • die Anpassung produktionstechnischer Verfahren sowie
  • die langfristige Sicherung und Steigerung der Unternehmensergebnisse.

Der Mehrwert besteht dabei nicht allein in den Zahlen oder den Fachvorträgen. Entscheidend ist der kontinuierliche Austausch mit anderen Unternehmern, die vor vergleichbaren Herausforderungen stehen. Aus Einzelwissen wird Gruppenwissen. Aus Erfahrungen werden Handlungsempfehlungen.

Ein Arbeitskreis als Investition in die Zukunft

Ökologischer Kartoffelanbau gehört zu den anspruchsvollsten Betriebszweigen im Ackerbau. Wer dauerhaft erfolgreich sein möchte, muss sowohl pflanzenbauliche als auch betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen.

Der geplante Arbeitskreis bietet hierfür ideale Voraussetzungen: Feldbegehungen während der Saison, produktionstechnische Beratung, Betriebszweigauswertungen, Jahresabschlussanalysen sowie den intensiven Austausch mit Berufskollegen und Beratern.

Für Unternehmerinnen und Unternehmer ergibt sich daraus ein klarer Nutzen: bessere Entscheidungen, mehr Transparenz über die Wirtschaftlichkeit des eigenen Betriebes und die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer erfolgreicher Betriebe zu profitieren.

Oder anders formuliert: Gute Kartoffeln zu produzieren ist wichtig. Dauerhaft erfolgreich ist jedoch nur der Betrieb, der weiß, warum seine Kartoffeln Geld verdienen. Genau dieses Verständnis will der neue Arbeitskreis vermitteln.

 

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