Die Qualitäten des Öko-Winterweizens fallen in diesem Jahr sehr erfreulich aus. Aus der Praxis wird von hohen Feuchtklebergehalten und Fallzahlen berichtet, die durch die Öko-Landessortenversuche bestätigt werden können.
Herausforderung Backqualitäten
Von der aufnehmenden Hand werden qualitativ hochwertige Öko-Weizenpartien nachgefragt. Anders als in der konventionellen Qualitätsweizenvermarktung, wo sich der Fokus vorrangig auf den Rohproteingehalt richtet, ist der maßgebende Qualitätsparameter für die Vermarktung als Öko-Backweizen in erster Linie der Feuchtklebergehalt. Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Fallzahl. Der Feuchtklebergehalt beeinflusst das Verhalten des Teigs im Verlauf des Knetens und während des Backvorgangs. Je höher der Feuchtklebergehalt, umso größer ist die Wasseraufnahme, das Gashaltevermögen und das Gebäckvolumen.
Der Feuchtklebergehalt beeinflusst im wesentlichen die Auf- und Abschläge der aufnehmenden Hand bei der Abrechnung mit den Erzeugern. Die vom Handel geforderten Werte lassen sich allerdings unter ökologischen Anbaubedingungen nicht immer sicher erzielen. Hier besteht eine große Herausforderung für den Erzeuger. Gegebenenfalls lassen sich schwächere Partien noch als Aufmisch,- Keks- oder Haushaltsmehlweizen mit leichten Preisaufschlägen vermarkten. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass ein angebauter Backweizen wegen zu schwacher Qualitäten nur noch als Futterweizen mit Preisabschlägen vermarktet werden kann.
Um die geforderten Qualitätsparameter zu erreichen, sind im Ökolandbau zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen, die das Niveau der Backqualitäten beeinflussen. An erster Stelle steht die Sortenwahl. Auf Grundlage der langjährigen Öko-Sortenprüfungen lassen sich für Backweizen geeignete Feuchtklebergehalte fast ausschließlich nur mit Sorten aus dem E-Segment erreichen. Nur vereinzelt ist das auch mit A-Sorten realisierbar. Aus diesem Segment erreichen nur sehr wenige Sorten ausreichende Qualitäten. Deshalb sind die meisten A-Sorten tatsächlich nur als Futterweizen verwertbar. Die ertragsbetonten B- und C-Sorten sind ausnahmslos dem Öko-Futterweizenanbau vorbehalten. Dieser steht in Konkurrenz zum Backweizenanbau, da bei den E-Sorten das niedrigere Ertragspotential berücksichtigt werden muss. Das wiederum bedarf als Ausgleich entsprechende Preisaufschläge bei der Backweizenvermarktung.
Fazit
- Die Erzeugung von Qualitätsweizen ist im Ökolandbau eine Herausforderung. Der Feuchtklebergehalt und die Fallzahlen sind die wesentlichen Parameter für die Vermarktung als Backweizen
- Eine ganze Reihe von Faktoren beeinflussen das Niveau der Backqualitäten. Neben Stickstoffversorgung, Witterung, Standort, Fruchtfolge und Erntezeitpunkt ist die Sortenwahl ein zentraler Faktor.
- Grannosos und Castado überzeugen mit hohen Feuchtkleberwerten und kommen für den Qualitätsweizenanbau in Frage. Die Erträge liegen auf unterdurchschnittlichem Niveau.
- Mit leicht überdurchschnittlichen Feuchtkleberwerten und tendenziell stabileren Erträgen gehören die Sorten Roderik, Montalbano, und Wendelin in die engere Wahl
- Für den Probeanbau als Backweizen ist Vinzenz überlegenswert
Die vollständigen Ergebnisse stehen am Ende des Artikels zum Download zur Verfügung.
Bei Winterweizen ist nur noch Saatgut aus ökologischer Erzeugung zulässig!
Der Winterweizen ist seit dem 1. April 2021 beim Saatgutbezug der Kategorie I zugeordnet. Das bedeutet: Für Arten bzw. Sortengruppen, die in die Kategorie I eingestuft sind, gilt grundsätzlich, dass keine Einzelgenehmigung zur Verwendung von konventionell, erzeugtem ungebeizten Saatgut, gem. Anhang II Teil I Nr. 1.8.5.1 der VO (EU) 2018/848 oder allgemeine Genehmigung gem. Anhang II Teil I Nr. 1.8.5.7 der VO (EU) 2018/848 erteilt werden kann. Eine aktuelle Übersicht im Handel erhältlicher biologisch erzeugter Saatgutpartien ist unter www.organicXseeds.de zu entnehmen.
Steinbrand beachten
Der Weizensteinbrand ist im Ökolandbau die wichtigste Ährenkrankheit. Das Steinbrandrisiko hat in der Praxis zugenommen. Ein Befall kann zu deutlichen Ertrags- und Vermarktungsverlusten führen. Mit ackerbaulichen Maßnahmen und durch die Verwendung von untersuchtem, sowie zertifiziertem Öko-Saatgut kann das Risiko deutlich verringert werden. Ein wiederholter Nachbau kann dagegen das Befallsrisiko deutlich erhöhen. Bei eigenem Nachbau muss deshalb zwingend eine Sporenanalyse durchgeführt werden. Die LWK Niedersachsen führt entsprechende Analysen durch. Infos zur Probeneinsendung finden Sie unter www.lwk-niedersachsen.de (Webcode: 01037383).
Das Pflanzenschutzamt der LWK Niedersachsen hat Versuche durchgeführt, bei denen die Steinbrandanfälligkeit zahlreicher Winterweizensorten überprüft wurde. Die Auswertung der vierjährigen Versuchsserie finden Sie unter www.lwk-niedersachsen.de (Webcode: 01044708). Die Einstufungen der geprüften Sorten sind auch im vorliegenden Sortenbericht enthalten.










