Wer die Nährstoffversorgung landwirtschaftlicher Kulturen sicher beurteilen will, sollte nicht nur den Boden untersuchen, sondern auch die Pflanze selbst. Denn erst die Pflanzenanalyse zeigt, welche der angebotenen Nährstoffe tatsächlich in der Kultur angekommen sind. Gerade bei knapper werdenden Düngespielräumen, Kulturen mit hohen Ertrags- und Qualitätsansprüchen und schwierigen Standorten ist sie ein starkes Werkzeug für die Bestandesführung - vorausgesetzt, Probenahme und Interpretation stimmen.
Während die Bodenuntersuchung den Nährstoffvorrat, den pH-Wert und wichtige Eigenschaften des Standorts beschreibt, bildet die Pflanzenanalyse den momentanen Versorgungszustand des Bestandes ab. Sie beantwortet damit eine in der Praxis sehr wichtige Frage: Welche Nährstoffe hat die Pflanze tatsächlich aufgenommen? Denn zwischen Angebot im Boden und Aufnahme in die Kultur können manchmal deutliche Unterschiede liegen. Ursachen sind etwa Trockenheit, Staunässe, Verdichtungen, kalte Böden, eingeschränkte Wurzelentwicklung, suboptimale pH-Werte oder Antagonismen zwischen einzelnen Nährstoffen wie zum Beispiel Kalium und Magnesium. Die Pflanzenanalyse ergänzt die Bodenuntersuchung daher um den direkten Blick in den Bestand.
Wozu dient die Pflanzenanalyse?
Für welche Kulturen ist die Pflanzenanalyse besonders wichtig?
Besonders sinnvoll ist die Pflanzenanalyse in Kulturen mit hohen Ansprüchen an Ertrag und Qualität. Von besonderer Bedeutung ist sie vor allem bei:
- Getreide (v. a. Qualitätsweizen)
- Winterraps
- Mais
- Zuckerrüben
- Kartoffeln
- intensiven Grünlandbeständen
- Gemüse- und Obst-Dauerkulturen
Raps reagiert empfindlich auf die Versorgung mit Schwefel und Bor, Mais zeigt vor allem in der Jugendentwicklung häufig Aufnahmeprobleme bei Phosphor, und Zuckerrüben reagieren auf latenten Mangel an Bor oft mit Qualitätseinbußen und Mindererträgen. Auf leichten Böden mit Auswaschungsrisiko, auf kalkreichen Standorten mit eingeschränkter Spurenelementverfügbarkeit oder auf verdichteten Flächen liefert die Pflanzenanalyse Informationen, die über die Bodenuntersuchung hinausgehen.
Regelmäßige Kontrolle oder Mangeldiagnose – was nutze ich wofür?

Anders die Analyse bei Mangelverdacht: Hier steht nicht die routinemäßige Kontrolle, sondern die Abklärung eines konkreten Schadbilds im Vordergrund. Verfärbungen, Aufhellungen, Wachstumsdepressionen oder fleckige Bestände können viele Ursachen haben. Nicht immer steckt ein echter Nährstoffmangel dahinter (Abb. 2). Auch Trockenstress, Staunässe, Wurzelschäden, Verdichtungen oder Herbizidwirkungen können ähnliche Symptome hervorrufen. Deshalb darf bei der Mangeldiagnose nie nur der auffällige Bereich beprobt werden. Notwendig sind immer zwei Proben: eine aus dem geschädigten Bereich und eine aus einem möglichst vergleichbaren, optisch gesunden Bestand. Erst dieser Vergleich macht die Ergebnisse belastbar. Dokumentieren Sie zusätzlich Informationen zu Düngung, Witterung, Bodenverhältnissen und Pflanzenschutzmaßnahmen.
|
Pflanzen- oder Pflanzensaftanalyse? Neben der Pflanzenanalyse werden manchmal Pflanzensaftanalysen angeboten mit dem Argument, der Pflanzensaft spiegele die aktuelle Versorgung mit Nährstoffen besser wider als die Analyse der kompletten Pflanzenteile. Durch wissenschaftliche Untersuchungen konnte diese Annahme mit Ausnahme von Stickstoff nicht bestätigt werden – die Ergebnisse fallen wenig unterschiedlich aus. Das liegt daran, dass für die Pflanzenanalyse bereits die Pflanzenteile entnommen werden, die die aktuelle Versorgungssituation am besten wiedergeben (s. Kasten am Ende). Zur Bestimmung der aktuellen Stickstoffversorgung bieten sich während der Vegetationszeit Schnelltests an. Was diese bringen und wie Sie sie anwenden, erfahren Sie hier im Artikel von Caroline Benecke. |
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Probenahme?
Ebenso wichtig wie der Untersuchungszweck ist der richtige Probenahmezeitpunkt. Der Nährstoffgehalt der Pflanze verändert sich im Verlauf der Vegetation. Junge Pflanzen weisen bei den meisten Nährstoffen höhere Konzentrationen auf als ältere Bestände. Deshalb darf nicht "bei Gelegenheit" beprobt werden, sondern immer in einem klar definierten Entwicklungsstadium. Bei erkennbaren Defiziten kann dann noch reagiert werden. Bei sichtbaren Mangelerscheinungen ist jedoch eine unmittelbare Probenahme erforderlich.
Bei Getreide liegt ein sinnvoller Zeitpunkt von Schossbeginn bis zum entwickelten Fahnenblatt. Bei Mais ist die frühe bis mittlere vegetative Entwicklung besonders interessant. Raps liefert im Rosettenstadium und zu Beginn des Längenwachstums wertvolle Hinweise. Kartoffeln und Zuckerrüben sollten in der Phase intensiven Blattwachstums beprobt werden. In Gemüse- und Sonderkulturen gehören wiederholte Pflanzenanalysen häufig ohnehin zur intensiven Bestandesführung. Beim Grünland bietet sich die Untersuchung der Mineralstoffgehalte in Kombination mit der Futterwertanalyse der Grassilage an.
Welche Pflanzenteile müssen entnommen werden?
Die Nährstoffkonzentrationen unterscheiden sich innerhalb der Pflanze zum Teil erheblich. Junge Blätter enthalten andere Gehalte als ältere, Blattspreiten andere als Blattstiele, ganze Pflanzen andere als definierte Einzelblätter. Deshalb dürfen nur die Pflanzenteile eingesandt werden, für die tatsächlich Referenzwerte vorhanden sind (s. Kasten am Ende). Wird das falsche Material untersucht, ist die spätere Bewertung oft nur eingeschränkt möglich.
Grundsätzlich gilt:
- für Getreide, Wiesen- und Weidegräser sowie Erbsen die gesamte oberirdische Pflanze 2 cm über dem Boden abschneiden
- für Ackerbohnen, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln die gerade vollentwickelten Blätter sammeln
- bei anderen Kulturen werden nur Teile des oberen Sprosses (Rotklee, Lein), Blattspreiten von gerade vollentwickelten Blättern (Futterrübe) oder gezielt der Spross des ersten Aufwuchses (Luzerne) beprobt
- bei Mangelverdacht symptomtragende Pflanzen(-teile) und optisch gesundes Vergleichsmaterial
Besteht der Verdacht, dass ein Nährstoffmangel durch einen zu hohen oder zu niedrigen pH-Wert verursacht wird, empfiehlt sich eine zusätzliche Bodenuntersuchung auf den pH-Wert.
|
Wie hängt Nährstoffmangel mit der Mobilität der Nährstoffe zusammen? Zeigen sich Mangelsymptome sehr ausgeprägt entweder an jungen oder an älteren Blättern, hängt das häufig mit der Mobilität der Nährstoffe zusammen. Bei mobilen Nährstoffen, die innerhalb der Pflanze verlagert werden können – wie Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium und Molybdän – zeigt sich Mangel zuerst unten / an älteren Blättern. Mangel an den kaum oder nicht verlagerbaren und daher immobilen Nährstoffen Calcium, Bor, Eisen, Mangan, Zink und Kupfer tritt zuerst oben / an jüngeren Blättern auf. |
Wie gehe ich bei der Probenahme am besten vor?
Für die Aussagekraft der Analyse entscheidet die Qualität der Probenahme stärker als die Laborarbeit. Eine präzise Analytik nützt wenig, wenn das Material nicht repräsentativ ist oder durch Schmutz verfälscht wird. Fassen Sie nur homogene Bestandsbereiche zusammen. Feldränder, Vorgewende, Fahrgassen, Fehl- und andere Störstellen gehören nicht in eine Mischprobe. Auf heterogenen Schlägen ist es sinnvoll, Teilflächen getrennt zu beproben.
Entnehmen Sie die Proben vorzugsweise am Vormittag (nach dem Abtrocknen des Taus). Halten Sie mindestens 7–10 Tage Abstand zur letzten Blattdüngung oder Pflanzenschutzmaßnahme ein.
Auch die Zahl der Probenahmepunkte ist wichtig. Einzelpflanzen oder wenige Entnahmestellen liefern kein belastbares Bild. Nehmen Sie daher ca. 20 Einzelproben von typischen, repräsentativen Pflanzen über die Fläche verteilt. Gehen Sie im Zickzack und quer zur Düngerichtung. Entnehmen Sie nur oberirdische Pflanzenorgane ohne Wurzel. Führen Sie die Einzelproben zu einer Mischprobe zusammen.
Achten Sie bei der Probenahme auf Sauberkeit. Erdpartikel, Staub oder Spritzbeläge können Analysewerte deutlich verfälschen, vor allem bei Spurenelementen. Entfernen Sie anhaftende Erde vorsichtig trocken mit einer weichen Bürste – diese verfälscht sonst die Aluminium- und Eisengehalte. Waschen Sie die Proben nicht, weil dabei Nährstoffe verloren gehen können.
Die Proben sollten im Idealfall in gelochte Kunstoffbeutel oder Papierbeutel gepackt und gut verschlossen werden. Für eine Mischprobe benötigt das Labor mindestens 500 – 1.000 g Probenmaterial (1 – 2 Liter). Kennzeichnen Sie die Proben eindeutig und vermerken Sie auf dem Untersuchungsauftrag Datum, Schlag, Kultur, Entwicklungsstadium und Fragestellung.
Nach der Entnahme bleiben Pflanzenproben stoffwechselaktiv und verändern sich bei Wärme schnell. Daher ist eine Kühltasche für den Feldtransport und eine Lagerung im Kühlschrank bis zum Versand sinnvoll. Die Proben sollten noch am selben Tag ins Labor geschickt oder zu einer Probenannahmestelle der LUFA Nord-West gebracht werden. Die Proben werden mit Kühlfahrzeugen abgeholt.
Wie bewerte ich die Ergebnisse?
Mit dem Untersuchungsergebnis erhalten Sie eine Einstufung der Nährstoffgehalte, ob diese ausreichend, zu hoch oder zu niedrig sind. Eine Pflanzenanalyse darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Niedrige Gehalte bedeuten nicht automatisch, dass auf dem Schlag zu wenig Nährstoffe vorhanden sind. Manchmal ist die Aufnahme durch Stress gehemmt. Umgekehrt sind hohe Gehalte nicht in jedem Fall positiv, wenn dadurch Ungleichgewichte entstehen. Ein hohes Kaliumangebot kann etwa die Magnesiumaufnahme beeinträchtigen, und hohe pH-Werte können die Verfügbarkeit bestimmter Spurenelemente einschränken. Den größten Nutzen entfaltet die Pflanzenanalyse deshalb im Zusammenspiel mit Bodenuntersuchung, Bestandsbeobachtung, Witterungsverlauf und Kenntnis der Bewirtschaftung.
|
Wie versende ich die Proben und wieviel kostet die Untersuchung? Nach der Entnahme bleiben Pflanzenproben stoffwechselaktiv und verändern sich bei Wärme schnell. Deshalb sollten sie möglichst kühl gehalten und zügig ins Labor geschickt werden. Stellen Sie die Proben daher kühl, versenden Sie sie so schnell wie möglich oder bringen Sie sie zu einer mit Kühlschränken ausgestatteten Probenannahmestelle der LUFA Nord-West. Die Hinweise zu Probenahmezeiträumen und Pflanzenorganen, den Untersuchungsauftrag sowie die Probenannahmestellen finden Sie unter den nachfolgenden Links zum Herunterladen auf www.lufa-nord-west.de: Probenahmezeiträume und Pflanzenorgane (PDF) Untersuchungsauftrag (PDF zum Ausfüllen am Bildschirm) Probenannahmestellen (Link öffnet neue Seite) Die Untersuchung auf N, P, K, Mg, S, Ca, Mn, Cu, Zn, Fe, B und Al kostet 58,00 € netto. |
Für die Beratung in Düngungsfragen stehen Ihnen außerdem die Ansprechpartner in den Bezirksstellen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie die Kolleginnen aus dem Sachgebiet Pflanzenernährung, Düngung und Nährstoffmanagement zur Verfügung.
|
Wie hängt Nährstoffmangel mit der Mobilität der Nährstoffe zusammen? Zeigen sich Mangelsymptome sehr ausgeprägt entweder an jungen oder an älteren Blättern, hängt das häufig mit der Mobilität der Nährstoffe zusammen. Bei mobilen Nährstoffen, die innerhalb der Pflanze verlagert werden können – wie Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium und Molybdän – zeigt sich Mangel zuerst unten / an älteren Blättern. Mangel an den kaum oder nicht verlagerbaren und daher immobilen Nährstoffen Calcium, Bor, Eisen, Mangan, Zink und Kupfer tritt zuerst oben / an jüngeren Blättern auf. |
Nutzen Sie die Pflanzenanalyse als festen Baustein Ihrer Bestandesführung! Lassen Sie jetzt Ihre Kulturen im passenden Entwicklungsstadium untersuchen und schaffen Sie eine belastbare Grundlage für fundierte Düngeentscheidungen. So erkennen Sie Nährstoffdefizite frühzeitig, vermeiden Ungleichgewichte und sichern Ertrag und Qualität.
FAQ
Warum reicht eine Bodenuntersuchung allein nicht aus, um die Nährstoffversorgung der Pflanzen sicher zu beurteilen?
Die Bodenuntersuchung zeigt das Nährstoffangebot und wichtige Standortparameter wie den pH-Wert, sagt aber nichts darüber aus, welche Nährstoffe tatsächlich von der Pflanze aufgenommen wurden. Zwischen Angebot im Boden und Aufnahme in die Kultur können z. B. Trockenstress, Staunässe, Verdichtungen, pH-Probleme oder Nährstoffantagonismen liegen. Die Pflanzenanalyse ergänzt deshalb die Bodenuntersuchung um den direkten Blick auf den aktuellen Versorgungszustand des Bestandes.
Wann setze ich eine Pflanzenanalyse zur Routinekontrolle ein und wann zur Mangeldiagnose?
Zur Routinekontrolle wird die Pflanzenanalyse in optisch gesunden, repräsentativen Beständen zu einem klar definierten Entwicklungsstadium durchgeführt. Ziel ist es, latente Nährstoffdefizite frühzeitig zu erkennen und langfristig die Nährstoffnachlieferung aus dem Boden abschätzen zu können.
Bei der Mangeldiagnose steht die Abklärung sichtbarer Schadbilder im Vordergrund. In diesem Fall müssen immer zwei Proben gezogen werden: eine aus dem geschädigten Bereich und eine aus einem vergleichbaren, gesunden Bestand. Nur dieser Vergleich ermöglicht eine belastbare Interpretation der Ergebnisse.
Für welche Kulturen und unter welchen Standortbedingungen ist die Pflanzenanalyse besonders sinnvoll?
Die Pflanzenanalyse ist besonders wertvoll bei Kulturen mit hohen Ansprüchen an Ertrag und Qualität, z. B. Qualitätsweizen, Winterraps, Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln, intensives Grünland sowie Gemüse- und Obstkulturen. Auch auf leichten Böden, kalkreichen Standorten oder verdichteten Flächen liefert sie wichtige Zusatzinformationen, die mit der Bodenuntersuchung allein nicht erfasst werden.
Welche Pflanzenteile müssen beprobt werden, damit die Ergebnisse bewertet werden können?
Für eine sichere Bewertung dürfen nur die Pflanzenteile untersucht werden, für die Referenzwerte vorliegen. Je nach Kultur sind das z. B. die gesamte oberirdische Pflanze, die gerade vollentwickelten Blätter oder definierte Teile des oberen Sprosses. Wird falsches Pflanzenmaterial eingesandt, sind die Ergebnisse oft nur eingeschränkt oder gar nicht interpretierbar.
Was sind die häufigsten Fehler bei der Probenahme und wie lassen sie sich vermeiden?
Häufige Fehler sind nicht repräsentative Proben (z. B. Feldränder, Vorgewende), zu wenige Einzelproben, Verschmutzungen durch Erde oder Spritzbeläge sowie ein falscher Probenahmezeitpunkt. Vermeiden lassen sich diese durch die Beprobung homogener Bestandsbereiche, das Sammeln von etwa 20 Einzelproben pro Fläche, sorgfältige Sauberkeit, richtiges Pflanzenmaterial und einen klar definierten Entwicklungszeitpunkt. Kühlung und schneller Versand sichern zusätzlich die Qualität der Probe.








