Die Grasernte steht an. Für die Gärqualität und die Haltbarkeit der Silage kommt es nun auf die Güte der Silierarbeit an.
Hochwertige Grassilagen zeichnen sich sowohl durch einen hohen Futterwert als auch durch eine gute Gärqualität aus.
Der Grundstein für hochwertige Grassilagen wird bereits mit der Grünlandpflege, mit Weidelgras dominanten Grasbeständen und dem richtigen Schnittzeitpunkt gelegt. Erfolgt die Grasernte in einem Rohfaserbereich zwischen 21 und 23 % sind im Allgemeinen hohe Nährstoffkonzentrationen sowie eine gute Verdaulichkeit und sehr hohe Energiegehalte zu erwarten.
In den letzten Jahren waren die Aufwuchsbedingungen sehr unterschiedlich, was sich auf die Futterqualität auswirkte. Auch dieses Frühjahr stellt für manche Grünlandflächen bereits erste Herausforderungen dar. Einige Grünlandnarben sind durch Mäuse- oder Auswinterungsschäden lückig. Infolge von Nässe zu Vegetationsbeginn, einem kühlen März und April aber auch zu geringen Niederschlägen in den zurückliegenden Wochen gestaltet sich das Graswachstum auf den Flächen sehr unterschiedlich. Es kommt nun auf die weitere Entwicklung der Grünlandbestände und auf den optimalen Schnittzeitpunkt an.

Ein erstes wichtiges Augenmerk gilt der Schnitthöhe. Sie beeinflusst die Einstellungstiefe aller nachfolgenden Arbeitsgänge, den Verschmutzungsgrad des Futters sowie den Wiederaustrieb der Gräser. Eine Stoppelhöhe von 7 cm ist nicht nur für Ackergrasbestände empfehlenswert, sondern auch für Dauergrünlandflächen. Letztere vor allem, wenn eine schnittbetonte Nutzung erfolgt, die Flächen uneben sind, viel Maulwurfshaufen auftreten oder Lücken zu verzeichnen sind (siehe Dateianhang). Lediglich bei sehr dichten und ebenen Grünlandflächen kann die Schnitthöhe circa 5 cm betragen.
Feldliegezeit unter 24 Stunden
Je länger das Mahdgut auf der Fläche verbleibt, desto größer sind die Verluste. Mit jeder Bearbeitung treten Bröckelverluste auf. Hinzu kommt der Nährstoffabbau durch Atmungsprozesse. Vor diesem Hintergrund sind Feldliegezeiten von weniger als 24 Stunden durch ein effizientes Anwelken anzustreben. Das Anwelken verzögert bzw. inaktiviert den Stoffwechsel vieler unerwünschter Gärkeime. Für Welksilage wird ein Trockenmassebereich zwischen 30 bis 40 % empfohlen. Bei zu feuchtem Siliergut gehen Nährstoffe durch Sickersaft verloren. Ist das Siliergut zu stark angewelkt (über 45 % TM) lässt es sich zunehmend schwerer verdichten. Das kann während des Verfütterungszeitraumes Nacherwärmungen begünstigen.
Bereits dem Anwelken ist daher Aufmerksamkeit zu widmen, um so gut wie möglich im Zielbereich des Trockenmassegehaltes zu bleiben. Das gilt auch für die zuletzt eingebrachten Fuhren.
Kurzes Siliergut optimiert Transportleistung und Verdichtung
Kurz geschnittenes oder gehäckseltes Erntegut optimiert die Transportleistung und verbessert die Lagerungsdichte des Futterstockes. Des Weiteren fördert eine gute Zerkleinerung des Futters auch die Silierung durch einen besseren Aufschluss der Pflanzenzellen. Der Pflanzenzucker ist für Milchsäurebakterien schneller verfügbar, was zu einer intensiveren Gärung beiträgt.
Für Grasaufwüchse werden theoretische Schnittlängen von unter 4 cm empfohlen. Bei rohfaserreichem oder auch zu stark angewelktem Siliergut sollte eine noch intensivere Zerkleinerung von ca. 2 cm erfolgen. Im Übrigen ist dies auch der allgemeine Trend von Siloprofis. Die Preisträger des Silagewettbewerbes berichteten von positiven Erfahrungen mit Kurzhäckselgut (etwa 1 bis 3 cm) hinsichtlich einer hohen Verdichtbarkeit.
Verdichtungsarbeit prüfen und verbessern
Je geringer das Porenvolumen des Futterstockes ist, desto rascher kann die Silierung aufgrund der Sauerstoffabwesenheit beginnen und desto sicherer können Nacherwärmungen bei der späteren Verfütterung der Silagen verhindert werden.
Es lohnt sich demzufolge alles zu tun, um einen hohen Verdichtungsgrad zu erreichen.
Die Qualität der Verdichtung hängt vom Auflagedruck und der Zeitdauer der Druckeinwirkung ab. Das Walzfahrzeug (Radlader, Schlepper) sollte demzufolge ein hohes Eigengewicht aufweisen, welches durch Betonklötze, Anbaugeräte oder Wasser in den Reifen erhöht werden kann. Ein Reifenluftdruck von mindestens 2 bar verbessert die Walzwirkung. Auch eine Einfachbereifung des Schleppers wirkt sich positiv auf die Verdichtungsleistung aus. Lediglich aus Sicherheitsgründen ist bei höheren Silos ohne Seitenwände eine einseitige Zwillingsbereifung akzeptabel.
Zu wesentlichen Grundregeln einer guten Verdichtungsarbeit gehören des Weiteren das langsames Fahren (nicht mehr als 3 bis 4 km/h), das mindestens drei-, besser noch viermalige Überfahren der einzelnen Futterschichten sowie das Festfahren von maximal 20 cm starken Schichtdicken. Wünschenswerter sind gar Schichtdicken von durchschnittlich 15 cm.
Durchdrehende Antriebräder (Schlupf), ruckartiges Anfahren und abrupte Lenkmanöver sind zu vermeiden, um die unteren Futterschichten nicht erneut aufzuwühlen.
Mit zunehmender Schlagkraft der Erntekette kann das Festfahren zum Engpass werden. Ausreichender Siloraum ist erforderlich. Vor allem der Silogeometrie gilt die besondere Aufmerksamkeit. Sie ist so anzupassen, dass ein Futtervorschub von mindesten 2,50 m je Kalenderwoche gewährleistet ist.
In der Praxis ist die Abstimmung zwischen der Bergeleistung der Erntemaschinen und der Verdichtungsleistung der Walzschlepper häufig noch unzureichend. Grundsätzlich sollten je Walzfahrzeug nicht mehr als 15 bis 20 t Trockenmasse Gras je Stunde (entspricht in etwa 380 bis etwa 670 dt Frischmasse/Stunde bei Trockenmassegehalten zwischen 30 bis 40 %) verdichtet werden. Gegebenenfalls hat der Erntewagen zu warten. Unzureichend verdichtetes Futter kann zu Fehlgärungen oder Nacherwärmungen führen. Beides sind unerwünschte Prozesse mit hohem Nährstoff,- Energie – und Trockenmasseverlusten. Die Kosten dieser Verluste fallen im Vergleich zu den Wartezeiten der Silierkette deutlich höher aus.
Sofortige Siloabdeckung
Nach intensivem Nachwalzen ist das Silo unverzüglich luftdicht zu verschließen. Je rascher der Restsauerstoff im Silo verbraucht ist, desto zügiger kann der Gärprozess beginnen. Für diese Zwecke hat sich im Allgemeinen ein zweischichtiges Abdecken mit einer Unterzieh- und einer Silofolie bewährt. Das Auflegen eines Siloschutzgitters reduziert die Gefahr von Beschädigungen, die oftmals durch Vögel oder Nagetiere auftreten. Mit dem relativ hohen Eigengewicht der Siloschutzgitter ist die Silofolie vor Windbewegungen geschützt. Einem solchen Zweck dient auch das Auslegen von Querriegeln. Hierzu können vorzugsweise mit Kies oder ggf. auch mit Sand gefüllte Säcke genutzt werden, die die im Abstand von 6 bis 8 Meter quer über das Silo ausgelegt werden. Das System ist auch während der Entnahmezeit vorteilhaft, weil das Hochfliegen der Folie durch Windbewegung unterbunden und das Eindringen von Luft in tiefere Schichten verhindert wird.
Die Bildung einer Gärgashaube nach dem sorgfältigen Verschluss des Silos ist ein Indiz für den Silierbeginn. Die Gärgase wirken mikrobizid, d.h. sie hemmen eine Vielzahl unerwünschter Keime. Es wäre demzufolge falsch, diese Gärgashaube durch ein erneutes Hochheben der Folie o.a. zu stören. Je feuchter das Siliergut ist, desto intensiver sind die Gärprozesse und desto mehr Gärgase werden gebildet.
Die Hauptgärphase ist je nach Trockenmassegehalt des Siliergutes frühestens vier bis sechs Wochen nach dem Einsilieren abgeschlossen. Erst dann sollte das Silo zur Verfütterung geöffnet werden.
Fazit
Leistungsfähige Grasbestände und die konsequente Einhaltung wesentlicher Silierregeln sind die Grundvoraussetzung für hochwertige Grassilagen.
Um Silagen mit guten Gäreigenschaften auch während der Verfütterungsphase stabil zu halten, bedarf es sowohl einer intensiven Verdichtung des Futters als auch einer an den Tierbestand angepassten Silogeometrie.








