Wintertriticale wurde im Anbaujahr 2025/26 durch Frühjahrstrockenheit und Hitze während der Kornfüllung besonders gefordert. Die Ergebnisse der Landessortenversuche zeigen jedoch, dass leistungsfähige und an die verschiedenen Anbauregionen angepasste Sorten zur Verfügung stehen. Welche Sorten aktuell überzeugen und welche Bedeutung Blattgesundheit, Standfestigkeit und Fusariumtoleranz für die Sortenwahl haben, zeigt die aktuelle Auswertung der Versuche.

Anbauentwicklung und Marktbedingungen
Für Wintertriticale setzte sich ein seit mehreren Jahren zu beobachtender Rückgang der Anbaufläche auch in diesem Jahr fort. Allerdings fielen die Unterschiede zum Vorjahr nicht mehr so deutlich aus, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Laut INVEKOS-Zahlen wurden in Niedersachsen auf 35.200 ha Wintertriticale (- 3%) angebaut. Damit bestätigt sich der Trend, dass Triticale insbesondere in den Veredelungsregionen weiter an Bedeutung verliert.
Wintertriticale bleibt nahezu ausschließlich auf die Verwertung als Futtergetreide ausgerichtet. Die Nachfrage aus Mischfutterwerken und viehhaltenden Betrieben zeigte sich 2026 zwar überwiegend stabil, die Kultur leidet jedoch weiterhin unter dem strukturellen Rückgang der Veredelungswirtschaft, insbesondere der Schweinehaltung. Positiv wirkte sich aus, dass Triticale in den Futterrationen preislich konkurrenzfähig blieb und sich die Preise im Verlauf des Jahres teilweise fester entwickelten als bei Roggen. Insgesamt sind die Absatzmöglichkeiten für Triticale derzeit etwas günstiger einzuschätzen als für Roggen. Allerdings wird das Interesse an beiden Getreidearten von einem insgesamt ausreichend versorgten Getreidemarkt geprägt.
Vegetationsverlauf 2025/26
Günstige Aussaatbedingungen im Herbst sowie ausreichende Niederschläge in Verbindung mit milden Temperaturen nach der Bestellung ermöglichten in vielen Regionen Niedersachsens einen raschen Feldaufgang und eine gute Entwicklung der Bestände vor Wintereinbruch. Der Winter zeigte sich insgesamt vergleichsweise mild. Während der Frostphasen schützte eine Schneedecke die Bestände weitgehend, sodass Auswinterungsschäden bei Triticale kaum auftraten.
Das Frühjahr war zunächst durch kühle Temperaturen und geringe Niederschlagsmengen gekennzeichnet. Insbesondere auf leichteren Standorten machte sich die Trockenheit früh bemerkbar. Aufgrund der eingeschränkten Wasserversorgung und der zunächst langsam einsetzenden Nährstoffnachlieferung aus dem Boden verlief die Bestandesentwicklung vielerorts verhalten. Vor allem auf den Sandstandorten traten zeitweise Symptome von Trockenstress auf, während tiefgründigere Böden die Wasserdefizite zunächst besser abpuffern konnten.
Mit den Niederschlägen Anfang Mai verbesserten sich die Wachstumsbedingungen deutlich. Die Bestände konnten die zuvor entstandenen Entwicklungsrückstände schnell aufholen und durchliefen Schossen, Ährenschieben und Blüte überwiegend unter günstigen Bedingungen. Die Wasserversorgung erfolgte noch rechtzeitig, um die Ertragsbildung positiv zu beeinflussen.
Die bis in den April hinein anhaltende kühle, trockene und niederschlagsarme Witterung sorgte zunächst für einen insgesamt geringen Krankheitsdruck. Blattkrankheiten spielten während eines Großteils der Schossphase lediglich eine untergeordnete Rolle. Mit den Niederschlägen ab Mai änderte sich die Situation jedoch regional. Je nach Standort traten insbesondere Mehltau, Gelbrost, Braunrost und Blattseptoria stärker in Erscheinung.
Der weitere Vegetationsverlauf wurde maßgeblich von mehreren Hitzeperioden im Juni bestimmt. In vielen Regionen wurden Temperaturen von knapp 40 °C erreicht. Vor allem auf Standorten mit eingeschränkter Wasserversorgung führte die Hitze zu einer verkürzten Kornfüllungsphase und begrenzte damit das Ertragspotenzial. Auf leichteren Standorten konnten weiter entwickelte Bestände die Belastung meist besser kompensieren. Auf gut wasserversorgten Standorten trafen die hohen Temperaturen die Pflanzen dagegen häufig in einem früheren Entwicklungsstadium, wodurch dort teilweise noch mehr Ertragspotenzial verloren ging.
Die Erntebedingungen waren überwiegend günstiger als in den Jahren 2023 und 2025. In vielen Regionen konnten die Bestände zügig gedroschen werden. Größere Probleme durch Auswuchs oder sinkende Fallzahlen wurden nicht festgestellt. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik lag der Durchschnittsertrag in Niedersachsen mit 60,5 dt/ha allerdings rund 11 % unter dem Vorjahreswert von 67,8 dt/ha.
Ergebnisse der Landessortenversuche
Der Landessortenversuch Wintertriticale wurde 2026 mit elf Sorten durchgeführt. Neben sieben mehrjährig getesteten Sorten standen vier neue Prüflinge im Sortiment. Die Prüfung erfolgte in den vier Anbauregionen Sandböden West, Sandböden Nord, Lehmböden West sowie Höhenlagen Mitte/West. In Niedersachsen wurden hierfür insgesamt zehn Versuche angelegt. Zusätzlich wurden Standorte aus Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Hessen in die regionalen Auswertungen einbezogen.
Die Ertragsunterschiede zwischen den Regionen fielen deutlich größer aus als beim Roggen. Auf den westlichen Sandstandorten wurden durchschnittlich 88,4 dt/ha erzielt. Die Lehmböden erreichten mit 90,2 dt/ha ebenfalls ein gutes Niveau. In den Höhenlagen lagen die Durchschnittserträge bei 94,1 dt/ha. Besonders deutlich machte sich die Trockenheit dagegen auf den Sandböden Nord bemerkbar, wo lediglich 70,6 dt/ha erreicht wurden. Der beregnete Versuch am Standort Hamerstorf erzielte dabei deutlich höhere Erträge als mehrere unberegnete Standorte der Anbauregion Sandböden Nord und unterstrich die Bedeutung der Wasserversorgung im Frühjahr 2026. Vor dem Hintergrund begrenzter Beregnungskapazitäten, steigender Energiekosten und der Konkurrenz durch bewässerungswürdigere Kulturen wie Kartoffeln oder Zuckerrüben ist daraus jedoch keine generelle Empfehlung zur Beregnung von Triticale abzuleiten.
Im Gegensatz zum Roggen reagierte Triticale deutlich sensibler auf die Trockenphase im Frühjahr sowie auf die Hitzeperiode während der Kornfüllung. Die Erträge lagen insbesondere auf den nördlichen Sandstandorten teils deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Auf besseren Standorten konnten dagegen vielfach noch gute bis sehr gute Erträge erzielt werden. Entsprechend fielen die regionalen Unterschiede wesentlich größer aus als in den Vorjahren.
Empfohlene Sorten
Lumaco bestätigte auch 2026 die breite Anbaueignung und bleibt in allen vier Anbauregionen empfohlen. Die Erträge lagen in allen Anbauregionen auf durchschnittlichem Niveau. Die mehrjährige Betrachtung zeigt die Ertragsstabilität. Die Sorte verfügt über eine gute Blattgesundheit sowie eine hohe Toleranz gegenüber Ährenfusarium. Damit bleibt Lumaco insbesondere für maisbetonte Fruchtfolgen interessant. Zu beachten sind die schwächeren Einstufungen bei Lager und Braunrost.
Die langjährig etablierte Sorte Lombardo erreichte 2026 überwiegend durchschnittliche Erträge, wird aufgrund ihrer langjährigen Ertragsstabilität jedoch weiterhin in den Anbauregionen Sandböden West und Nord sowie Lehmböden West empfohlen. Positiv hervorzuheben ist die überdurchschnittliche Winterhärte der Sorte. Schwächen zeigen sich in der Standfestigkeit sowie im Resistenzprofil bei Braunrost und Blattseptoria. Die Sorte gehört pflanzenbaulich zwar nicht mehr zu den ausgeglichensten Kandidaten des aktuellen Sortimentes, ist den meisten Anbauern aber gut bekannt, sodass die Schwächen bei einer angepassten Bestandesführung nicht zu sehr ins Gewicht fallen.
Fantastico erzielte 2026 auf den Sandböden durchschnittliche Erträge, bleibt aber auf den besseren Standorten der Lehmböden West sowie der Höhenlagen Mitte/West unterdurchschnittlich Die Sorte zeichnet sich weiterhin durch eine hohe Standfestigkeit und gute Winterhärte aus. Das an sich gute Resistenzprofil weist allerdings eine deutliche Lücke beim Mehltau auf. Fantastico verfügt über eine gute Toleranz gegenüber Ährenfusarium. Damit zählt Fantastico weiterhin zu den pflanzenbaulich interessantesten Sorten im Sortiment und wird für die Anbauregionen Sandböden West und Nord sowie für die Lehmböden West empfohlen.
Bicross erreichte in diesem Jahr überwiegend leicht unterdurchschnittliche Erträge. Zu den Stärken der Sorten zählt die sehr gute Toleranz gegen Fusarium. Schwächen hat die sehr langstrohige Sorte bei der Standfestigkeit sowie bei Mehltau. Die Sorte wird aufgrund ihrer guten Eignung für Fruchtfolgen mit erhöhtem Fusariumrisiko in allen Anbauregionen eingeschränkt empfohlen.
Promiso erreicht zwar in diesem Jahr nicht die Spitzenerträge des ersten LSV-Jahres, bestätigt aber weiterhin mit überdurchschnittlichen Erträgen das hohe Leistungspotenzial in allen Anbauregionen. Allerdings weist die Sorte nur eine geringe Toleranz gegenüber Ährenfusarium auf, weshalb sie besonders für enge Maisfruchtfolgen nicht geeignet ist. Positiv zu bewerten sind dagegen die Standfestigkeit und Blattgesundheit. Aufgrund der Fusariumanfälligkeit erhält die Sorte in allen Anbauregionen eine eingeschränkte Empfehlung zum Anbau.
Die erstmals geprüfte Sorte Rugiro überzeugte insbesondere auf den Sand- und Lehmböden West und in den Höhenlagen Mitte/West mit überdurchschnittlichen Erträgen. Die Sorte weist keine Schwächen bei den Blattkrankheiten auf und besitzt eine durchschnittliche Toleranz gegen Ährenfusarium und Standfestigkeit. Rugiro wird in allen Anbauregionen zum Probeanbau empfohlen.
Auch RGT Comebac erreichte bereits im ersten Prüfjahr durchschnittliche bis überdurchschnittliche Erträge, insbesondere in den Höhenlagen Mitte/West. Die Sorte verfügt über ein ausgeglichenes Resistenzprofil mit Stärken bei Mehltau, Rhynchosporium und vor allem Braunrost. Die Standfestigkeit sowie die Toleranz gegenüber Ährenfusarium sind durchschnittlich. Die Sorte wird für die Lehmböden West sowie die Höhenlagen Mitte/West für den Probeanbau empfohlen.
Weitere geprüfte Sorten
Die mittelspäte Sorte Trimobe wurde 2026 erstmals auf den Sand- und Lehmböden West geprüft und erzielt gute Erträge, die sich in der mehrjährigen Betrachtung noch nicht ganz bestätigen. Zudem weist die sehr langstrohige Sorte eine erhöhte Lagenanfälligkeit auf. Bei einer guten Blattgesundheit und Toleranz gegenüber Fusarium kann die Sorte zukünftig für den Anbau interessant werden, wenn sich die guten Ertragsergebnisse im nächsten Jahr wiederholen.
Die blattgesunde Sorte RGT Zigzac wurde erstmals auf den Sandböden Nord geprüft und erreichte durchschnittliche Erträge bei leichten Schwächen in der Standfestigkeit. Sollte sich die Sortenleistung im nächsten Jahr bestätigen, kann auch diese Sorte in Zukunft für den Anbau in Frage kommen.
Tributo weist eine gute Blattgesundheit und Winterhärte auf, konnte ertraglich aber nicht mit den anderen geprüften Sorten mithalten. Auch Rivolt konnte nicht mehr an die guten Ergebnisse früherer Jahre anknüpfen.
Fazit
Das Anbaujahr 2025/26 stellte den Wintertriticaleanbau durch die Frühjahrstrockenheit sowie die Hitzeperioden während der Kornfüllung vor erhebliche Herausforderungen. Dabei zeigte sich erneut die vergleichsweise hohe Empfindlichkeit der Kultur gegenüber Wasserdefiziten und hohen Temperaturen. Die Ergebnisse der Landessortenversuche belegen jedoch, dass für die unterschiedlichen Anbauregionen leistungsstarke und gut angepasste Sorten zur Verfügung stehen. Neben einer hohen Ertragsleistung bleiben im Triticaleanbau insbesondere die Blattgesundheit, die Standfestigkeit und die Fusariumtoleranz wichtige Merkmale für die Sortenbewertung. Die Versuchsergebnisse unterstreichen insgesamt die Bedeutung einer an Standort und Fruchtfolge angepassten Sortenwahl, um das vorhandene Ertragspotenzial bestmöglich auszuschöpfen und die Vermarktungssicherheit zu erhöhen.




