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Maissilierung – Verluste senken

Webcode: 01045724

Bei der Maissilagebereitung im Jahr 2026 gilt es, die unterschiedlichen Situationen der Reifeentwicklung zu berücksichtigen. Vorsorge hinsichtlich Sickersaftaufkommen ist bei unterentwickelten, kolbenlosen aber grünen Maisbeständen zu treffen. Generell sind alle Maßnahmen der Silierarbeit auf eine verlustarme Bergung, Silierung und Verfütterung auszurichten.

Maissilierung - Verluste vermeiden
Maissilierung - Verluste vermeidenDr. Christine Kalzendorf
Das Vegetationsjahr 2026 stellt die Futterbauern in Niedersachsen erneut vor Herausforderungen, denn die Trockenheit wirkt sich auch auf die ansonsten hitzetoleranten Maispflanzen aus. 
Die Maisbestände in Niedersachsen zeigen eine sehr unterschiedliche Entwicklung. Je nach Standort und Region findet man Maispflanzen mit Wuchshöhen zwischen knapp 1 und bis zu 3 Meter. Auch in Bezug auf die Kolbenausbildung ist eine große Streubreite festzustellen. Die Bandbreite erstreckt sich zwischen normal entwickelten Beständen bis hin zu stark unterentwickelten und kolbenlosen Pflanzen. 
Es ist schon jetzt absehbar, dass die Qualität aus den beiden Vorjahren nicht erreicht werden kann. Zudem zeichnet sich ab, dass auch von den für den Anbau geplanten Körnermaisflächen starke Abstriche gemacht werden müssen.
Es kommt jetzt darauf an, aus der Situation das Beste zu machen und die Verluste im Silo so gering wie möglich zu halten.

Silierung der unterentwickelten Maisbestände  
Auf den Flächen, wo der Mais schwach entwickelt und die Kolbenentwicklung gering ist oder gar fehlt, sollte die Ernte nicht zu lange hinausgezögert werden. 
Trockengeschädigter Mais ist nicht zwangsläufig ein sehr trockenes Material. Ist die Restpflanze noch grün, aber der Kolbenanteil gering, kann der Mais noch TM-Gehalte unterhalb von 28 % aufweisen. Hier gilt es, den Mais als Grünmais zu betrachten. Ganz anders verhält es sich, wenn die Restpflanze vertrocknet ist. Hier kann man von hohen TM-Gehalten ausgehen, die zum Teil weit über 40 % liegen.
Generell gilt, je trockener der Mais ist, desto kürzer sollte gehäckselt werden. Bei sehr hohen TM-Gehalten sind theoretische Häcksellänge von 3 bis maximal 5 mm zu bevorzugen. Mais mit TM-Gehalten unterhalb von 28 % darf mit einer gröberen Häcksellänge bis 10 mm in das Silo kommen
Sobald die Blätter stärker vergilbt oder vertrocknet sind, nimmt der Besatz unerwünschter Keime zu, was später zu Nacherwärmungen während der Verfütterungsphase führen kann. Den Grundsätzen einer guten Siliertechnik hinsichtlich Zerkleinerung, der Verdichtung, der Silogeometrie und des Luftabschlusses muss noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. 
Für den Fall, dass Sickersaft bei der Silierung von Grünmais zu erwarten ist, sind Vorsorgemaßnahmen für das ordnungsgemäße Auffangen zu treffen. Stehen Sickersaftgruben oder Güllebehälter zum kontrollierten Sammeln des nähr- und mineralstoffreichen Gärsaftes nicht zur Verfügung, gilt es, alternative Lösungen in Betracht zu ziehen. Dazu kann zum einen eine Foliengrube gehören, die speziell für diesen Fall angelegt wird. Zum anderen ist es aber auch möglich, mit Hilfe von absorbierenden Stoffen wie zum Beispiel Häckselstroh, Trockenschnitzel oder gequetschtem Getreide dem ungehinderten Austreten des Sickersaftes in die Umwelt zu begegnen. Der Mengenanteil der Absorptionsstoffe richtet sich vor allem nach der zu erwartenden Sickersaftmenge, die vom Trockenmassegehalt des Siliergutes, der Futterart sowie der Höhe des Futterstapels als auch der Lagerungsdichte abhängig ist. Mit welchen Mengen des Sickersaftanfalles konkret gerechnet werden kann, zeigt Tabelle 2 (siehe Dateianhang). Ein gleichmäßiges Vermischen dieser absorbierenden Materialien erhöht die Aufsaugleistung. Während der Maisernte kommt für diese Forderung lediglich das schichtweise Einbringen dieser Materialien in Betracht, wobei die Mengen von unten nach oben abnehmen können. Für Grünmais mit Trockenmassegehalten unter 28 Prozent ist es des Weiteren ratsam, Kurzstroh mit einer Schichtdicke von 30 cm als Unterlage in das Silo einzubringen. Damit lassen sich nach Aussagen von THAYSEN (2006) Gärsaftmengen von etwa 1 bis 2 m³/ha binden. Auch kurz gehäckselte Grassilage mit einem TM-Gehalt über 45 Prozent kann dafür genutzt werden. Im Vergleich zum Stroh ist das Vermögen zur Sickersaftbindung jedoch geringer. Daher bedarf es einen größeren Mengeneinsatz. 

Silierung von normal entwickelten Maisbeständen
Silomais gehört zu den leicht vergärbaren Pflanzen. Im Vergleich zu den Grassilagen sind die Silierverluste beim Mais im geschlossenen Silo deutlich geringer. Mais ist aufgrund der hohen Nährstoffkonzentration besonders für Verderb anfällig. Bei Luftzugang, also während der Verfütterungsphase, kann sich das Futter rasch erwärmen. Diese Vorgänge können sowohl mit erheblichen Trockenmasse-, als auch Energieverlusten verbunden sein. Hier gilt es, den Risiken der aeroben Instabilität so gut wie möglich durch siliertechnische Maßnahmen zu begegnen.  

Wichtige Silierregeln
Vor dem Hintergrund sind an der Güte der Siliertechnik keine Abstriche zuzulassen. 
Bereits vor der Silierung ist die Silogeometrie zu bedenken. Anzustreben ist ein wöchentlicher Futtervorschub von mindestens 2,50 m/ Woche, unabhängig davon, ob im Sommer oder im Winter gefüttert wird. Eine beispielhafte Berechnung zu der an den Tierbestand angepassten Siloanschnittfläche kann Tabelle 1 (siehe Dateianhang) entnommen werden. 
Das so genannte Nadelöhr im Silierverfahren stellt die Walzarbeit dar. Für den Mais sind Lagerungsdichten von 230 bis 270 kg TM/m³ bei TM-Gehalten im Bereich von 30 bis 33 Prozent anzustreben. Diese Werte werden in der Praxis selten erreicht. Zu wenig wird beachtet, dass nicht die Erntetechnik, sondern die Walzleistung die Geschwindigkeit des Ernteprozesses bestimmen sollte. Bei dem Festfahren je Futterschicht muss so viel Zeit verbleiben, dass mindestens drei Überfahrten auf derselben Stelle gesichert sind. Dünne Futterschichten von etwa 15 cm lassen sich deutlich besser verdichten als zu hohe Schichtdicken (oberhalb von 20 cm). Ein langsames Fahren von etwa 4 km/h hat sich für eine gute Lagerungsdichte genauso bewährt wie ein hoher Auflagedruck pro Flächeneinheit, welcher zum einen durch einen Reifeninnendruck von 2,0 bis 3,5 bar beeinflussbar ist. Je nach Silohöhe des Fahrsilos ist in die Überlegungen zur bevorstehenden Silierarbeit auch einzubeziehen, ob auf die Zwillingsbereifung des Walzschleppers verzichtet werden kann oder eine einseitige Anbringung sicherheitstechnisch ausreichend ist.   
Neben dem richtigen Einsatz des Walzschleppers wird der Verdichtungsgrad bei der Maissilagebereitung zudem durch die Häcksellänge und den Abreifegrad des Silomaises beeinflusst. Das kurze Häckseln mit theoretischen Häcksellängen von etwa 4 bis 6 mm wirkt sich förderlich auf die Verdichtung, aber auch auf die Gärgeschwindigkeit aus. Prinzipiell gilt, je höher der TM-Gehalt in der Gesamtpflanze ist, desto kürzer muss gehäckselt und desto intensiver muss verfestigt werden.   
Eine unverzügliche und sorgfältige Abdeckung des Silos mit mindestens zwei Folienschichten (Unterzieh- und Silofolie) sowie das hinreichende Beschweren der Silofolie gehören gleichfalls zum Standard der Silierregeln, um das Eindringen von Luft zu verhindern.
Ein frühzeitiges Öffnen des Maissilos kann ebenfalls Ursache für ein rasches Erwärmen des Futters sein. Für ein hinreichendes Durchsilieren des gesamten Futterstapels sind Verschlusszeiten des Silos von mindestens 4, besser sogar noch 6 Wochen einzuplanen. Hierbei gilt, je trockener das Erntegut, desto wichtiger ist die anaerobe Lagerdauer unter einer komplett verschlossenen Folienhaube. Wird im Erntezeitraum bereits Silomais für die Verfütterung benötigt, ist bevorzugt ein separates Silo anzulegen.
Wo es trotz bester Siliertechnik, wie gerade beschrieben, immer wieder zu Nacherwärmungsproblemen der Maissilage kommt, sind Siliermittel zur Verbesserung der aeroben Stabilität ergänzend einzusetzen (siehe auch Webcode 01045711).

Fazit
Die Futterqualitäten des Silomaises werden im Erntejahr 2026 bedingt durch die Trockenheit sehr unterschiedlich ausfallen.
Die Ernte und Silierung der unterentwickelten Bestände mit mangelhaftem Kolbenanteil kann bereits mit Trockenmassegehalten von knapp 28 Prozent beginnen, um die Mengen- und Qualitätsverluste gering zu halten. 
Für den Erntezeitpunkt der gut entwickelten Maisbestände sollte man sich an den Ergebnissen der Maisreifeprüfung in Verbindung mit der eigenen Kontrolle auf den Betriebsflächen orientieren. 
Obgleich der Silomais zu den leicht vergärbaren Pflanzen gehört, sind an den Grundsätzen einer guten Siliertechnik keine Abstriche zu machen. 
Die Güte der Siliertechnik gehört zu einem Baustein, das Nacherwärmungsverhalten von Maissilagen zu beeinflussen.


Mit Hochschnitt Qualität verbessern
Zum Zeitpunkt der Ernte des Silomaises lässt sich der Futterwert von Maissilagen mit guter Kolbenentwicklung nur noch durch die Schnitthöhe beeinflussen. Im Allgemeinen gilt, dass mit einer Erhöhung der Stoppel um 20 cm auch die Energiekonzentration um 0,1 MJ NEL/kg TM steigt. Allerdings nehmen dann der Ertrag um etwa 5% und der Strukturwert um 0,1 ab. Mit jeweils 20 cm längerer Stoppel nimmt auch der Trockenmassegehalt um etwa 1 bis 2 Prozent zu. Das sollte unbedingt bei der Wahl des Erntezeitpunktes berücksichtigt werden, damit das Erntegut nicht mit TM-Gehalten von über 35 % geborgen wird. 


CCM statt Silomais?
Bekanntlich verbessert sich der Futterwert, wenn nur der Maiskolben geerntet wird. Bei Corn-Cob-Mix (CCM) liegen die Energiekonzentrationen bei 8,0 – 8,3 MJ NEL/kg TM. In welchen Mengen die Silierung von CCM im Jahr 2026 in Betracht kommt, hängt von dem Futtervorrat ab, der aus dem Vorjahr noch vorhanden ist, aber auch von dem aus dem Grünland erzielten Erntemengen.
Das stärke- und energiereiche Futter erwärmt sich rasch. Auf eine luftdichte Einhüllung und auf einen raschen Futtervorschub ist besonders Wert zu legen.