Rund 80 Frauen, viele gute Gespräche und jede Menge Rückenwind für den Alltag: Beim Sommerfest für Frauen in der Landwirtschaft am 15. September 2026 im Park der Gärten in Bad Zwischenahn stand das Miteinander im Mittelpunkt. Höhepunkt war das Live-Interview mit drei Landwirtinnen, das für Gesprächsstoff, Denkanstöße und so manchen Lacher sorgte.
„Ohne euch würde Landwirtschaft nicht funktionieren“
Dagmar Heyens, stellvertretende Präsidentin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, würdigte die Leistungen der Frauen: Wissen, Einsatz, Leidenschaft und Verlässlichkeit, verbunden mit viel Herzblut. Das Motto „sichtbar. vernetzt. stark.“ treffe den Kern, so Heyens: Sichtbarkeit bedeute, die Leistungen von Frauen stärker ins Blickfeld zu rücken. Vernetzung bringt breite Kompetenz mit sich und werde angesichts des Fachkräftemangels immer wichtiger. Und stark zu sein heiße nicht, alles allein schaffen zu müssen: Um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen sei ausdrücklich erlaubt. „Mach heute so wunderbar, dass gestern neidisch wird“, ihr Motto des Tages hat sich rückblickend erfüllt.
Drei Frauen, drei Wege und viele Gemeinsamkeiten
Im Mittelpunkt des Vormittags stand ein Live-Interview, geführt von Leonie Jost, Redakteurin der Land & Forst. Maren Schröder-Meyer (Beiratsvorsitzende AGRAVIS Raiffeisen AG und Vorstandsvorsitzende der Heidesand Raiffeisen-Warengenossenschaft) sowie die Agrar-Influencerinnen Anita Lucassen und Nele Brockmann berichteten offen über ihre Wege in die Landwirtschaft, ihre Vorbilder, den Familienalltag, das erfüllende Ehrenamt und die eigene Absicherung.
Die Geschichten könnten unterschiedlicher kaum sein: Maren wollte als Kind zunächst nichts mit Landwirtschaft zu tun haben; heute ist sie mit Leidenschaft dabei. Nele wusste dagegen schon mit fünf Jahren, dass sie Bäuerin werden wollte. O-Ton: „Ik wüss al mit fiev Johr, dat ik Buursfroo warrn wull“. Anita fand über Umwege zur Landwirtschaft, als sie einsprang, um ihrem Vater auf dem Betrieb zu helfen. Später lernte sie auf der EuroTier ihren Mann kennen, der Rest ist Geschichte.
Das Schönste am Beruf?
Für Anita die Freiheit, gemeinsam mit ihrem Mann „eigener Herr“ zu sein. Maren schätzt es, morgens direkt in den Stall zu gehen, ganz ohne Stylingzwang. Nele wirtschaftet mit ihrem Freund auf zwei Betrieben mit zwei Sauenherden und zwei Biogasanlagen. „Ganz schön viel für eine Beziehung“, wie sie augenzwinkernd anmerkt.
Vorbilder, die Mut machen
Häufig sind es Frauen aus der eigenen Familie, die den Weg bereiten: Nele ist bereits die dritte Frau, die den elterlichen Hof übernommen hat, Mutter und Oma sind ihre wichtigsten Vorbilder. Anita denkt gerne an ihre Zeit bei den Jungzüchtern im Rheinland zurück, wo vier Frauen gemeinsam anpackten. Und Maren erzählte von ihrer Großmutter, die den Betrieb während des Krieges allein führte. Auch ihre Mutter habe sie geformt und ihr das Gen für das Ehrenamt mitgegeben.
Mitspracherecht für das Publikum
Offen wurde über Vorurteile gesprochen, die vielen Frauen im Alltag begegnen. Elke aus dem Publikum berichtete von einer Erfahrung nach ihrer Scheidung, als Männer in ihrem Umfeld bereits über die Aufteilung von Flächen sprachen, ohne sie einzubeziehen. Ihr Appell an die Männer: Nicht die Frauen fragen, wo der Chef ist, sondern wer die Verantwortung trägt.
Auch Maren kennt Situationen, in denen sie nicht als Ansprechpartnerin ernst genommen wurde. Früher habe sie solche Momente weggelächelt. Heute sitzt sie selbstbewusst in Vorstandsetagen von Raiffeisen, Landvolk und Landberatung. Ihr Fazit: „Letztendlich kochen die auch nur mit Wasser.“
Ehrenamt: Verantwortung übernehmen und etwas zurückbekommen
Die Botschaft der Runde war eindeutig: Wer gefragt wird, ob er ein Ehrenamt übernehmen möchte, dem wird diese Aufgabe auch zugetraut. Kirsten, seit 26 Jahren in der Landwirtschaft und seit 2006 in der Kommunalpolitik aktiv, machte anderen Frauen Mut: „Stellt euch auf, ihr könnt das!“
Maren beschrieb das Ehrenamt als echte Erfüllung. Applaus und Anerkennung seien für sie wie ein „Joint“, der motiviert und gute Laune macht. Das Publikum quittierte das mit viel Gelächter.
Familie, Auszeit und Netzwerk
Wie lassen sich Familie, Betrieb und Engagement vereinbaren? Ein Balanceakt, wie Maren und Anita berichteten, getragen von einem starken Familienverbund. Ein roter Faden zog sich durch viele Beiträge des Tages: Auszeiten und ein gutes Netzwerk sind unverzichtbar. Genau dafür bot das Sommerfest den passenden Rahmen.
Von Bauernhofpädagogik bis Social Media
Wie vielfältig Frauen in der Landwirtschaft heute unterwegs sind, zeigte auch der Austausch mit dem Publikum: Heike öffnet ihren Milchviehbetrieb für Kinder und hat sich in Bauernhofpädagogik weitergebildet.
Auch finanzielle Themen kamen zur Sprache: Beim Stichwort Altersvorsorge zeigte sich, dass viele Frauen ihre spätere Rente kaum einschätzen können. Ein wichtiges Thema, das nicht aufgeschoben werden sollte.
Ein eigener Song
Nach dem Mittagessen wartete noch eine besondere Überraschung: Auf Basis von spontan aus dem Publikum zugerufenen Begriffen rund um das Thema „Frauen in der Landwirtschaft“ entstand mithilfe von KI kurzerhand ein eigener Sommerfest-Song. Die vielfältigen Geschichten, Erfahrungen und Anforderungen der Frauen wurden dabei auf moderne und unterhaltsame Weise musikalisch zusammengebracht. Der fertige Song sorgte für viel Freude und wurde natürlich gebührend gefeiert. Den Ki-generierten Sommerfest-Song gibt hier unter diesem Artikel zum Anhören und Download.
Netzwerken im Grünen
Am Nachmittag wurde es praktisch: Beim „Netzwerken im Grünen“ mit Christine Gehle tauschten sich die Teilnehmerinnen in Kleingruppen zu Fragen wie Auszeiten, Alltag und Zukunftswünschen aus. Diese Wünsche kamen als Blätter an einen Wünschebaum. Und sie bleiben nicht am Baum hängen: Die gesammelten Beiträge werden vom Organisationsteam – Katrin Busch, Anne Dirking, Marita Eschenhorst und Birgit Jürgens – ausgewertet, aufbereitet und in Kürze veröffentlicht. So werden die vielen Impulse aus dem Austausch sichtbar und dienen als Anregungen für die weitere Arbeit und die Anliegen der Frauen in der Landwirtschaft.
Mit vielen Eindrücken und Begegnungen ging im wunderbaren Ambiente des „Parks der Gärten“ ein besonderer Tag zu Ende. Geblieben sind viele neue Kontakte, Inspiration für das eigene Tun und vor allem das Gefühl, mit den eigenen Fragen nicht allein zu sein. Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieses Tages: Man muss nicht alles allein stemmen. Es gibt viele Frauen, die ganz ähnliche Fragen, Ideen und Herausforderungen kennen.
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Lemke Energie, Niedersächsische Landgesellschaft (NLG), Oldenburgische Landesbank (OLB), Maschinenring Diepholz-Sulingen und GS Die Genossenschaft eG.









