Dr. Heiko Janssen
Leiter Sachgebiet Tierhaltung

Ausgangslage
Wie in ganz Europa und Deutschland wurde zur Zeit des Projektbeginns in der Schweinehaltung in Niedersachsen bei der überwiegenden Zahl von Schweinen die Schwanzspitze innerhalb der ersten Lebenstage kupiert. Diese Maßnahme wurde vorbeugend durchgeführt, um das Auftreten des als Verhaltensstörung geldtenden Schwanzbeißens zu verhindern. Auf gesetzlicher Ebene ist das Kupieren der Schwanzspitze von Schweinen sowohl europäisch als auch national betrachtet nur im Ausnahmefall zulässig, wenn durch anderweitig ergriffene geeignete Maßnahmen Schwanzbeißen nicht verhindert werden kann.
Ziel des Projekts
Mit dem Projekt sollte eine Optimierung und Stabilisierung der Haltungsbedingungen in der Ferkelaufzucht und / oder der Schweinemast der beteiligten Fokusbetriebe herbeigeführt und damit die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Schwanzbeißen sowie die Notwendigkeit des Kupierens der Schwanzspitzen reduziert werden. Die Betriebsleiter sollten hierbei durch eine intensive Beratung mit ganzheitlichem Ansatz unterstützt werden. Damit sollte dieses Projekt einen wesentlichen Beitrag zur direkten Verbesserung des Tierwohls liefern. Gleichzeitig wurde eine Verbesserung der Tiergesundheit und damit indirekt eine Reduzierung des Medikamenteneinsatzes in diesem Projekt erwartet.
Projektdurchführung
Bei einer festgelegten Zahl an Projektbetrieben sollten die Ziele durch zwei wesentliche Beratungselemente durchgeführt werden:
Auf Betriebsebene sollte eine regelmäßige, intensive einzelbetriebliche Beratung erfolgen. Ergänzend sollten die beteiligten Projektbetriebe in einem Arbeitskreis zusammengefasst werden, um sich auf dieser Ebene mit Berufskollegen und zusätzlichen Fachexperten intensiv austauschen zu können. Zum Ende des Projekts war ein Wissentransfer in die breite Praxis geplant.
Leiter Sachgebiet Tierhaltung
Derzeit werden in Deutschland, wie in fast ganz Europa, den meisten Ferkeln innerhalb der ersten Lebenstage die Schwanzspitze kupiert. Diese Maßnahme wird vorbeugend durchgeführt, um das Auftreten des als Verhaltensstörung geltenden Schwanzbeißens zu verhindern. Rechtlich gesehen, ist das Kupieren der Schwanzspitze von Schweinen sowohl auf europäischer als auch nationaler Ebene nur im begründeten Ausnahmefall zulässig, wenn durch anderweitig ergriffene geeignete Maßnahmen Schwanzbeißen nicht verhindert werden kann.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen informierte nun im Rahmen einer Vortragsveranstaltung zahlreiche Landwirte, Berater, Wissenschaftler und Tierärzte zum Thema „Kupierverzicht in der Schweinehaltung“.
Welche Empfehlungen die Wissenschaft zum Kupierverzicht von Schwanzspitzen gibt, stellte Prof. Dr. Blaha (TiHo Hannover) vor. Der Schwanz sei für die Schweine eine Art „Kommunikationsmittel“- durch die Haltung des Schwanzes (geringelt, hängend, wedelnd) könne das Schwein Signale an seine Buchtengenossen geben. Die Aufgabe des Menschen sei es nun, diese Signale zu verstehen. Die Erfahrungen aus den Projekten zeigten, dass die Ursache für Schwanzbeißen meist schon in der Ferkelaufzucht liegt. Wobei Prof. Dr. Blaha zu bedenken gab, dass jede Art von Frust das Risiko für Schwanzbeißen erhöhen kann- unabhängig davon ob sich das Tier in der Ferkelaufzucht oder Mast befindet. Des Weiteren stellte Prof. Dr. Blaha fest, dass nicht das Spielzeug das Schwein dauerhaft interessieren würde, sondern entsprechende Wühlmöglichkeiten zur Verfügung stehen müssten.
Die rechtlichen Mindestvorgaben hinsichtlich Beschäftigungsmaterialien stellte Frau Dr. Opitz (LAVES) vor. Viele auf dem Markt erhältliche Beschäftigungsobjekte orientieren sich eher an arbeitswirtschaftlichen Gesichtspunkten als an den Bedürfnissen der Schweine, so Opitz. Die alleinige Erfüllung der rechtlichen Mindestvorgaben (TierSchNutztV) garantiere nicht, dass es sich um ein in jedem Fall geeignetes Beschäftigungsmaterial handelt. Es müsse betriebsindividuell entschieden werden, welche Beschäftigungsobjekte und -materialen geeignet sind, die Bedürfnisse der „betriebseigenen Schweine“ zu erfüllen. Eine entscheidende Voraussetzung sei dabei die Tierbeobachtung.
Im Anschluss stellte Frau Grothmann (LWK Niedersachsen) das BLE / BMEL - Projekt „Einzelbetriebliche Intensivberatung Schweine haltender Betriebe zur Reduzierung des Risikos von Schwanzbeißen“ vor (BLE-MuD 2813 MDT 001). Es handelt sich dabei um eine betriebsindividuelle Optimierung und Stabilisierung der Haltungsbedingungen in der Ferkelaufzucht und der Schweinemast der beteiligten Praxisbetriebe. Ziel des Projektes ist es, gemeinsam mit dem Betriebsleiter die Wahrscheinlichkeit und Auslöser für das Auftreten von Schwanzbeißen zu identifizieren und die Notwendigkeit des Kupierens zu reduzieren. Des Weiteren nimmt Frau Grothmann im Rahmen des BLE Projektes den Wissenstransfer der gewonnen Erkenntnisse und Erfahrungen in die breite Praxis und Beratung vor. Die ersten Erfahrungen wurden im Rahmen der Vortragstagung präsentiert.
Im Rahmen eines neuen Projektes des BLE / BMELV zu dem Themengebiet Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich Tierschutz bietet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen einzelbetriebliche Intensivberatung von Schweine haltenden Betrieben zur Reduzierung des Risikos von Schwanzbeißen.
In den meisten europäischen Schweinehaltungen ist das Kupieren der Schwanzspitze beim Ferkel als wirksamste Vorbeugemaßnahme gegen Schwanzbeißen weit verbreitet. Gesetzlich ist dies nur in Ausnahmefällen zugelassen. Ziel des Projektes ist es, eine Optimierung und Stabilisierung der Haltungsbedingungen in der Ferkelaufzucht und / oder der Schweinemast der beteiligten Fokusbetriebe herbeizuführen und damit die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Schwanzbeißen sowie die Notwendigkeit des Kupierens der Schwanzspitzen zu reduzieren. Der Betriebsleiter wird hierbei durch eine intensive Beratung mit ganzheitlichem Ansatz unterstützt. Damit liefert dieses Projekt einen wesentlichen Beitrag zur direkten Verbesserung des Tierwohls.
Gleichzeitig wird eine Verbesserung der Tiergesundheit und damit indirekt eine Reduzierung des Medikamenteneinsatzes in diesem Projekt erwartet. Erfahrungen der Fokusbetriebe werden in einem Leitfaden zusammengefasst und am Ende des Projektes der breiten Praxis zur Verfügung gestellt.

Abbildung 1: Darstellung des Tierwohl-Beratungskonzeptes „Risikominimierung von Schwanzbeißen“
Die Abbildung zeigt den Aufbau und den Wissenstransfer des Projektkonzeptes auf.
Der Modell- und Demonstrationsberater (M & D- Berater) ist der Mittelpunkt der Beratungsinitiative. Kooperationspartner ist das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. (ISN).
Der Berater wird im Rahmen dieses Projektes die neuesten Erkenntnisse zu den Risikofaktoren für Schwanzbeißen und bewährte Haltungsbedingungen aufarbeiten und auf die teilnehmenden Fokusbetriebe einordnen. Eine spezielle betriebsindividuelle Beratungs- und Handlungsgrundlage wird geschaffen.
Im Rahmen des Projektes werden ca. 20 bis 30 Betriebe für die Intensivberatung akquiriert. Aufgrund der bestehenden Strukturen sollen unter den Betrieben sowohl geschlossene Systeme (Ferkelerzeugung und Mast in einem Betrieb) als auch reine Mastbetriebe (notwendigerweise mit bekannter Ferkelherkunft) ausgewählt werden.
Nach dem gemeinsamen Erstkontakt findet eine intensive Ersterfassung der Ausgangssituation des Betriebes statt. Eine einzelbetriebliche Analyse der Risikofaktoren für das Schwanzbeißen wird erstellt. Hierbei wird das spezifische Risiko verschiedener Faktoren wie z.B. Genetik, Aufstallungsform, Gesundheitszustand, Stallklima u.a. individuell erfasst und bewertet.
Basierend auf diesen Daten werden durch den M&D-Berater nach Auswertung für jeden Betrieb individuelle Verbesserungsvorschläge erarbeitet und mit dem Betriebsleiter besprochen. Der Berater kann auf die Spezialberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als auch auf die Projektpartner zurückgreifen.
In regelmäßigen Abständen werden die teilnehmenden Betriebe besucht und betreut. Die umgesetzten Verbesserungsmaßnahmen werden auf Wirkung, Verbesserungspotential und Nachjustierung geprüft.
Durch die Dokumentation der Maßnahmen und Wirkung entsteht ein Betriebshandbuch. Eine „Risikominimierende Betriebsanweisung“ für den Landwirt ist gleichzeitig eine laufende Erfolgskontrolle der empfohlenen und umgesetzten Maßnahmen.
In Problembetrieben oder akuten Ausbrüchen von Schwanzbeißen soll die Datenerfassung durch konkrete Messungen und Untersuchungen im Bereich des Stallklimas, der Futtermittel, der Tiergesundheit und des Tierverhaltens ergänzt werden.
Ein Arbeitskreis wird eingerichtet, um die Erfahrungen und Maßnahmen zu kommunizieren und den Wissenstransfer zu gewährleisten.
Am Ende des Projektes wird ein Leitfaden erstellt und eine Vortragsveranstaltung durchgeführt, um das Wissen in die breite Praxis zu tragen.
Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).
Teilnehmende Betriebe werden kostenneutral beraten und können Ihre Tierhaltung den neuen Haltungsanforderungen anpassen. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die unten angeführten Kontaktpersonen oder senden gleich den unten angefügten Fragebogen an die Kontaktpersonen zu.
Im Rahmen der Bundesförderung von Modell-und Demonstrationsvorhaben Tierschutz konnte sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit einem Projekt „Einzelbetriebliche Intensivberatung Schweine haltender Betriebe zur Reduzierung des Risikos von Schwanzbeißen“ gegen 51 weitere Projekte durchsetzen.
Dr. Kloos stellte die Herausforderungen der heutigen Landwirtschaft heraus, gerade der Tierschutz und das Tierwohl stehen in der Kritik der Öffentlichkeit. Nachhaltigkeit und Effektivität spielen in der modernen Landwirtschaft eine große Rolle.
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft setzt Programme und Richtlinien des BMELV zur Unterstützung neuer Ideen in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz um. Das Bestreben, anwendungsorientierte und zukünftige Lösungen zu finden und erfolgreich in die Praxis zu begleiten, ist das Ziel, wie der BLE-Präsident Hans-Christoph Eiden darstellte.
In den meisten europäischen Schweinehaltungen ist das Kupieren der Schwanzspitze beim Ferkel als wirksamste Vorbeugemaßnahme gegen Schwanzbeißen weit verbreitet. Gesetzlich ist dies nur in Ausnahmefällen zugelassen.
Ziel des Projektes ist es, die Haltungsbedingungen in der Ferkelaufzucht und / oder der Schweinemast in den beteiligten Praxisbetriebe zu optimieren und zu stabilisieren. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Schwanzbeißen, sowie die Notwendigkeit des Kupierens der Schwanzspitzen werden reduziert. Die beteiligten Betriebe werden durch eine intensive Beratung der Landwirtschaftskammer unterstützt.
Die Intensivberatung wird auf 20-30 Modellbetrieben durchgeführt. Der Beratungsansatz ist eine Kombination von bewährten Haltungsempfehlungen und neusten Erkenntnissen aus der Wissenschaft, Forschung und dem Tierschutzplan Niedersachsen.
Partner des Projektes sind das Friedrich-Löffler-Institut und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.
Das Konzept wurde vom Fachbereich Tierzucht, Tierhaltung, Versuchswesen Tier und Tiergesundheitsdienste erstellt. Durch Unterstützung und Zusammenarbeit mit dem Projekt-Management-Office wurde das Projekt eingereicht.
Das Projekt ist auf 24 Monate ausgelegt. Die teilnehmenden Betriebe können mit einer intensiven zukunftsorientieren Beratung rechnen. Die Kosten hierfür übernimmt der Projektträger.