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FarmerSpaceAI

Experimentierfeld zur Implementierung digitaler Technologien und KI für den Pflanzenschutz

Beginn: 01.09.2025 / Ende: 31.08.2028

Im Projekt werden in Testfeldern digitale Technologien und KI-Lösungen für den Pflanzenschutz unter realen Bedingungen erprobt.
Im Projekt werden in Testfeldern digitale Technologien und KI-Lösungen für den Pflanzenschutz unter realen Bedingungen erprobt.Kai-Hendrik Howind

Ausgangslage
Digitale Technologien und KI gewinnen zunehmend an Bedeutung in der Landwirtschaft. Systeme auf KI-Basis ermöglichen präzise Anwendungen und datenbasierte Entscheidungen im Pflanzenschutz. Gleichzeitig stehen Betriebe vor der Herausforderung, passende Lösungen zu erschließen. Oft fehlen neutrale Bewertungen und verständliche Empfehlungen. Ansätze wie Spot Applikation zeigen, welches Potenzial sich bietet, wenn Innovationen sinnvoll in die Praxis überführt werden.

Ziel des Projekte
Das Projekt verbindet Praxis und Forschung, um digitale Technologien im Pflanzenschutz zu bewerten und nutzbar zu machen. Ein Agrar-LLM soll Landwirte bei Entscheidungen unterstützen – etwa beim Unkrautmanagement. Die Ergebnisse werden praxisnah aufbereitet und an Landwirtschaft, Forschung und Industrie weitergegeben

Projektdurchführung
Das Projekt ist als praxisnahes Experimentierfeld angelegt. In Testfeldern werden digitale Technologien und KI-Lösungen für den Pflanzenschutz unter realen Bedingungen erprobt. Wichtige Schritte sind die Auswahl relevanter Anwendungsfälle, die Integration geeigneter Systeme und deren kontinuierliche Bewertung. Das Projekt ist in thematische und organisatorische Schwerpunkte gegliedert, die verschiedene Aspekte von Technik, Praxis und Entscheidungsunterstützung abdecken.

Kontakt

Gerald Burgdorf
M.Sc.
Gerald Burgdorf

Leiter Fachbereich Pflanzenbau

gerald.burgdorf~lwk-niedersachsen.de


Merle Weitemeyer

Projekt FarmerSpace

merle.weitemeyer~lwk-niedersachsen.de


Anastasia Piel
B.Sc. agr.
Anastasia Piel

anastasia.piel~lwk-niedersachsen.de

Beiträge aus dem Projekt-Blog

15.07.2026

Am 03.06. fand der von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen organisierte Feldtag „Zwischen Acker und App – Digitalisierung Ihres Pflanzenbaus“ in Schickelsheim statt. Ziel der Veranstaltung war die Demonstration aktueller Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten digitaler Technologien im Pflanzenbau. Den Teilnehmern wurden verschiedene Verfahren und Systeme aus den Bereichen Spot-Applikation, Drohnentechnik, autonome Fahrzeuge sowie teilflächenspezifische Düngung unter praxisnahen Bedingungen vorgestellt. Die Präsentationen erfolgten an insgesamt vier Demonstrationsstationen direkt auf dem Feld.

Im Rahmen des Projektes „FarmerSpaceAI“ erfolgte eine Mitwirkung an der Station zur Spot-Applikation. Dort wurden die bisherigen Projekterfahrungen sowie erste Erkenntnisse aus den laufenden Praxisversuchen vorgestellt und mit den Besuchern diskutiert. Der Schwerpunkt lag auf den Möglichkeiten und Grenzen kameragestützter sowie kartenbasierter Verfahren zur teilflächenspezifischen Pflanzenschutzmittelapplikation.

Feldtag 'Zwischen Acker und App'
Feldtag Zwischen Acker und AppAnastasia Piel

Ergänzend zu den Feldvorführungen fanden nachmittags themenspezifische Workshops statt. Gegenstand der geführten Diskussionen zwischen Herstellern, Praktikern und Forschern waren die Potenziale, Rahmenbedingungen und Herausforderungen der Digitalisierung im Pflanzenbau. Im Mittelpunkt standen insbesondere praktische Erfahrungen bei der Implementierung digitaler Technologien, bestehende Hemmnisse im betrieblichen Einsatz sowie zukünftige Anforderungen an Technik, Infrastruktur und Rahmenbedingungen. Das Ergebnis dieses Austausches waren konkrete Ansätze und Impulse, die als gebündelter Forderungskatalog an politische Entscheidungsträger übergeben worden sind.

Für den Themenbereich des Spotspray zeigten sich folgende Punkte als besonders relevant:

  • Voraussetzungen für wirksame Spot-Spray Anwendungen durch Pflanzenschutz-Zulassungen gewährleisten

Die Zulassung blattaktiver Pflanzenschutzmittelwirkstoffe ist wichtig, um den Anforderungen des integrierten Pflanzenschutzes gerecht zu werden und einer Resistenzbildung vorzubeugen. Gleichzeitig sollten neue Züchtungstechniken im Pflanzenbau berücksichtigt werden, um künftig innovative und erfolgversprechende Anwendungsfälle nutzen zu können.

  • Wirkstoffzulassungen nicht an Spot-Spray Verfahren oder andere Techniken knüpfen,

aber das Verfahren als solches hinsichtlich bspw. der Abdriftminderung, Exposition, Anwendungstechnologie und Auflagen berücksichtigen. Eine einseitige Verknüpfung zwischen der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und dem Einsatz der Technik führt kurz- bzw. mittelfristig zu einer Benachteiligung von Betrieben.

  • Investitionsförderung für Spot-Spray Technik

Förderprogramme für die Anschaffung und Nachrüstung von Spot-Spray Systemen (Pflanzenschutzspritzen, Drohnentechnik sowie Lizenzgebühren), um die Einstiegskosten zu senken und eine weitere Verbreitung in der Praxis zu schaffen. Die Zuschüsse integrieren auch Lohnunternehmen, Maschinenringe und Dienstleister.

  • Anreizsysteme für eingesparte Pflanzenschutzmittel entwickeln

Förder-/Prämienmodelle entwickeln, die durch Nutzung von Assistenzsystemen oder Spot-Spray Technologie den reduzierten Pflanzenschutzmitteleinsatz honorieren und dabei die automatische Dokumentation bei teilflächenspezifischer Anwendung für den Landwirt nutzbar machen. Außerdem sollten Precision-Farming-Maßnahmen bei Nachhaltigkeitsprogrammen Berücksichtigung finden.

  • Planungssicherheit für die Betriebe gewährleisten

Investitionen in neue Technologien erfordern langfristig verlässliche Rahmenbedingungen sowie eine Rechtssicherheit bei KI- und Technologieeinsatz.

 

Die Veranstaltung verdeutlicht die Bedeutung praxisorientierter Demonstrations- und Austauschformate, um den Wissenstransfer zu vertiefen, den Weg für die Digitalisierung in der Landwirtschaft weiter zu ebnen und den Austausch zwischen Anwendern, Herstellern, Beratung und Politik zu stärken.

15.07.2026

Ziel des Projektes „FarmerSpaceAI“ ist die Erprobung und Bewertung moderner Precision-Farming-Technologien im Bereich des digitalen Pflanzenschutzes. Im Rahmen praxisnaher Versuche werden deren Anwendertauglichkeit, die Praktikabilität sowie der potenzielle betriebliche Nutzen untersucht. Der Schwerpunkt für die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, als einer von insgesamt fünf Projektpartnern, liegt auf der Spot-Applikation von Herbiziden und der teilflächenspezifischen Ausbringung von Wachstumsreglern.

1. SpotSpray

Ziel des On-Farm-Versuchs zur Spot-Applikation ist die Bewertung des Potenzials einer teilflächenspezifischen Herbizidausbringung im Zuckerrübenanbau. Hierzu wurden zwei Behandlungsvarianten (Spot und Flächig) in randomisierter Reihenfolge mit jeweils vier Wiederholungen angelegt. Die Parzellen liegen auf den Spritzspuren und weisen eine Breite von 27 Meter und eine Länge von ca. 350 m auf. Pro Variante und Wiederholung sind je vier 3x6-Meter Boniturfenster angelegt und zusätzlich jeweils eine Kontrollparzelle am Anfang jeder Parzelle, in der gar kein Herbizid gespritzt wird. Das eingesetzte Spritzenmodell ist der Fendt Rogator mit Einzeldüsenschaltung und einem Düsenabstand von 50 cm. Es sind die Düsen „TeeJet 65 03 E“ verbaut. Um eine fehlerlose Gerätekommunikation zu gewährleisten, wird das Terminal „Amatron 4“ genutzt, mit dem im bisherigen Verlauf gute Erfahrungen gemacht wurden.

Die Herbizidmaßnahmen wurden entsprechend der guten fachlichen Praxis durchgeführt. Während die erste Nachauflaufbehandlung (NAK) in beiden Varianten flächig appliziert wurde, erfolgte die zweite und dritte NAK in der Spot-Variante teilflächenspezifisch. Hierbei kam das absetzige Verfahren zum Einsatz, bei dem die Unkrauterkennung vor der Applikation passiert. Dazu wird die Versuchsfläche zunächst von einem Dienstleister mithilfe einer Drohne mit hochauflösender Kamera erfasst. Auf Basis der gewonnenen Bilddaten wird eine Applikationskarte erstellt, auf das Terminal gespielt und anschließend während der Überfahrt autonom abgearbeitet.

Zur Dokumentation der Versuchsergebnisse, wurden insgesamt vier Unkrautbonituren durchgeführt, bei denen auch mögliche phytotoxische Effekte auf die Kulturpflanze erfasst wurden.

Im Versuchsverlauf zeigte sich, dass der Unkrautdruck zum Zeitpunkt der dritten NAK in der Spot-Variante deutlich höher war als in der flächigen Variante. Eine mögliche Erklärung könnte in der nicht flächig erfolgten Behandlung mit einem Bodenherbizid liegen, welches in der ganzflächigen Behandlung einen wirksamen Schutz vor neu auflaufenden Unkräutern bot. Der daraus resultierende höhere Unkrautdruck, wurde in der folgenden Bonitur ebenso deutlich wie bei der Kartierung per Drohne: bei der dritten NAK war die Herbizidersparnis in der Spot-Variante dadurch deutlich geringer als bei der zweiten NAK.

Nach der zweiten NAK konnte hingegen auch eine deutlich stärkere Phytotoxizität in der flächigen Variante beobachtet werden. Im weiteren Vegetationsverlauf waren diese Symptome jedoch nicht mehr sichtbar, weshalb von einem vollständigen Verwachsen der temporären Schäden ausgegangen werden kann. Die endgültige Bewertung der Verfahren wird nach der Beerntung des Versuchs erfolgen.

Die gewonnenen Erkenntnisse leisten gemeinsam mit den vorherigen Versuchsergebnissen sowie den Erfahrungen der weiteren Projektpartner einen wichtigen Beitrag zur Einordnung und Weiterentwicklung von SpotSpray-Verfahren im praktischen Pflanzenschutz.

Anlegen des SpotSpray-Versuchs
Anlegen des SpotSpray-VersuchsAnastasia Piel

2. Teilflächenspezifische Ausbringung von Wachstumsregler

Der zweite Versuch behandelt den Einsatz von Wachstumsreglern im Winterweizen. Ziel der Untersuchung ist die Bewertung der Frage, welche individuelle Intensität unter welchen Bestandes- und Bodenbedingungen nötig ist, um einerseits Lager und andererseits negative Ertragseffekte zu vermeiden. Dafür wurden in drei unterschiedlichen Ertragspotentialzonen jeweils 20 Exaktparzellen angelegt. Der Versuchsaufbau umfasst fünf Behandlungsvarianten in zwei unterschiedlichen Sorten (KWS Keitum und Debian) mit jeweils zwei Wiederholungen. Die fünf Varianten sind folgende: 1 - Nullparzelle, 2 – 33% Wachstumsregler, 3 – 66% Wachstumsregler, 4 – 100% Wachstumsregler und 5 – OptiReg. Das Prognosemodell OptiReg bestimmt die notwendige Aufwandmenge von Wachstumsregler anhand eines Algorithmus, der Daten aus Freiland-, Halbfreiland-, Sorten- und Pflanzenschutzversuchen mit den Einflussgrößen Bestandesdichte, Stickstoffversorgung, Sorteneigenschaften bzw. Lageranfälligkeit, Dosis-Wirkungsbeziehung der Wirkstoffe sowie aktuellen Witterungsdaten (Temperatur, Bodenfeuchte und Vegetationsbeginn) kombiniert, um die optimale Wachstumsreglermenge für den jeweiligen Bereich zu berechnen.

Die Auswirkungen der unterschiedlichen Aufwandmengen auf die Bestandesentwicklung wurde in zwei Längenbonituren festgehalten. Variante 1, die unbehandelte Kontrolle, hatte erwartungsgemäß die größte Pflanzenlänge und Variante 4, mit 100% Aufwandmenge, die geringste. Zeitgleich wurden verschiedene Bestandesparameter (Drohnenaufnahmen, Satellitenbilder etc.) zu unterschiedlichen Zeitpunkten während der Vegetation erfasst, um im Nachgang Rückschlüsse auf die Eignung dieser Parameter als Regelgröße für eine teilflächenspezifische Wachstumsreglerapplikation zu ziehen.

Lager trat im Versuchsjahr weder in einer der Behandlungsvarianten noch bei einer der untersuchten Sorten auf. Eine abschließende Bewertung der Auswirkungen auf den Ertrag wird nach der Beerntung des Versuchs erfolgen.

Zwei Sorten im Wachstumsreglerversuch
Zwei Sorten im WachstumsreglerversuchAnastasia Piel