Bezirksstelle Uelzen

Beizung als ein Erfolgsfaktor

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Mit dem am Markt befindlichen Beizmitteln, die zum Teil erst 2024 zugelassen wurden, führt die Bezirksstelle Uelzen seit 2011 Versuche durch. Bei einem Produkt hatte man schon gar nicht mehr mit einer Zulassung gerechtet und die Versuchstätigkeit eingestellt. Dann wurde doch für viele überraschend die Zulassung erteilt. Für diesen Artikel kann auf eine lange Versuchsserie mit immer den gleichen Varianten in den Versuchen zurückgegriffen werden. Das ermöglicht eine sehr gute Einstufung der Produkte.

Exaktversuche: Blockanlagen mit 4-facher Wiederholung Die 3 wichtigsten Krankheiten auf der Kartoffel Einstufung der Beizmittel in Kartoffeln 2026 Beizversuche zwischen 2014 und 2025, n = 7 - Frühjahsrbonitur Beizversuche zwischen 2014 und 2025, n = 8 - Herbstbonitur Beizversuche zwischen 2014 und 2025, n = 8, Knollenertrag (rel.) Wichtige Auflagen
Beiztechnik

Die Flüssigbeizung und die Furchenbehandlung sind die Standardmethoden zur Bekämpfung pilzlicher Schaderreger bei der Beizung. Die Furchenbehandlung ist besonderes in Gebieten mit intensivem Speisekartoffelanbau, zum Beispiel der Lüneburger Heide, eine sehr verbreitete Methode. Das ULV (Ultra Low Volume) oder Mantis Verfahren kommt sehr selten zum Einsatz. Denn es erfasst nur den Rhizoctonia Erreger auf der Knolle und nicht den im Boden. Außerdem ist es auch von der Handhabung nicht gerade anwenderfreundlich. Oft ist ein zusätzlicher Arbeitsgang notwendig, dieser kostet nicht nur Zeit, er kann sogar das Pflanzgut negativ beeinflussen z. B. durch eine zusätzliche mechanische Belastung und Keimbruch. Das ULV-Verfahren hat keine Bedeutung, deshalb gehen wir nicht darauf ein.

 

Gegen diese Krankheiten kann gebeizt werden

Rhizoctonia solani als bekannteste Knollenkrankheit führt bei starkem Auftreten zu Auflaufproblemen und zu geringeren Erträgen. Die schwarzen Sklerotien zu einem optischen Vermarktungsproblem. Der Pilz kann auch die Sortierung negativ beeinflussen. Kommt es z.B. zu Stolonenbefall, werden zahlreiche neue Seitenstolonen gebildet. Hierdurch entstehen viele kleine, teilweise deformierte Knollen, die sogenannten Grützeknollen. Erhebliche Qualitätsprobleme verursacht auch das dry-core-Symptom. Dabei handelt es sich um Löcher von etwa 3 mm Durchmesser, die von der Knollenoberfläche bis ca. 1 cm tief in die Knolle reichen. Wegen dieses Aussehens werden sie leicht mit Drahtwurmfraß verwechselt. Sie entstehen, wenn Rhizoctonia solani durch die Lentizellen in die Knollen eindringt. Dies ist bei feuchten Bodenbedingungen besonders gut möglich. Diese Symptome können durch Drahtwurmbefall gefördert werden.

Silberschorf befällt nur die Knollen. Das Schadbild ist in der Ernte meist nur gering ausgeprägt. In der Regel entwickeln sich diese Symptome, die der Krankheit den Namen geben, erst während der Lagerung. Die silbergraue Färbung an der Knolle entsteht, wenn sich die befallenen Korkzellen vom übrigen Zellverband lösen und Luft in diesen Hohlraum eindringt. Das Licht wird reflektiert und ruft die silberartige Verfärbung hervor.

Die Colletotrichum-Welkekrankheit verursacht auf der Knollenschale Symptome. Die hell- bis dunkelgrauen, unregelmäßig geformten Flecke sind leicht mit Silberschorf zu verwechseln. Eine sichere Diagnose ist hier nur mit guter Optik (25-facher Vergrößerung) möglich. Es lassen sich dann dunkle, etwa 0,2 – 0,5 mm große Punkte (= Myzelzusammenballungen) erkennen. Diese sklerotienartigen Gebilde sind mit dunklen Borsten besetzt und sehen somit völlig anders aus als die Sporenträger des Silberschorfs. Im Gegensatz zum Silberschorf befällt Colletotrichum neben der Knolle auch andere Pflanzenteile. So kann der Pilz das Wurzelsystem zerstören und dadurch eine Welke einzelner Triebe oder der gesamten Pflanze verursachen.

 

Der langjährige Standard

Moncut und die nicht mehr zugelassen Produkte Monceren, Monceren Pro, und Risolex, haben bzw. hatten als Flüssigbeize eine ca. 60prozentige Wirkung auf Rhizoctonia. Gegen Silberschorf und Colletotrichum wirken sie kaum.

Mit Ortiva wurde das erste Produkt mit dem Wirkstoff Azoxystrobin (250 g/l) zugelassen. Mittlerweile gibt es viele Produkte (siehe Grafik 4, Fußzeile), die den gleichen Wirkstoff und Wirkstoffgehalt haben und auch zur Furchenbehandlung in der Kartoffel zugelassen sind. Unterschiede gibt es in erster Linie beim Preis. Die Zulassungsdauer geht bei allen zugelassen Azoxystrobin Produkten für die Furchenbehandlung in Kartoffeln bis zum 31.05.2028.

Neue Zulassung von Ortiva

Die azoxystrobinhaltigen Mittel können und dürfen nur als Furchenbehandlung ausgebracht werden. Der Einsatz bei direktem Knollenkontakt würde zu Auflaufproblemen führen.

Auch die volle Aufwandmenge von 3,0 l/ha kann zu Auflaufverzögerungen führen. Deshalb empfehlen wir für leichte Standorte maximal 2,0 l/ha, diese haben sich in der Praxis bewährt. Mittlerweile ist diese Anwendung gerade im Bereich der Bezirksstelle Uelzen zum absoluten Standard geworden. Ende 2024 wurde für Ortiva eine neue Zulassung mit 2,0 l/ha erteilt. Kurz darauf folgten auch einige Vertriebserweiterungen mit der gleichen Zulassung. Was änderte sich durch die neue Zulassung? Ortiva mit 3,0 l/ha hat die Auflage, “keine Anwendung auf drainierten Flächen“. Somit können zahlreiche Flächen nicht mit diesen Produkten behandelt werden. Bei Ortiva mit 2,0 l/ha entfällt diese Auflage fast komplett, somit können sehr viel mehr Flächen behandelt werden. Eine kleine Einschränkung gibt es noch: Keine Anwendung auf drainierten Flächen zwischen dem 1.November und 15.März.

Langjährige Ergebnisse

2011 bis 2025 wurde Allstar mit 0,5 l/ha in der Flüssigbeizung und 0,8 l/ha in der Furchenbehandlung geprüft. Als Vergleichsmittel haben wir Moncut 0,5 l/ha in der Flüssigbeizung und Ortiva mit den praxisüblichen 2,0 l/ha in der Furchenbehandlung eingesetzt. Ertraglich waren die Flüssigbeizen an der Spitze, Allstar in der Furche lag kurz drunter und weiter unten wiederum Ortiva, wie die Grafik 1 zeigt. Mitte Oktober haben wir die Varianten jeweils auf die Krankheiten Rhizoctonia, Silberschorf und Colletotrichum bonitiert. Allstar als Flüssigbeize zeigte bei allen drei Erregern eine bessere Wirkung als Moncut. Die besten Wirkungsgrade erzielten die Furchenbehandlungen mit Ortiva und Allstar (Grafik 2). Die Grafik 3 zeigt die Wirkung der Beizmittel nach einer fünfmonatigen Lagerung. Während sich am Befall mit Rhizoctonia und Colletotrichum kaum etwas ändert, ist der Befall mit Silberschorf mit Kartoffellager von knapp 8 Prozent auf 22 Prozent in der Kontrolle angestiegen. Die Bonituren zeigen, dass von Allstar und Ortiva eine befallsmindernde Wirkung ausgeht, insbesondere durch die Furchenbehandlungen.

Einstufung und Empfehlung

Anhand dieser langjährigen Versuchsergebnisse haben wir die Mittel in ihrer Wirkung und Verträglichkeit eingestuft (Grafik 4). Das Flüssigbeizmittel Moncut, ausgebracht an der Pflanzmaschine, hat eine durchschnittliche Wirkung auf Rhizoctonia. Die Wirkung von Allstar als Flüssigbeizung auf Rhizoctonia ist besser. Gegen Silberschorf und Colletotrichum geht nur von Allstar eine Wirkung aus. Beide Produkte sind sehr verträglich.

Chamane/Ortiva als Furchenbehandlung wurde von uns mit zwei Aufwandmengen (2,0 und 1,0 l/ha) beurteilt. Die Wirkung gegen alle drei Erreger ist vorhanden und steigt mit der Aufwandmenge, während die Verträglichkeit schlechter wird. Wir empfehlen im Allgemeinen 2,0 l/ha Chamane/Ortiva einzusetzen. Eine Ausnahme stellen Sorten dar, die empfindlich auf Keimbruch reagieren oder Verwertungsrichtungen, bei denen eine gute Silberschorf- und Colletotrichum Wirkung nicht so entscheidend ist, wie bei Stärke-, Chips- oder Pommes Kartoffeln. In diesen Bereichen werden 1,0 l/ha Chamane/Ortiva empfohlen. Dies stellt einen Kompromiss zwischen guter Wirkung, einer relativ guten Verträglichkeit und einem günstigen Preis dar. Allstar mit 0,8 l/ha in der Furchenbehandlung zeigt eine vergleichbare Wirkung wie Chamane/Ortiva mit 2,0 l/ha, wobei Allstar verträglicher ist, aber auch wesentlich teurer.

Die wichtigsten Auflagen für azoxystrobinhaltige Produkte zur Furchenbehandlung und Allstar in beiden Anwendungen in Kartoffeln.

Hier gibt es drei Gruppen. In der ersten Gruppe stehen alle azoxystrobinhaltigen Produkte, die mit 3,0 l/ha in der Furche zugelassen sind und die alte Zulassung von Ortiva, welche in diesem Jahr aufgebraucht werden muss (Aufbrauchfrist bis 30.06.2026). Die erste Auflage sollte noch relativ leicht zu erfüllen sein. Die Drainauflage sorgt leider dafür, dass die Produkte auf vielen Flächen nicht eingesetzt werden dürfen. Diese Auflage besitzen Allstar und die neue Zulassung von Ortiva nicht, bzw. Ortiva nur im Zeitraum zwischen 01.11. und 15.03., was insbesondere Frühkartoffeln betrifft. Allerdings könnten die beiden aufgeführten Auflagen beim Allstar dazu führen, dass es auf einigen Flächen nicht eingesetzt werden kann.

 

Fazit:

  1. Mit Allstar wurde ein gutes Produkt für die Flüssigbeizung und Furchenbehandlung zugelassen. Der Befall mit Silberschorf, Colletotrichum und Rhizoctonia an der Knolle wird deutlich vermindert und so die vermarktungsfähige Ware erheblich verbessert.
  2. Die relativ neue Zulassung von Ortiva mit der Zulassungsnummer 034560 ermöglicht den Einsatz auf drainierten Flächen, bis auf ein kurzes Zeitfenster vom 01.11. bis 15.03..  
  3. Der Preis bei Allstar ist sehr hoch angesiedelt. Somit werden auch weiterhin Moncut, Ortiva und andere azoxystrobinhaltige Produkte ihre Abnehmer finden.
  4. Bei azoxystrobinhaltigen Produkten muss sehr genau beachtet werden, ob es sich um ein Produkt mit einer 3,0 l/ha oder 2,0 l/ha Zulassung handelt, da es unterschiedliche Auflagen gibt.