Bezirksstelle Uelzen

Frauen erobern den Fahrersitz

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Das Summen der Motoren liegt in der Luft, ein Teleskoplader hebt vorsichtig die nächste Kiste an, während nebenan ein 18-Tonner Zentimeter für Zentimeter rückwärts rangiert wird. Konzentrierte Gesichter, vorsichtige Lenkbewegungen und immer wieder aufmunternde Worte der Trainer prägen das Bild: Die Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hatte am 2. Juni zum Schleppertraining für Frauen bei AGRAVIS in Uelzen eingeladen, und die ließen sich nicht zweimal bitten. Besonderer Ehrengast war Gustav: Als einziger Säugling im Teilnehmerfeld bewies er, dass man auch schlafend starke Nerven haben kann.

Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen Schleppertraining für Frauen am 2. Juni 2026 in Uelzen
23 Frauen im Alter von 19 bis 66 Jahren aus ganz Niedersachsen waren der Einladung gefolgt. Die jüngste hat gerade ihr Abitur in der Tasche und beginnt im August ihre landwirtschaftliche Ausbildung. Andere blicken auf jahrzehntelange Berufserfahrung zurück. Einige kommen von landwirtschaftlichen Betrieben, andere aus dem Garten- und Gemüsebau. Was sie verbindet ist der Wunsch, mehr Sicherheit im Umgang mit moderner Landtechnik zu gewinnen.

Bereits zum sechsten Mal fand das Training unter der Leitung von Anne Dirking im Landkreis Uelzen statt, und die Teilnehmerinnen hatten dafür zum Teil weite Wege auf sich genommen: Sie kamen aus Kassel, Schleswig-Holstein, Verden, Göttingen, der Region Hannover und dem Landkreis Harburg, nur wenige aus dem Kreis Uelzen selbst. Manche reisten sogar schon am Vorabend an und übernachteten im Hotel. Die große Resonanz und die teils hunderte Kilometer langen Anfahrtswege der Teilnehmerinnen sprechen eine deutliche Sprache: Praxisnahe Trainingsangebote speziell für Frauen sind nach wie vor rar und damit umso wertvoller.

Im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erhält die Schulung zudem eine besondere Bedeutung: Sie zeigt, wie selbstverständlich Frauen heute Verantwortung auf Betrieben übernehmen und sich dabei auch technisch kontinuierlich weiterqualifizieren.


Moderne Technik verlangt neues Wissen

„Draufsetzen, Schlüssel umdrehen und losfahren, das geht heute nicht mehr", sagt eine Teilnehmerin und bringt damit auf den Punkt, was viele an diesem Tag beschäftigt. Moderne Schlepper bieten zahlreiche Assistenzsysteme und viele technische Funktionen. Wer sie sicher bedienen möchte, braucht Wissen, Übung und vor allem die Gelegenheit, Fragen stellen zu können.

Genau diese Möglichkeit bot das Training. Unter Anleitung erfahrener Experten wurden die Teilnehmerinnen durch verschiedene Praxisstationen geführt. Im Vordergrund stand ganz viel Geduld und Verständnis.

„Die Geschwindigkeit wird immer größer", bemerkt eine Teilnehmerin mit Blick auf die Maschinenentwicklung. Eine andere ergänzt: „Vor 30 Jahren habe ich meine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht. Damals war vieles einfacher. Heute blinkt und hupt alles."

Fünf Stationen, viele Herausforderungen

An fünf Stationen lernten die Teilnehmerinnen unterschiedliche Maschinen und Situationen kennen. An einer übten sie mit dem Frontlader das präzise Arbeiten und entwickelten ein Gefühl für die Bewegungen des Geräts. An einer weiteren stand das Stapeln von Kisten mit dem Teleskoplader auf dem Programm. Eine Aufgabe, die Konzentration, Augenmaß, Fingerspitzengefühl und Koordination verlangt.

Besonders anspruchsvoll war für viele das Rangieren eines 18-Tonnen-Gespanns. Rückwärtsfahren gehört in der Praxis zum Alltag, kann aber selten unter ruhiger Anleitung geübt werden. Entsprechend groß war die Erleichterung, wenn das Manöver gelang. Weitere Stationen widmeten sich einer Mulde mit Stützfuß sowie dem An- und Abkuppeln von Dreipunkt- und Frontgeräten. Das sind Handgriffe, die auf vielen Betrieben darüber entscheiden, wie selbstständig jemand arbeiten kann.

„Heute braucht man keine Kraft mehr, sondern Technik und den richtigen Winkel", stellte eine Teilnehmerin nach mehreren Übungen fest. Muskelkraft allein reicht längst nicht aus, gefragt sind technisches Verständnis und Routine.

Die Beweggründe sind so unterschiedlich wie die Teilnehmerinnen selbst

Jede Frau hatte ihre eigene Geschichte mitgebracht. Eine hatte das Training von ihrem Mann zum Geburtstag geschenkt bekommen. Eine andere erzählte grinsend: „Mein Vater hat mir das geschenkt. Demnach glaube ich, er möchte, dass ich künftig selbst fahre."

Für viele spielte der Wunsch nach Unabhängigkeit die entscheidende Rolle. „Ich möchte nicht jedes Mal fragen müssen", sagte eine Teilnehmerin. Eine andere brachte es noch direkter auf den Punkt: „Da steht ein Fendt auf dem Hof, den ich nicht bewegen kann, und das geht nicht."

Auf manchen Betrieben hat sich die Arbeitsteilung über Jahre eingespielt: Der Mann fährt die Maschinen, die Frau erledigt alles andere. Doch viele Frauen möchten diese Rollenverteilung nicht länger akzeptieren. „Wenn mein Mann alles einstellt, geht das", erzählte eine Teilnehmerin. „Aber wenn er nicht da ist, möchte ich auch allein klarkommen." Eine andere berichtete von ihrem sechsjährigen Sohn: „Der kann inzwischen mehr als ich." „Ich möchte ein bisschen bei den Männern mitreden können", erklärte wieder eine andere mit einem Augenzwinkern.

Zwischen Respekt und Begeisterung

Neben dem Wunsch nach Unabhängigkeit spielte auch der Respekt vor den Maschinen eine Rolle. Eine junge Frau aus dem Garten- und Gemüsebau beschrieb ihre Ausgangslage so: „Das Thema Schlepperfahren ist bei uns sehr umkämpft. Als einzige Frau im Team muss ich kämpfen, auch mal fahren zu dürfen. Ich möchte die Angst verlieren, etwas kaputt zu machen."

Die Trainer machten den Teilnehmerinnen immer wieder Mut. Fehler seien Teil des Lernprozesses. Fragen seien willkommen. „Es gab keine dummen Fragen", berichtete eine Teilnehmerin. „Alles wurde mit einer Engelsgeduld immer wieder erklärt." Viele Frauen schätzten genau diese Atmosphäre. Zuhause auf dem Betrieb fehlt dafür oft die Zeit. „Wenn wir das zu Hause machen, klappt das nicht so", sagte eine. „Hier kann man in Ruhe fragen."

Die Technik hat viele überholt

Mehrfach wurde deutlich, wie stark sich die Landtechnik verändert hat. „Ich habe vor 40 Jahren die Ausbildung gemacht. Die Technik hat uns überholt", erzählte eine Teilnehmerin. Eine andere berichtete, dass sie vor rund 20 Jahren mit dem Autoführerschein automatisch auch die Fahrerlaubnis für landwirtschaftliche Fahrzeuge erhalten habe. „Aber ich bin nie Trecker gefahren."

Wieder andere standen erst am Anfang. „Ich habe letztes Jahr Abi gemacht und starte im August in die landwirtschaftliche Lehre", erzählte die Jüngste. Was alle verband: die Erkenntnis, dass Lernen kein Alter kennt.

Aus Unsicherheit wird Selbstvertrauen

Im Laufe des Tages waren deutliche Fortschritte zu erkennen. Bewegungen wurden flüssiger, Rangiermanöver sicherer, Fragen zunehmend spezifischer. Was am Morgen noch zögerlich begann, entwickelte sich zu sichtbarer Routine.

Auch die Trainer beobachteten diese Verwandlung und fanden klare Worte: „Ihr müsst euch nicht verstecken." Und: „Frauen fahren sanfter." Kein Lob, das aufgesetzt wirkte. Nur eine Beobachtung, die an diesem Tag für sich sprach.

„Die Trainer hatten wahnsinnig viel Geduld und haben uns durch ihre Erfahrung lernen lassen", resümierte eine Teilnehmerin. „Sie haben uns ihre Eselsbrücken verraten, sodass wir uns alles merken konnten."

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte ein NDR-Kamerateam, das für die Sendung „Hallo Niedersachsen" drehte. Ein Zeichen dafür, dass das Thema längst über die Landwirtschaft hinaus Interesse weckt.

Zum Gelingen des Tages hat AGRAVIS maßgeblich beigetragen.

Das Team stellte ein hervorragend vorbereitetes Trainingsgelände zur Verfügung, sorgte mit den tollen Trainern für die perfekte Atmosphäre und darüber hinaus dafür, dass auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kam. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Am Ende des Tages fiel das Fazit eindeutig aus. Viele Teilnehmerinnen nahmen nicht nur neues Wissen mit nach Hause, sondern vor allem mehr Selbstvertrauen. Eine brachte es mit einem Satz auf den Punkt: „Das Heu hätte heute schon drin sein können, wenn ich es gekonnt hätte." Nach diesem Training stehen die Chancen gut, dass es beim nächsten Mal klappt.