Hauswirtschaft ist ein moderner, vielseitiger Beruf mit Verantwortung, Organisation und dem Herz am richtigen Fleck.

„Eigentlich entstand die Idee schon während meiner eigenen Ausbildung zur Hauswirtschafterin“, erzählt sie. Heute ist genau das ihr Arbeitsalltag, und der ist deutlich abwechslungsreicher, als viele vermuten würden. Frauke Gerstenkorn informiert über Ausbildungswege, unterstützt bei der Suche nach passenden Betrieben, prüft Verträge, organisiert Schulungen und begleitet als Geschäftsführerin Zwischen- und Abschlussprüfungen. Hinzu kommen Ausbildertagungen, Öffentlichkeitsarbeit und die Leitung eines Online-Kurses für Quereinsteiger. „Langweilig wird es definitiv nicht“, sagt sie mit einem Lächeln.
Menschen im Mittelpunkt
Was die Ausbildungsberaterin an ihrer Arbeit besonders schätzt, ist der Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen und Charakteren: Auszubildende, Ausbilder*innen, Prüfungsausschüsse, Betriebe. Jeder Tag bringt neue Begegnungen und andere Fragen. Mal geht es um Ausbildungsverträge, mal um Prüfungsabläufe, manchmal auch um ganz persönliche Themen.
Besonders in Erinnerung bleiben ihr die Momente, in denen Entwicklung sichtbar wird. „Wenn Auszubildende erfahren, dass sie ihre Abschlussprüfung bestanden haben, fällt oft eine richtige Last ab“, erzählt sie. „Oder wenn jemand auf der Freisprechungsfeier voller Stolz auf das Erreichte zurückblickt. Das sind besondere Augenblicke.“ Auch ein gelungenes Telefonat oder die Nachricht, dass sich eine Auszubildende mit frischen Ideen einbringt, gehören zu den kleinen, aber bedeutsamen Momenten des Alltags.
Hauswirtschaft ist mehr als ein Haushalt
Der Beruf selbst hat sich stark verändert. Heute arbeiten Hauswirtschafter*innen in Kitas, Pflegeeinrichtungen, Wohngruppen, Tagungshäusern oder auf landwirtschaftlichen Betrieben. Sie gestalten aktiv die Lebensqualität von Menschen mit, und das weit über klassische Haushaltstätigkeiten hinaus:
- Mahlzeiten planen und zubereiten
- Betreuungsangebote begleiten
- Arbeitsabläufe organisieren
- Hygiene- und Qualitätsstandards sichern
- Ressourcen bewusst einsetzen
- individuelle Bedürfnisse von Menschen berücksichtigen
Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt: Hauswirtschaft wird gebraucht.
Ein Mythos, der endlich verschwinden muss
Einen Satz würde Frauke Gerstenkorn am liebsten sofort streichen: „Hauswirtschaft ist einfach, das kann jede oder jeder nebenbei.“ Denn hinter dem Beruf steckt weit mehr als viele ahnen. Organisationstalent, Fachwissen, Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenz sind gefragt. Das sind keine Eigenschaften, die man mal eben so mitbringt.
Wer eine Ausbildung beginnt, sollte gerne mit Menschen arbeiten, zuverlässig und empathisch sein und Teamarbeit mögen. Für alle, die diese Grundhaltung mitbringen, kann Hauswirtschaft ein Beruf sein, der viel zurückgibt.
Auch digital wird Hauswirtschaft moderner
Die Digitalisierung verändert auch diesen Beruf. Dienstpläne, Speisepläne und Einkaufslisten werden digital erstellt, Hygienekontrollen elektronisch dokumentiert. In modernen Self-Cooking-Centern erkennen Geräte Menge und Zustand von Lebensmitteln und passen Temperatur oder Garzeit automatisch an. Das spart Zeit und schafft mehr Raum für das, worauf es am Ende besonders ankommt: den Menschen.
Viele Wege führen weiter
Nach der Ausbildung eröffnen sich zahlreiche Perspektiven. Die Fachschule der Albrecht-Thaer-Schule in Celle bietet ein- und zweijährige Vollzeitschulformen an, die zum Abschluss als Wirtschafter*in und hauswirtschaftliche Betriebsleiter*in führen.
Wer weiter aufsteigen möchte, kann eine Meisterfortbildung abschließen. Die Landwirtschaftskammer bietet diesen Kurs alle zwei Jahre online an, berufsbegleitend und flexibel.
Eine weitere Option ist die Fortbildung zur Dorfhelfer*in: Dabei werden Familien vorübergehend unterstützt, wenn die haushaltsführende Person ausfällt.
Auch für Quereinsteiger öffnen sich Türen
Nicht nur Schulabgänger entdecken die Hauswirtschaft für sich. Wer praktische Erfahrung mitbringt und motiviert ist, einen Berufsabschluss zu erlangen, kann unter bestimmten Voraussetzungen die reguläre Abschlussprüfung über eine Externenprüfung nach § 45 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes erwerben. Die Landwirtschaftskammer bietet auch hier jährlich einen Online-Kurs zur Vorbereitung an. Die Leitung hat Frauke Gerstenkorn inne. Ein strukturierter und berufsbegleitender Einstieg für alle, die neu durchstarten möchten.
Was würden Kolleginnen und Kollegen spontan über Frauke Gerstenkorn sagen?
Die Antwort kommt schnell: fröhlich, freundlich, mit echtem Spaß an der Arbeit. Eigenschaften, die ziemlich gut zu einem Beruf passen, in dem Menschen im Mittelpunkt stehen.
(Text: Anne Dirking)














