Dass der Austausch in einem landwirtschaftlichen Arbeitskreis für Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter sinnvoll ist, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Doch was ist am Landwirtschaftlichen Unternehmerkreis (LUK) so besonders?
Was beschäftigt jeden einzelnen Teilnehmer?
Bei den zahlreichen Themen und Herausforderungen, die der Betriebsalltag mit sich bringt, ist der Wunsch nach Austausch groß. Viele Teilnehmende des Landwirtschaftlichen Unternehmerkreises (LUK) beschäftigen ähnliche Themen. Das war auch Sarahs Anreiz, im LUK dabei zu sein. Sarah ist 33, kommt vom Hof und ist gelernte und studierte Landwirtin. Sie sagt: „Ich finde es interessant, mit Menschen in ähnlichen Situationen über Probleme zu reden, die man in anderen Gruppen nicht anspricht, weil der Rahmen dafür nicht da ist.“ Um diese Offenheit zu fördern, gibt es einen wichtigen Grundsatz: „Was im LUK erzählt wird, bleibt im LUK.“
Der Austausch beginnt gleich zu Beginn des letzten Treffens mit dem sogenannten Check-In. Dazu wird eine gedachte Skala auf dem Rasen gezeichnet. Sie geht von unerfüllt zu erfüllt bis übererfüllt. Die Fragestellung lautet: „Wo steht ihr?“ Bin ich momentan gut ausgelastet? Fühle ich mich wohl damit? Stelle ich mich bei erfüllt hin oder ist gerade doch wieder viel mehr los und die Arbeit wächst mir über den Kopf? Nachdem alle ihre Entscheidung getroffen haben, beginnt der Austausch untereinander.
Es folgen Aufstellungen zu weiteren Themen wie Freizeit, Gesundheit und Sinn. Mit jeder Aufstellung kommt man ins Gespräch und lernt neue Lebensrealitäten kennen. „Es geht nicht nur um betriebsspezifische Daten, sondern auch darum zu gucken, ob ich beispielsweise ein Freizeitdefizit habe und wie es um meine Beziehungen innerhalb und außerhalb des Hofes steht.“, erklärt Sarah.
Gegen die Betriebsblindheit
Der LUK trifft sich vier Mal im Jahr. Die Treffen finden auf den Betrieben der Teilnehmenden statt, sodass ein Treffen auch immer einen Betriebsgrundgang beinhaltet. Henrike (26) ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und sieht Vorteile darin, andere Betriebe kennenzulernen: „Es geht darum, der Betriebsblindheit entgegenzuwirken. Auch wenn man keine Zahlen kennt, können andere beispielsweise Zeitfresser erkennen, die man selber nicht so wahrnimmt.“
Die Vielfalt der Teilnehmenden macht den LUK besonders wertvoll. Dabei sind Männer und Frauen von Anfang 20 bis Mitte 60, Nebenerwerbs-, Haupterwerbsbetriebe, aktive und verpachtete Betriebe und die verschiedensten Betriebszweige und -strukturen. So beschäftigt die Hofnachfolge sowohl die 26-jährige Henrike als auch die 66-jährige Gerlinde.
Andere Generation, gleiches Problem
Gerlinde bewirtschaftet 80 Hektar im Nebenerwerb: „Der Kurs hilft mir dabei, die eventuelle Hofübergabe zu gestalten oder Alternativen zu finden. Das ist für mich das Spannendste, weil viele Teilnehmer mit verschiedenen Lebenserfahrungen, Umständen und Strukturierungen dabei sind“. Das sieht auch Henrike als großen Vorteil: „Ich empfehle den LUK sowohl der übernehmenden als auch der abgebenden Generation. Es schärft das gegenseitige Verständnis. Durch die gemischte Gruppe hat man einerseits die Meinung einer abgebenden Generation. Das ist gut, um sich in seine eigenen Eltern hineinzuversetzen. Andererseits bekommt die abgebende Generation gespiegelt, was in dem Hofnachfolger vorgeht.“
Die ungeklärte Hofnachfolgesituation war auch beim letzten LUK-Treffen ein sichtbares Thema. Beim Betriebsrundgang wurden nicht nur der Umbau einer Scheune und Betriebszweige diskutiert. Auch die Wohnsituation und zukünftige Investitionsentscheidungen stellten sich als wichtige Themen der Gastgeberin heraus. Ihre Frage an die Gruppe: „Wie soll der Weg für die Betriebsnachfolger aussehen – betrieblich, räumlich, persönlich? Und wie kann eine Entscheidung getroffen werden?“ Gerade in Bezug auf eine unklare Hofnachfolgesituation und weiteren Unbekannten, fällt es häufig schwer, offen darüber zu sprechen.
Unterstützung dabei gibt die Visionsarbeit. Nicht nur die Gastgeberin profitiert davon, sondern auch Mareike (42). Sie hat nach ihrem Studium als Quereinsteigerin die Ausbildung zur Landwirtin gemacht und ist seit 10 Jahren auf dem elterlichen Betrieb aktiv: „Ich habe den Hof meines Vaters übernommen. Jetzt stehen Veränderungen an, und ich habe noch nicht richtig vor Augen, was ich machen möchte.“ Die Teilnehmenden des LUK sollen sich bei der Visionsarbeit ein Bild davon machen, wie ihr Leben in fünf Jahren aussehen soll. Anders als in anderen Arbeitskreisen, geht es nicht nur um die betriebliche Entwicklung, sondern auch um persönliche Visionen. Möchte ich in fünf Jahren den Betrieb abgegeben/übernommen haben? Einen Familienurlaub gemacht haben? Häufiger Freunde zum Essen eingeladen haben? Das hilft auch Sarah, für die sich die Frage stellt, wie ihr weiterer Weg im Betrieb aussehen soll: „Ich möchte mehr Klarheit für mich finden.“ Und Henrike sagt: „Der LUK hilft mir bei meiner persönlichen Entwicklung.“
Bei der Vorstellung der Visionen geben die Teilnehmenden sich gegenseitig mit auf den Weg, welche Gedanken bei ihnen dazu aufgekommen sind. Teilweise sind es Worte der Bewunderung, teilweise Fragen oder Tipps. Dann geht es ganz konkret um die Frage der Gastgeberin nach der Entscheidungsfindung. Am Flipchart werden die Kommentare der Gruppe gesammelt.
Austausch mit Gleichgesinnten
Es sind Ideen, die von Tipps zum Anbau von Kulturen auf sandigen Böden, über Hinweise zur Hofnachfolgesituation bis zu Ansätzen, wie mit den verschiedenen Erwartungshaltungen auf dem Betrieb umgegangen werden kann, gehen. Auch Mutmacher sind dabei. Teilnehmende berichten außerdem, wie sie mit ähnlichen Situationen auf ihrem Betrieb umgegangen sind und manche bemerken, dass einige Vorschläge auch auf ihre ganz persönliche Situation passen. Mareike formuliert es so: „Es hilft einfach zu sehen, dass andere ähnliche oder andere Probleme haben und man damit nicht alleine steht. Wenn es irgendwie hakt, schwierig ist oder man gar nicht weiter weiß und man denkt ‚voll unnormal‘, dann merkt man im LUK, dass es viele gibt, denen es ähnlich geht.“ Auch Gerlinde konnte durch den Austausch mit einem Teilnehmer in einer ähnlichen Situation neue Handlungsspielräume für sich entdecken: „Ganz persönlich sehe ich, dass ich nicht alleine stehe.“ Mareike erklärt, wie der offene Austausch in der Gruppe für sie zu mehr Gelassenheit führt: „Es nimmt einem den Druck.“
Am Ende der Treffen folgt der Check-Out, eine Art Resümee. Alle beenden den Satz: „Heute war ein guter Tag, weil…“. und fassen den Tag für sich zusammen. Zuletzt wird noch geklärt, welche Themen beim kommenden Betriebsbesuch bearbeitet werden sollen: Zeitmanagement, Hofnachfolge und Glaubensätze.
Das Arbeitspensum in der Landwirtschaft ist groß und die Zeit knapp. Dennoch lässt sich der LUK gut in den Alltag integrieren. Henrike beschreibt die Treffen als eine „gewisse Auszeit“. „Im Alltag hat man wenig Zeit, sich mit den Themen zu beschäftigen, und in einer Gruppe ist es effektiver.“, sagt Mareike. Gerlinde findet die passenden Worte, weshalb sich die Teilnahme am LUK lohnt: „Es ist eine praktizierte Lebenserfahrung, und das ist richtig toll, weil wir eine sehr offene Gruppe sind.“ Und was würdest du Leuten sagen, die noch nicht sicher sind, ob der LUK etwas für sie ist? Henrike: „Ausprobieren.“
Interesse am Landwirtschaftlichen Unternehmerkreis?
Kontakt: Anneken Kruse & Esther Buchwald













