Bezirksstelle Uelzen

Was müssen Milch, Schweine, Kartoffeln und Zwiebeln wirklich bringen?

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Steigende Kosten, schwankende Erzeugerpreise und zunehmende Marktunsicherheiten stellen viele landwirtschaftliche Betriebe vor dieselbe Frage: Ab welchem Preis arbeitet mein Betriebszweig eigentlich kostendeckend?

Invstrieren in der Landwirtschaft
Ab welchem Preis arbeitet mein Betriebszweig eigentlich kostendeckend?Marina Sancken
Genau hier helfen Schwellenpreise und Rentabilitätsschwellen. Sie zeigen, welcher Preis mindestens erzielt werden muss, damit die Produktion wirtschaftlich bleibt. Wer diese Schwellen kennt, kann Marktpreise besser einschätzen und fundiertere Entscheidungen treffen.

Drei wichtige Schwellen
Grundsätzlich lassen sich drei Rentabilitätsschwellen unterscheiden:

Produktionsschwelle
Hier werden die variablen Kosten gedeckt. Dazu zählen beispielsweise Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Futtermittel oder Einstreu. Solange der erzielte Preis oberhalb dieser Schwelle liegt, leistet die Produktion zumindest einen Beitrag zur Deckung der Festkosten.

Gewinnschwelle
Auf dieser Stufe werden zusätzlich die Festkosten gedeckt. Hierzu gehören unter anderem Maschinen-, Gebäude-, Energie- und Verwaltungskosten. Der Betriebszweig arbeitet kostendeckend, erwirtschaftet aber noch keinen Unternehmergewinn.

Unternehmer-Gewinnschwelle
Erst wenn zusätzlich die eigene Arbeit, das eingesetzte Eigenkapital und das unternehmerische Risiko vergütet werden, ist die Unternehmer-Gewinnschwelle erreicht. Langfristig sollte jeder Betrieb diese Schwelle im Blick haben.

 

Schwellenpreise helfen bei Marktentscheidungen
Für Kartoffel-, Zwiebel-, Milch- oder Schweinehalter sind solche Kennzahlen besonders wertvoll. Die Frage lautet schließlich nicht nur:

"Welchen Preis bekomme ich aktuell?"

Sondern auch:

"Welchen Preis brauche ich mindestens?"

Wer seinen Schwellenpreis kennt, kann Marktbewegungen besser einordnen, Vermarktungsentscheidungen bewusster treffen und Risiken realistischer bewerten.

Warum exakte Stückkosten oft schwierig sind
In der Theorie werden Schwellenpreise über die Stückkosten eines Produkts ermittelt. Dafür müssten sämtliche Kosten eindeutig einem Kilogramm Milch, einer Dezitonne Kartoffeln oder einem Mastschwein zugeordnet werden.

In der Praxis ist das häufig anspruchsvoll. Viele Kosten entstehen betriebszweigübergreifend und lassen sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Produkte verteilen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Maschinenkosten,
  • Gebäudekosten,
  • Versicherungen,
  • Energiekosten,
  • Verwaltungskosten,
  • Arbeitsleistungen der Betriebsleiterfamilie.

Für eine exakte Verteilung wären detaillierte Aufzeichnungen über Arbeitsstunden, Maschinenlaufzeiten oder Energieverbräuche notwendig. Diese Informationen liegen nicht in jedem Betrieb vollständig vor.

Betriebszweigabrechnungen schaffen Transparenz
Die gute Nachricht: Für viele Entscheidungen müssen die Kosten nicht auf den letzten Cent genau bekannt sein.

Oft reicht es aus, die Wirtschaftlichkeit eines Betriebszweiges insgesamt zu betrachten. Genau hier setzen Betriebszweigabrechnungen an.

Sie beantworten Fragen wie:

  • Welchen Beitrag liefert der Kartoffelbau zum Betriebsergebnis?
  • Welcher Zwiebelpreis ist notwendig, um die Gesamtkosten zu decken?
  • Wie wirkt sich ein Rückgang des Milchpreises auf das Betriebsergebnis aus?
  • Welche Kultur erzielt die höchsten Deckungsbeiträge?

Gerade in spezialisierten Betrieben liefern solche Auswertungen häufig die entscheidenden Informationen für die Unternehmensführung.

Besonders interessant für die Region Uelzen
In der Region Uelzen spielen neben Marktfrüchten insbesondere Kartoffeln, Zwiebeln und Veredelungsverfahren eine wichtige Rolle. Hier kann die Kenntnis der eigenen Rentabilitätsschwellen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil darstellen.

Ob Kartoffelpreis je Dezitonne, Zwiebelerlös je Hektar, Milchpreis je Kilogramm oder Erlös je Mastschwein: Wer die eigenen Schwellen kennt, kann Chancen und Risiken frühzeitig erkennen und betriebliche Entscheidungen besser absichern.

Mehr Transparenz für bessere Entscheidungen
Aus den Betriebszweigabrechnungen der Arbeitskreise zeigt sich regelmäßig, wie groß die Unterschiede zwischen Betrieben sein können. Oft liegen die Ursachen weniger in den Erlösen als vielmehr in den Kostenstrukturen, Flächenleistungen oder Arbeitserledigungskosten.

Deshalb lohnt es sich, die eigene Wirtschaftlichkeit regelmäßig auszuwerten und mit Vergleichsbetrieben zu spiegeln. Betriebszweigabrechnungen schaffen Transparenz und bilden eine wichtige Grundlage für Investitionsentscheidungen, Produktionsanpassungen und die strategische Weiterentwicklung des Betriebes.

Fazit
Schwellenpreise und Rentabilitätsschwellen helfen dabei, die Frage zu beantworten, welchen Preis Kartoffeln, Zwiebeln, Milch oder Schweine tatsächlich bringen müssen. Auch wenn exakte Stückkosten nicht immer verfügbar sind, lassen sich auf Basis von Betriebszweigabrechnungen wichtige Aussagen zur Wirtschaftlichkeit treffen.

Wer seine Schwellen kennt, kann Marktpreise besser einordnen, Risiken realistischer bewerten und seinen Betrieb langfristig erfolgreicher steuern. Gerade in Zeiten volatiler Märkte wird dieses Wissen zu einem wichtigen Baustein moderner Unternehmensführung.