Bezirksstelle Uelzen

Kennzahlen: von kinderleicht bis ganz schön schwierig

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Die Preissituation war im letzten Wirtschaftsjahr in fast allen Bereichen unbefriedigend. Der Blick in den Jahresabschluss 2025/26 wird daher in vielen Fällen wenig Freude bereiten. Umso wichtiger ist es, die wirtschaftliche Situation des Betriebes im Auge zu behalten.

Traktor vor einer Scheune, Kühe im Stall, Computerarbeitsplatz mit Dokumenten und Taschenrechner, mehrere 100-Euro-Scheine.
Der JahresabschlussRolf Fricke
Kennzahlen, die zur Beurteilung der Rentabilität, Stabilität und Liquidität geeignet sind, gibt es reichlich. Um Lust auf die Analyse der eigenen Zahlen zu machen, wird im Folgenden eine kleine Auswahl von Zahlen diskutiert.

Besonders nutzerfreundlich sind Kennzahlen, die direkt aus dem Abschluss abzulesen sind. Ein Beispiel: Die Veränderung der Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr. Erfreulich ist eine Abnahme der Verbindlichkeiten. Sind Sie gestiegen, sollte eine Wachstumsinvestition der Grund für die Zunahme sein (keine Ersatzinvestition). Wachstum zeigt sich in der Veränderung der Summe Aktiva: Gibt es eine Wertzunahme bei Boden, Gebäude, Maschinen, Feldinventar, Tieren oder Beteiligungen? Tabelle_1 zeigt, dass die Hackfruchtbetriebe 2024 noch ein gutes Jahr hatten: Das Wachstum war größer als die Zunahme des Fremdkapitals. Steigen die Verbindlichkeiten in mehreren Jahren nacheinander ohne Wachstumsschritte, weil ein Teil der Privatentnahmen (Lebenshaltung) über Kredite finanziert wird, ist das ein deutliches Warnsignal!

Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen können die globale Preissituation nicht beeinflussen. Daher ist es besser, sich bei der Analyse auf die Kostenseite zu konzentrieren. Neben den Direktkosten der Produktion (z.B. Pflanzenschutz, Dünger, Futtermittel) fallen vor allem die Personal- und Maschinenkosten ins Gewicht. In Zeiten des Fachkräftemangels ist der Dreh an der Personalkostenschraube aber vielleicht keine gute Entscheidung. Also die Maschinenkosten! Maschinenabschreibung, Maschinenunterhaltung und Treibstoffe können in Marktfruchtbetrieben schnell in der Summe zwischen 500 € und 1.000 € je Hektar ergeben (Tabelle_1). Intensive Hackfruchtbetriebe können sogar die 1.000 €/ha Grenze überspringen.

Für die Treibstoffkosten ist der richtige Einkaufszeitpunkt in den letzten Jahren immer bedeutender geworden. Aber auch die Bewirtschaftungsintensität (wie oft und wie tief muss der Boden bearbeitet werden?), das Zusammenfassen von Arbeitsgängen und der Anbau möglichst gleicher Früchte innerhalb der Gemarkungen (Wegezeiten) können Ansatzpunkte für Kostensenkungen sein.

Die Abschreibungen und die Unterhaltungskosten der Maschinen müssen gemeinsam betrachtet werden. Ein älterer Maschinenpark verursacht weniger Abschreibungen (viele Maschinen haben keinen Buchwert mehr, also auch keine AfA). Dafür fallen höhere Reparatur- und Ersatzteilkosten an. Nähern sich die Unterhaltungskosten der Höhe der Abschreibungen, ist das ein deutlicher Hinweis auf einen Investitionsstau im Maschinenpark.

Es gibt Kennzahlen, die nicht direkt aus dem Abschluss ermittelt werden können. Deren Berechnung erfordert noch weitere betriebliche Aufzeichnungen. Beispielhaft seien hier die für jede Frucht aufgewendeten Arbeitskraftstunden und Schlepperstunden genannt. Ein effizienter Personal- und Maschineneinsatz ist neben einer guten Produktionstechnik Voraussetzung für gute Wirtschaftsergebnisse. Die Probleme dieser Kennzahlen sind neben der Datenerfassung vor allem fehlende Vergleichsdaten. Hier bieten Arbeitskreise eine Möglichkeit, in die Diskussion einzusteigen.

Und nun zu einer Kennzahl, die durch etwas umfangreichere Rechenoperationen ermittelt werden muss. Es geht um den „Return on Investment“ (ROI). Zunächst wird das Verhältnis von Gewinn zum Umsatz, die sogenannte „Gewinnrate“ ermittelt. Wieviel Cent Gewinn bleiben von jedem Euro Umsatz übrig? (Tabelle_2)

Gewinnrate = Gewinn/Umsatz

Dann muss der „Kapitalumschlag“ berechnet werden: Wieviel Umsatz wird je Euro investiertem Gesamtkapital (das ist die Summe der Aktiva) erzielt? Es geht also darum, wieviel Geld muss ich zunächst in die Hand nehmen (investieren), um produzieren zu können und Umsatz zu machen (Tabelle_2).

Kapitalumschlag = Umsatz/Gesamtkapital

Das Ziel jedes Unternehmens ist aber letztlich nicht nur Umsatz zu machen, sondern Gewinn zu erzielen! Dass beides nicht automatisch zusammengehört, zeigt das Beispiel VW.

Um den „Return on Investment“ (ROI) zu berechnen, wird nun die Gewinnrate mit dem Kapitalumschlag multipliziert:

ROI = Gewinn/Umsatz x Umsatz/Gesamtkapital

Durch Kürzen der Brüche ergibt sich:

ROI = Gewinn/Gesamtkapital

Na endlich! Und was sagt uns der ROI? Er beschreibt, wie kapitalintensiv meine Produktion ist bzw. wie effizient mein eingesetztes Kapital Gewinne produziert. Bin ich ein Dienstleistungsunternehmen, das nur in Büromiete und EDV-Equipment investieren muss, um Gewinne zu erzielen? Oder betreibe ich ein Kaltstahlwalzwerk, das mächtige Maschinen und riesige Gebäude zur Produktion benötigt?

Der ROI ist eine strategische Kennzahl, die sektorspezifisch betrachtet werden muss. Für einen landwirtschaftlichen Betrieb ist interessant, wie sich der ROI durch die getätigten Investitionen in der Vergangenheit entwickelt hat. Und auch für geplante Investitionen ist es gut zu wissen, ob die Investition den ROI sinken oder steigen lässt. Das Ziel sollte sein, mit möglichst wenig Kapitaleinsatz möglichst viel Gewinn zu erzielen. Der ROI sollte also möglichst hoch sein.

Und wie hat sich der ROI bei den Betrieben des Testbetriebsnetzes entwickelt? Tabelle_3 zeigt die eben vorgestellten Kennzahlen im Verlauf der letzten 10 Wirtschaftsjahre für die Getreide- und die Hackfruchtbetriebe sowie den 10jährigen Durchschnitt für diese beiden Gruppen. Das eingesetzte Kapital je Hektar ist bei den Hackfruchtbetrieben größer als bei den Getreidebauern. Aber der größere Kapitalumschlag zusammen mit der höheren Gewinnrate führen dennoch zu einem größeren ROI im Hackfruchtbereich. Der Gewinn je investierten Euro ist für die Hackfruchtbetriebe im Durchschnitt des betrachteten Zeitraums 1,2% größer.

Die Trendlinien vom Return on Investment sind für beide Gruppen erfreulich: Die grüne gestrichelte Linie (Getreide) und die braune gestrichelte (Hackfrucht) stellen den Trend des ROI für die Gruppen dar. Beide Linien steigen leicht an. Der Anstieg ist für die Hackfruchtbetriebe jedoch etwas stärker. Dass in den vergangenen Jahren Betriebe neu in den Kartoffel- und Zwiebelanbau eingestiegen sind, hat also seinen Grund. Ob sich aber dadurch für jeden dieser Betriebe der ROI verbessert, kann nur die einzelbetriebliche Analyse zeigen.

Was bleibt festzuhalten? Gerade nach größeren Investitionen oder in Phasen niedriger Vermarktungspreise muss die wirtschaftliche Entwicklung genau beobachtet werden. Das geht mit Hilfe von Kennzahlen. Dabei ist nicht die Menge der Kennzahlen entscheidend. 10 bis 15 Kennzahlen, die kontinuierlich ausgewertet werden, können schon gute Hinweise liefern. Wenn diese Zahlen dann auch noch in Arbeitskreisen mit Berufskollegen und Beratern diskutiert werden, ist der Grundstein für erfolgreiches Wirtschaften gelegt.

Tabelle_1
Tabelle_1Rolf Fricke
Tabelle_2
Tabelle_2Rolf Fricke
Tabelle_3
Tabelle_3Rolf Fricke
ROI_Grafik
ROI_GrafikRolf Fricke