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Bekämpfung des Dickmaulrüssler

Fraßschäden, die durch Dickmaulrüssler-Käfer verursacht werden, sind häufig an Blättern von Stauden und Gehölzen zu beobachten, aber meist ist das Ausmaß gering und kann toleriert werden. Dagegen sind die Fraßschäden, welche die Dickmaulrüssler-Larven hervorrufen, schwerwiegend und die betroffenen Pflanzen sind oftmals stark gefährdet. Ausfälle, Ersatzpflanzungen und Bekämpfungsmaßnahmen sind Folgen, auf die man gerne verzichtet.

 

Taxus-Dickmaulrüssler
 Taxus-Dickmaulrüssler Dr. Thomas Brand

Schadbild

Der Käfer verursacht typische Fraßstellen an Blättern und Nadeln, die vom Rand her in die Blattfläche ragen. Dieser sogenannte Buchtenfraß entsteht dadurch, dass der Käfer vom Blattrand her in das Blatt hineinfrisst. Manchmal breiten sich die Buchten als Fraßgänge unförmig auf die Blattspreite aus. Aufgrund der Art der Mundwerkzeuge kann der Käfer keine Löcher in die Blätter fressen, sondern ist auf den Blattrand oder ein bereits vorhandenes Loch im Blatt angewiesen.

Schädigungen durch die Larven des Dickmaulrüsslers sind schwieriger direkt zu erkennen, da der Fraß an den Wurzeln und am Wurzelhals (Stammgrund) der Pflanzen stattfindet. Die geschädigten Pflanzen sind geschwächt, verfärben sich, welken und können absterben. Je nach Umfang der Fraßschäden können auch nur einzelne Triebe welken. Allein anhand dieser Symptome lässt sich nicht sicher auf die Ursache schließen.

Die Verwechslung mit einer Erkrankung durch bodenbürtige Pilze (z. B. Phytophthora) oder mit abiotischen Ursachen (Trockenheit, Vernässung) ist also leicht möglich. Daher ist zur eindeutigen Diagnose der Schadensursache eine eingehendere Untersuchung erforderlich Bei näherer Betrachtung ist Fraß am Wurzelhals und an unterirdischen Pflanzenteilen (Wurzeln, Knollen) erkennbar. Die Wasseraufnahme und der -transport in die oberirdischen Pflanzenteile wird durch die Beschädigung gestört und es kommt zu den genannten Symptomen. Häufig sind auch die Larven im Boden zu finden.

 

Biologie

Die Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) ist mit weltweit etwa 60 000 Arten die artenreichste Tierfamilie überhaupt. In Deutschland sind etwa 780 Rüsselkäferarten bekannt, von denen der Gefurchte Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) eine der bei uns bekanntesten und am häufigsten auftretenden ist. Daneben gibt es ein Dutzend weiterer Dickmaulrüssler-Arten der Gattung Otiorhynchus, die regelmäßig vorkommen und ähnlich schädigend auftreten, z. B. O. salicicola (Weiden-Dickmaulrüssler), O. crataegi (Weißdorn-Dickmaulrüssler) und O. ligustici (Luzerne-Dickmaulrüssler).

Dickmaulrüssler sind dunkel gefärbte, robuste Käfer von etwa 1 cm Länge. Auffälligste Kennzeichen sind der rüsselartig verlängerte Kopf, an dessen vorderstem Ende sich die Mundwerkzeuge befinden, sowie die knieförmig abgeknickten, nach vorne ausgestreckten Fühler. Die Identifizierung der Arten ist anhand der erwachsenen Käfer für Fachleute möglich, die Larven dagegen sind nicht unterscheidbar.

Viele Pflanzen werden als Wirte genutzt. Hierzu zählen Gehölze (z. B. Rhododendron, Eibe, Rose, Hortensie, Efeu) genauso wie Stauden (z. B. Bergenie, Purpurglöckchen, Waldsteinie, Mauerpfeffer) und Erdbeeren.

Auch wenn es Unterschiede in der Lebensweise (Biologie, Wirtsspektrum) der verschiedenen Arten gibt, so ist die folgende Beschreibung zur Biologie des Gefurchten Dickmaulrüsslers doch weitgehend übertragbar.

Die Käfer sind dämmerungs- und nachtaktiv und nicht flugfähig. Besonders in warmen Sommernächten können sie nachts mithilfe einer Lampe an den oberirdischen Pflanzenteilen beim Fraß gesichtet werden. Bei Störung lassen sie sich schnell fallen und entziehen sich dadurch dem Blickfeld. Tagsüber verstecken sie sich in der Streu, im Mulchmaterial oder an anderen Versteckplätzen in Pflanzennähe.

Die Käfer des Gefurchten Dickmaulsrüsslers sind weiblich und vermehren sich parthenogenetisch, d. h. ohne Befruchtung durch einen männlichen Partner. Von einem einzelnen Tier werden nach einem mehrwöchigen Reifungsfraß, währenddessen sie die stärksten Blattschäden verursachen, mehrere Hundert Eier in den Boden abgelegt.

Im Freien schlüpfen die Larven etwa ab Ende Juli aus den Eiern. Sie werden bis zu 12 mm groß, sind cremeweiß, liegen gekrümmt im Boden, besitzen eine hellbraune Kopfkapsel und sind beinlos. Falls ähnliche Larven mit erkennbaren Brustbeinen zu finden sind, handelt es sich wahrscheinlich um Engerlinge, die Larven von Blatthornkäfern (z. B. Maikäfer, Junikäfer, Gartenlaubkäfer), zu denen es ein eigenes Merkblatt gibt.

Die Larven des Dickmaulrüsslers überwintern und verpuppen sich im darauffolgenden Frühjahr. Aus den Puppen schlüpft dann im Mai/Juni die nächste Generation an Käfern.

Neben den Larven können auch die Käfer den Winter überdauern, da sie teilweise ein oder sogar zwei Jahre leben. Die Eiablage findet hauptsächlich in den Sommermonaten statt, ist aber unter geeigneten Bedingungen ganzjährig möglich. Vor allem in Gewächshäusern und Wintergärten können zu jeder Jahreszeit alle Stadien gleichzeitig auftreten.

Gegenmaßnahmen

Die Einschleppung in den eigenen Garten kann durch intensive Kontrolle neu erworbener Pflanzen unterbunden werden. Neben den auffälligen Fraßschäden des Käfers ist der Wurzelballen auf das Vorhandensein der Larven zu kontrollieren.

Ausgelegte Bretter oder nasse Jutesäcke können Käfern als Tagesversteck Unterschlupf bieten. Bei regelmäßigen Kontrollen dieser Verstecke werden die Käfer dort abgesammelt. Im Handel werden auch Fangbretter angeboten („Nematop-Käfer-Stopp“), die an der Unterseite mit Nuten versehen sind. Diese Nuten sind mit einem Gel mit insektenabtötenden Fadenwürmern (Nematoden), ausgekleidet. Solche Fangbretter können vor allem dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn sich keine alternativen Versteckplätze für die Käfer bieten.

Alternativ können die Käfer bei Nacht abgesammelt werden. Dies ist zwar durchaus ein aufwendiges Unterfangen, kann aber – insbesondere, wenn Einzelpflanzen geschützt werden sollen – eine sehr wertvolle Maßnahme sein. Die gesammelten Käfer werden mit sehr heißem Wasser übergossen, zerquetscht oder an anderer Stelle wieder ausgesetzt.

Die Käfer sind chemisch mit den zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmitteln nicht zu bekämpfen. Es tritt nach Behandlungen teils eine repellente Wirkung ein. Die Käfer meiden dann für kurze Zeit die beliebten Wirtspflanzen, werden aber wieder aktiv, wenn die ausgebrachten Stoffe abgebaut sind.

Gegen die Larven des Dickmaulrüsslers werden erfolgreich Nematoden (Heterorhabditis bacteriophora u. a.) eingesetzt. Der günstigste Einsatzzeitpunkt ist Ende August bis Anfang Oktober, wenn der Boden ausreichend warm und feucht genug ist (> 12 °C). Die Ausbringung erfolgt abends und nicht bei intensivem Sonnenschein. Nach der Ausbringung muss der Boden gleichmäßig feucht (nicht nass!) sein, damit die Nematoden die Larven erfolgreich infizieren können. Ein zweiter Einsatz im Frühjahr kann sinnvoll sein, sobald der Boden erwärmt, die Verpuppung aber noch nicht erfolgt ist. Im Innenraum bieten sich ebenfalls mehrmalige Behandlungen an.

Es gibt keine Möglichkeit, die Larven im Boden mittels Pflanzenschutzmitteln zu bekämpfen. Ausschließlich für Topfpflanzen ist Schädlingsfrei Careo Konzentrat (Acetampiprid) zur Gießbehandlung zulässig.

Kontakte

Dr. Thomas Brand

Leiter Sachgebiet Zierpflanzenbau, Baumschulen, öffentliches Grün

 0441 801-760

  thomas.brand~lwk-niedersachsen.de


Frank Lehnhof
Frank Lehnhof

Baumschulen, Zierpflanzenbau, öffentliches Grün

 0441 801-761

  frank.lehnhof~lwk-niedersachsen.de


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