74. Grünlandtag zeigt, wie Boden, Futter und Pflege über Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit entscheiden – Landwirte für beste Silage ausgezeichnet
Auf dem 74. Grünlandtag wurden die Gewinner des Silagewettbewerbs 2025 von LWK-Vizepräsident Manfred Tannen (links) und Dr. Christine Kalzendorf, LWK-Beraterin für Grünland, mehrjährigen Ackerfutterbau und Futterkonservierung (rechts), geehrt.Christopher HanraetsRodenkirchen – Wie kann Grünland effizient, klima- und umweltschonend bewirtschaftet werden und welche Bedeutung haben dabei eine angepasste Nährstoffversorgung, Düngung und Pflege? Um diese Frage ging es beim 74. Grünlandtag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), der am Donnerstag, 5. Februar, in Rodenkirchen (Landkreis Wesermarsch) stattfand. Ein Höhepunkt der mit rund 200 Teilnehmenden bestens besuchten Veranstaltung, war außerdem die Auszeichnung der Gewinner des Silagewettbewerbs 2025.
LWK-Vizepräsident Manfred Tannen hob in seinem Grußwort die zentrale Rolle des Grünlands für eine zukunftsfähige Landwirtschaft hervor. „Unsere Grünlandflächen sind die Grundlage einer nachhaltigen Futterproduktion, wertvolle Lebensräume und essenzielle Bestandteile einer klimaresilienten Landwirtschaft“, betonte er. Gerade vor dem Hintergrund schwankender Milchpreise und steigender Anforderungen werde deutlich, „dass die Wertigkeit des Grundfutters wieder stärker in den Fokus rücken muss“. Der Grünlandtag stehe daher ganz bewusst im Zeichen von Grundversorgung und Pflege und zeige, wie wichtig der enge Austausch zwischen Praxis, Forschung und Beratung sei, um das Grünland auch künftig leistungsfähig, wirtschaftlich und umweltgerecht zu bewirtschaften.
Die Ergebnisse der Auswertung von Laboranalysen aus den vergangenen zehn Jahren stellte Dr. Frank Lorenz von der LUFA Nord-West in seinem Vortrag vor.Christopher HanraetsEinen fachlichen Schwerpunkt setzte Dr. Frank Lorenz von der LUFA Nord‑West, dem akkreditierten Dienstleistungslabor der LWK, mit der Auswertung von mehr als zehn Jahren Laboranalysen aus niedersächsischen Grünlandbetrieben. Anhand von rund 428.000 Bodenproben, 63.000 Grassilage‑ und 7.000 Gülleuntersuchungen zeigte er, dass der wirtschaftliche Wert der im Betrieb vorhandenen Nährstoffe häufig unterschätzt wird. „Allein Stickstoff, Phosphor und Kalium haben in einem Milchviehbetrieb mit 100 Kühen einen jährlichen Düngerwert von knapp 39.000 Euro“, machte Lorenz deutlich. Gleichzeitig wies er auf kritische Entwicklungen hin: sinkende pH‑Werte insbesondere auf Marschböden, abnehmende Phosphorgehalte in den Böden sowie rückläufige Rohproteingehalte in der Grassilage. Sein Fazit: Eine nachhaltige und leistungsfähige Grünlandbewirtschaftung erfordert eine konsequente Analyse von Boden, Gülle und Futter. „Nur wer seine Zahlen kennt, kann Schwachstellen entdecken und die Gesundheit seiner Herde sowie den wirtschaftlichen Erfolg langfristig sichern“, so Lorenz.
pH-Wert als wichtiger Hebel
Hans Koch, Grünlandexperte aus Süddeutschland, hob in seinem Vortrag die Bedeutung des pH-Werts für eine erfolgreiche Grünlandbewirtschaftung hervor.Christopher HanraetsDer Grünlandexperte Hans Koch zeigte in seinem Vortrag auf, dass die Wirtschaftlichkeit von Grünlandflächen maßgeblich von Bodenstruktur, pH‑Wert und einer effizienten Nutzung organischer Dünger abhängt. Ein zentraler Schwerpunkt liege auf der Bedeutung der Kalkung, da sie die Nährstoffverfügbarkeit, die Wirksamkeit der Düngung und die Bestandsstabilität entscheidend beeinflusst. Koch betonte, dass eine präzise Bodenanalyse, eine standortgerechte Arten- und Sortenwahl sowie ein angepasstes Nährstoffmanagement die Ertrags- und Futterqualität deutlich steigern können.
Darüber hinaus machte er deutlich, dass stabile und leistungsfähige Grünlandbestände eine Grundvoraussetzung für hohe Futterqualität, geringere Zukaufsbedarfe und eine bessere Risikostabilität im Betrieb darstellen. Organische Dünger können laut Koch besonders effektiv wirken, wenn Ausbringzeitpunkt, Technik und pH-Wert stimmten. Sein Fazit: Zielgerichtete Pflege und ein systematischer Blick auf Boden und Bestand führen bei überschaubarem Aufwand zu messbaren Verbesserungen.
Bericht aus der Praxis
Landwirt Thore Lünschen aus Loxstedt gab einen Einblick in seinen Betrieb und erklärte, worauf er bei der Grünlandpflege achtet.Christopher HanraetsLandwirt Thore Lünschen aus Loxstedt berichtete aus seinem Milchvieh‑ und Zuchtbetrieb mit rund 350 Kühen an drei Standorten. Grundlage für hohe Leistungen von über 13.000 Kilogramm Milch je Kuh seien für ihn intensiv genutztes, gepflegtes Grünland und eine gleichbleibend hohe Futterqualität. Lünschen setzt auf frühe organische Düngung, regelmäßige Düngung, Kalkung, Nachsaat und möglichst frühe Mahdtermine (Beginn Ährenschieben) für jeden Schnitt, auch wenn durch Sommertrockenheit der Ertrag gering ausfällt. In guten Jahren sind bis zu sechs Schnitte pro Jahr möglich. Entscheidend sei zudem eine saubere, gut verdichtete Silage aus jungem, gut verdaulichem Gras. Konstante Rationen, konsequente Tierbeobachtung und feste Routinen in der Herdenführung tragen nach seinen Erfahrungen maßgeblich zu Tiergesundheit, Fruchtbarkeit und stabiler Milchleistung bei.
Gewinner ausgezeichnet
Weiterhin wurden in Rodenkirchen die Sieger des Silagewettbewerbs 2025 ausgezeichnet. Dr. Christine Kalzendorf, bei der LWK Beraterin für Grünland, mehrjährigen Ackerfutterbau und Futterkonservierung, blickte zunächst auf die Bedingungen im vergangenen Jahr zurück: Auf dem Grünland kam das Graswachstum wegen Trockenheit und kühler Temperaturen nur langsam in Gang. Dennoch fielen die Nährstoff- und Energiewerte der Silagen des 1. Aufwuchses gut aus. Entscheidend für gute Futterwerte war hier eine frühe Ernte. Der Silomais konnte sich abgesehen von kühlen Temperaturen und Trockenheit bei der Aussaat im weiteren Verlauf weitgehend ungestört entwickeln, Erntemenge und Qualität waren im Schnitt sehr gut. So konnten im Silagewettbewerb sehr hohe Punktzahlen erzielt werden.
Den ersten Platz in der Kategorie „Grassilage, 1. und 2. Schnitt“ teilen sich Reent Weerda aus Wilhelmshaven und Jannis Klee aus Helvesiek (Landkreis Rotenburg/Wümme). Gleichfalls einen ersten Platz in der Kategorie „Folgeaufwüchse“ belegte Eike Albers aus Zeven (Landkreis Rotenburg/Wümme). Die beste Maissilage hatte Hans Christopher Nack aus Tespe (Landkreis Harburg). Das Feld war dieses Jahr in dieser Kategorie besonders eng: Den zweiten Platz teilen sich fünf Landwirte.
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