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Artenschutz: Kleine Tiere, große Ziele

Webcode: 01045217
Stand: 13.03.2026

Landwirtschaftskammer Niedersachsens koordiniert an der Elbe die Fischbesatzmaßnahme zugunsten der Arterhaltung und Bestandssicherung des europäischen Aals

Aalbesatzaktion 2026
Christina Hiegel, Leiterin des Fachbereichs Fischerei bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, lässt in Bleckede Glasaale ins Wasser. Stefan Feichtinger
Bleckede – Sie messen etwa 7 bis 8 Zentimeter und sind um 0,4 Gramm leicht: Diese Jungaale sollen in der Elbe heranwachsen, um als erwachsene Blankaale viele Jahre später wieder quer über den Atlantik in ihr Laichgebiet abzuwandern. Fachleute der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Fischer/-innen und Angler/-innen haben an diesem Freitag (13.03.2026) mit Start in Bleckede (Kreis Lüneburg) am West- und Ostufer der Elbe sowie in vielen Nebengewässern insgesamt 124 Kilogramm der gläsernen Jungfische besetzt.

Die Besatzaktion ist ein Baustein zur Stabilisierung und Wiederauffüllung des Bestandes des Europäischen Aals (Anguilla anguilla). Insgesamt waren es mehr als 300.000 Tiere. Die LWK koordiniert die Besatzaktion seit 20 Jahren.

Elbe ist gutes Aufwuchsgewässer

Als winzige Glasaale wurden die Tiere schonend an der französischen Atlantikküste gefangen und nach Bleckede gebracht. Angereist sind sie gekühlt in einem speziellen Fischtransport-LKW. Die Elbe gilt als gutes Aufwuchsgewässer: Entlang des West- und Ostufers der Elbe, in den Altarmen und Nebengewässern wie Jeetzel und Krainke wachsen die Jungaale auf und können später als erwachsene Blankaale die Elbe in Richtung ihres Laichgebietes Sargassosee im Atlantik wieder verlassen. Mit dem Wehr in Geesthacht existiert auf dem Weg zum Meer nur ein Absperrbauwerk ohne Wasserkraft und Turbinen, was den Tieren die Abwanderung erleichtert.

Rätselhafter Lebenszyklus

Der Europäische Aal gibt der Wissenschaft noch immer viele Rätsel auf, Forschende arbeiten weiterhin an der künstlichen Nachzucht des Aals. Auch konnte bisher niemand das Laichgeschäft der Tiere im Atlantik beobachten. Die Lebensweise der Larven während ihrer Zeit im Golfstrom zurück nach Europa ist ebenfalls noch nicht entschlüsselt.

In jedem Fall erreichen durchsichtige, weidenblattartige Larven mit dem Golfstrom nach Osten verdriftet nach etwa zwei bis drei Jahren die europäischen Küsten. Sie entwickeln sich dort zu Glasaalen. Gelingt es ihnen, die Flusssysteme hinaufzuziehen, werden die kleinen Glasaale durch Pigmentierung dunkel. Die Oberläufe der Flüsse sind ihre Aufwuchsgebiete, die sie nach ungefähr sechs bis zwölf Jahren als erwachsene Aale verlassen, um wieder über die Nordsee quer durch den Atlantik zum Laichgebiet zu wandern.

Aalbesatzaktion 2026
Die Glasaale sind bis zu 8 cm lang und finden in der Elbe, den Altarmen und Nebengewässern Jeetzel und Krainke gute Aufwuchsbedingungen. Stefan Feichtinger
Die Bestände des Europäischen Aals sind überall in Europa seit Jahrzehnten erheblich zurückgegangen, wobei aktuell für einige Gewässer ein leichter Aufwärtstrend in der Bestandsentwicklung beobachtet werden kann. Für den Rückgang der Aalbestände kommen verschiedene Faktoren zusammen, darunter klimatische Veränderungen, die Fischerei, Parasiten, natürliche Feinde wie die Vogelart Kormoran sowie Wasserbauwerke, die die natürliche Wanderungsbewegung der Aale stören bis vollständig verhindern.

Engagement für den Aalbestand

Die Kosten der Besatzaktion 2026 liegen bei 40.000 Euro. Hiervon werden 60 Prozent vom Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) sowie vom Land Nieder-sachsen getragen. Den verbleibenden Eigenanteil von 40 Prozent erbringt der Verein für Fischerei- und Gewässerschutz im Landkreis Lüneburg (VFGL e.V.), dessen regionale Akteurinnen und Akteure sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für die fischereilichen
Belange an der Elbe engagieren.

Aalbesatzaktion 2026
Nach sechs bis zwölf Jahren verlassen die Aale ihre Aufwuchsgewässer über die Nordsee quer durch den Atlantik zu ihrem Laichgebiet. Stefan Feichtinger
Zur Bestandssicherung des Aals hat die Europäische Union 2007 eine Aal-Verordnung erlassen. Jeder Mitgliedsstaat erstellte Managementpläne und setzt diese seither um – mit dem Ziel der Wiederauffüllung des Aalbestandes. Neben Niedersachsen setzen auch andere Länder des Elbeeinzugsbereiches Besatzmaßnahmen mit Jungaalen um. Die Erfolge aller Maßnahmen und der zurückliegenden Besatzaktionen werden sich erst in einigen Jahren zeigen.

 

 


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