Expertinnen und Experten diskutieren Markttrends, Investitionen und Zukunftsstrategien – Mehr als 200 Teilnehmende an etabliertem Fachformat in Verden
Dirk Albers, Fachreferent Rinderzucht und Rinderhaltung, moderierte das Fachgespräch Rindermast in Verden.Christopher HanraetsVerden – In welche Richtung entwickelt sich der Rindfleischmarkt? Welche Investitionen sind für Rindermäster/-innen sinnvoll? Um diese Fragen ging es beim Fachgespräch Rindermast, zu dem die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) gemeinsam mit der Masterrind GmbH am 05. März in die Niedersachsenhalle in Verden eingeladen hatten. Mit rund 200 Teilnehmenden vor Ort sowie rund 30 Teilnehmenden, die Fachveranstaltung aufgrund hoher Anmeldezahlen online verfolgten, war das Fachgespräch Rindermast bestens besucht.
Dass der Rindfleischmarkt derzeit großen Veränderungen unterworfen ist, darauf ging LWK-Vizepräsidentin Dagmar Heyens in ihrem Grußwort ein. Die stetig steigenden Anforderungen an die Rinderhaltung hätten neben dem normalen Strukturwandel dazu beigetragen, dass viele Betriebe die Arbeit eingestellt hätten und die Zahl der Rinder in Deutschland deutlich zurückgegangen ist. Die Rindermast ist recht kleinstrukturiert und findet häufig in Altgebäuden statt. Betriebe, die weiterhin als Rindermäster aktiv sein wollen, müssten investieren, um den Forderungen nach mehr Tierwohl gerecht zu werden. Der Verbrauch von Rindfleisch sei bisher aber relativ stabil. Aber auch hier stellt sich die Frage, wie sich die Verzehrgewohnheiten entwickeln und was Verbraucher/-innen bereit sind für hochwertige Lebensmittel zu bezahlen. Wie sich das Freihandelsabkommen Mercosur auf den europäischen und deutschen Rindfleischmarkt auswirkt, bleibe abzuwarten. Bereits heute kann der inländische Bedarf an hochwertigen Rindfleischteilstücken nicht gedeckt werden, was zu mehr Importen führt.
Zum Thema Mehrkosten der Haltungsstufen referierte Anton Berentzen. Er befasste sich damit in seiner Master-Arbeit. Weitere Informationen zu den Inhalten des Vortrags folgen nach Veröffentlichung der Arbeit auf der Website der BOKU Wien und zusammengefasst auf der Website der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Strategien am Rindfleischmarkt
Dirk Albers (LWK, von links), Deike Harms (Westfleisch), Till Antonio Stahl (Rewe Group) und Gunnar Rohwäder (Tönnies Rind) diskutierten Strategien auf dem Rindfleischmarkt.Christopher HanraetsEinblick in den Rindfleischmarkt gaben Till Antonio Stahl von der REWE Group, Gunnar Rohwäder von Tönnies und Deike Harms von Westfleisch. Laut Stahl will die Rewe Group bis Ende 2030 das gesamte Eigenmarken-Frischfleisch mindestens in Haltungsform 3 anbieten und setzt dafür auf dauerhafte Kooperationen. Derzeit gebe es jedoch beim Rindfleisch einen Mengenrückgang und die Verbraucher/-innen griffen aufgrund des hohen Preises eher zum günstigeren Schweinefleisch. Auch Deike Harms sieht aufgrund der derzeit hohen Preise einen Rückgang bei der Rindfleischnachfrage. Das führe dazu, dass Verbraucher/-innen bewusster genießen. Die gleiche Beobachtung machte auch Gunnar Rohwäder: Verbraucher/-innen hielten sich aufgrund hoher Preise zurück, Rindfleisch gelte aber als Qualitätsprodukt, das man sich gönne. Rindfleisch habe aber eine Zukunft, auch deshalb investiere Tönnies an allen Standorten. Er glaube aber nicht, dass Haltungsform 3 zum neuen Standard werde. Einig waren sich alle, dass das Mercosur-Abkommen nur einen sehr geringen Einfluss auf die Marktentwicklung haben werde.
Reaktionen aus dem Viehhandel
Dr. Harm Böckmann (Masterrind) und Sophia Krone (Raiffeisen Viehverbund) zeigten auf, wie der Viehhandel auf Marktentwicklungen reagiert.Christopher HanraetsSophia Krone von der Raiffeisen Viehverbund eG (RVV) und Dr. Harm Böckmann von der Masterrind GmbH berichteten über die Zusammenführung des Großviehgeschäfts beider Unternehmen. Man werde nicht als reiner Viehhandel auftreten, sondern biete einen Rundum-Service an. Dazu gehöre beispielsweise auch eine umfangreiche Beratung der Landwirtinnen und Landwirte, ob und welche Möglichkeiten es für die jeweiligen Betriebe gibt auf Haltungsform 3 umzusteigen.
Da das Unternehmen die gesamte Schlachtviehmenge bündele und aufgrund seiner Größe mit nahezu allen Schlachthöfen zusammenarbeite, hätten Landwirtinnen und Landwirte allein aufgrund der großen Mengen eine gute Verhandlungsposition. Da aufgrund der Debatte um die Anbindehaltung in Süddeutschland die Verfügbarkeit von Kälbern in den nächsten zehn Jahren unsicher sei, werde zudem ein neues Kälberzentrum geplant. Sophia Krone wies zudem darauf hin, dass sich die Rindermäster ab 2027 auf Änderungen in den höheren Haltungsformen wie sie z.B. von der Initiative Tierwohl beschlossen werden, einstellen müssen, auch wenn die beteiligten Gremien über die konkrete Ausgestaltung noch nicht final entschieden haben. In Reaktion auf die bevorstehenden Entwicklungen sei der Plan der Masterrind, langfristig die Wertschöpfungskette neu aufzustellen.
Neubau Bullenmaststall – eine lohnende Investition?
Inken Rörup (LWK) rechnete vor, ob sich die Investition in einen Neubau eines Bullenmaststalls lohnt.Christopher HanraetsInken Rörup, Außenstellenbeauftragte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Verden, stellte in ihrem Vortrag klar, dass pauschale Aussagen zur Wirtschaftlichkeit eines Neubaus in der Bullenmast nicht möglich sind – eine einzelbetriebliche Prüfung sei zwingend notwendig, da unzählige betriebliche Variablen die Rentabilität beeinflussen. Zwar zeigen aktuelle Berechnungen, dass alle betrachteten Verfahren unter den derzeitigen Marktbedingungen ein Verlustgeschäft darstellen, dennoch bleibe vor allem der Fresserpreis der entscheidende Faktor über Gewinn oder Verlust. Rörup betonte, dass auch unkonventionelle betriebliche Ansätze sinnvoll sein können und bei Investitionsentscheidungen mitgedacht werden sollten. Gleichzeitig warnte sie davor, die Agrarinvestitionsförderung (AFP) als Hebel zur Rentabilität einzusetzen. Das Bauvorhaben müsse sich in der Planung auch ohne Förderung rentieren.
Umstellen auf Haltungsform 3?
Wilfried Naue (LWK) ging der Frage nach, ob es angesichts der zu Ende gehenden Übergangsfristen der Mastrinderleitlinie lohnt, in HF3 zu investieren.Christopher HanraetsWilfried Naue (LWK Niedersachsen) stellte in seinem Beitrag die wichtigsten Änderungen der niedersächsischen Mastrinderleitlinie vor, deren Übergangsfristen im Jahr 2030 enden. Er erläuterte die damit festgelegten, steigenden Mindestanforderungen an Platzbedarf und Liegeflächengestaltung und stellte diese den aktuell diskutierten Anforderungen bei einer Teilnahme an Programmen wie der Initiative Tierwohl (z.B. Scheuerbürsten, Laufhof und Einhaltungszeiträume Übergangsfristen) gegenüber. Naue zeigte auf, dass die Anforderungen der höheren Haltungsform 3 für Betriebe künftig eine strategische Option darstellen können. Anhand von betriebswirtschaftlichen Beispielberechnungen verdeutlichte er, wie sich unterschiedliche Platzkapazitäten und Zuschläge auf die Rentabilität auswirken. Naue schloss mit dem Hinweis, dass zahlreiche Betriebe in Niedersachsen derzeit noch unter den zukünftigen Mindestflächen liegen und daher zeitnah Entscheidungen über Modernisierung oder Umbau treffen müssen.
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