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Kosten senken mit mehr Protein durch Rotklee und Luzerne

Webcode: 01045253

Futter in guter Qualität und Quantität lässt sich durch Leguminosengras erzielen, wenn die für den Standort geeigneten Leguminosen in Mischung angebaut werden. Der Rotklee ist für den Anbau im Norden besser geeignet als Luzerne. Als robuste Leguminose zeichnet sich Rotklee durch seine gute Massebildung aber auch durch seinen guten Futterwert aus. 
Lesen Sie mehr über die Saatvorbereitung, die Sorten- und Mischungswahl und Nutzung.
 

Mit weniger Betriebsmittel- und Kosteneinsatz trotzdem das Betriebsergebnis verbessern, gelingt im Futterbau am besten mit mehrjährigen Kulturen und unter Einbindung von feinkörnigen Leguminosen. Die jährliche Feldbestellung und damit verbundene Ansaatrisiken entfallen bei mehrjährigen Ackerfuttersystemen. Durch die Einbindung von Leguminosen in den ansonsten Gras basierten Ackerfuttersystemen lässt sich zudem der Bedarf an Düngemitteln deutlich reduzieren. Der Vorteil ist aber nicht nur in der Kostenersparnis bei dem Zukauf an Mineraldüngern zu sehen, sondern vor allem im Anstieg des Proteinertrages. Nur über einen gewissen Anteil an Leguminosen im Bestand ist ein akzeptabler Rohproteingehalt über alle Aufwüchse absicherbar. Zudem ist die Beikraut unterdrückende Wirkung in der Fruchtfolge durch Kleegrasanbau als weiterer Vorteil zu benennen, vor allem für den ökologischen Landbau.
Dem Futterbauer muss es lediglich gelingen, Leguminosen in Mischbeständen oder auch in Reinsaat von Anfang an, gut zu etablieren und hohe Ertragsanteile während des Nutzungszeitraumes auch zu halten.

Die nachfolgenden Ausführungen befassen sich vor allem mit Rotklee und Luzerne, da sie im mehrjährigen Ackerfutterbau die größte Bedeutung haben. 

Rotklee und Rotkleegras
Das maritime Klima im Norden von Niedersachsen kommt dem Rotklee im Hinblick auf Niederschlagsbedarf (mindestens 550 mm pro Jahr) und Temperatur (maximal 25 °C) sehr entgegen. Der Anbau von Rotklee und Rotkleegras ist hier besonders zu empfehlen. Wie andere Kleearten verträgt der Rotklee keine Staunässe, doch für den Rotklee wirkt sich ein relativ hoher Grundwasserstand (< 0,8 m) positiv auf das Gedeihen aus. Rotklee gilt als anspruchsarm und gedeiht nahezu auf allen Böden außer auf Moor und leichten Sandstandorten. 

Luzerne und Luzernegras
Anders verhält es sich mit der Luzerne. Ihre Ansprüche in Bezug auf das Klima, den Boden und der Nutzung sind hoch. Die wärmebedürftige Luzerne bevorzugt sommerwarme Gebiete bei einer Jahresmitteltemperatur über 8,5 °C. Auf tiefgründigen, leicht erwärmbaren und wasserdurchlässigen Böden mit nahezu neutralen pH-Werten entwickelt sich Luzerne am besten. Infolge der tiefreichenden Durchwurzelung (Pfahlwurzel und Wurzelnetz) werden Trockenperioden in aller Regel gut überstanden. Ihr Wasserbedarf ist folglich nicht so hoch wie für Rotklee.  
Für eine gute Entwicklung der Luzerne muss der Boden-pH-Wert passen und bevorzugt neutraler Natur sein. Eine systematische Kalkung wird empfohlen, damit auf unseren Böden in Niedersachsen die Versorgungsstufe C gesichert ist. Werden die in Tabelle 1 (siehe Dateianhang) angegebenen Mindest-pH-Werte der Standorte nicht erreicht, ist der Luzerneanbau als unsicher zu betrachten. Eine Keimbettkalkung auf die Herbstfurche wirkt sich im Allgemeinen bei flacher Einarbeitung positiv auf die Jugendentwicklung aus.
Den Ansprüchen der Luzerne an Klima und Standort wird eher der südöstliche und südliche Raum von Niedersachsen gerecht.  

Ackerfutterbau
AckerfutterbauDr. Christine Kalzendorf
Wesentliches zum Anbau
Unabhängig davon, welche der beiden Leguminosen in Reinsaat oder in Mischung angebaut werden, sollte man sich im Vorfeld Gedanken über den Einbau in die Fruchtfolge, das Saatverfahren, den angestrebten Nutzungszeitraum, die Auswahl der Mischung und die Düngung machen.
Sowohl Rotklee als auch Luzerne sind mit sich selbst und den meisten anderen Leguminosen unverträglich. Für Leguminosengras sind Anbaupausen von mindestens drei bis vier Jahren erforderlich. Reinbestände benötigen noch längere Anbaupausen von mindestens 5 Jahren. Falls Krankheiten wie Kleekrebs oder Luzernewelke auftreten, verlängert sich die die Wartezeit innerhalb der Fruchtfolge (über 6 Jahre).
Eine flache Saat in einen gut abgesetzten, lockeren Oberboden ist maßgebend für einen gleichmäßigen Aufgang der Feinsämereien. Das Walzen nach der Saat verbessert den kapillaren Wasseranstieg und fördert die Keimung. Zur Unkrautbekämpfung sind keine geeigneten Herbizide vorhanden, denn nahezu alle Pflanzenschutzmittel schädigen auch Leguminosen. Vor dem Hintergrund sollte vor der Saat eine intensive Unkrautbekämpfung erfolgen. 

Die Saat ist ab April bis Ende Juli möglich, unabhängig davon, ob es sich um Reinsaaten der Leguminosen oder Gras-Leguminosengemenge handelt. Wichtig ist, dass sich die Leguminose im Ansaatjahr gut etablieren kann, um damit eine hinreichende Winterfestigkeit zu erlangen. Vor dem Hintergrund sind frühe Ansaaten zu bevorzugen. Bei wüchsigen Witterungsbedingungen sind Blanksaaten sinnvoll. Es sind jedoch die langsame Anfangsentwicklung der Leguminose und mögliche Witterungsextreme in diesem Zeitraum zu berücksichtigen. In der Praxis wird deshalb zunehmend eine Saat unter Deckfrucht vorgenommen (Tabelle 2 - siehe Dateianhang), da für dieses System die Vorteile überwiegen. Unter wüchsigen Bedingungen liefert die Deckfrucht selbst und in kurzer Zeit von bereits 5 bis 7 Wochen frisches Futter. Sie wirkt dem Unkrautaufkommen entgegen und bietet den jungen Gras-Leguminosensaaten in der Anfangsentwicklung Schutz vor Austrocknung durch zu intensive Sonneneinstrahlung.
Als Deckfrucht wird in der Praxis oft Grünhafer verwendet. Die Deckfrucht ist zuerst mit einer Ablagetiefe von etwa 4 cm bei einer Saatstärke von 40 – 60 kg/ha zu drillen. Im Anschluss erfolgt die Saat der Feinsämereien mit möglichst flacher Ablagetiefe (1 cm). Nach der Mahd des Grünhafers kann sich nunmehr die junge Leguminose bzw. das junge Leguminosengras entfalten. 

Reinsaat oder Mischungen
Wenn besonders viel Wert auf hohe Proteinerträge gelegt wird, sind die Leguminosen bevorzugt in Reinsaat anzubauen. Die physiologische Reife und damit der optimale Schnittzeitpunkt orientieren sich allein an der Leguminose. Der Proteingehalt im Futter hat bereits vor der Knospe das Maximum erreicht. Zu beachten ist hier aber: Das junge Futter zeichnet sich nicht nur durch hohe Protein-, sondern auch relativ geringe Trockensubstanzgehalte aus. Beides wirkt sich auf die Silierung erschwerend aus. Zudem muss der Anbau hinsichtlich hoher Bestandeszahlen (Pflanzen/m²) gelingen. 
Wenn bislang kaum Erfahrungen mit dem Anbau von Rotklee und Luzerne in Reinsaat vorliegen, ist zu empfehlen, den Anbau zunächst auf kleiner Fläche zu testen und dem Gemenge zwischen Gras und Leguminosen den Vorzug zu geben. Sollten sich dann die Leguminosen nicht hinreichend entwickeln, gleichen die Gräser diese Lücke aus. Dieser Vorteil der Leguminosengrasmischung ist auch dann gegeben, wenn durch Nutzungsfehler oder widrige Witterungsbedingungen die Leguminosenanteile zurückgehen. Der Mischanbau verbessert zudem die Silierfähigkeit des Futters, da sich das Verhältnis zwischen Eiweiß- und Zucker ausgewogener gestaltet. Für die Mischung spricht auch die dichtere Narbe, die durch die Grasanteile bewirkt wird. Es mindert sich damit der Schmutzeintrag. Ob der Anbau in Reinsaat oder Mischung erfolgt, ist letztendlich eine einzelbetriebliche Entscheidung. Für das Abwägen sind die Zielsetzungen des angestrebten Futterwertes entscheidend, aber auch die Vor- und Nachteile für die eine oder andere Anbauvariante. 

Sortenwahl
Vor dem Saatgutkauf sollten Sie stets die angebotene Ware genauer beleuchten. Orientieren Sie sich dabei an den Sortenempfehlungen der nordwestdeutschen Landwirtschaftskammern, welche dem Ackerfutterfaltblatt „Qualitätsstandard Mischungen für den Ackerfutterbau 2025/26“ zu entnehmen ist (Webcode 01044843). Speziell für den Rotklee sind hier nur die Sorten empfohlen, wenn sie bestimmte Kriterien hinsichtlich Ausdauer und Ertrag erreichen und sie eine geringe Anfälligkeit für Kleekrebs sowie Stängelbrenner besitzen. 
Aufgrund der begrenzten Saatgutverfügbarkeit werden für die Luzerne hingegen alle Sorten empfohlen, die in Deutschland durch das Bundessortenamt zugelassen sind. Achten Sie deshalb bei dem knappen Angebot vor allem auf eine mit Knöllchenbakterien beimpfte Saatgutware und auf die Angaben des Bundessortenamtes zu Krankheitsresistenzen. Tritt beispielsweise bei der Luzerne die Welkekrankheit auf, kann das zu Totalausfällen führen.  
  
Grund- und Stickstoffdüngung
Eine gute Entwicklung von Leguminosen ist nur bei optimaler Nährstoffversorgung gegeben. Phosphor, Kalium und Magnesium sind als Grundelemente für das Gedeihen wesentlich. Hier sollte die Nährstoffversorgung in der Gehaltsklasse C liegen. Der Kalidünger ist bevorzugt mindestens drei Wochen vor der Saat auszubringen und einzuarbeiten, denn beide Leguminosenarten reagieren gegenüber Kalisalzen empfindlich. Wie schon erwähnt, ist gleichfalls dafür Sorge zu tragen, dass der Kalkgehalt im Optimum für die jeweilige Bodenart liegt.  Eine rechtzeitige Einarbeitung des Kalkes vor der Aussaat hat die größte Wirksamkeit, um auf den Boden-pH-Wert regulierend einzuwirken. 
Von Bedeutung für den erfolgreichen Leguminosenanbau ist zudem eine ausreichende Schwefelversorgung. Insbesondere, wenn die Gabe schwefelhaltiger N-Dünger reduziert wird, sollte eine zusätzliche Gabe eines schnellverfügbaren Schwefeldüngers bis zur Höhe von 30 -40 kg S/ha eingeplant werden. Weitere Ausführungen zur Schwefeldüngung von Leguminosen finden sich auch auf der Homepage der LWK Niedersachsen unter dem Webcode 01041637

Hohe Ansprüche haben Rotklee und Luzerne auch an Molybdän. Zudem kann Bor auf das Gedeihen der Luzerne förderlich wirken. Ein schwacher Wuchs und Aufhellungen der jungen Pflanze können Indizien für Mangelerscheinungen von einem der beiden Mikronährstoffe bei gleichzeitig unzureichender Entwicklung der Knöllchenbakterien sein. 
Leguminosen sind in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu erschließen. Die N-
Fixierungsleistung ist bei der Düngung im Rahmen der Düngebedarfsermittlung zu berücksichtigen und ein N-Abzug vom N-Bedarfswert vorzunehmen. 
Reine Leguminosenbestände bedürfen keiner N-Düngung. Lediglich auf N-armen Böden stellt eine N-Startgabe zur Saat von 30 – 50 kg N/ha eine Ausnahme dar, um die Anfangsentwicklung zu unterstützen.
Bei Grasleguminonsenbeständen steht die N-Düngung in Abhängigkeit von den Leguminosenanteilen im Bestand. Das in Tabelle 3 (siehe Dateianhang) dargestellte Beispiele zur N-Düngebedarfsermittlung macht deutlich, dass (1) zunächst Gülle gut verwertet werden kann, (2) sich der Mineraldüngereinsatz mit zunehmenden Leguminosenanteilen deutlich reduzieren lässt und (3) damit Ausgaben gemindert werden. Letzteres wirkt sich besonders bei hohen Düngemittelpreisen aus. 

Bewirtschaftung
Um hohe Erträge zu erzielen, ist eine optimale Bestandesdichte eine wesentliche Voraussetzung. Saat- und Aufwuchsbedingungen stellen dafür eine erste und grundlegende Maßnahme dar. 
Als Pfahlwurzler breiten sich Rotklee und Luzerne auf der Fläche nicht mehr weiter aus. Jeder Ausfall einer einzelnen Pflanze ist mit Ertragsverlust, mit Fehlstellen und mit dem Einwandern von Unkraut verbunden. Ein an die Standortbedingungen angepasstes Bewirtschaftungskonzept dieser Leguminosen ist deshalb von besonderer Bedeutung. Insbesondere im Saatjahr sind ein paar spezielle Regeln zu beachten. Droht ein Verunkrauten und damit ein Überwachsen der jungen Pflanzen, so kann diesem nur mit einem Schröpfschnitt begegnet werden. Das Schneidwerk ist dabei so hoch einzustellen, dass nur das Unkraut erfasst wird.

Vor allem die Luzerne ist eine sehr empfindliche Futterleguminose. Jedes Überfahren beschädigt den Wurzelkopf und führt zu Pflanzenverlusten. Es sind daher von Anfang an Fahrspurgassen zu nutzen. Das gilt es auch bei der Ernte für die Transportfahrzeuge zu beachten. 
Die erste Schnittnutzung der Luzerne sollte frühestens 75 Tage nach der Saat oder zu Beginn der Blüte erfolgen. In dem Zeitraum entwickelt sich die Pflanze nicht nur ober-, sondern auch unterirdisch. Es ist von Vorteil, die Wurzelbildung in diesem Zeitraum nicht zu stören, denn diese ist zunächst für die Überwinterung der Pflanze von Bedeutung und später auch zur Überdauerug von Trockenheitsphasen. 
Im Allgemeinen wird sowohl für das Ansaatjahr als auch für die nachfolgenden Nutzungsjahre empfohlen, zwischen dem letzten und vorletzten Schnitt eine etwa 50-tägige Nutzungspause einzulegen. Diesen Zeitraum benötigt die Luzerne zur Reservestoffeinlagerung. Wird diese Ruhephase nicht beachtet, wirkt sich das nachteilig auf die Bestandesdichte und Leistung aus. 

Prinzipiell ist der Rotklee im Vergleich zur Luzerne die robustere Leguminose. Beachtenswert ist lediglich, dass der Rotklee bei der ersten Nutzung im Saatjahr nicht zur Blüte kommen sollte. 
Junge Rotkleepflanzen reagieren gegenüber Radschlupf zwar nicht so empfindlich wie Luzerne, doch kann auch das Überfahren bei vorangegangen witterungsbedingten Stressbedingungen zu Schäden führen. Ernte- oder auch Düngungsmaßnahmen sollten daher möglichst bei guter Befahrbarkeit der Flächen erfolgen.  

Bei der Mahd ist auf angemessene Schnitthöhen von etwa 8 cm zu achten. Ein zu tiefer Schnitt schädigt den oberirdischen Wurzelstock, reduziert den Wiederaustrieb und damit die Bestandesdichte.

Wir fassen zusammen
Rotklee und Luzerne sind Garanten für viel Protein im Futter, wenn eine Mahd vor der Blüte erfolgt. 
Für den Anbau in Reinsaat müssen die Klima- und Standortbedingungen gut passen. 
Erste Erfahrungen sollte man bevorzugt mit dem Gemenge von Gras und Leguminosen sammeln. 
Hohe Leguminosenanteile erreicht man durch eine moderate mineralische N-Düngung ohne Verzicht auf organische N-Gaben.
Leguminosen-Gras stellt unter Einrechnung des Fruchtfolgewertes eine sehr kostengünstige Möglichkeit zur Erzeugung proteinreichen Grundfutters dar. 

Kleegras bringt für die Fütterung viele Vorteile
Das Futter zeichnet sich aus:

  •  durch hohe Gehalte an Kalzium und Magnesium
  •  gute Futterakzeptanz/ Schmackhaftigkeit
  •  hohe Passagerate
  •  Anregung der Passagetätigkeit