Im Februar 2026 traf sich der Arbeitskreis Unternehmensführung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu seiner traditionellen Seminarwoche in der Nähe von Hamburg. Unter dem Leitmotiv „Zwischen Subventionen und Silicon Valley – Wo steht die Agrarbranche?“ wurden in der Seminarwoche aktuelle Entwicklungen, strategische Fragen und Zukunftstrends der Landwirtschaft diskutiert.
Die Seminarwoche begann mit einer Betriebsbesichtigung auf Gut Wulksfelde, einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb mit Direktvermarktung. Anschließend wurden Seminarhotel die neuen Organisatorinnen des Arbeitskreises Laura große Rebel und Sina Reinken sowie weitere neue Gesichter in der Runde vorgestellt. Danach gab Ruth Beverborg von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen einen Überblick über die Einkommensentwicklungen sowie Besonderheiten des zuletzt ausgewerteten Wirtschaftsjahres 2024/25. Im Rückblick auf die vergangenen 10 Wirtschaftsjahre konnte festgestellt werden, dass die Futterbaubetriebe in 5 der 10 Jahre am erfolgreichsten abschnitten, gefolgt von den Marktfruchtbetrieben und den Veredelungsbetrieben.
Analyse, Betriebsentwicklung und Zukunftstechnologien
Am Dienstag standen intensiv die BZA Analysen, Benchmarks und die Auswertung der gegenseitigen Betriebsbesuche im Mittelpunkt. Fachvorträge zur Pachtpreiskalkulationen, rechtlichen Rahmenbedingungen und ökonomischen Trends in der Schweinehaltung boten wertvolle Impulse. Politik und Lebensmitteleinzelhandel treiben die Transformation in höhere Haltungsstufen voran – schneller, als viele Betriebe wirtschaftlich mithalten können. Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz wird ausgeweitet und neue ITW Programme erhöhen die Anforderungen. Gleichzeitig kommt es zu einer deutlichen Konzentration in der Wertschöpfungskette und zu komplexen Handelsbeziehungen, die Betriebe vertraglich stärker binden.

Kapitalmarkt, Genossenschaften und Digitalisierung
Der Mittwoch startete mit einem Impulsvortrag zur Kapitalmarktstrategie und Altersvorsorge. Landwirtinnen und Landwirte erhalten eine verhältnismäßig geringe Rente aus der Landwirtschaftlichen Alterskasse. Ein zusätzlicher langfristiger Vermögensaufbau kann mit einer klaren, einfachen und konsequent verfolgten Anlagestrategie – insbesondere in ETFs – gelingen, so Christian Solle von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Wer breit gestreut investiert, regelmäßig spart und kurzfristige Marktschwankungen ignoriert, kann den Zinseszinseffekt optimal nutzen.
Es folgte ein Austausch über Genossenschaftsmodelle in der Landwirtschaft. Die Genossenschaft als Rechtsform könne Unternehmern strategische Vorteile durch steuerliche Entlastung, den Schutz des Vermögens und eine hohe Flexibilität in der Gestaltung bieten. Zwei Betriebe konnten bereits über Erfahrungen im Genossenschaftsmodell berichten. Am Nachmittag präsentierten Teilnehmende praxisnahe Beispiele zu digitalen Helfern im Betriebsalltag. Fachbeiträge zu den betriebswirtschaftlichen Auswirkungen unterschiedlicher Melksysteme, der Maisproduktion im Futterbau, unterschiedlichen Betriebsplanungen und bodenverbessernden Maßnahmen rundeten den Tag ab.
Workshops: Energie, KI, Immobilien und betriebliche Zukunftsstrategien
Der Donnerstag bot ein breites Workshop Programm: Stromspeicher im landwirtschaftlichen Betrieb, Chancen und Risiken von KI in der Nutztierhaltung sowie Immobilien als Kapitalanlage. Stromspeicher, so Helmut Wahl von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, können den Eigenverbrauch deutlich steigern und Energiekosten im Betrieb senken, rechnen sich aber nur, wenn Speichergröße, PV-Leistung, Verbrauchsprofil und Förderbedingungen exakt zusammenpassen. Eine pauschale Wirtschaftlichkeit gibt es nicht – jeder Betrieb muss sein Lastprofil und seine PV Erzeugung detailliert prüfen. Weitere Potenziale stecken in der Nutzung von KI in der Nutztierhaltung – etwa durch Früherkennung, bessere Datenanalyse und Prozessoptimierung. Eine KI ersetzt aber weder biologisches Verständnis noch den klinischen Blick des Menschen. Sie liefert Wahrscheinlichkeiten, keine Sicherheiten und bleibt abhängig von Datenqualität, Sensorik und der verantwortlichen Beur-teilung durch den Menschen. Anschließend erarbeiteten die drei Gruppen intensiv betriebliche Entwicklungsstrategien für ausgewählte Betriebe innerhalb der Arbeitsgruppen.
Agrarpolitik, Steuern und Ausblick
Dr. Holger Hennies, Präsident Landvolk Niedersachsen Landesbauernverband e.V. und ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis Unternehmensführung, gab einen aktuellen und spannenden Einblick in die Agrarpolitik. Anschließend folgten steuerliche Optimierungsansätze für die Unternehmensführung. Aktuelle steuerliche Änderungen, die landwirtschaftliche Betriebe strategisch beeinflussen, bestehen insbesondere in der überarbeiteten steuerlichen Tierbewertung, Einzelheiten in der Umsatzsteuerpauschalierung, der Aktivrente sowie einer möglichen Reform der Erbschaftssteuer, so Steuerberater und Wirtschaftprüfer Daniel Blömer aus Lohne.
Fazit
Die Seminarwoche 2026 zeigte eindrucksvoll, wie breit die Themenpalette in der modernen landwirtschaftlichen Unternehmensführung geworden ist – von betriebswirtschaftlicher Analyse über Digitalisierung bis hin zu Energie und Kapitalmarktaspekten. Der intensive Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden bleibt das Herzstück der Veranstaltung und liefert wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der Betriebe.
Sie haben Interesse an der Arbeitskreisarbeit?
Die Seminarwoche hat erneut gezeigt, wie wertvoll der regelmäßige Austausch im Arbeitskreis ist. Die Arbeitskreise der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bieten Betrieben die Möglichkeit, sich kontinuierlich fachlich weiterzuentwickeln, betriebswirtschaftliche und produktionstechnische Entscheidungen zu schärfen sowie gegenseitig vom Erfahrungsschatz zu profitieren.
Betriebe, die Interesse an der Mitarbeit in einem Arbeitskreis haben, können sich jederzeit an die LWK in ihrer Region wenden. Die Beraterinnen und Berater informieren gern über Inhalte, Teilnahmevoraussetzungen und passende Gruppen.
Bericht: Alina Krüger, Landwirtschaftsreferendarin Landwirtschaftskammer Niedersachsen



















