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Grünlandreifeprüfung - 2. Mitteilung - Ackergras: Ernte beginnt im Westen

Webcode: 01045393

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet im ersten Aufwuchs wöchentlich den aktuellen Entwicklungsstand von ausgewählten Ackergras- und Grünlandstandorten, bekannt als `Grünland-Reifeprüfung´.

Auf leichten Böden der Region Westliches Niedersachsen beginnt die Ernte des Ackergras in KW 17, während die Entwicklung an den anderen Standorten deutlich später ist.

Allgemeine Bedingungen

Derzeit sind, je nach Standort und Niederschlag noch genügend pflanzenverfügbare Reserven (Abbildung 1, DWD 2026) im Boden vorhanden, allerdings werden diese schnell verbraucht sein, wenn das Wachstum mit der Erwärmung von Luft und Böden deutlich zunimmt. Die vom Deutschen Wetterdienst berichteten aktuellen Bodenfeuchten (Abbildung 2, DWD vom 15. April 2026) lassen nur geringe Wachstumsreserven vermuten, wenn Niederschläge über längere Zeiträume ausbleiben sollten, denn die nutzbare Feldkapazität liegt landesweit bei nur < 5 % und wirkt sich je nach Standort und Nähe zum Grundwasser besonders kritisch auf die Frühjahrsvegetation aus.

Abbildung 1 und 2
Abbildung 1 und 2Gerd Lange

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 1: Pflanzenverfügbares Wasser und Abbildung 2: Bodenfeuchte im April

 

 

Standorte der Grünlandreifeprüfung 2026 - aktuallisiert
Standorte der Grünlandreifeprüfung 2026 - aktuallisiertGerd Lange

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 3: Standorte der Reifeprüfung Grünland und Ackergras 2026

Es wird nun in allen sechs Klimaregionen (Abbildung 3) von Niedersachsen die korrigierte Temperatursumme 400 Grad erreicht (Tabelle 1). Die regionalen Unterschiede der Temperatursumme zeigen bis zu eine Woche spätere Entwicklung im nordöstlichen Niedersachsen (16. April) gegenüber den deutlich milderen Regionen Westliches Niedersachsen und Hannover Braunschweig (10. April) auf.

Tabelle 1: Temperatursummen in den Klimaregionen von Niedersachsen 2026

Tabelle 1: Temperatursummen in den Klimaregionen von Niedersachsen 2026
Tabelle 1: Temperatursummen in den Klimaregionen von Niedersachsen 2026Gerd Lange

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die mittleren Tagestemperaturen erreichten in der KW 16 nur 10,5 bis 11,6 °C

 

Stand der Entwicklung

Dauergrünland

Aufgrund der weiterhin eher kühlen Witterung wird zunächst mit nur verhaltenem Wachstum im Dauergrünland gerechnet. Ausnahmen mit deutlich wüchsigen Beständen sind auf jüngere Ansaaten und milde Standortlagen beschränkt.

Erst mit zunehmenden Temperaturen wird auch eine deutliche Erwärmung der weniger günstigen Standorte (z.B. Moore, Marsch) einsetzen und einen deutlichen Wachstumsschub von Gräsern und Leguminosen begünstigen. Auf den leichteren Standorten wird weiterhin mit geringem Wachstum bei Wassermangel gerechnet. 

Ackergrasbestände

Die Ackergrasbestände sind aufgrund ihrer artspezifischen (Welsches Weidelgras) sowie züchterisch bedingter Genetik und allgemein günstiger Standortbedingungen der Ackerböden deutlich wüchsiger als das Dauergrünland. Niederschläge der letzten Tage und Wochen haben das Wachstum der Bestände unterstützt und lassen eine allgemeine Ernte vom Ackergras noch im April erwarten.

Probeschnitte wurden am 14. April von drei Standorten im westlichen Niedersachsen sowie jeweils einem Standort in den Klimaregionen Küste (Otterham), Weser-Leine Bergland (Bad Laer) und Hannover-Braunschweig (Stuhr) genommen und im Institut für Futtermittel der LUFA Nordwest mit der NIRS-Methode hinsichtlich Trockenmasse und Inhaltsstoffe (Tabelle 2) untersucht.

Tabelle 2: Ergebnisse der Probeschnitte vom Ackergras in den Regionen

Tabelle 2: Ergebnisse der Probeschnitte vom Ackergras in den Regionen
Tabelle 2: Ergebnisse der Probeschnitte vom Ackergras in den RegionenGerd Lange

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entwicklung in den Regionen

In der Region Westliches Niedersachsen (Standorte 18,19) wurden bereits am 10. April die 400 Grad Temperatursumme erreicht (vgl. Tabelle 1). Die mittleren Aufwuchshöhen auf den leichten, humosen Sandböden in dieser Region waren bei 38 (Bawinkel) bis 47 (Wehnen) Zentimeter und die mittleren Erträge mit 44 dt TM/ha (42,8 bis 45,2 dt TM/ha) gut entwickelt. Mit Schnittdatum am 14. April wurden 20,2 bis 20,6 % XF i.TM (Rohfaser) und zwischen 16,9 % (Bawinkel) und 20,9% XP i.TM (Rohprotein) ermittelt. Moderate tägliche Zunahmen der Rohfasergehalte um 0,15 bis 0,2 % XF i.TM erlauben eine frühe Siloernte zum Beginn der 17. KW (20.-25. April).

In der Region Küste wurde ein Welsches Weidelgras am Versuchsstandort Otterham (Nr. 20) unter optimierten Bedingungen bei 32 cm Aufwuchshöhe mit nur 25 dt TM/ha beprobt. Auch die physiologische Entwicklung des Welschen Weidelgras erreicht auf diesem Marschboden noch nicht die gewünschten Werte. Hier konnte der Boden sich nur langsam und spät erwärmen, was sich auf die Entwicklung deutlich auswirkte. Die frühe Siloreife wird auf den Marschböden der Küstenregion erst in der 18. KW erwartet.

Die Ackergrasstandorte in den Regionen Weser-Leine Bergland (Nr. 21) und Hannover-Braunschweig (Standorte 23-24)  sind mit 16,5 bis 18,0 % XF i.TM ebenfalls noch nicht schnittreif und werden auch bei mittleren täglichen Zunahmen der Rohfaser um 0,2 bis 0,3 % XF i.TM noch etwa 10 bis 14 Tage benötigen, um die volle Siloreife zu erreichen, welche in einem Bereich ab 21,0 - 23 % XF i.TM liegen sollte. Die Ertragslage wird sich dann (18. KW) gegenüber den aktuellen Ergebnissen (21,5 bis 35,2 dt TM/ha) der 16. Kalenderwoche besser darstellen, allerdings ist damit eine auch deutliche Abnahme der Rohproteingehalte zu erwarten, die mit 15,3 bis 18,4 % XP i.TM bereits in einem sehr günstigen Bereich liegen und mit zunehmendem Ertrag deutlich absinken können.

In der kommenden Woche (17. KW) werden wir sieben Ackergrasstandorte sowie zusätzlich 19 Bestände Dauergrünland in sechs Klimaregionen beproben und mit den Ergebnissen auch eine erweiterte Prognose zur Entwicklung der Grasbestände durch den Deutschen Wetterdienst in Braunschweig berichten.