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Niedersächsische Küstenfischerei aktuell – 2025/2026

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Nach einigen Jahren mit durchweg schlechten Nachrichten aus der Fischerei hat sich das Bild im Jahr 2025 etwas differenzierter entwickelt. Während die Muschel- und Frischfischfischerei erneut vor großen Herausforderungen standen, konnte die Krabbenfischerei insbesondere in der zweiten Jahreshälfte ausgesprochen gute Umsätze erzielen und sich damit wirtschaftlich etwas Luft verschaffen. 

Kutter
KutterPhilipp Oberdörffer

Muschelfischerei: Anhaltender Abwärtstrend

Die drei verbliebenen Muschelfischereibetriebe in den niedersächsischen Küstenhäfen konnten im Jahr 2025 lediglich 876 Tonnen Miesmuscheln für den menschlichen Konsum anlanden. Dies stellt eines der schlechtesten Ergebnisse überhaupt dar. Während derart niedrige Anlandungen in den vergangenen Jahrzehnten meist von guten Jahren eingerahmt waren, ist der Trend seit 2011 anhaltend negativ. Der Rückgang der Fangmengen lässt sich auch nicht mit der Verringerung der Betriebe von vier auf drei erklären, da weiterhin die gleichen Kulturflächen zur Verfügung stehen. Zudem sind die Betriebe auch in anderen Meeresgebieten (Schleswig-Holstein und den Niederlanden) tätig, wo die Entwicklung nicht einheitlich negativ verläuft. Es muss daher spezifische Faktoren in den niedersächsischen Küstengewässern geben, die für die stetig rückläufige Muschelproduktion verantwortlich sind, bislang jedoch nicht verlässlich untersucht wurden.

Zukünftig werden die Betriebe verstärkt auf die Gewinnung von Muschelsaat über ins Wasser eingebrachte Kollektoren setzen, um sich unabhängiger vom natürlichen Saataufkommen zu machen. Dies kann jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn sich die Wachstumsbedingungen für Miesmuscheln insgesamt wieder verbessern.

Frischfischerei: Rückzug aus der klassischen Plattfischfischerei

Die einst klassische Plattfischfischerei mit der Seezunge als Brotfisch wird von Niedersachsen aus immer weniger ausgeübt. Die zur Verfügung stehenden Fangquoten konnten 2025 vielfach nicht ausgeschöpft werden. So wurden die Fangmöglichkeiten für Scholle in der Nordsee nur zu 11 % und die für Seezunge nur zu 37 % genutzt. Dies ist zum einen auf die Verkleinerung der Fangflotte zurückzuführen, zum anderen auf das Verbot der Elektrofischerei, die zuvor mit deutlichen Einsparungen beim Treibstoffverbrauch verbunden war. Auch die Seelachsfischerei in norwegischen Gewässern verlief im Jahr 2025 nur mäßig, da eines der verbliebenen Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum ausgefallen ist. In der Folge blieb ebenfalls gut ein Drittel der Fangquote ungenutzt.

Neue Zielarten: Kaisergranat und Tintenfische

Neben der seit einigen Jahren verstärkt betriebenen Fischerei auf Kaisergranat rücken zunehmend auch Tintenfischarten in den Fokus der Betriebe. Verschiedene Arten wandern vom Ärmelkanal aus in die Nordsee ein und bilden mittlerweile ein wichtiges wirtschaftliches Standbein für die verbliebenen Kutter. Diese Arten sind sehr produktiv und schnellwüchsig, verfügen jedoch über kurze Generationszyklen, was sie anfällig für starke Bestandsschwankungen macht. Die Zukunft dieser Fischerei bleibt daher spannend.

Krabben
KrabbenPhilipp Oberdörffer

Krabbenfischerei: Überraschende Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte

Nachdem die Krabbenfischerei im ersten Halbjahr 2025 äußerst schlecht verlaufen war, verbesserte sich die Situation in den Sommermonaten schlagartig. Während der Fang pro Stunde im März und April bei durchschnittlich 8 kg lag, hatten die Fischer im September und Oktober plötzlich mehr als 50 kg pro Stunde in den Netzen. Die geringen Mengen im Frühjahr ließen trotz extrem hoher Erzeugerpreise von 12–13 €/kg keine auskömmliche Fischerei zu. Im weiteren Jahresverlauf profitierte die Krabbenfischerei davon, dass trotz stark steigender Fangmengen die Erzeugerpreise nur moderat zurückgingen. Bei einer Gesamtanlandung von knapp 10.000 Tonnen (Vorjahr: 4.200 t) konnte die deutsche Krabbenfischerei einen Umsatz von über 60 Millionen Euro erzielen, was gegenüber dem Vorjahr (ca. 29 Mio. €) mehr als einer Verdopplung entspricht.

Flottenstruktur und Transformationsprozess

Ende 2025 waren in Niedersachsen noch 112 Fahrzeuge in der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei gemeldet. Zehn Jahre zuvor waren es noch 132. Seit Ende 2025 läuft zudem ein Bundesprogramm zur Kapazitätsanpassung, dessen Ziel es ist, ein zukunftsfähiges Verhältnis zwischen Flottengröße und Fangmöglichkeiten herzustellen. Im Rahmen des Programms sollen bis Ende 2027 rund 30 % der Krabbenkutter gegen Ausgleichszahlungen stillgelegt werden. Den verbleibenden Betrieben steht ein langwieriger und anspruchsvoller Transformationsprozess bevor, der unter anderem die Erneuerung und Dekarbonisierung der Flotte sowie eine Neuaufstellung der internen Organisation und der Vermarktungsstrukturen umfasst.

Ausblick auf 2026

Die Saison 2026 ist mit auskömmlichen Preisen und durchschnittlichen Fangmengen grundsätzlich vielversprechend gestartet. Gleichzeitig blicken die Fischer jedoch mit Sorge auf die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus, da die Treibstoffkosten im März und April 2026 zeitweise ein Rekordniveau erreicht haben.