Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!

Grünlandreifeprüfung 4. Mitteilung

Webcode: 01045431

Willkommener Niederschlag unterbricht Erntegeschehen
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet im ersten Aufwuchs den aktuellen Entwicklungsstand von ausgewählten Grünlandstandorten für Ackergras und für das Dauergrünland, auch bekannt als `Grünland-Reifeprüfung´.

 

Allgemeine Bedingungen
Die zurückliegenden Tage der 17.-18. Kalenderwoche waren durch ein Hochdruckgebiet mit klaren und recht kalten Nächten in Verbindung mit hoher Sonneneinstrahlung am Tage geprägt. Dadurch bedingt wurden hohe Assimilationsraten und die Anreicherung von Zucker in den Gräsern gefördert. Die trockenen Bedingungen haben ebenfalls dazu beigetragen, dass die Pflanzen ihre Assimilate nicht in das Halmwachstum und die Rohfaserbildung investieren konnten. Dabei wurde die Zunahme der Rohfasergehalte quasi „eingefroren“, so dass aus Sicht der physiologischen `Reife´ keine wesentliche Entwicklung stattfand. Trockenheit führt zu Wuchsdepressionen, womit die Ertragszuwächse ebenfalls abnehmen, jedoch der Gesamtertrag absolut zunächst weiterhin zunimmt.

Stand der Entwicklung
Ackergrasbestände
Vom Ackergras wurden am 27. April von sechs Standorten Proben geerntet und im Institut für Futtermittel der LUFA Nordwest mit der NIRS-Methode hinsichtlich Trockenmasse und Inhaltsstoffe untersucht. Welsches Weidelgras wurde von je zwei Standorten im westlichen Niedersachsen (Wehnen und Stuhr), im Weser-Leine Bergland (Bad Laer, Glandorf) sowie in der Region Hannover Braunschweig (Stuhr, Uetze) sowie von dem Einzelstandort Otterham in der Klimaregion Küste beprobt. Die Ergebnisse aus den Regionen sind in der Tabelle 1 abgebildet.
Es zeigt sich in den Ergebnissen, dass die Bestände immer noch sehr hohe Energiegehalte mt 6,6 bis 6,7 MJ NEL/kg TM aufweisen, jedoch bei stagnierenden Rohfasergehalten (19,1 bis 20,7%  XF i.TM) und deutlich reduziertem Rohproteingehalt (11,3 bis 14,8 % XP i.TM) aufweisen. 
Die Trockenmasseerträge waren dabei mäßig auf den trockeneren Böden im Raum Südheide (Hannover Braunschweig) und hoch (Küste, Weser-Leine Bergland) bis sehr hoch (westliches Niedersachsen) in den besseren Lagen.
  
Zwischenfruchtbestände `Welsches Weidelgras´ wurden weitgehend schon in der 17. KW aber auch in der 18. KW geerntet, um noch Silomais auf derselben Fläche zu bestellen. Die berichteten Startwerte vom 27. April zeigen, dass für diese sehr gute Bedingungen mit günstigen Eiweißgehalten >14 % XP i.TM und bei hoher Energiedichte >6,4 MJ NEL/kg TM gegeben waren und auch noch in der 19. Kalenderwoche hohe Grundfutterqualität vom Ackergras beerntet werden kann. 
In der Tabelle wird auch eine neue Bewertung für die umsetzbare Energie ME (GfE 2023) genannt, welche für Milchkühe neu eingeführt wird. Diese Angabe wurde zum Vergleich für diejenigen aufgeführt, die ihre Milchviehfütterung bereits mit dieser Energiebewertung planen.
Wir beenden hiermit unseren Hinweisdienst 2026 für das Ackergras in den Regionen.


Standorte der Reifeprüfung Grünland 2026
Standorte der Reifeprüfung Grünland 2026Gerd Lange
Entwicklung im Dauergrünland
Die in der Reifeprüfung Grünland beprobten Flächen sind intensiv genutzte und gedüngte, von Deutsches Weidelgras und anderen Dauergrünlandarten bewachsene Standorte auf Praxisflächen. Es werden 17 Standorte in den Regionen untersucht und berichtet. Grünland für die Milchviehfütterung ist in den nördlichen und nordwestlichen Regionen besonders stark vertreten und daher werden hier auch einige Standorte untersucht. 

Die Ergebnisse vom 27. April zeigen eine Streuung der Bestandshöhen von 16 cm bis 30 cm sowie sehr unterschiedliche Trockenmasseerträge (16,7 bis 44,8 dt TM/ha) innerhalb der Regionen. Die Rohfasergehalte sind ebenfalls sehr unterschiedlich und weichen nach unten von den in der Vorwoche ermittelten Werten deutlich ab. 
Die Zuckergehalte sind entsprechend hoch (>20 bis 28 % XZ i.TM) und auch die Rohproteinwerte liegen immer noch auf sehr hohem Niveau (16,7 – 20,7 % XP i.TM). 
Die Ernte der Dauergrünlandbestände wird sich insgesamt über einen Zeitraum von zwei Wochen bis etwa Mitte Mai erstrecken. Einige Flächen wurden bereits mit sehr hohen Energiegehalten und bei sonniger Witterung in der letzten Aprilwoche einsiliert. Wenn die Erntekette und das Silierverfahren aufeinander abgestimmt wurden und alles gut geklappt hat, wurden damit rekordverdächtige Silagequalitäten mit hoher Energiedichte in die Silos gefahren. Die empfohlenen Mindestgehalte Rohfaser wurden dabei zwar nicht erreicht, diese werden nun mit der Erwärmung und willkommenen Niederschlägen in der 19. KW rasch zunehmen, so dass eine Ernte der Grassilage für die Milchviehfütterung nach Abzug der erwarteten Tiefdruckwetterlage bei nächster Gelegenheit anzuraten ist. 

 Die Prognose der Entwicklung wird am Montag, 4. Mai bis zum Ende der 19. KW erfolgen.