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Landessortenversuche 2026: Wintergerste

Webcode: 01045621
Stand: 30.07.2026

Die Ernte der Wintergerste in der Praxis sowie in den Landessortenversuchen in Niedersachsen ist abgeschlossen und es kann Bilanz gezogen werden. Die endgültigen Ergebnisse der Landessortenversuche 2026 bestätigen die Anpassungsfähigkeit der Wintergerste an unterschiedliche Standorte. So führten beispielsweise auf Sandstandorten die Vegetationsbedingungen zu leicht überdurchschnittlichen Erträgen. Die Bewertung der Sorten erfolgte anhand von Ertragsleistung, Resistenzprofil und Strohstabilität und bilden so die Grundlage für eine standortangepasste Sortenempfehlung.

Wintergerste Abreife
Wintergerste in der AbreifeAnne-Kathrin Bartsch

Im Anbaujahr 2025/26 wurden laut INVEKOS-Daten in Niedersachsen auf 160.886 ha Wintergerste angebaut. Damit ist die Anbaufläche im Vergleich zum Jahr 2024/25 um ca. 16.000 ha bzw. 11 % ausgeweitet worden. Die Ausdehnung des Wintergerstenanbaus konnte landesweit beobachtet werden. Am deutlichsten fiel der Anstieg aber auf den leichteren Standorten im Westen und Nordwesten auf. Hier dürfte eine Kombination aus günstigen Aussaatbedingungen im Herbst 2025 sowie die vergleichsweise gute Trockentoleranz der Wintergerste zusammen mit den positiven Effekten in der Fruchtfolgegestaltung die Entscheidung zugunsten dieser Getreideart beeinflusst haben.

 

 

Wintergerstenanbau in der Praxis

Die Aussaat erfolgte vielerorts unter guten Bedingungen, so dass sich die Bestände vor dem Winter optimal entwickeln konnten. Dank der geschlossenen Schneedecke in den Frostphasen waren Auswinterungsschäden die Ausnahme. Lediglich auf Standorten, die bereits im Dezember Staunässe aufwiesen, kam es zu Pflanzenverlusten. Das Frühjahr zeigte sich verhältnismäßig kühl und, wie auch in den vergangenen Jahren, niederschlagsarm. Dieses Wettergeschehen sorgte dafür, dass sich die Bestände verzögert entwickelten. Dies wurde jedoch durch die warme Witterung zum Monatswechsel April/Mai wieder wettgemacht und die Bestände schoben Anfang Mai die Ähren. Die im Mai folgenden Niederschläge kamen auf den meisten Standorten noch rechtzeitig, um die sensible Phase der Blüte und Kornfüllung abzusichern.

Durch die Witterung war der Krankheitsdruck insgesamt moderat. So konnten viele Bestände recht gesund abreifen. Allerdings begünstigten die Niederschläge Ende Mai, Anfang Juni regional vor allem auf stressbelasteten Standorten und in anfälligen Sorten das späte Auftreten von Zwergrost und Ramularia. Netzflecken und Rhychosporium spielten, wenn überhaupt, nur in ausgesprochen feuchten Lagen eine Rolle. Auch führten lokale Unwetter teilweise zu Lager.

Die Ernte verlief in vielen Regionen in zwei Etappen. Nachdem die hohen Temperaturen der letzten Junitage besonders auf leichten Standorten die Abreife der Wintergerstenbestände beschleunigten und somit die ersten Flächen bereits gedroschen wurden, verzögerten Niederschläge und kühlere Temperaturen Anfang Juli die Ernte auf den besser bonitierten Standorten und bei später abreifenden Sorten. Die Erträge und Qualitäten schwanken regional deutlich je nach Standort. Allerdings konnten, anders als in den Vorjahren, in diesem Jahr vor allem auf leichten Standorten mit ausreichender Wasserversorgung leicht überdurchschnittliche Erträge erzielt werden, während die Erträge auf besseren Standorten nur durchschnittlich oder sogar leicht unterdurchschnittlich ausfielen. Die Hektolitergewichte differenzieren ähnlich wie die Erträge und sind vor allem bei früh abgereiften Beständen geringer, im Mittel aber zufriedenstellend.

Bewertung der Landessortenversuche

Die Landessortenversuche (LSV) Wintergerste 2026 wurden in Niedersachsen auf insgesamt 14 Standorten, aufgeteilt in die Anbauregionen Marsch, Lehmböden Nordwest, Sandböden Nordwest, Sandböden Nordhannover, Lehmböden Südhannover und Höhenlage Mitte/West, angelegt. Die Versuche in Niedersachsen präsentierten sich in diesem Jahr weitgehend analog zu den Praxisflächen. Die Versuchsaussaat erfolgte zwischen dem 23. September und 15. Oktober 2025 unter guten Bedingungen und die Entwicklung bis zum Winter verlief gut. Auch in den LSV führten Schnee und Frost nicht zu Schäden.

Nach einer zögerlichen Frühjahrsentwicklung mit sehr geringem Krankheitsdruck erreichten die Versuche das Ährenschieben zwischen dem 3. und dem 20. Mai 2026, wobei sich die Bestände auf den leichteren Standorten erwartungsgemäß zügiger entwickelten als beispielsweise die auf den sich eher langsam erwärmenden Marschstandorte. Die Niederschläge im Mai und Juni sicherten die Bestände, sodass der teilweise zu beobachtende Trockenstress gemindert wurde. Dieser hatte dennoch auf leichten Standorten dafür gesorgt, dass Nebentriebe reduziert wurden, was sich in geringeren Bestandesdichten äußerte. Unwetterereignisse sorgten an einzelnen LSV-Standorten für differenziertes Lager. Dadurch konnte jedoch die Sortenleistung hinsichtlich der Standfestigkeit sicher beurteilt werden. Aufgrund der Witterung traten Krankheiten an den meisten Standorten nur in geringem Maße und spät auf. Somit spiegeln die LSV auch hier das Bild der Praxis wider.

Die Ernte erfolgte zwischen dem 9. und dem 15. Juli 2026 allerorts unter guten Bedingungen. Das Ertragsniveau in den LSV liegt in diesem Jahr im Mittel der Bezugssorten zwischen 70,9 dt/ha auf Sandstandorten und 108,9 dt/ha auf Lehmstandorten. Auch in den LSV-Ergebnissen bestätigen sich die Beobachtungen aus der landwirtschaftlichen Praxis: Die Erträge auf den Sandstandorten fielen in diesem Jahr besser aus als in den Vorjahren, während Marsch- und Lehmstandorte etwas hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Hektolitergewichte, die in den LSV ermittelt wurden, lagen je nach Standort zwischen 60 kg/100 l und 73 kg/100 l.

Sortenbeurteilung

Für die Beurteilung spielen neben der Ertragsleistung auch die Eigenschaften einer Sorte eine wichtige Rolle. Hierbei wird besonderes Augenmerk sowohl auf das Resistenzprofil als auch auf die Strohstabilität gelegt. Gerade die Wahl gesunder Sorten ist ein wichtiger Baustein des integrierten Pflanzenschutzes und somit ein wichtiger Beitrag zu einem nachhaltigen Pflanzenbau. Darum ist auch der Minderertrag einer Sorte in der Stufe 1 (ohne Einsatz von Fungiziden und Wachstumreglern) gegenüber der Stufe 2 (mit einer ortsüblich intensiven Behandlung) ein wichtiges Kriterium für die Empfehlung der Sorten.

Neben dem Netzwerk der Versuchsstandorte in Niedersachsen, das alle Anbauregionen abdeckt, werden zusätzlich für einige Standortgruppen benachbarte Standorte der angrenzenden Bundesländer Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Hessen für eine bessere Aussagekraft der Ergebnisse herangezogen. Dadurch ist es möglich, die geprüften Sorten differenziert für die einzelnen Anbauregionen zu betrachten. Grundsätzlich wird der durchschnittliche Ertrag einer Sorte in einer Region beurteilt, da die Einzelortergebnisse oftmals größeren Schwankungen unterliegen (Tab. 1). Um Jahreseffekte im Ertrag auszugleichen und ein möglichst verlässliches Bild der Leistung zu bekommen, werden jeweils die vergangenen drei Jahre betrachtet. Da dies aber für neuere Sorten noch nicht ohne weiteres möglich ist, werden zusätzlich auch Ergebnisse der Wertprüfungen des Bundessortenamts sowie aus EU-Sortenversuchen über mehrere Jahre verrechnet, so dass auch Sorten im ersten und zweiten Prüfjahr bereits verlässlich beurteilt werden können.

Unter den 17 in diesem Jahr im LSV geprüften Sorten sind 14 mehrzeilige und drei zweizeilige Wintergersten. Erstmalig im LSV vertreten waren die mehrzeiligen Sorten KWS Celtis, SU Lenoria, Agathe (alle im Frühjahr 2026 durch das Bundessortenamt zugelassen) und Charmant (Zulassung 2025) sowie die Hybride SY Colyseoo (ebenfalls 2025 zugelassen). Insgesamt wurden drei Hybriden geprüft. Im Segment der zweizeiligen Sorten hat LG Cascade (Zulassung 2026) ihr ersten Prüfjahr absolviert. Da sich die Sorten in ihren Eigenschaften und ihrer Anbaubedeutung unterscheiden, wurden auch in diesem Jahr nicht alle Sorten an jedem Standort geprüft.

Alle geprüften Sorten tragen mindestens die Gelbmosaikvirusresistenz (GMV) Typ 1. Die Sorten Julia, KWS Chilis, SU Lenoria, SU Hetti und Charmant haben zusätzlich die Resistenz GMV Typ 2. Die Sorten KWS Chilis, Integral und KWS Exquis besitzen außerdem ein Resistenzgen (Ryd 2) gegen das Gerstengelbverzwergungsvirus. Diese Resistenz scheint allerding in diesem Jahr keinen besonderen Vorteil gebracht zu haben, da besonders die beiden letztgenannten Sorten ertraglich eher unterdurchschnittlich abschnitten; ohne Befallsdruck zeigt sich der genetische bedingte Ertragsunterschied der Sorten mit Ryd2 deutlich. Diese Beobachtung passt zu der Einschätzung, dass im Herbst 2025 das Infektionsrisiko mit dem Gerstengelbverzwergungsvirus zwar erhöht war, die tatsächliche Infektionssituation aber regional sehr unterschiedlich ausfiel, je nach Aussaatzeitpunkt, Blattlauszuflug und Witterung. Neben dem ertraglichen Aspekt bietet die Resistenz den Vorteil, dass auf den Insektizideinsatz im Herbst verzichtet werden kann.

Empfohlene mehrzeilige Sorten

Die Sorte Julia bleibt auch in ihrem fünften LSV-Jahr das Maß der Dinge bei den mehrzeiligen Wintergersten. Als einzige Sorte erhielt sie auch in diesem Jahr wieder eine allgemeine Empfehlung für allen Anbauregionen. Wiederum bestätigte die Sorte sowohl die überdurchschnittliche Ertragsleistung und auch ihre Ertragsstabilität. Zudem ist die Sorte mit einer guten Blattgesundheit und Strohstabilität sowie der doppelten GMV-Resistenz ausgestattet.

Auch wenn sich Esprit in diesem Jahr mit Ausnahme der Lehmböden Nordwest mit leicht unterdurchschnittlichen Erträgen präsentierte, blieb die Sorte jedoch in der mehrjährigen Betrachtung noch konstant und ist aufgrund ihrer Strohstabilität und guten Qualitäten nach wie vor in der Praxis bedeutend. Daher bekommt sie die allgemeine Empfehlung für die Sandböden Nordwest und die Lehmböden Nordwest. Für die Höhenlagen Mitte/West erhält die Sorte trotz schwächerer Erträge dank der positiven Sorteneigenschaften eine eingeschränkte Empfehlung.

Im zweiten LSV-Jahr wiederholte KWS Chilis die überdurchschnittlichen Ertragsleistungen in nahezu allen Anbauregionen. Allerdings weist die Sorte mit ihrer hohen Anfälligkeit gegen Zwergrost eine Lücke im Resistenzprofil auf und kann auch in den Stroheigenschaften nicht komplett überzeugen. Aufgrund der guten Erträge sowie der umfassenden Virusresistenz (2x GMV und Ryd2) und der guten Leistung bei Ramularia wird die Sorte dennoch für die Anbauregionen Sandböden Nordhannover sowie Höhenlagen Mitte/West allgemein empfohlen. Für die übrigen Anbauregionen erhält KWS Chilis wegen der beschriebenen Schwächen eine eingeschränkte Anbauempfehlung.

KWS Exquis präsentierte sich in diesem Jahr auf den Sandböden Nordwest und Nordhannover mit leicht überdurchschnittlichen bzw. durchschnittlichen Erträgen und konnte in diesen Anbauregionen damit ihre konstante Leistung in der mehrjährigen Betrachtung bestätigen. Zusammen mit der kombinierten Resistenz gegen Gelbmosaik- und Gerstengelbverzwergungsvirus sowie einer guten Blattgesundheit und überdurchschnittlicher Strohstabilität erhält die Sorte eine eingeschränkte Anbauempfehlung für die Sandböden.

Winnie bekommt in diesem Jahr aufgrund ihrer guten Ertragsleistung und -stabilität eine eingeschränkte Empfehlung für die Lehmböden Südhannover. Neben der Blattgesundheit zeichnet sich diese Sorte durch stabile Hektolitergewichte aus. Die überdurchschnittliche Pflanzenlänge zusammen mit der Neigung zum Halm- und Ährenknicken geht zulasten der Strohstabilität.

Die Neuzulassung Agathe startet mit überdurchschnittlichen Erträgen in fast allen Anbauregionen. Lediglich auf den Sandböden Nordwest erzielte die Sorte durchschnittliche Erträge. Gerade bei der Betrachtung der neuen Kandidaten lohnt sich ein Blick auf die mehrjährig verrechneten Erträge. Im Fall der Agathe zeigt sich, dass die Sorte durchaus über ein überdurchschnittliches Ertragspotenzial verfügt. Daneben zeichnet sich die kurze Sorte durch eine sehr gute Standfestigkeit und gute Einstufungen im Halm- und Ährenknicken aus. Getrübt wird das Bild allerdings durch die Anfälligkeit gegen Ramularia, Zwergrost und Rhynchsporium. Aus diesem Grund kann diese ansonsten sehr ansprechende neue Sorte in allen Anbauregionen nur eingeschränkt für den Probeanbau empfohlen werden.

Als weitere Sorte im ersten Prüfjahr erhält KWS Celtis eine Empfehlung zum Probeanbau auf den Marschstandorten. Zwar war die Ertragsleistung in diesem Jahr leicht unterdurchschnittlich, in der mehrjährigen Verrechnung der Erträge konnte sich die Sorte dennoch leicht überdurchschnittlich präsentieren. Zusammen mit den guten Stroheigenschaften, einem durchschnittlichen Resistenzprofil und sehr guten Qualitätseigenschaften kann die Sorte aber auch für alle anderen Anbauregionen interessant sein.

Empfohlene Hybrid-Sorten

Damit der Anbau von Hybriden ökonomisch Sinn ergibt, muss im Anbetracht der derzeitigen Marktlage im Schnitt ein Mehrertrag von 2-3 dt/ha erzielt werden, um die Mehrkosten für das Hybridsaatgut auszugleichen. Aus diesem Grund müssen für eine Anbauentscheidung die Hybriden auch immer mit den ertragsstärksten Liniensorten verglichen werden und können somit nur eingeschränkt empfohlen werden. Allerdings liegt der Vorteil der Hybriden neben dem flexiblerem Aussaatzeitpunkt vor allem in ihrer zügigen Jugendentwicklung und gerade bei den neueren Sorten zusätzlich in einer geringeren Seitentriebreduktion. Zusammen sorgt dies bereits früh für dichte Bestände und eine gute Bodenbedeckung.

Die langjährig geprüfte Sorte SY Loona präsentierte sich auch in diesem Jahr wieder auf einem überwiegend überdurchschnittlichen Ertragsniveau. Lediglich auf den Lehmstandorten konnte sie ertraglich nicht überzeugen. Während auch die mehrjährige Betrachtung das Bild für die Lehmböden Südhannover nicht verbessert, zeigte sich für die Lehmböden Nordwest durchaus noch ein leicht überdurchschnittlicher Ertrag. In Kombination mit der guten Blattgesundheit und hohen Hektolitergewichten bekommt die Sorte für alle Anbauregionen mit Ausnahme der Lehmböden Südhannover eine eingeschränkte Anbauempfehlung.

Die ebenfalls bereits seit mehreren Jahren geprüfte SY Dakoota wurde außer auf den Lehmböden Südhannover in allen Anbauregionen bewertet und zeigte überall eine überdurchschnittliche Ertragsleistung. Darüber hinaus zeichnet sich die Sorte durch eine gute Blattgesundheit und Strohstabiltät aus. Daher bekommt sie eine eingeschränkte Anbauempfehlung für alle Anbauregionen, in denen sie geprüft wurde.

Erstmals wurde zudem die Sorte SY Colyseoo in allen Anbauregionen geprüft. Vor allem auf den Marsch- sowie den Sandstandorten konnte sie mit überdurchschnittlichen Erträgen punkten, wie auch die mehrjährig verrechneten Erträge bestätigen. Allerdings offenbarte dieses erste Versuchsjahr auch die Schwäche der Sorte in der Standfestigkeit, was sich in unterdurchschnittlichen Erträgen auf Standorten mit Lager niederschlug. Somit wird SY Coyseoo für die Marsch sowie die Sandböden Nordwest und Nordhannover eingeschränkt für den Probeanbau empfohlen.

Empfohlene zweizeilige Sorten

Die langjährig geprüfte zweizeilige Sorte SU Laubella wurde in diesem Jahr nur noch auf den Sandstandorten geprüft, wo die zweizeiligen Wintergersten eine größere Praxisbedeutung haben als auf den Lehmstandorten. Auch wenn das diesjährige Ertragsergebnis in der Anbauregion Sandböden Nordwest deutlich unterdurchschnittlich ausfiel, muss im Falle dieser Sorte berücksichtigt werden, dass hier nur ein Standort zur Verfügung stand und die mehrjährig verrechneten Erträge noch im leicht überdurchschnittlichen Bereich liegen. Auf den Sandböden Nordhannover bestätigte die Sorte ihre Ertragsstabilität. Diese konstante Leistung zusammen mit guten Hektolitergewichten und Stroheigenschaften und einem sehr runden Resistenzprofil bringt SU Laubella eine allgemeine Anbauempfehlung für die Anbauregionen Sandböden Nordwest und Sandböden Nordhannover ein.

Die erstmal geprüfte Sorte LG Cascade wurde in allen Anbauregionen geprüft. Allerdings konnte die Sorte vor allem auf den Sandstandorten ertraglich nicht überzeugen. Auch in der Marsch und in den Höhenlagen blieb die Sorte im Hinblick auf den Ertrag unterdurchschnittlich. Dieser aktuelle Eindruck bestätigt sich beim Blick auf die mehrjährig verrechneten Erträge. Überdurchschnittliche Erträge erzielte die Sorte nur auf den Lehmböden Südhannover. Auf den Lehmstandorten Nordwest lieferte die Sorte dagegen ein differenziertes Bild. Auf Standorten ohne Lager präsentierte sie sich mit guten Erträgen. Allerdings ist die Standfestigkeit eindeutig die Achillesferse dieser Sorte. Dennoch bekommt die Sorte eine eingeschränkte Empfehlung für den Probeanbau auf den Lehmstandorten Nordwest sowie den Lehmböden Südhannover.

Weitere geprüfte Sorten

Die mehrjährig geprüften mehrzeiligen Sorten Integral und SU Hetti konnten in Summe nicht überzeugen. Integral wurde in diesem Jahr in den Anbauregionen Marsch, Lehmböden Nordwest und Höhenlagen Mitte/West in den Landessortenversuchen geprüft und erreichte nur auf den Marschstandorten einen durchschnittlichen Kornertrag. Mehrjährig betrachtet blieb die Sorte insgesamt unterdurchschnittlich. Durch die kombinierte Resistenz gegen Gelbmosaik- und Gerstengelbverzwergungsvirus kann diese Sorte besonders auf virusgefährdeten Standorten interessant sein.

SU Hetti wurde in diesem Jahr nur noch auf den Sandböden Nordhannover und in den Höhenlagen Mitte/West geprüft und blieb ertraglich nur knapp unter dem Durchschnitt, erreichte aber im Vergleich zu den anderen geprüften Sorten eher schwache Hektolitergewichte. Aufgrund der doppelten Gelbmosaikvirusresistenz ist diese Sorte dennoch für Standorte mit Befallsdruck durch bodenbürtige Viren eine Überlegung wert.

Die erstmalig geprüften Sorten Charmant (nur auf den Lehmböden Nordwest) und SU Lenoria (alle Anbauregionen) blieben in diesem Jahr ertraglich wie auch bei den Hektolitergewichten deutlich hinter dem Durchschnitt zurück. Auch wenn beide Sorten ebenfalls mit der doppelten GMV-Resistenz ausgestattet sind, konnte dies die schwächeren Leistungen nicht wettmachen.

Die im zweiten LSV-Jahr geprüfte zweizeilige Wintergerste Annemiek blieb auf den meisten Standorten ertraglich unterdurchschnittlich und erreichte nur auf den Lehmböden Südhannover durchschnittliche Erträge. Allerdings kann die Sorte dennoch aufgrund ihrer recht guten Blattgesundheit und Strohstabilität beispielsweise für viehhaltende Betriebe mit einem extensiveren Ackerbau durchaus infrage kommen.

Hektolitergewichte als maßgebliches Qualitätskriterium

Während aus der Praxis teilweise, gerade bei früh abgereiften Wintergerstenbeständen, von niedrigen Hektolitergewichten berichtet wurde, konnten in den Landessortenversuchen mit Ausnahme der Höhenlagen Mitte/West gute Werte erzielt werden. Vor allem die Sandstandorte profitierten mit durchschnittlich 68,5 kg/100 l (Sandböden Nordwest) bzw. 66,5 kg/100 l (Sandböden Nordhannover) von etwas geringeren Bestandesdichten, einer geringeren Kornzahl je Ähre sowie einer ausreichenden Wasserversorgung während der Kornfüllung. Dadurch wurden im Schnitt zwar weniger, dafür aber gut gefüllte Körner ausgebildet. Auf den Sandböden Nordhannover erzielten die zweizeiligen Sorten erwartungsgemäß die höchsten Hektolitergewichte.

 

Fazit

Die Ergebnisse der Landessortenversuche 2026 bestätigen die Wintergerste als leistungsfähige Kultur mit hoher Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standortbedingungen. Während auf den Sandstandorten vielfach überdurchschnittliche Erträge erzielt wurden, blieben die Ergebnisse auf den Lehm- und Marschstandorten teilweise hinter den Erwartungen zurück. Damit spiegeln die Versuche die Beobachtungen aus der landwirtschaftlichen Praxis weitgehend wider.

Der insgesamt geringe Krankheitsdruck ermöglichte eine meist unbeeinflusste Beurteilung der Sorten. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede hinsichtlich Ertragsleistung, Ertragsstabilität, Standfestigkeit, Blattgesundheit und Qualitätsmerkmalen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine Anbauempfehlung nicht allein auf dem Kornertrag beruhen kann. Vielmehr sind ein ausgewogenes Resistenzprofil, eine gute Strohstabilität sowie die Anpassung an die jeweiligen Standortbedingungen entscheidend.

Die diesjährigen Versuche unterstreichen zudem den hohen Stellenwert mehrjähriger Auswertungen. Erst die Verrechnung von Ergebnissen über mehrere Jahre ermöglicht eine belastbare Einschätzung der Sortenleistung und gleicht witterungsbedingte Jahreseffekte aus. Dies gilt insbesondere für neu geprüfte Sorten, deren Potenzial erst durch die Einbeziehung zusätzlicher Prüfungsdaten sicher bewertet werden kann.

Insgesamt zeigen die Landessortenversuche, dass eine standortangepasste Sortenwahl weiterhin die wichtigste Voraussetzung ist, um Ertragssicherheit und Qualitätspotenzial der Wintergerste unter den jeweiligen Anbaubedingungen bestmöglich auszuschöpfen.