Beim Raps freut man sich oft nur einmal, heißt es gerne, wenn im Frühjahr die Bestände in ihrer vollen Blütenpracht dastehen. Und das dürfte in diesem Jahr auch der eine oder andere Rapsanbauer nach der Ernte bestätigen. Die Gründe für die teilweise deutlich unterdurchschnittlichen Erträge sind vielfältig und auch regional unterschiedlich.

Zuerst aber ein Blick auf die Zahlen: Laut INVEKOS-Daten wurde in Niedersachsen im Jahr 2026 auf 106.559 ha Winterraps angebaut. Damit ist die Anbaufläche im Vergleich zum Vorjahr um 11 % ausgeweitet worden und liegt nur knapp unter der Anbaufläche im Jahr 2023 (rund 108.000 ha) als infolge sehr guter Erträge und Preise der Raps wieder an Attraktivität gewann. Auch in diesem Jahr waren die Vermarktungsaussichten für Raps gut. Der Preis in der Ernte liegt netto bei 494 €/t. Durch gute Ölgehalte konnte die Marktleistung insgesamt noch gesteigert werden. Die positive Preisentwicklung wurde sowohl von der Knappheit auf den weltweiten Pflanzenöl-Märkten als auch von der geringeren Ertragserwartung in Teilen Osteuropas sowie in den USA und Kanada getragen. Auch für die kommende Aussaat geht die UFOP von guten Marktaussichten für Winterraps aus. Damit dürfte die ökonomische Vorzüglichkeit des Rapses gegenüber dem Weizen weiterhin gegeben sein.
Anbau von Winterraps in der Praxis
Dieser positiven Marktsituation stehen die Fragezeichen gegenüber, welche die diesjährige Ernte hinterlassen hat. Die Aussaat im Herbst 2025 erfolgte an vielen Standorten unter zum Teil sehr trockenen Bedingungen, was zu verzögerten Feldaufgängen und einer langsameren Jungendentwicklung führte. Hinzu kam im Herbst regional ein starker Befall mit dem Rapserdfloh. Dank der vielerorts vorhandenen Schneedecke gab es nur sehr vereinzelt Auswinterung, sodass die Bestände im Frühjahr bei verhältnismäßig warmen Temperaturen im März wieder gut ins Wachstum kamen und auch die Blüte ab Mitte April bereits gut eine Woche früher begann als die langjährige phänologische Beobachtung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vermuten ließ. Einem kühlen und trockenen April folgten Niederschläge Anfang Mai, die für die Bestände in der Regel noch rechtzeitig genug kamen, um größere Trockenschäden zu verhindern.
Eine Auswertung der ISIP-Wetterdaten (Informationssystem integrierte Pflanzenproduktion) über Niedersachsen zeigt große Temperaturschwankungen mit örtlichen Frostgraden während der Rapsblüte. Dadurch wurde die Schotenanlage mit unter erheblich beeinträchtigt und das Schotenpaket blieb entsprechend klein. Darin dürfte schon ein Grund für die teilweise erheblichen Ertragsverluste liegen. Zudem kam es auch regional zu einem bedeutenden Auftreten von Schotenschädlingen mit unterschiedlich stark ausgeprägten Auswirkungen. Insgesamt dürfte der Schädlingsdruck dafür gesorgt haben, dass auch bis dahin gut entwickelte Bestände anfälliger für abiotische Stresssituationen wurden.
Die Wasserversorgung in der späteren Vegetation konnte zwar vielerorts als gut bewertet werden, allerdings setzten sich die Temperaturschwankungen während der Blüte auch im Juni zur Schotenbildung fort. Die Ende Juni einsetzende Hitzeperiode traf dann viele Bestände in der Phase der Samenreife und sorgte dafür, dass diese zu früh beendet wurde und das Schotenpaket vorzeitig abreifte, während die Stängel oftmals sogar Ende Juli noch sehr grün waren. Dazu passen die Berichte aus der landwirtschaftlichen Praxis, dass die Rapspflanzen noch einmal neue Triebe gebildet haben, die teilweise zur Ernte schon wieder blühten. Durch die ausreichende Versorgung mit Wasser und Nährstoffen waren die Pflanzen im unteren Bereich noch vital. Allerdings waren durch die Hitze die Transportkapazitäten für Nährstoffe innerhalb der Pflanzen und damit die Versorgung der Körner bereits reduziert, sodass diese sich nicht mehr optimal entwickeln konnten.
Neben allen anderen Einflussfaktoren wird die vorzeitige Abreife der Schoten den größten Anteil an den zu verzeichnenden Ertragseinbußen gehabt haben. Dies wird dadurch untermauert, dass die Erträge vor allem auf den Lössstandorten in den südlichen Landesteilen enttäuschend ausfielen und hier auch geringere Tausendkorngewichten erreicht wurden. Ein Vergleich der Niederschläge während der Vegetation auf Basis der ISIP-Daten zeigt, dass die Frühsommertrockenheit in Südniedersachsen in diesem Jahr deutlich geringer ausfiel als im mittleren und nördlichen Niedersachsen. Dadurch waren die Bestände in der Mitte und im Norden des Landes in der Hitzeperiode der physiologischen Reife schon näher als Bestände im Süden. Darüber hinaus setzten Anfang Juli örtlich Hagelschauer den Beständen zu und sorgten teilweise für Totalausfälle.
Die Belastung durch Pilzkrankheiten war in diesem Jahr gering bis moderat. Die Befürchtung eines erhöhten Krankheitsdrucks im Hinblick auf Sclerotinia bestätigte sich nicht, auch wenn die Infektionsbedingungen im Frühjahr nahezu flächendeckend gegeben waren. Die entsprechend ergriffenen Pflanzenschutzmaßnahmen haben aber die gewünschte Wirkung erzielt. Auch weitere Stängelkrankheiten traten, wenn überhaupt, nur in geringem Umfang auf.
Bewertung der Landessortenversuche
Die Landessortenversuche (LSV) Winterraps wurden in Niedersachsen zur Ernte 2026 wieder, wie im Vorjahr, an elf Standorten in den vier Anbauregionen Marsch, Sandböden Nordwest, Lehmböden Nordwest und Höhenlagen Mitte/West durchgeführt. In die Auswertung gingen zehn Standorte ein, da der Versuch in Wehnen (LK WST) nicht auswertbar war. Die übrigen Versuche entwickelten sich über die Vegetation analog zu den angrenzenden Praxisflächen und bilden somit die Anbausituation in den jeweiligen Regionen gut ab.
Die Aussaat der Landessortenversuche erfolgte zwischen dem 22. August und dem 2. September 2025 zum normalen Aussaatzeitpunkt unter insgesamt noch guten Bedingungen. Allerdings war auch in den Landessortenversuche die Trockenheit im Herbst an einigen Standorten für einen etwas verzögerten Feldaufgang verantwortlich. Auf nördlicheren Standorten sorgte dann teilweise auch noch stärkere Niederschläge nach der Saat für Verschlämmungen und verzögerten die Entwicklung der Bestände zusätzlich etwas. Auf einigen Standorten trat im Herbst zusätzlich ein verstärkter Befall mit dem Rapserdfloh auf, dem mit entsprechenden Insektizidmaßnahmen begegnet werden konnte.
Bis zum Winter waren alle Bestände zufriedenstellend entwickelt, sodass auch über Winter keine Ausfälle zu verzeichnen waren. Der Blühbeginn wurde an den einzelnen Standorten zwischen dem 9. und 23. April beobachtet. Krankheiten traten an den Versuchsstandorten wie auch in der Praxis nur vereinzelt auf. Von den lokalen Unwettern blieben die Versuche verschont. Geerntet wurde unter guten Bedingungen zwischen dem 20. Juli und dem 5. August 2026.
Die Erträge bewegen sich in den einzelnen Anbauregionen im Mittel der Bezugssorten zwischen 39,3 dt/ha auf den Sandböden Nordwest und 46,4 dt/ha in der Marsch. Allerdings schwankt das Ertragsniveau deutlich zwischen den Einzelstandorten. Dies zeigt sich besonders auf den Lehmstandorten: Am nordwestlichsten niedersächsischen Standort Borwede (LK DH) lag der Ertrag bei 49,6 dt/im Mittel der Bezugssorten, während in Königslutter (LK HE) lediglich 29,5 dt/ha erzielt wurden. Der mittlere Ölgehalt über alle Standorte liegt in diesem Jahr bei 42,3 % und damit knapp 2 Prozentpunkte unter dem durchschnittlichen Ölgehalt des Vorjahres. Die Spanne zwischen den Sorten liegt bei 2,6 Prozentpunkten.
Sortenbeurteilung
Neben dem Netzwerk der Versuchsstandorte in Niedersachsen, das alle Anbauregionen abdeckt, werden zusätzlich benachbarte Standorte der angrenzenden Bundesländer Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Hessen für eine bessere Aussagekraft der Ergebnisse herangezogen. Dadurch ist es möglich, die geprüften Sorten differenziert mit einem größeren Stichprobenumfang für die einzelnen Anbauregionen zu betrachten. Grundsätzlich wird der durchschnittliche Ertrag einer Sorte in einer Region beurteilt, da die Einzelortergebnisse oftmals größeren Schwankungen unterliegen (Tab. 1). Um Jahreseffekte im Ertrag auszugleichen und ein möglichst verlässliches Bild der Leistung zu bekommen, werden jeweils die vergangenen drei Jahre betrachtet. Da dies aber für neuere Sorten noch nicht ohne weiteres möglich ist, werden zusätzlich auch Ergebnisse der Wertprüfungen des Bundessortenamts sowie aus EU-Sortenversuchen über mehrere Jahre verrechnet, so dass auch Sorten im ersten und zweiten Prüfjahr bereits verlässlich beurteilt werden können.
Für den Landwirt ist beim Raps neben dem Kornertrag vor allem die Marktleistung das entscheidende Kriterium bei der Sortenwahl. Die in Tab. 2 dargestellte relative Marktleistung berechnet sich aus den Erträgen und den Ölgehalten inklusive der Preisaufschläge von 1,5 % je Prozent Ölgehalt über 40 % bei 9 % Feuchte und 2 % Besatz, bezogen auf die durchschnittliche Marktleistung des Versuchsstandards. Für die umfassende Sortenbeurteilung sind sowohl die Kornertragsleistungen (Tab. 1) als auch die Ölgehalte dargestellt. Bei der Beurteilung der Sorten wird in erster Linie auf die mehrjährig verrechnete Marktleistung Bezug genommen.
Darüber hinaus sollten aber auch die Anbau- und Resistenzeigenschaften der einzelnen Sorten berücksichtigt werden. Hier sind besonders die Standfestigkeit und das Abreifeverhalten bzw. die Reifeverzögerung des Strohs zu nennen. Weiterhin lohnt sich immer ein Blick auf die Resistenzgene der einzelnen Sorten gegen Phoma (Rlm) und das Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV). Viele der geprüften Sorten verfügen über Resistenzgene aus diesem Bereich. Hinweise auf die Toleranz der Sorten gegen Phoma gibt zudem auch eine bundesweite Auswertung, deren Ergebnisse dieses Jahres leider noch nicht vorliegen. Daher wurden in Tab. 3 die Daten der Auswertung 2025 herangezogen.
In diesem Jahr wurden insgesamt 22 Sorten im LSV in Niedersachsen geprüft. Neun Sorten sind seit mindestens drei Jahren in der Auswertung vertreten, sechs Sorten absolvierten ihr zweites Prüfjahr im LSV und weitere sieben Sorten wurden erstmals geprüft. Unter den letztgenannten sind mit Karat und Blackberry zwei Sorten vertreten, die aufgrund ihrer überzeugenden Leistungen aus der dreijährigen Wertprüfung des Bundessortenamts direkt in den LSV aufgestiegen sind. Die Sorten PT 322, KWS Skoros und LG Avenger wurden nach guten Leistungen im Bundessortenversuch zur weiteren Prüfung in den LSV aufgenommen. Die Sorten KWS Merinos und LID Invicto (diese Sorte stand nur auf den Marschstandorten) konnten als im EU-Ausland zugelassene Sorten überzeugen und wurden daher in diesem Jahr erstmals im LSV geprüft. Wie auch in den vergangenen Jahren sind mit LG Baracuda und Cromat zwei Sorten mit Kohlhernie-Resistenz im LSV vertreten.
Empfohlene Sorten
KWS Vamos bestätigt auch in im dritten LSV-Jahr ihre außerordentliche Leistungsfähigkeit bei einer ausgesprochenen Stabilität. Über alle Standortgruppen hinweg präsentierte sich die Sorte mit überdurchschnittlichen Kornerträgen und guten Ölgehalten. Damit ist die Sorte sowohl in der ein- wie auch in der mehrjährigen Marktleistung die herausragende Sorte und erhält als einzige mindestens dreijährig geprüfte Sorte die Anbauempfehlung für alle Anbauregionen. Durch ihren etwas längeren Habitus kann die Sorte unter schwierigen Witterungsverhältnissen allerdings langeranfälliger sein.
Ebenfalls überdurchschnittlich präsentiert sich die Sorte Ceos in ihrem zweiten Prüfjahr. Neben einer sehr guten Leistung im Hinblick auf den Kornertrag kann diese Sorte auch mit guten Ölgehalten überzeugen. Somit behauptet sich Ceos im Bezug auf die relative Marktleistung und erhält gleichfalls die Empfehlung für allen Anbauregionen. Auch diese Sorte ist etwas länger im Wuchs und in der Standfestigkeit ähnlich zu beurteilen wie KWS Vamos.
Die Sorte Blackberry zeigte im ersten Jahr im LSV, dass der direkte Aufstieg aus der Wertprüfung gerechtfertigt war. In allen Anbauregionen erzielte die Sorte eine überdurchschnittliche Marktleistung. Dieses einjährige Ergebnis wird durch die mehrjährig berechnete Leistung der Sorte bestätigt. Im Ölgehalt ist die Sorte zwar etwas schwächer eingestuft als die beiden vorherigen Sorten, macht dies aber durch hohe Kornerträge wett. Daher wird Blackberry in allen Anbauregionen für den Probeanbau empfohlen. Die Sorte verfügt trotz eines ebenfalls längeren Wuchses im Vergleich zum Ceos über eine etwas bessere Standfestigkeit.
Die Sorte KWS Ektos lieferte in ihrem dritten Prüfjahr in den Anbauregionen Sandböden Nordwest und Lehmböden Nordwest wieder eine überdurchschnittliche Marktleistung, sodass die Sorte für beide Standortgruppen eine Anbauempfehlung erhält. In der Marsch ist die Sorte in der mehrjährigen Betrachtung der Marktleistung zwar etwas schwächer, aber immer noch mit Einschränkungen zum Anbau empfohlen. Lediglich in den Höhenlagen Mitte/West kann die Sorte ihr Potenzial nicht ausspielen. Im Vergleich zum KWS Vamos ist KWS Ektos etwas standfester bei einem geringfügig schwächeren Ölgehalt.
Einen ähnlichen Eindruck vermittelt die EU-Sorte KWS Wikos im zweiten Jahr in der Prüfung. Bei überdurchschnittlichen Kornerträgen konnte die Sorte sowohl in der Marsch als auch auf den Lehmböden Nordwest eine ebenfalls überdurchschnittliche Marktleistung erzielen und wird für beide Anbauregionen zum Anbau empfohlen. Auf den Sandböden Nordwest ist die Sorte mehrjährig betrachtet geringfügig schwächer, kann aber auch dort empfohlen werden. Verglichen mit den anderen Sorten aus dem Hause KWS ist die Sorte etwas kürzer im Wuchs, was der Standfestigkeit zugute kommt. Darüber hinaus ist die Sorte mit dem Rlm7-Resistenzgen gegen Phoma ausgestattet.
Die Sorte Firenzze erreichte auf den Lehmböden Nordwest sowie in den Höhenlagen Mitte/West eine leicht überdurchschnittliche Marktleistung und wird dort eingeschränkt für den Anbau empfohlen. Auf den Marschstandorten konnte die Sorte in diesem Jahr jedoch wieder überzeugen und wird dort für den Anbau empfohlen. Bei einem etwas geringeren Ölgehalt im Vergleich zu Ceos punktet die Sorte mit einer gleichmäßigeren Strohabreife und verbesserten Standfestigkeit.
KWS Skoros wurde in diesem Jahr erstmals im LSV geprüft und erzielte in allen Anbauregionen überdurchschnittliche Kornerträge, die sich auch in überdurchschnittlichen Marktleistungen widerspiegeln. In der mehrjährigen Betrachtung der Marktleistung konnte die Sorte allerdings auf den Sandböden Nordwest nicht voll überzeugen, sodass eine Empfehlung zum Probenanbau für die Standortgruppen Marsch, Lehmböden Nordwest und Höhenlagen Mitte/West ausgesprochen wird. Die etwas später blühende Sorte ist ansonsten in ihren Anbaueigenschaften dem KWS Vamos sehr ähnlich. Im Ölgehalt ist sie etwas schwächer eingestuft.
LG Aberdeen ist eine Sorte im zweiten LSV-Jahr, die sich durch einen guten Ölgehalt auszeichnet. Dieser trägt wesentlich dazu bei, dass die Sorte mehrjährig betrachtet eine leicht überdurchschnittliche Marktleistung in der Anbauregion Marsch erzielt und dort eingeschränkt empfohlen wird. Für die anderen Standortgruppen konnte die Sorte allerdings aufgrund der unterdurchschnittlichen Leistung nicht ganz überzeugen. Die Sorte verfügt über eine gute Standfestigkeit und ist sowohl mit der TuYV- wie auch der Rlm7-Resistenz ausgestattet.
Die ölstarke Sorte PT 322 wurde in diesem Jahr erstmals im LSV geprüft und erreichte den sowohl einjährig wie auch in der mehrjährigen Verrechnung den höchsten Ölgehalt. Sie bleibt zwar ertraglich deutlich unterdurchschnittlich, kann aber in der Marktleistung zumindest in der Marsch überzeugen und erhält dort eine Empfehlung zum Probeanbau. Mit der RlmS-Resistenz versehen wird die früh blühende Sorte mit einer guten Standfestigkeit beschrieben.
Die Sorte Karat ist im ersten LSV-Jahr zwar insgesamt hinter den Erwartungen, die sich aus dem guten Wertprüfungsergebnis speisten, zurückgeblieben, erhält aber dennoch für die Sandstandorte Nordwest eine Empfehlung zum Probeanbau. Aufgrund der Kombination von guter Standfestigkeit und einem überdurchschnittlichen Ölgehalt mit einer umfassenden Resistenzausstattung kann die Sorte allerdings auch in den anderen Anbauregionen interessant sein.
LID Invicto wurde in diesem Jahr erstmalig auf den Marschstandorten geprüft und konnte hier auch mit einer leicht überdurchschnittlichen Marktleistung überzeugen, sodass die Sorte für diese Anbauregion zum Probeanbau empfohlen wird. Die recht langstrohige Sorte blüht etwas später, reift aber gleichmäßig ab und präsentiert sich bisher auch nicht übermäßig langeranfällig. Die Sorte verfügt nach Züchterangaben über die TuYV- und die Rlm7-Resistenz.
LG Avenger ist eine Sorte, die ihr Potenzial vor allem unter ungünstigeren Anbaubedingungen ausspielen kann. Daher erhält die Sorte nach ihrem ersten LSV-Jahr eine eingeschränkte Empfehlung zum Probeanbau in den Höhenlagen Mitte/West. Bei einem leicht schwächeren Ölgehalt kann die Sorte jedoch durch ihren stabilen Kornertrag auf schwächeren Standorten punkten. Die etwas später blühenden Sorte ist als standfest beschrieben und verfügt über die TuYV- sowie die Rlm7-Resistenz.
Die etablierten Sorten Daktari, Picard, Vespa, Humboldt und Cheeta reichen sowohl im Ertrag als auch in der Marktleistung nicht an das Niveau neuerer Sorten heran. Aufgrund ihrer langjährigen Präsenz im Anbau sind ihre sortenspezifischen Eigenschaften und Anforderungen den Betrieben jedoch vielfach gut bekannt. Die damit verbundenen Erfahrungen in der Bestandesführung können dazu beitragen, ihr Leistungspotenzial sicher auszuschöpfen. Vor diesem Hintergrund kommen diese Sorten auch für die kommende Aussaat weiterhin in Betracht, werden aber aufgrund ihrer Leistungen im Vergleich zu den anderen Sorten nicht mehr explizit empfohlen.
Kohlhernie-resistente Sorte
Nachdem in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Kohlhernie im Raps regional bereits seit längerem ein großes Thema ist, wird mittlerweile auch in Niedersachsen immer wieder über Befallssituationen berichtet. Eine Ausdehnung des Rapsanbaus und kürzere Anbaupausen könnten das Problem weiter verstärken. Befallene Pflanzen zeigen Welkeerscheinungen, einen verminderten Wuchs bis hin zu Totalausfällen. Das Ausmaß der Symptome ist auch von den Witterungsbedingungen des jeweiligen Jahres abhängig. Der Erreger kann sehr lange im Boden überdauern und ist nur schwer zu bekämpfen. Daher muss einer Verschleppung auf andere Flächen zwingend vorgebeugt werden.
In diesem Jahr wurden LG Baracuda und Cromat im dritten Jahr geprüft. Auch dieses Mal blieben beide Sorten ertraglich deutlich hinter den übrigen Sorten im LSV zurück und konnten die vom Bundessortenamt ausgewiesenen Ertragseinstufungen in Niedersachsen wieder nicht bestätigen. Die Überlegenheit gegenüber den Sorten ohne Resistenz zeigt sich allerdings auch erst unter Befallsbedingungen. Daher sollte auf Flächen mit Kohlhernie-Gefahr eine entsprechend resistente Sorte gewählt werden. Hier stehen neben den vorgenannten Sorten nach wie vor auch LG Alledor, Crossfit bzw. die ältere Sorte Crocodile zur Verfügung. Aber auch neuere Sorten wie Crios, Crusoe und Cronic sind verfügbar.
Zusammenfassung
Die Landessortenversuche 2026 lieferten trotz der teilweise schwierigen Witterungsbedingungen eine gute Grundlage für die Bewertung der geprüften Sorten. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich die Leistungsfähigkeit der Sorten je nach Standortgruppe unterschiedlich ausprägt und eine mehrjährige Betrachtung für eine verlässliche Einschätzung unverzichtbar ist.
Mehrere Sorten konnten ihre guten Leistungen aus den Vorjahren bestätigen und zeichneten sich durch hohe Marktleistungen sowie eine breite Anpassungsfähigkeit aus. Gleichzeitig zeigten einige neu in die Prüfung aufgenommene Sorten vielversprechende Ergebnisse und erweitern das verfügbare Sortenspektrum. Die diesjährigen Versuchsergebnisse verdeutlichen damit, dass neben dem Kornertrag insbesondere die Kombination aus Marktleistung, Ertragsstabilität und günstigen Anbaueigenschaften für die Sortenwahl entscheidend ist. Insgesamt bestätigen die Versuche, dass durchaus ein züchterischer Fortschritt im Winterraps vorhanden ist. Durch die große Zahl leistungsfähiger Sorten steht den Betrieben für die unterschiedlichen Anbauregionen Niedersachsens ein breites Angebot zur Verfügung, sodass die Sortenwahl gezielt an die jeweiligen Standortbedingungen und betrieblichen Anforderungen angepasst werden kann.
Die Ergebnisse der diesjährigen Versuche machen deutlich, dass der Winterraps trotz der Herausforderungen des Anbaujahres nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Leistungsfähige Sorten, züchterischer Fortschritt und weiterhin günstige Marktbedingungen sprechen dafür, dass der Raps auch künftig ein fester und wirtschaftlich interessanter Bestandteil der Fruchtfolgegestaltung bleiben wird.




